Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Mein Freund Wiglaf hatte mich nach Wolfsburg zum Spiel eingeladen. Die Sonne schien, und es versprach ein schöner Tag zu werden. Aber dann wurde ich meinem Ruf als Pechvogel doch gerecht. Das letzte Spiel in Dortmund, das ich mir anguckt hatte, war vor zwei Jahren. Da ging es gegen Hertha. Eine sichere Sache, dachte ich, und dann verloren die Dortmunder, und als ob das noch nicht gereicht hätte, musste ich mit dem einzigen Zug, der von Dortmund nach Berlin fuhr, mit einer Horde betrunkener Hertha-Fans zusammen verbringen. Zunächst aber versuchten wir in dem netten VW-Stadion der Autostadt Wolfsburg an eine Bratwurst zu kommen, aber das ist nicht ganz einfach, denn man muss seine EC-Karte mit einem Betrag aufladen lassen, der dann beim Wurst- und Getränkestand abgebucht wird. Meine Commerzbank-Karte jedoch wurde nicht akzeptiert, weil »die Commerzbank da nicht mitmacht«, und dafür muss ich die Commerzbank jetzt auch mal loben, wenngleich ihre Motive wohl kaum darin liegen, ihre Kunden vor Abzocke schützen zu wollen, denn um nichts anderes handelt es sich, denn natürlich bleiben auf der Karte immer ein paar Euro Rest, der im Land der Bonuspunkte sonst nirgends eingelöst werden kann, und ich schätze, diese Geldreste dürften sich zu einem hübschen Sümmchen addieren, die sich Wolfsburg da unter den Nagel reißt. Noch dazu, daß Fleischwurst und Pommes kaum zu genießen waren, deren industrielle Herstellung zur Abfütterung der Fan-Massen einen Bruchteil vom Verkaufspreis kostet. Aber das alles hätten wir gerne und lächeln hingenommen, wenn Dortmund wenigstens gewonnen hätte, aber Wolfsburg spielte wie zu erwarten sehr stark und machte den Dortmundern das Leben schwer, denn sie beherrschten an diesem Tag mindestens ebenso gut das Spiel des Pressings und Verschiebens, denn Hecking gilt als großer Verfechter des Kloppschen Spielweise. Und während bei den Dortmundern an diesem Tag einige Spieler nicht ihren besten Tag hatten wie Sahin, Mkhitaryan oder Schmelzer, glänzten bei den Wolfsburgern etliche Spieler. Dann verletzte sich in der 42. Minute auch noch Subotic und fällt voraussichtlich mit einem Kreuzbandriß für längere Zeit aus. Ein Glücksschuß von Olic, dem Schmelzer nur Geleitschutz gab, entschied die Partie, ein Treffer, der das Zeug zum Tor des Monats hat. Und schließlich gab es da noch Schiedsrichter Drees, der dafür sorgte, daß nichts mehr anbrannte. Gleich zweimal gleich wurde Lewandowski von Rodriguez im Strafraum umgerissen, und zweimal verweigerte er einen Strafstoß. Dafür verteilte er unter den Dortmundern munter eine gelbe Karte nach der anderen, für die andere Schiedsrichter nicht mal Freistoß gepfiffen hätten. Drees war der Mann, der die letzte Partie der Dortmunder in der letzten Saison gegen Hoffenheim gepfiffen hat und dort auch nicht gerade als jemand aufgefallen ist, der Sympathien für Schwarzgelb hat. Ein schwarzer Tag, weil es nach dem 0:1 gegen Arsenal schon die zweite Niederlage hintereinander war. Ein Gefühl, das in Dortmund kaum jemand mehr kennt. Als nächstes kommen die Bayern und dann stehen die CL-Schicksalsspiele an. Da sind zwei Niederlagen keine gute Voraussetzung. Mit dem letzten Zug flüchteten wir zurück nach Berlin. Und wer bevölkerte den Zug? Hertha-Fans, die ihren Sieg gegen Hoffenheim feierten. Mit Billigschnaps und Billigbier. Kein schöner Anblick.