Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Nach dem souveränen 3:0 in der Champions-League nun wieder eine Niederlage in der Liga. Eine besonders bittere Niederlage, nämlich gegen den Tabellenletzten und bislang sieglosen HSV. Aber der HSV ist aus rätselhaften Gründen ein Angstgegner Dortmunds. Gegen keine andere Mannschaft hat Klopp so häufig verloren wie gegen den HSV. Und gegen keine andere Mannschaft ruft der HSV seine besten Leistungen ab. Das ist rätselhaft. Weniger rätselhaft ist es, wie die Niederlage zustande kam. Die Dortmunder hatten gerade mal zwei Spieltage zur Regeneration und aufgrund der vielen Verletzten hat Klopp keine Option, frische Leute auf den Platz zu stellen. Die Hamburger hingegen hatten eine Woche Zeit, sich auf dieses Spiel vorzubereiten. Und gegen Dortmund taten sie das, was man gegen Dortmund z.Z. tun muss, um zu gewinnen, nämlich bis an die Grenze aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen und durch ständige Fouls das Spiel zu zerstören. In dieser Disziplin haben sich alle Hamburger zweifellos eine Eins verdient. Und Dortmund ist nicht in der Lage, ein Mittel gegen diese Spielweise zu finden. Nur ist diese Art von Spiel nicht unbedingt erfolgreich, denn Härte und Spielzerstörung schießt noch keine Tore. Es hätte also torlos ausgehen können, aber Dortmund sorgt regelmäßig für die Tore, die der Gegner aus eigenem Spielvermögen nicht schafft. Diesmal war es Ramos, der mit einem haarsträubenden Querpass die Hamburger zu einem Konter einlud. Und damit dürften die Tore, die er für den BVB geschossen hat, und die Tore, die er verschuldet hat, sich ungefähr die Waage halten, nur dass die verschuldeten Tore drei Punkte kosteten, während seine zwei Tore beim 3:0 gegen Anderlecht nicht unbedingt nötig gewesen wären. Und vorne offenbarte er alleinstehend vor dem HSV-Tor eklatante technische Schwächen, als ihm der Ball versprang. Durm auf der rechten Seite für den angeschlagenen Piszczek war ein Unsicherheitsfaktor de luxe und auch Schmelzer auf der anderen Seite mühte sich vergebens. Dortmund ließ sich das Spiel der Hamburger aufdrücken und versuchte dagegenzuhalten. Aber auf diesem Niveau sind die Dortmunder einfach unterlegen. Unüberlegt rannten sie an. Der Wille war niemandem abzusprechen, aber der Wille fand keinen Ausdruck im Zusammenspiel, denn spätestens nach ein paar Ballstafetten war wieder ein Hamburger dazwischen gegrätscht, weshalb die Dortmunder es zunehmend mit Einzelaktionen versuchten, was aber noch weniger klappte. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass Dortmund zu viele mittelmäßige Spieler hat, die ohne die Kreativspieler nur selten ihre Leistung abrufen können. Und der in antiquierte Manndeckung genommene Kagawa ist noch nicht dazu in der Lage, die Schwächen zu kompensieren. Während Hamburg rackerte und aggressiv darauf bedacht war, keinen Spielfluss zustande kommen zu lassen, zeigte sich Hannover in München von seiner Schokoladenseite. Sie ließen den Münchnern jede Menge Platz zum Kombinieren und gingen dem Gegner so gut sie konnten aus dem Weg. Und wieder schoss ein Dortmunder die Tore. Gleich zwei erzielte Lewandowski und hätte auch ein drittes gemacht, wenn Robben nicht lieber verschossen hätte. Dafür darf Lewandowski jetzt seine Freizeit zusammen mit den anderen Bayernspielern in Lederhose und kleinkarierten rotweißen Hemden auf der Oktoberwiese herumsitzen.