Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Diesmal war ich mir sicher, dass der Schalter umgelegt werden würde, denn es ging gegen Gladbach, die zwar einen hervorragenden Lauf haben, aber deren offensive Spielweise den Dortmundern entgegenkommt. Und auch das Spiel zu Hause gegen Galatasaray trug zu meinem Optimismus bei, denn den türkischen Meister legten die Dortmunder mit großer taktischer Disziplin völlig lahm, ließen so gut wie keine Chancen zu und wirkten in ihren Aktionen klar und zielstrebig. Ein Abend, der so völlig ohne Überraschung war, wie man es in Dortmund eigentlich kaum mehr gewöhnt ist. Immerhin gab es einen neuen Rekord, denn als Bremen gegen Stuttgart gewonnen hatte, rutschten die Dortmunder, die erst am Sonntag spielten, für 24 Stunden sogar auf Platz 18, das hieß, der BVB war die erste Mannschaft, die auf dem letzten Tabellenplatz stand, sich aber in der CL-Gruppenphase nach vier Spielen und vier Siegen bereits qualifiziert hatte. Gegen Gladbach ging dann auch alles glatt. Von Beginn an wurden die Gladbacher an die Wand gespielt. 17:0 stand es zur Pause nach Torschüssen, das Ergebnis aber hieß 0:0, weil die Dortmunder wieder einmal unglaublich fahrlässig mit ihren Chancen umgegangen waren. Es musste erst ein Gladbacher zu Hilfe kommen. Der überall als »Weltmeister« titulierte Kramer schlug aus 45 Metern einen Rückpass und lupfte den Ball sehenswert über seinen Keeper Sommer, der weit vor seinem Tor steht. Auch wenn das jetzt schon zu einem der kuriosesten Eigentore der Bundesligageschichte geworden ist, fiel das Tor doch deshalb, weil Dortmund die Gladbacher ständig unter Druck setzte und sie so zu Fehlern zwang. Aber auch danach wurde die Chancenverwertung der Dortmunder nicht besser. Und niemand hätte es gewundert, wenn die Dortmunder trotz drückender Überlegenheit noch irgendein krummes Ding bekommen hätten. Gegen Gladbach hat man in dieser Hinsicht Erfahrung, denn vor zwei Jahren ging schon mal so ein Spiel gegen Gladbach verloren und niemand konnte es anschließend glauben. Jetzt ist vielleicht endlich der Bann gebrochen, vielleicht auch deshalb, weil Klopp zum ersten Mal in der Saison die gleiche Elf aufstellen konnte, die sich immer mehr einzuspielen scheint. Es könnte also so weitergehen. Die Wechselgerüchte um Reus halten inzwischen an. Auch wenn Watzke dementiert und Dortmund ein neues Angebot unterbreitet hat, wird Reus kaum zu halten sein. Und wahrscheinlich wird er zu den Bayern gehen, denn dort ist die Wahrscheinlichkeit, Titel zu holen, auf die es Reus ankommt, am größten. Und in München kommen Robben und Ribéry in die Jahre und sind nicht mehr einfach gesetzt. Die Chancen für Reus, auch spielerisch an den Titeln beteiligt zu sein und nicht nur von der Bank aus dabei zuzusehen, ist in der Tat relativ groß. Und auch Gündogan wird sich bald verabschieden, der schon signalisiert hat, gehen zu wollen, woran ihn nur seine lange Verletzung gehindert hat. Hatte man bislang bei den Transfers immer Glück und konnte gute Spieler immer wieder hervorragend ersetzen, habe ich bei den neuen Verpflichtungen nicht den Eindruck, als sei das wirklich gelungen. Jetzt ist Schürrle, der bei Chelsea von Mourinho aussortiert wurde, im Gespräch, um Reus zu ersetzen, aber Schürrle zeigt sehr schwankende Leistungen, die Dortmund nicht wirklich weiterbringen würden. Dennoch, Dortmund hat Luxusprobleme im Vergleich zu Schalke, wo Di Matteo nach der grottenschlechten Leistung seiner Mannschaft und der Niederlage in Freiburg befürchtet, dass die auf Platz 11 stehenden Schalker »die ganze Saison hinterherlaufen«. Dabei hatten die Schalker Glück, nicht noch höher als 2:0 verloren zu haben. An der desolaten Leistung der Schalker soll jetzt Jens Keller schuld sein, der angeblich nicht genug auf die Fitness der Spieler geachtet haben soll. Und auch Leverkusen hängt in der Liga den Erwartungen hinterher. Kiessling schießt keine Tore mehr, und auch seine Kollegen verballern alles, was ihnen auf den Schlappen kommt. Das aufregendste Spiel fand in Hoffenheim statt gegen Köln. Eine Begegnung, die einen nicht wirklich vom Hocker reißen kann, aber zur Halbzeit stand es bereits 3:3, ein munteres Auf und Ab, das allerdings in der 2. Hälfte verflachte. Hoffenheim war spielbestimmend, aber Köln erzielte schließlich den Siegtreffer. Und Frankfurt fiel an diesem Spieltag die undankbare Aufgabe zu, gegen die Bayern antreten zu müssen, die sich gerade in einer außergewöhnlichen Form befinden und schon jetzt die Meisterschaft zu einer faden Angelegenheit machen. Der Eintracht muss man immerhin zugestehen, dass sie nicht schon vor dem Spiel auf Schadensbegrenzung aus war und alles gab. Es reichte aber gerade mal zu einem 4:0.