Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Nach der Überforderung gegen Chelsea, als Schalke 5:0 unterging, wurde der Schuldige ausgemacht. Der Trainer, so Christian Fuchs, hat das falsche System spielen lassen: »Der Trainer hat seine Vorstellungen. Das hat nicht funktioniert. Daraus kann man nur lernen.« Man? Gegen Mainz kehrte »man« wieder zum 3-5-2-System zurück und prompt schlug man Mainz mit 4:1 und bescheinigte sich anschließend »Charakter«, der im Fußball ein sehr ominöses Ding ist, denn gegen Chelsea schien der »Charakter« verloren gegangen zu sein. Wie überhaupt der »Charakter« einmal da ist und dann wieder weg. Und niemand weiß, wohin. Vielleicht lag es auch an Clemens Tönnies, dass der »Charakter« wieder zurückkehrte, denn es wurde berichtet, er sei vor dem Spiel in der Kabine aufgetaucht und habe alle Spieler »abgeklatscht«. Und nach dem Spiel sagte Tönnies: »Ich habe wieder alle abgeklatscht.« Mainz fand dagegen kein Mittel. In Leverkusen im Derby gegen Köln machte trotz des 5:1 nur der Schiedsrichter von sich reden. Kinhöfer scheint sich an der Leistung seines Kollegen Stark im letzten Spiel der Dortmunder ein Beispiel genommen zu haben. Offenbar wollte er lieber selbst das Spiel entscheiden als das den Spielern zu überlassen. Leverkusens Torhüter Leno holte, nachdem er elf Minuten vorher schon einen Elfer verursacht hatte und dafür gelb gesehen hatte, in der 15. Minute Kölns Stürmer Ujah so von den Beinen, dass der eine sehenswerte Flugbahn beschrieb und eine Landung hinlegte, bei der sich andere alles mögliche gebrochen hätten. Kinhöfer schien das für völlig normal zu halten und gab weder Elfer noch gelb/rot. Eine spielentscheidende Situation, denn ob die Leverkusener nach einem 2:0 und zu zehnt zurückgekommen wären, ist eher zweifelhaft. Stuttgart ist auf die grandiose Idee verfallen, den Last-Minute-Retter der letzten Saison Huub Stevens wieder zu verpflichten, und prompt punktete der VfB in Freiburg mit 4:1. Huub Stevens gab die Mannschaftsaufstellung erst in allerletzter Sekunde bekannt, weil: »In der heutigen Zeit mit Twitter und Handy kommt sonst oft etwas raus.« Stevens wurde danach als Taktikfuchs gefeiert. Stürmer Harnik drückte das so aus: »Wir wussten nicht wirklich, wie wir spielen.« Und manchmal scheint das offenbar zu funktionieren, was einiges über den hohen Prozentanteil des Zufalls am Fußball aussagt. Hoffenheim gegen Hannover ging 4:3 aus und dennoch gab es zwei Verlierer. Die Hoffenheimer sagten nach dem Spiel: »Es kann nicht sein, dass wir vier Tore schießen müssen, um mit einem Tor Unterschied zu gewinnen.« Und die Hannoveraner sagten: »Wenn man auswärts drei Tore schießt, sollte man nicht verlieren.« Bremen spielte Paderborn, die zuletzt gegen den BVB sensationell einen 2:0-Rückstand egalisierten und das als größten Erfolg in der Vereinsgeschichte bezeichneten, mit 4:0 gegen die Wand, und das mit gleich drei neuen Spielern. Skripnik, der neue Trainer Bremens, testete nach der 2:0-Niederlage gegen Hamburg einen merkwürdig neuen Ansatz. Er sagte: »So wissen wir, ob die jungen Spieler schwimmen können, wenn man sie ins Wasser schmeißt.« Der HSV wiederum, der vor einer Woche noch Charakter hatte, ließ in Augsburg selbigen plötzlich vermissen, aber auch »Mentalität und Persönlichkeit«. »Diese Eigenschaften«, sagte Hamburgs Mittelfeldspieler Behrami, »kann man nicht kaufen – die hat man oder nicht.«