Buchmessenreport 1. Tag

Warum Finnland Gastland der diesjährigen Buchmesse ist, weiß ich nicht. Vielleicht wegen der Trolle, die es dort gibt. Aber die leben in Erdspalten, lesen nicht (kein Licht) und kommen selten heraus. Und es ist kaum anzunehmen, dass die zur Buchmesse herauskommen. Vielleicht auch, weil in Finnland jeder entweder Schriftsteller ist oder Alkoholiker. In den langen Nächten kann man nämlich nichts anderes tun als trinken oder schreiben oder beides. Finnische Literatur besteht deshalb aus depressiven Krimis oder depressiven Romanen oder beides. Jedenfalls muss in jedem Buch eine Depression vorkommen, sonst gilt der Roman nicht als finnischer Roman, was als Qualitäts- und Umsatzmerkmal gilt, weil auch in Deutschland die Zahl der Depressiven steigt.
Statt die Autoren einer verschärften Kontrolle am Eingang zu unterziehen und verdächtige Subjekte mit Manuskripten abzuweisen (die Autoren schmuggeln ihre Romane mittlerweile auf Sticks auf die Messe), versucht man die Autoren zu konzentrieren und hat für sie eine „Autoren Lounge“ eingerichtet. Das ist nach Angaben der Messeleitung ein „neuer Kraft- und Denkort“ in der Halle 5.1. Dort gibt es auch ein Projekt „Frankfurt Undercover, bei dem die dänische Autorin Janne Teller zu einem Autorentreffen rund um ein hochaktuelles politisches Thema einlädt. Ziel: Ein Geschenk von Autoren an die Politik: Ein Kompendium von Ideen! Medienpartner: Sky Deutschland.“ Das sind die, die die Gebühren für Fußballübertragungen in Kneipen in die Höhe treiben, um die Betreiber in den Ruin zu treiben, weil man die privaten Haushalte zwingen will, Sky zu abbonieren.
Von Wolfgang Herrndorf ist ein unvollendeter Roman erschienen. In seinem Testament hat er verfügt, Journalisten mit einem Gewehr in die Flucht zu schlagen. Er hat nicht damit gerechnet, dass sich Journalisten von so etwas nicht einschüchtern lassen, jedenfalls nicht Franz Josef Wagner, dem bei der Lektüre „eines Toten“ einer abgeht: „Als eBook mag ich dieses Buch nicht lesen“, schreibt er. Weil da etwas anderes drinsteht? Nein. „Ich will es Seite um Seite umblättern. Ich will mitfühlen, wie er schreibt, einsam mit seinem Gehirntumor im Kopf und mit einer Pistole unter dem Kopfkissen. Auf eBooks fühle ich nichts.“
Vielleicht wäre das eine Aufgabe im neuen „Kraft- und Denkort“ der Autoren, dass am Rande einer eBook-Seite vermerkt wird, wie der Autor sich gerade fühlt, z.B. „wieder depressiv. Brauche dringend eine Pistole unter meinem Kopfkissen“. Und vielleicht sollte die Pistole mit Kopfkissen bei der Bestellung eines Kindle bei amazon gleich mitgeliefert werden, damit wenigstens der Leser die Chance hat, sich zu erschießen, wenn es schon nicht die Journalisten tun.