WM Achtelfinale Kolumbien – Uruguay

Eine schöne WM ist es nicht, denn Athletik und die Bereitschaft, dem Gegenspieler alle Knochen zu brechen, taktische Fouls und Spielverzögerungen prägen fast alle Spiele. Da ist der Biss von Uruguays Stürmer Suarez in die Schulter des italienischen Verteidigers Chiellini in gewisser Weise sogar originell, aber bestimmt nicht schlimmer als irgendwelche Knochenbrecheraktionen. Suarez genießt nicht meine Sympathien, es ist jedoch merkwürdig, dass ihn die FIFA gleich neun Spiele sperrt. Dieser Logik zu Folge dürften viele andere auch nicht mehr mitspielen. Originell war auch seine Verteidigung bei der FIFA. Er habe gar nicht gebissen, vielmehr habe er “das Gleichgewicht verloren”, wodurch er auf den Oberkörper seines Gegenspielers gestürzt sei. “In diesem Moment schlug mein Gesicht gegen den Spieler, wodurch ich mir eine kleine Wunde an der Wange und starke Zahnschmerzen zuzog.” Auch nicht schlecht. Maradonna bezeichnete Beckenbauer und Pele als „Idioten“, weil sie diese Entscheidung gutgeheißen haben. Suarez durfte also nicht mitmachen gegen Kolumbien, und es machte keinen Unterschied, denn auch mit Suarez wären die Hellblauen ohne Chance gewesen. Kolumbien nämlich kombinierte und ließ den Ball laufen, was bei dieser WM nicht sehr verbreitet ist. Brasilien ist da gerade stilprägend mit einer Spielweise, die lange aus der Mode war, jetzt aber eine Renaissance erlebt, wobei es darum geht, den Ball so lange zu halten, bis er verloren geht, woraus wiederum eine sehr zweikampfintensive Partie entsteht, und am Ende jeden Zweikampfs wälzen sich dann ein paar Spieler auf dem Boden. Es war abzusehen, dass es nicht wieder eine Einzelaktion von Suarez wie gegen England oder der Rücken von Godin wie gegen die Italiener richten würde. Diesmal ging es gegen Kollegen aus Kolumbien, die nicht nur athletisch, sondern auch klug spielten, und manchmal sogar schön. Gegen die halfen Kraftakt und der bloße Wille nicht mehr. Forlan, beim letzten Mal noch Spieler des Turniers, bestach durch Unsichtbarkeit, und Cavani mühte sich glücklos, aber auch die Kolumbianer waren ohne ihren Star Falcao. Und das war vielleicht auch besser so, denn dafür machte eben James die Tore, und zwar nicht nur das schönste Tor des Turniers, sondern auch das am schönsten herausgespielte Tor des Turniers. Man spricht von einer neuen goldenen Generation, und da diese auch noch von dem seriösen Herrn Pekermann trainiert wird, der 2006 mit Argentinien nur knapp gegen Deutschland ausgeschieden ist, stehen die Chancen Brasiliens als Kulisse für eine One Man Show von Neymar nicht besonders gut.