Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Mit dem BVB wird es einem nie langweilig. Auch in Hoffenheim wurde es wieder ein turbulenter Nachmittag. Daß Hoffenheim Dortmund zusetzen und alles geben würde, war klar, denn inzwischen hat man dort auf den Nachwuchs gesetzt und der ist bissig und einsatzfreudig. Ein bißchen zu einsatzfreudig und es war schon ein kleines Wunder, daß nicht wieder ein oder zwei Dortmunder auf der Strecke blieben. Ihr Pressing gegen die Dortmunder war beeindruckend und der 18jährige Sarr, der den gesperrten Sakratis ersetzte, hatte diesmal weit mehr zu tun als in Marseille. Klopp ließ einige Spieler aus Gründen der Regeneration auf der Bank und die wieder völlig neue Zusammensetzung funktionierte nicht optimal. Zwar waren die Dortmunder Kombinationen grandios, wenn sie gelangen, aber wie so oft in den letzten Spielen haperte es im Abschluß, wie zum Beispiel als Reus allein vor dem Tor im letzten Moment die Kugel weggegrätscht wurde. Die Hoffenheimer machten den Dortmundern dann vor, was Effizienz hieß, denn aus wenigen Chancen machten sie zwei Tore und erst als Hoffenheims Torhüter Grahl auf sehenswerte Weise patzte und Lewandowski den Ball Richtung Tor spitzelte, konnte Aubameyang vollenden, der in diesem Spiel kaum ins Spiel eingebunden war, kaum Ballkontakte hatte und auf der linken Seite verwaiste, weil beim BVB alles über rechts und Kuba lief. Es war kein guter Tag für Aubameyang, auch wenn er ein Tor schoß, das er aber eher Lewandowski klaute als daß er selber etwas damit zu tun gehabt hätte. Auch wenn Dortmund nichts mehr mit der Meisterschaft zu tun hat, und auch wenn schon zu Beginn der Saison das so war, so sind sie die Mannschaft, die die spannendsten und aufregendsten Spiele abliefert, und zwar nicht nur gegen Marseille, wo es um den Einzug ins Viertelfinale der CL ging und wo man sich bis zur 87. Minute Zeit ließ, um den erlösenden Treffer zu erzielen, sondern auch gegen solche Mannschaften wie Hoffenheim. Dortmund bietet immer großes Drama, also genau das, was man als Fan schließlich erwartet. Dortmund hat aber inzwischen auch den größten Glamour zu bieten, wie Aubameyang im Sportstudio bewies, wo er in goldglitzernden Sportschuhen auftrat und mit einem enggeschnittenen Jackett, dessen Reversränder mit Nieten geschmückt waren. Den Deutschen fällt dazu immer nur das Wort »Paradiesvogel« ein, was insofern einen pejorativen Klang hat, weil man damit dem anderen die Zurechnungsfähigkeit abspricht. Aber weil Mode in Deutschland immer noch ein Fremdwort ist, muß man wie der Moderator auch ständig darüber sprechen, weil im Verdacht steht, wenn jemand einen extravaganten Geschmack hat, der über Boss hinausgeht, also das, was Deutsche für Mode halten. Den Kontrast zum Glamour und Glitzer, den Aubameyang verbreitete, bildete das rustikale Publikum im Hintergrund, das auf Stichworte wartete wie »Wir haben alles gegeben«, um klatschen zu können. Der BVB ist nun auch den Geruch des Malochertums losgeworden ohne dem protzigen Proletentum zu verfallen, das die Bayern repräsentieren. Und sonst? Der Club verspielte einen 3:0 Vorsprung in Hannover, hatte aber nicht nur die Hannoveraner gegen sich, sondern auch noch den Schiedsrichter. Es bestätigte sich mal wieder, daß die Abseitslinie bei Vereinen, die unten stehen, um zwei Meter nach hinten verlegt wird.