Archiv für den Monat: März 2020

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Nach den hysterischen Reaktionen der Fußballbosse und vor allem der Kommentatoren, die besinnungslos auf die Fan-Proteste gegen Hopp und den DFB einteufelten, nach der Blamage von Fritz Keller, der in einem Gespräch im ZDF seine völlige Ahnungslosigkeit präsentierte, meldeten sich unter der Woche auch ein paar Stimmen, die ihren Verstand noch nicht an der Garderobe des DFB abgegeben hatten, und auch den Verantwortlichen dämmerte, dass sie sich möglicherweise ein bisschen blamiert hatten. In den Stadien waren nun Banner zu sehen, die etwas ironischer und sarkastischer, aber auch inhaltlicher auf Hopp und den DFB eingingen. Leider war das beste Transparent nicht von den BVB-Fans, sondern von Schalke-Fans, die sich damals allerdings auch ein wenig selbst unterhalten mussten in dem nicht gerade unterhaltsamen Spiel gegen Hoffenheim, das leistungsgerecht 1:1 ausging. Dort jedenfalls war zu lesen: »Wir entschuldigen uns bei allen Huren, sie mit Herrn Hopp in Verbindung gebracht zu haben«. Die Gladbacher Fans brachten die Sache humorlos zwar, aber auf den Punkt: »Fußball-Mafia DFB«. Ausgerechnet in Kaiserslautern gab es selbstkritische Töne: »Rassismus im Stadion? Nie gehört! Korruption in den eigenen Reihen? Nie Passiert! Beleidigung eines Premiumpartners? Zuschauerausschluss, Spielabbruch, Sippenhaft«. Und in der Partie Freiburg gegen Union sah man den eigentlich Sinn der Abkürzung DFB: »Dietmars Fußball-Bund«. Was dem DFB-Präsidenten Fritz Keller, der ebenfalls in der Kritik stand, wahrscheinlich ein völliges Rätsel war. Die Ultras von Hertha wurden politisch und reimten: »Schmiergelder, Kollektivstrafen, Tote in Katar – Wer die häßliche Fratze im Fußball ist, ist klar«. Die angereisten Bremer wollten das zunächst nicht anerkennen und schossen schnell zwei Tore, ließen die Hertha dann aber wieder zurückkommen und zwei Tore zum Ausgleich schießen. Zwei Jahre lang sollen die Fans von Borussia Dortmund von den Spielen in Hoffenheim ausgeschlossen werden, weil Herr Hopp das so will, und der DFB beeilt sich, diese Kollektivstrafe durchzusetzen, weil Hopp einer der Hauptsponsoren des DFB ist. Inzwischen dämmert dem DFB, dass er sich mit der Strategie der Spielunterbrechungen selbst nicht nur lächerlich macht, sondern auch den Fans ein Machtmittel in die Hand gibt, mit dem diese leider noch nicht richtig umgehen konnten, denn wenn die Bayern-Fans in Hoffenheim letzte Woche konsequent geblieben wären, hätte das Spiel für Hoffenheim gewertet werden müssen. Dummerweise war ihnen der Protest gegen Hopp dann doch nicht soviel wert wie die drei Punkte. Oder die Hoffenheim-Fans hätten den Anti-Hopp-Protest übernehmen können. Aber das ist natürlich Quatsch, denn es gibt ja gar keine Hoffenheim-Fans, sondern nur von Hopp gesponserte Zuschauer. Die BVB-Fans bildeten an diesem Wochenende in Mönchengladbach eine Gesangsgruppe, aber der Schiedsrichter überhörte das. Er war schon mit dem Spiel überfordert, das mit etwas Glück 2:1 für den BVB ausging, eine hart geführte Kampfpartie, die nichts für den Techniker Julian Brandt war, der so gut wie jeden Ball verlor, und auch Hakimi spielte jeden Ball sicherheitshalber immer wieder zurück zu Hummels. Erst als für Paris geschonte Sancho auf dem Platz kam, wachte auch Hakimi wieder auf, und als er von Sancho mit einem feinen Zauberpaß in die Tiefe geschickt wurde, gelang ihm sogar der Siegtreffer zum 2:1. Da Leipzig in Wolfsburg über ein in Wolfsburg nicht anders zu erwartendes ödes 0:0 kam, kann sich der BVB jetzt sogar auf Platz 2 vorschieben. Wird aber wahrscheinlich nicht lange so sein.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Als »Arbeitssieg« wurde der Sieg des BVB zu Hause gegen Freiburg von einem Reporter bezeichnet, der Favre fragte, ob er den Ausdruck kenne. Favre sagte, natürlich kenne er den Ausdruck. Ob er ihm gefalle, fragte der Reporter weiter. Ja, das gefällt mir sehr, war die Antwort. Immer wieder kommt man in den Genuss eines solchen Qualitätsjournalismus‘, in dem sich das Niveau der nichtssagenden Aussagen Favres dem Niveau der Reoporterfragen perfekt angepasst hat. Und das war auch schon das Highlight dieser Partie. An diesem Spieltag aber machten auch noch viele andere Leute aus der Fußballbranche diesem Höhepunkt Konkurrenz. In Hoffenheim, wo die Bayern nach 77 Minuten bereits 6:0 führten, entrollten einige Bayern-Ultras Transparente mit der Aufschrift, dass Hopp ein »Hurensohn« sei. Eine falsche Tatsachenbehauptung, denn Hopp ist der legitime Sohn eines SA-Truppführers, der die jüdischen Opfer seines Vaters finanziell unterstützte, was bei einem Mann, dessen Vermögen auf über 10 Milliarden geschätzt wird, als Investition in Reputation betrachtet werden kann. Hopp ist vor allem deshalb bei den Fans unbeliebt, weil er den in der Tat völlig überflüssigen Verein Hoffenheim mit seinem Geld aus dem Boden gestampft hat, ein Kunstprodukt mit Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Vereinen, die keinen oder nur windige Mäzene haben oder an ihrer eigenen Unfähigkeit zugrunde gehen. Die Wut der Fans ist insofern rückwärtsgewandt, denn der Fußball ist schon lange keine Angelegenheit der Tradition mehr, und die romantische Vorstellung von den Kohlekumpeln, die unter Tage Steinklumpen zerklopft haben und anschließend auf einem Acker dem Ball hinterhergelaufen sind, wie das Schalke zu seiner Identität macht, ist höchst lächerlich. Überhaupt scheint das Graben in der Fußballhistorie eines Vereins umso beliebter zu werden, je weiter sich der Verein von den Ursprüngen entfernt, an die die Fans festhalten sollen, was diese auch tun, allerdings mit unangenehmen Nebenwirkungen für die Vereine. Man kann nicht behaupten, dass »Hurensohn« ein besonders schlimmes Schimpfwort ist, zumindest ist es im allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ungefähr so wie fucking. Dummerweise trifft es jetzt Hopp, und Hopp gilt als sakrosankte Person, weil er Vorstand eines Vereins ist. Wird ein schwarzer Fußballer, der in der Regel nur Millionär ist, mit Affenlauten beleidigt, wird kein Spiel unterbrochen, denn dieser ist schließlich nur Angestellter eines Vereins. Der Rassismus spielt also in der Agenda des Fußballmanagements, das die Regeln bestimmt und die Sanktionen verhängt, eine untergeordnete Rolle gegenüber der Beleidigung eines Funktionsträgers. Wenn Schalke-Fans »Nübel raus« rufen, weil der Torwart versagt hat, dann wird das mit Tadel vielleicht, aber tolerierend hingenommen, obwohl Nübel außer seinen Mitspielern niemanden hat, der sich solidarisch vor ihn stellt. Als der DFB-Präsident Fritz Keller im Sportstudio seinen Abscheu verkünden durfte, konnte man sehen, dass diesmal zum Präsidenten gemacht wurde, den außer Dummheit nichts für diesen Job qualifiziert. Der Rassismus, die Ressentiments und der Hass sind im Stadion zu Hause wie nirgends sonst. Jetzt will man den sauberen Fußball installieren so wie früher die saubere Leinwand. Man will ihn unsichtbar in die unteren Ligen verbannen, weil dort nicht über ihn berichtet wird. In der ersten Liga, sollen sich die Manager im Glanze ihrer Macht ungestört sonnen dürfen. Aber wirklich obszön sind nicht die Fans, sondern die Milliarden, aus denen das Geschäft inzwischen besteht, obszön ist die Psychopathologie von Spielern, die in diesem System entweder auf abstoßende Weise angepasst sind oder denen wie Sancho der Reichtum zu Kopf gestiegen ist, weshalb er ein vergoldetes Steak bei irgendeinem Scheich zu verdrücken für das non plus ultra hält, obszön sind Gestalten wie Hoeneß, der für seine Kunst des Managements gelobt wird, munter aber Steuern hinterzieht. Aber das nur nebenbei zur Erinnerung. Sonst war es ein eher mittelmäßiger Spieltag.