Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Seitdem Guardiola gesagt hat, dass die Bundesliga für ihn vorbei wäre, kriegen die Bayern es einfach nicht mehr hin, obwohl es sich diesmal gegen Dortmund um eine Prestige-Angelegenheit handelte. Das sah man schon daran, dass die Bayern den Eingang für die Spieler mit der Aufschrift geschmückt hatten: »Der Deutsche Meister begrüßt Borussia Dortmund.« Außerdem stand die nominell stärkste Mannschaft der Bayern auf dem Platz. Warum auch nicht. Bayern muß niemanden schonen, denn das Pokalhalbfinale gegen Kaiserslautern könnte man auch mit einer C-Elf bestreiten. Dortmund hingegen schonte Lewandowski, und da die Dortmunder mit Wolfsburg einen anderen Halbfinalgegner am nächsten Dienstag im Pokal vor sich haben, schwirrten vor dem Spiel Gerüchte umher, dass außerdem auch noch Hummels, Reus und Mkhitaryan geschont werden würden. Aber gerade die Stützen der Dortmunder Mannschaften haben, wie schon gegen Real gezeigt, einen großartigen Lauf. Weil die Bayern von der Obsession getrieben sind, die »dicksten Eier« zu haben, wollten sie gegen den BVB gewinnen, aber dafür waren die Dortmunder gedanklich einfach zu schnell für sie. Weiter Einwurf auf Aubameyang, Abpraller zu Reus, der quer auf den freistehenden Mkhitaryan schiebt, der einschießt, was schwieriger war, als gegen Real Madrid freistehend vor dem Tor den Pfosten zu treffen. Da kamen die Bayern einfach nicht mehr mit, die vor allem in der ersten Halbzeit bis zu 75 Prozent Ballbesitz hatten, aber die bestanden in einem wenig effektiven Ballgeschiebe. Erik Durm machte ein großartiges Spiel und ließ Robben immer wieder sehr alt aussehen, und auch Großkreutz, der für Piszczek spielte, stellte Ribery einfach zu, so daß die Flügelzange weitgehend lahm gelegt worden war. Gefahr ging nur von Götze aus, der zwei gute Möglichkeiten für die Bayern generierte, die Mandzukic beide versiebte. Götze mußte an diesem Tag einsehen, daß er zur schlechteren Mannschaft gewechselt war. Aber nicht nur der BVB hat sich warm gespielt, auch Wolfsburg hatte mit dem stark abstiegsbedrohten Club einen idealen Aufbaugegner gefunden, und deshalb wird es am Dienstag nicht so einfach wie gegen die Bayern. Leider hat De Bruyne rechtzeitig zum Pokal seine Form gefunden. Die Hamburger verloren im Nordderby gegen Hannover mit 2:1, und das völlig zu recht, weil sie einfach »unterirdisch« spielten und eine Torschußbilanz von 31:5 gegen sie sprach, während Stuttgart in Gladbach auftrumpfte und nur unglücklich sich mit einem 1:1 zufrieden geben mußte. Freiburg hat sich mit einem 2:0 gegen Braunschweig ein wenig Luft verschafft, so daß es so aussieht, als ob Braunschweig, Hamburg und Nürnberg die größten Chancen auf einen Abstieg hätten, vor allem, weil alle ein ungefähr gleich schweres Restprogramm haben, mit leichten Vorteilen für Braunschweig und Hamburg, weil beide noch gegen Bayern spielen müssen, während Nürnberg nicht auf diese drei sicheren Punkte zurückgreifen kann. Und sonst? Am 15. April jährt sich zum 25. Mal die Katastrophe von Hillsborough, als 96 Liverpool-Fans erdrückt und zerquetscht wurden, weil Fans damals noch in Käfigen gehalten wurden und für Polizei und Politik nur minderwertige Menschen waren. In »Ballfieber« von Nick Hornby kann man nachlesen, wie Verachtung und Inkompetenz zu diesem Verbrechen führten. Im Untersuchungsbericht von 2012 kam heraus, daß 1989 116 Aussagen, die die Polizei belasteten, verfälscht worden waren. Jetzt gibt es eine neue Anhörung. 25 Jahre danach wird die Wahrheit dann vielleicht endlich auch offiziell, genau dann, wenn niemand mehr belangt werden kann.