Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Niemand wird mir irgendwelche Sympathien für Hertha BSC nachsagen können und das nicht nur, weil ich schon mal mit ihren Fans ein Zugabteil von Dortmund nach Berlin geteilt habe. Aber dass Hertha den HSV mit einem 3:0 noch tiefer in ein bereits angerichtetes Chaos gestoßen hat, bereitet mir jetzt nicht gerade schlaflose Nächte. Die Hamburger sind jedenfalls so verunsichert, dass sie gar nicht mehr laufen können, jedenfalls zeigte die unerbittliche Statistik auf, dass die HSV-Spieler am wenigsten gerannt ist. Und deshalb versammelte sich der Aufsichtsrat, um van Marwijk wieder rauszuschmeißen, während der Vorstand an van Marwijk festhält, weshalb der Aufsichtsrat wiederum damit droht, den Vorstand zu entlassen, und wahrscheinlich auch den Sportchef Oliver Kreuzer, der ebenfalls für den Trainer ist. Die Fans wiederum sind auch für van Marwijk und gingen auf die Spieler los und hätten sie am liebsten in die Tonne getreten, was ihnen bei Jacques Zoua sogar fast gelungen ist, der von einem Wurfgeschoß am Kopf getroffen wurde, aber auch die anderen Spieler waren laut Aussage von Heiko Westerman nach dem 1:0 von Hertha sowieso schon »tot«. Wenn am Mittwoch zum Pokal die Bayern nach Hamburg kommen, wird es dann besonders lustig zugehen. Ein anderer Abstiegskandidat heißt Werder Bremen und half bei der Wiederauferstehung der Dortmunder. Der zuletzt völlig desolat spielende Mkhitaryan trumpfte groß auf und schoß sogar zwei Tore, wobei die Kombination und der Abschluß seines zweiten Treffers einfach sensationell waren. Die ohne den schon wieder verletzten Hummels spielende Innenverteidigung war keinen größeren Belastungen ausgesetzt, so daß man sich in der Respectbar wieder dem Erzfeind Schalke zuwenden konnte. Der bekennende BVB-Fan und Kölner Tatort-Kommissar Dietmar Bär erzählte einen anspruchsvollen Witz: Jens Keller fragt bei Klopp nach, wie er mit seinen Spielern so erfolgreich sein kann. Klopp sagt, er achte auch auf die Intelligenz seiner Spieler. Wie denn? Er stelle ihnen ab und zu eine Frage. Was denn für eine Frage? Klopp ruft Sahin zu sich und fragt ihn: Deine Eltern haben ein Kind, das aber weder dein Bruder noch deine Schwester ist. Wer ist das? – Ich gebe zu, daß ich im ersten Moment ebenfalls überlegen mußte – Sahin sagt wie aus der Pistole geschossen: Das bin ich. Keller geht beeindruckt zurück, ruft Draxler zu sich und stellt ihm die gleiche Frage. Draxler sagt, da müsse er erst überlegen, geht zu seinen Kollegen, aber niemand hat eine Antwort auf die Frage. Nur Felipe Santana, der ehemalige Dortmunder sagt ihm: Na, das bin ich. Also geht Draxler zum Trainer zurück und sagt: Ich weiß es jetzt. Das ist Felipe Santana. Und Keller sagt: Du Trottel, das ist Sahin. Vor allen die zweite Pointe gefiel mir sehr gut. Ansonsten rätselten wir mal wieder, warum Lewandowski zu den Bayern geht. Autoklauen und zu den Bayern wechseln sei eben typisch polnisch, verlautete eine nicht ernst zu nehmende Stimme, die mir aber trotzdem gut gefiel. Die Bayern jedenfalls gewannen auch beim wieder erwachten Nürnberg, und das völlig unverdient, aber das ist eigentlich egal, denn man fragt sich, wen das überhaupt noch interessiert. Viel bedauerlicher war da schon, daß Arsenal, der nächste CL-Gegner Bayern gerade jetzt mit einem 5:1 gegen Liverpool schwächelt. Typisch Özil. Und auch typisch für die Bayern. Immer, wenn es für sie gefährlich werden könnte, macht der Gegner schlapp.