Buchmessenreport Tag 4

Viele Verleger kommen sich auf der Messe wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ vor. Und deshalb würde es mich nicht wundern, wenn Sie folgende Kolumne so oder so ähnlich schon mal gelesen haben. Aber etwas ist anders. Die Entwicklung ist kaum wahrnehmbar, und sie ist mir selbst kaum aufgefallen, weil ich in einem Gang abseits des Trubels der Bertelmann und Randomhouse-Verlage ein stilles Dasein friste, aber die Zeiten der immer neuen Besucherrekorde sind vorbei. Niemand will mehr Helmut Kohl sehen, wie er als Vollleiche durch die Gänge geschoben wird, Politiker stellen ihre Bücher nicht mehr auf der Messe vor, jedenfalls nicht viele und wenn dann die unwichtigen und ausrangierten Politiker wie ehemalige Umweltminister, Mercedes kommt auch nicht mehr, um sein neues Modell vorzuführen und sowieso geht der Trend zum Selfpublishing. Der Autor kann sich bald seine eigene Druckmaschine in den Keller stellen und ohne Diktat und Ausbeutung der Verlage sein eigenes Produkt herstellen. Er ist dann Autor, Leser, Verleger und Hersteller in einer Person. Die Entwicklung zu Autismus und Autonomie ist nicht mehr aufzuhalten. Und im nächsten Jahr findet auch noch eine Umstrukturierung der Messe statt und alle Verleger sind fest davon überzeugt, dass sie eine Verschlechterung bedeutet. In der „Welt“ wird sogar von der „vermutlich letzten Buchmesse“ geraunt. Aber vermutlich ist der Überlebenswille zäher, als manche wahrhaben wollen. Vielleicht aber ist alles ganz anders und die Buchbranche befindet sich wieder im Aufwind, zusammengeschweißt durch die Bedrohung amazon, den Konzern, den alle doof finden. Vielleicht gehen die letzten Buchkäufer jetzt wieder verstärkt in die Buchhandlungen und kaufen brav alles, was auf den Spiegelbestsellerlistentischen ordentlich von 1 bis 20 gestapelt ist. Und vielleicht verkauft sich ja mal wieder ein Verlagstitel, der die nächsten Jahre wieder sichert. Könnte alles sein. Oder eben auch nicht. Vermutlich ist alles wie immer. Außer dass alles teurer wird, aber das ist ja auch nichts neues. Gerade hat sich ein Buchkäufer in meinem Stand eingefunden und scheint Interesse an einem Buch zu haben. Ich muss jetzt aufhören, damit er nicht wieder davonläuft. Man muss jeden einzelnen Leser dafür loben, dass er noch liest. Jedenfalls einmal im Jahr auf der Buchmesse.