Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Man hatte extra einen neuen Rasen für die Dortmunder Elf verlegt und sie durften sogar ihre erfolgreichen CL-Trikots anziehen. Vergeblich. Die Dortmunder waren in allen statistischen Belangen überlegen wie z.B. 17:7 Torschüssen, Ballbesitz, Passquote, Zweikampfquote und Abseits. Nur bei den Fouls waren sie wie immer unterlegen. Am Ende stand es 1:0 für Hannover. Bei Dortmund stand nominell die stärkste Mannschaft auf dem Platz und nach Anfangsschwierigkeiten setzten sie die stark ersatzgeschwächten Hannoveraner unter extremen Druck, aber keiner der Schwarzgelben konnte eine der klaren Torchancen verwerten. Es bewahrheitete sich die alte Weisheit von Kobra Wegmann, erst hatte man kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Während die Dortmunder in den vergangenen Spielen richtig schlecht war und auch keine wirkliche Chance herausgespielt hatten, boten sich ihnen die Möglichkeiten phasenweise im Minutentakt. Aber etwas Unhaltbares war nicht dabei oder der Ball ging vorbei oder ans Aluminium. Es war wie verhext, aber man konnte den alten Schwung und die schnellen Kombinationen wieder sehen, die das Dortmunder Spiel auszeichnen. Aber dann kam die 62. Minute, wo der schon ausgepumpte und noch nicht auf der Höhe sich befindliche Gündogan zu spät in den Zweikampf kam und einen Freistoß verursachte, den Kiyotake direkt verwandelte, weil Weidenfeller sich zu sehr auf seine Torwartecke konzentrierte. Viele andere Torhüter hätten den Ball entschärft, aber selbst auf Weidenfeller ist z.Z. kein richtiger Verlass mehr, auch wenn er kurze Zeit später zwei Großchancen der 96er vereitelte. Nach diesem erneuten Rückstand spürte man förmlich die Verunsicherung der Dortmunder, plötzlich klappten die einfachsten Bälle nicht mehr, man vertraute dem Zusammenspiel nicht mehr und versuchte es auf eigene Faust, wie Ramos, der lieber danebenschoss als den besser postierten Aubameyang zu bedienen, man rannte lieber mit dem Ball über den halben Platz wie Mkhitaryan als das Risiko eines Steilpasses einzugehen. Solche Spiele können immer wieder mal passieren, weil der Zufall verrückt spielt und die Gesetze der Wahrscheinlichkeit außer Kraft setzt. Dass das Dortmund ausgerechnet in dieser Situation trifft, ist besonders bitter. Mit der vierten Saisonniederlage in Folge ist man bereits 16 Punkte hinter den Bayern und wenn man am nächsten Spieltag gegen die Bayern antreten muss, dann sind es bereits 19 Punkte, weit mehr als die 17 Punkte, die Dortmund erklärterweise nicht mehr hinter Bayern liegen wollte. Dann steht Gladbach auf dem Plan, auch eine Mannschaft, die in der augenblicklichen Form nicht so einfach zu besiegen sein wird. Sicher werden die Dortmunder aus dem Tief auch wieder herauskommen, aber ob sie es dann noch auf einen der CL-Plätze schaffen, wird mit jeder Niederlage zweifelhafter. Dortmund wird die erste Mannschaft sein, die die Champions-League gewinnt und gleichzeitig absteigt, unken bereits einige Fans, weil niemand will, dass Dortmund irgendwo im Mittelfeld landet. Aber leider wird das immer wahrscheinlicher. Jedenfalls wächst der Druck und wie es aussieht, sind die Dortmunder Spieler dem Druck nicht gewachsen. Und der Druck ist nicht gering, denn auch der Verein ist auf die Einnahmen aus der CL angewiesen, vor allem, wenn man Spieler wie Reus und Gündogan halten will, die als nächste den Verein verlassen werden.