Pressschlag

Nur sieben Punkte. So wenig hatte der BVB noch nie nach zehn Spielen in der Bundesligageschichte. Da stellen sich dann Fragen nach Klopps Spielsystem. Ist es gescheitert? Haben sich die Mannschaften in der Liga inzwischen darauf eingestellt? Nein. Die Probleme liegen woanders. Dortmund hat, wie Klopp sagt, einfach „zu viele Baustellen“. Der BVB war trotz Erweiterung des Kaders nicht in der Lage, die verletzten Spieler adäquat zu ersetzen, denn fast alle Schlüsselspieler waren verletzt. Eine Vorbereitung auf die Saison war kaum möglich, weil viele Spieler erst spät von der WM wieder zurückkamen. Und wenn Spieler nach längerer Pause wieder eingesetzt wurden, dann war das häufig kontraproduktiv, denn wie Gündogan verschuldeten sie oft die Gegentore, so dass eine allgemeine Verunsicherung um sich griff. Ramos, Ginter und Immobile sind noch lange nicht integriert, und vor allem Immobile hat die Spielidee Klopps noch lange nicht verinnerlicht. Und schließlich muss man konzedieren, dass viele Spieler einfach nicht auf dem Niveau mithalten können, das Bayern hat. Es ist nicht die Spielidee, die gescheitert ist, wenn sich die Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen hinten reinstellen. Dortmund tut sich zwar schwer, hätte aber die Spiele nicht verlieren müssen. Vielleicht ab und zu ein Unentschieden zuviel, aber die Gegner konnten verlässlich darauf zählen, dass dem BVB hinten krasse Abwehrfehler unterliefen. Als Hummels in München zur Pause verletzt vom Platz musste schwante vielen, dass das spielentscheidend sein könnte, denn Hummels hatte 71% seiner Zweikämpfe gewonnen, antizipierte viel und kam seiner alten Form wieder ziemlich nahe. Guardiola nutzte diese Situation aus. Er brachte Ribéry für den blassen Götze und gab Anweisung, dass sich alle auf Subotic stürzen sollten, der seit seiner langen Verletzungspause immer noch in einem Formtief steckt und auch nur 33% seiner Zweikämpfe gewann. Die Taktik hatte Erfolg. Subotic musste beide Gegentreffer auf seine Kappe nehmen. Aber auch wenn das der entscheidende Kniff war, der die Bayern das Spiel gewinnen ließ, die Münchner waren auch insgesamt stärker und kombinationssicherer und spielten sich demzufolge auch die besseren Möglichkeiten heraus. Warum die Dortmunder allerdings in der 2. Halbzeit immer mehr unpräzise lange Bälle nach vorne schlugen und die Bayern einen Druck aufbauen ließen, dem sie dann nicht mehr gewachsen waren, ist etwas, das sich wahrscheinlich nur als Versagensangst erklären lässt, denn schließlich lagen die Dortmunder bis zur 72. Minute in Führung. Aber die mögliche Sensation verlieh ihnen nicht etwas den zweiten Atem, vielmehr verlegten sie sich auf das Halten des knappen Vorsprungs. Jetzt haben die Dortmunder ein echtes Problem, denn die Champions-League-Plätze sind bei einem Abstand von 13 Punkten in weite Ferne gerückt. Und auch wenn sich Reus nach seinem Führungstreffer auf das BVB-Emblem geklopft hat, wird er dann doch lieber dorthin gehen, wo die Aussichten auf einen Titel größer sind.