Die Wahrheit über den 14. Spieltag

»Gegen Mainz ist das immer eine enge Nummer«, sagte Watzke am Abend im Sportstudio, und das stimmte. Mit dem glücklicheren Ende für Dortmund. Aber der BVB darf das auch mal haben, wenn man schon soviel Pech hatte wie gegen Mönchengladbach, Wolfsburg oder Bayern. Da müsste der Pech-Vorrat für eine ganze Saison aufgebraucht sein. Mainz jedenfalls war vor allem in der ersten Hälfte zweikampfstärker und auch sicherer im Paßspiel. Mainz hatte drei der letzten vier Spiele gewonnen, der BVB die letzten beiden Spiele verloren. Mainz befindet sich in glänzender Form, und die konnte man dann auch ausgiebig bewundern. »Ihr wart besser als der BVB«, sangen die Mainzer Fans und auch wenn das nicht wirklich stimmte, so sah es lange Zeit nach einem Unentschieden aus, bevor Aubameyang mit einem raffiniert gezirkelten Freistoß zum 1:0 traf. Aber nur vier Minuten später wurde das Ergebnis durch einen von Piszczek verursachten Elfer egalisiert, dem man anmerkte, dass er nach der langen Verletzungspause noch nicht zu seiner alten Form gefunden hat. Danach sah es schon allein wegen des psychologischen Vorteils so aus, als ob die Mainzer das Spiel noch drehen würden, aber dann zeigte der zur Halbzeit eingewechselte Mikhitaryan, daß er den Unterschied ausmachte. Nach genialem Paß umkurvte Aubameyang den Mainzer Torhüter Karius, aber der Ball wurde von Soto mit der Hand ins Aus gelenkt. Aber selbst mit zehn Mann hatte man nicht den Eindruck, daß Mainz unterlegen war. Erst als Durm in der letzten Minute der Nachspielzeit vom Tormann gelegt wurde, ein Foul, das von Marcel Reif als Schwalbe gewertet wurde, weil Durm den sich in seine Laufbahn werfenden Torhüter nicht höflich aus dem Weg ging, war das Spiel entschieden. Es war eins der schwächeren Spiele vom BVB, aber nicht nur hatte man es mit starken Mainzern zu tun, sondern trat aufgrund einer nicht abreißenden Verletztenserie in einer Formation an, die so noch nie zusammengespielt hatte. Zunächst ohne Sahin, der dem Dortmunder Spiel im Mittelfeld Struktur zu geben vermag und nach vorne Impulse zu setzen imstande ist. Und genau das fehlte auch, weil Sahin mit Wadenproblemen auf der Bank saß, dann aber doch eingewechselt werden mußte, weil Bender, der mit gebrochener Nase angetreten war, sich eine Oberschenkelzerrung zuzog. Und auch Reus mußte mit einer Wadenverhärtung und Kuba mit einer Hüftprellung zur Pause in der Kabine bleiben. Dem BVB gehen langsam die Spieler aus, und das könnte sich am Dienstag im Pokal gegen Saarbrücken rächen. Zudem sollte man die in diesem Jahr noch ausstehenden restlichen drei Bundesligapartien gewinnen, will man den Anschluß nach oben nicht verpassen, ganz zu schweigen vom Spiel der Spiele in Marseille, wo man gewinnen muß, um weiter CL spielen zu können. Das verrückte Spiel des Tages allerdings, auf das normalerweise Dortmund abonniert ist, fand diesmal in Hoffenheim statt, wo Bremen zweimal einen Zwei-Tore-Rückstand egalisieren konnte, wobei der 4:4-Ausgleich für die Bremer erst in der 91. Minute fiel. Immerhin ein Zeichen dafür, dass die Bremer, die für viele als Absteigeraspirant galten, es in dieser Saison vielleicht doch schaffen. Und der Club war phasenweise besser als Leverkusen, bleibt aber trotz neuem Trainer auch weiterhin ohne Sieg und hält den Rekord bei Aluminiumtreffern. Das muß man ja auch erstmal schaffen.