WM-Vorschau: Italien-Uruguay / England-Costa Rica

Das Schöne an der WM ist jetzt schon, dass sich sämtliche Voraussagen der Fußballexperten als Grütze erweisen, einschließlich meiner eigenen. Costa Rica. Ich wusste gar nicht, wo das liegt (mal wieder im Erdkundeunterricht nicht aufgepasst), und dann musste ich erst beim Fußballexperten Horst Evers nachgucken, um herauszufinden, dass Costa Rica das Ergebnis einer tektonischen Erdverschiebung ist und dass das Land das Glück hat, so gut wie keine Bodenschätze zu besitzen, weshalb es geostrategisch quasi keinerlei Bedeutung hat und für Energiekonzerne uninteressant ist. Aber über den Fußball dort ist so gut wie nichts bekannt. Selbst bei Horst Evers kommt der Fußball nur mit einem kleinen Absatz vor. Gut, man hätte gewarnt sein können, weil Costa Rica in der Qualifikation die nicht gerade schwachen Mexikaner besiegt hatte. Aber Uruguay? Und dann auch noch Italien? Und niemand kennt auch nur einen Spieler von Costa Rica, außer Borges (von dem ich gar nicht wusste, dass er noch lebt) und Bolano, und das hört sich eher nach einer verschnarchten Schriftstellervereinigung an. So kann man sich täuschen. Wie in den Italienern auch, die den Engländern nicht nur den ersten Schlag versetzten, sondern ihnen auch noch mit ihrer Niederlage die letzte minimale Hoffnung zunichte machten. Jetzt dürfen die Engländer gegen Costa Rica in einem für sie völlig bedeutungslosen Spiel noch einmal schwitzen und sich gegen die stärkste Mannschaft rehabilitieren. Wahrscheinlich dachten die Engländer, dass sie diesmal nicht im Elfmeterschießen ausscheiden, sondern gleich in der Vorrunde scheitern. Dennoch ist es schade, denn bei den Engländern gibt es wenigstens ein paar Spieler wie Sterling, Sturridge und Wilshere, die ich gerne länger gesehen hätte, auch wenn die Engländer nicht wirklich gut kombinierten. Und Italien steht ein Endspiel bevor, denn jetzt geht es gegen Uruguay um den Einzug ins Achtelfinale. Uruguay hat die Nase vorn, weil die Italiener schon gegen Costa Rica nicht mit der hohen Luftfeuchtigkeit zurecht kamen. Sie werden dann kurzatmig und laufen nur noch ganz langsam, als ob man ihnen den Stecker gezogen hätte. Chiellini, der Mann fürs Grobe, der schon einen Costa Ricaner im Strafraum abgeräumt hatte, ohne dass es einen Elfer gab, wird hinten gegen Uruguay mal wieder jede Menge Unsinn anrichten. Und Balotelli wird von den »Urus« erlegt. Ein Imobile würde den Italienern gut tun, aber der darf nicht spielen. Antonio Cassano versucht es mit Durchhalteparolen: »Gegen Uruguay werden wir eine großartige Partie spielen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.« Und auch Cesare Prandelli hört sich nicht überzeugend an, wenn er sagt: »Wir haben keine Angst. Wir müssen nur unsere Akkus wieder aufladen.« Wenn aber einer sagt, er hat keine Angst, dann hat er in Wirklichkeit jede Menge davon, denn wenn Uruguay so spielt wie gegen England, dann kann sich Italien schon mal warm anziehen, was sich allerdings bei den Temperaturen nicht wirklich empfiehlt. Das allerdings schreibe ich nur, damit mein Experten-Tip daneben geht und Italien gewinnt. Denn die WM braucht Italien als Angstgegner für die Deutschen.