Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Auch wenn es die dritte Heimniederlage in Folge ist, sie verwundert nicht wirklich, denn Dortmunds Restmannschaft geht mittlerweile auf dem Zahnfleisch. Sie ist leer und ausgebrannt, während Hertha mit weit weniger Spielen viel frischer und gedankenschneller agierte. Michael Zorc war nach sehr langer Zeit mal wieder unzufrieden mit dem Auftreten seiner Mannschaft, denn sie fand in einem mittlerweile für Dortmund typischen Spiel keinen Hebel, um das Spiel zu drehen. Nach einer schnellen 1:0-Führung nach einem prima Pass in den Lauf von Reus, war keine Freude über den Treffer beim Torschützen und seinen Gratulanten zu beobachten, nur ein routiniertes Abklatschen und Auf-die-Schulterklopfen. Als ob der Sieg schon programmiert wäre und es nur eine Frage der Höhe dieses Sieges wäre. Vielleicht aber auch, weil man sich mit einem Sieg über den Aufsteiger Hertha, den jeder schon auf dem Zettel hatte, keine Meriten verdienen würde. Aber wie schon so häufig verunsicherte der Rückstand den Gegner nicht, sondern setzte aufgrund der weniger absolvierten Spiele eher sogar Kräfte frei. Hertha setzte das Pressing besser um als es die Dortmunder vermochten. Zudem waren die Herthaner taktisch hervorragend eingestellt und zusätzlich motiviert durch die Möglichkeit, den CL-Finalgegner zu ärgern. Dennoch war es nicht die bessere Spielweise der Herthaner, sondern zwei Fehler der Dortmunder, die ihnen zum Sieg verhalfen. Und zwar zwei richtig krasse Fehler, die bezeichnenderweise zwei jungen Ersatzspielern in der immer wieder neu formierten Abwehrkette unterliefen. Zunächst versuchte Durm einen hohen Ball aus der Luft anzunehmen, was jedoch zur Vorlage für einen Herthaner geriet, der nur noch in die Mitte zu Ramos passen mußte. Der zweite Patzer war noch eklatanter, denn da verstolperte der offenbar völlig verunsicherte Sarr als letzter Mann den Ball, verlor ihn an Allagui, der keine Mühe hatte, ihn im Dortmunder Tor unterzubringen. Die zweite Hälfte verteidigte Hertha das Ergebnis. Das Spiel fand nur noch in einer Hälfte statt, aber die Dortmunder fanden kein Mittel, das Berliner Abwehrbollwerk zu knacken. Dennoch hatte Klopp recht, als er sagte, daß Dortmund keins der drei Heimspiele hätte verlieren müssen. Die Niederlagen waren immer auch besonderen Umständen geschuldet. Und wer gesehen hat, wie die Gegentore zustande kamen, liegt nicht falsch, wenn er davon ausgeht, daß die Fehler mit einem Schmelzer und einem Hummels nicht passiert wären. Aber außer Bayern hat jede Mannschaft mit diesem Problem zu kämpfen. Auch Schalke, die ebenfalls sehr geschwächt in Nürnberg antreten mußten, dafür aber auf den Pechvogel der Saison trafen, der schon 16 Aluminiumtreffer auf seinem Konto verzeichnen kann. Trotz eines starken Spiels des Clubs gegen völlig desolat auftretende Schalker gab es nur ein torloses Remis. Und auch Leverkusen hat sein Pulver verschossen und verlor gegen Bremer, die zwar kampfstark auftraten, aber spielerisch eher unterirdisch sind und trotz eines 11. Tabellenplatzes zu den Abstiegskandidaten gehören. Und das ist eine viel größere Kunst als gegen eine spielstarke Mannschaft aus Berlin zu verlieren. Trotzdem ist es nicht schön, wenn man feststellen muß, daß Dortmund gegen alle Mannschaften im oberen Tabellendrittel verloren hat.