Archiv für den Monat: Februar 2020

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Nach dem glanzvollen Auftritt gegen einen der ganz großen Nummern in Europa, Paris St. Germain, konnte man gespannt sein, wie die Dortmunder in den Bundesligaalltag zurückfinden würden. Zwar hatte man gegen Bremen noch eine Rechnung offen, weil man von den Grünweißen aus dem Pokal gekickt wurde, wo die Bremer nach lauter desaströsen Auftritten plötzlich zeigten, dass sie das Fußballspielen nicht verlernt hatten, konnte man auch diesmal nicht sicher sein, was passieren würde. Und tatsächlich traten die Bremer, die nach ihrem Pokalfight wieder in den Abstiegsmodus verfallen waren und alle Punkte herschenkten, erstaunlich stark auf, als ob ihnen die Borussia besonders liegen würde. Wieder drängten die Bremer den Gegner in die eigene Hälfte und ließen keinem der Dortmunder Abwehrspieler allzuviel Zeit am Ball. Favre hatte die gleiche Elf aufgeboten wie gegen Paris, und wie es schien, hat er jetzt die richtige Mischung im Mannschaftsverbund gefunden, denn mit Can und Witsel als kämpfende Sechser und Ballabräumer, kamen die Bremer nie zum Abschluss. Sie konnten es nicht verhindern, dass Dortmund langsam besser ins Spiel kam, aber nach 45 Minuten waren immer noch keine Tore gefallen, Torszenen waren auf beiden Seiten ziemlich rar. Die gesamte 1. Halbzeit war eigentlich zum Vergessen. Immerhin ließ der neue Abwehrverbund mit Zagadou statt Akanji keine Chancen zu. Es brauchte dann eine Standardsituation, um die Dortmunder in Führung zu bringen. Zagadou ließ sich von Selke nicht aus dem Tritt bringen und bugsierte den Flankenball direkt ins Tor. In der 66. Minute schließlich schlug das Monster Haaland zu, nach einem schönen Spielzug, der den Dortmundern in dieser Konstellation schon häufiger gelang. Sancho schickte Hakimi steil zur Grundlinie, der den Ball in den Rückraum spielte, wo Haaland lauerte. Das geht so schnell, dass der Spielzug kaum zu verteidigen ist. Haaland war es allerdings auch zu verdanken, dass der BVB nicht höher gewann, denn statt quer zu spielen auf seine Mitspieler, schoss Haaland lieber den Torwart an. Das Entscheidende aber war, dass Dortmund in der Defensive nun besser organisiert zu sein scheint. Man kann das an Can beobachten, der sich für die Blutgrätsche nicht zu fein ist, sondern der auch ständig seine Mitspieler zur Ordnung ruft, ganz anders als Witsel, der irgendwie nie sein feines Lächeln abzulegen scheint. Vielleicht sind ja Can und Haaland tatsächlich die missing links im Gefüge der Dortmunder Elf. Jedenfalls waren die drei Punkte für die Dortmunder ungemein wichtig, denn auch Bayern und Leipzig gewannen ihre Spiele, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise, denn während die Bayern nur glücklich und durch Lewandowski zu Hause einen 3:2-Sieg gegen den Tabellenletzten Paderborn zustandebrachten, aber nur einen Punkt verdient hatten, fertigte Leipzig auswärts harmlose Schalker mit 5:0 ab, wobei es bei den Gelsenkirchenern sowieso an ein Wunder grenzte, dass sie so gut dastehen. Mönchengladbach, dem Vierten im Bunde ganz oben, gelang es nach acht Siegen in Folge zu Hause und trotz Überlegenheit nicht, ein 1:0 gegen Hoffenheim über die Runden zu bringen. Sogar einen Elfer vergaben die Gladbacher, fanden allerdings im Hoffenheimer Torwart Baumann einen an diesem Tag richtig gut aufgelegten Widersacher. In der Nachspielzeit dann kam es wie es immer kommt, wenn man seine Chancen so sträflich liegen lässt: Man kassierte das 1:1 und hat jetzt Leverkusen im Nacken sitzen. Und die Hertha schaffte vor heimischer Kulisse eine grandiose 5:0 Niederlage. Gegen ziemlich limitierte Kölner. Vielleicht wird es ja noch was mit dem Abstieg, wenn schon nicht mit dem Traum vom Hauptstadtklub.

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Es kam wieder mal ganz anders als gedacht. Man hätte beispielsweise annehmen können, dass der BVB nach zwei Niederlagen in Folge und vor allem nach der Niederlage gegen Leverkusen, als man fast das gesamte Spiel über dominierte und es am Schluss noch herschenkte, nicht sonderlich selbstbewusst auftreten würde, während die Eintracht nach dem besten Rückrundenstart in ihrer Geschichte ziemlich gut dastanden. Aber dann setzte sich die Statistik durch, derzufolge die Eintracht schon seit fast zehn Jahren nichts mehr in Dortmund holen konnte. Und tatsächlich, die Eintracht spielte wieder so wie immer in Dortmund, nämlich merkwürdig leidenschaftslos und uninspiriert, oder lag es am BVB, der diesmal konsequenter in die Zweikämpfe ging, frühzeitig bei Ballverlust presste, die Frankfurter zu Abspielfehlern zwang, oder vielleicht auch daran, dass Akanji mal auf der Bank gelassen wurde, da er sich in der letzten Zeit als ziemlicher Unsicherheitsfaktor erwiesen hatte, während der ihn ersetztende Zagadou zusammen mit Guerreiro zu den besten Spielern des BVB gehörte? Nein, diesmal hatte man nicht das Gefühl, dass das Spiel nach der Dortmunder Führung wieder kippen könnte. Hakimi setzte wieder zu seinen unnachahmlich schnellen Sprints an, Sancho setze seine Mitspieler wieder mit traumhaften Vorlagen in Szene und schoss mit traumhafter Sicherheit das 2:0, und vor allem die Kombination zum 3:0 war einfach hinreißend anzusehen und ist von keiner Mannschaft der Welt wirklich zu verteidigen. Es waren also alle rundum zufrieden, was vielleicht nicht die beste Ausgangslage ist für das morgige CL-Spiel gegen Tuchels Paris St. Germain, dessen Mannschaft beim Tabellenvorletzten Amiens schon 3:0 zurücklag, schließlich 4:3 in Führung ging, aber dann kurz vor Schluss doch noch das 4:4 kassieren musste. Das hört sich eigentlich ganz nach Dortmund an, aber es ist nicht anzunehmen, dass Paris den BVB unterschätzen wird, nicht so wie Amiens, denn Tuchel weiß, was in Dortmund auf seine Mannschaft zukommen kann, wenn man dort einen guten Tag erwischt. Bayer Leverkusen hat mit einem neuerlichen Sieg bei Union wieder Anschluss zur Vierergruppe an der Spitze gefunden. In Berlin waren die BVB-Bezwinger im Bund mit großem Glück, denn erst in der 94. Minute gelang Bellarabi der Siegtreffer, und sogar Bosz musste zugeben, dass Union in diesem Spiel mehr verdient hatte. Jedenfalls setzten sie Leverkusen ziemlich unter Druck und schossen den 2:2-Ausgleich selbst erst in der 87. Minute. Es war also ein dramatisches Finale, in dem keine von beiden Mannschaften aufsteckte. Dass dem BVB mal wieder in der Nachspielzeit einen Siegtreffer gelingt, daran mag man gar nicht mehr glauben, jedenfalls ist es sehr lange her und unter Favre so gut wie noch nie. Nachdem der Blender Klinsmann einfach hingeschmissen hat, weil man ihm nicht freiwillig alle Kompetenzen zu Füßen gelegt hat, steht Hertha ziemlich dumm da, vom erträumten Hauptstadttclub zur Lachnummer ist es manchmal nur ein kurzer Weg, aber immerhin ist ihnen in Paderborn in einem wenig attraktiven Spiel ein schmeichelhafter 2:1-Sieg geglückt, so dass man sich von den Abstiegsplätzen etwas absetzen, sogar mit Union punktemäßig gleichziehen konnte. Leipzig und Gladbach gewannen relativ souverän gegen Bremen und Düsseldorf, die beide weiterhin ganz unten feststecken.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Ein verrückter Spieltag. Vor allem das Spitzenspiel Leverkusen gegen Dortmund. Nachdem Dortmund gegen überraschend starke Bremer im Pokal ausgeschieden war, weil man wieder mal glaubte, gegen aufopferungsvoll kämpfende Bremer mit ein bisschen souveränem Ballbesitzfußball gewinnen zu können, was sich als Fehlglaube herausstellte und den Ruf der Dortmunder festigte, gegen notleidende Mannschaften als Aufbaugegner zur Verfügung zu stehen. Aber kaum war den Bremern der Überraschungscoup gelungen, verfielen sie in der Liga gegen defensive Unioner wieder in krampfhafte Unfähigkeit und verloren zu Hause 2:0. Aber der gesamte Spieltag wurde durch das Dortmund-Spiel in den Schatten gestellt, denn wieder mißlang es Favre, die Abwehr zu stabilisieren. Der Neuzuang Emre Can gelang zwar mit einem genialen Schuss aus über 30 Meter in den oberen rechten Winkel ein wunderschönes Tor, aber gegen die Leverkusener Offensive sahen die Schwarzgelben oft nicht besonders gut aus, weil sie wieder mal einfach zu hoch spielten und deshalb anfällig waren für präzise Steilpässe zwischen die Schnittstellen. Deshalb tauchten immer wieder Leverkusener allein vor Bürki auf, und wenn Havertz einmal nicht nur den Pfosten getroffen hätte, hätte die Niederlage auch höher ausfallen können. Vor allem Akanji erwies sich ein weiteres Mal als Unsicherheitsfaktor und ließ sich von Volland übertölpeln. Statt umzustellen und mit größerer Absicherung zu spielen, ließ Favre einfach weiter spielen. Dennoch waren die Dortmunder über weite Stecken die überlegene Mannschaft, sie hatten gute Möglichkeiten, kombinierten traumhaft, schossen ein Tor, das wieder aberkannt wurde, weil Reyna am Spielfeldrand ein völlig belangloses Foul beging. Es war zum Haareraufen, aber auch Leverkusen wurde ein Tor wieder aberkannt, und der im Abseits stehende Volland nahm Bailey einmal die Kugel weg. Gerecht wäre in diesem Spiel ein Unentschieden gewesen, das auch weitaus höher hätte ausfallen können, aber Fußball ist nun mal nicht gerecht, und nachdem Dortmund sich nach der 3:2-Führung zurückzuziehen begann, überließen sie den Leverkusenern völlig unnötig das Spiel, und die machten das wirklich großartig und ergriffen das Dortmunder Angebot, das Spiel an zu reißen, mit zwei Toren innerhalb von zwei Minuten. Der BVB war danach hingegen nicht mehr in der Lage das Spiel zu drehen, weil Leverkusen im Unterschied zu Dortmund vorher, dieses Angebot nicht machte und auch weiterhin die Dortmunder in deren Hälfte unter Druck setzte. Auch der plötzlich einsetzende Aktionismus Favres, der in der 87. Minute noch Hazard und Götze einwechselte, die natürlich gar nichts brachten, half nicht mehr, die Leverkusener ins Wackeln zu bringen, und es ist bezeichnend, dass den Dortmunder es nicht gelingt, in den letzten Minuten noch ein Spiel zu drehen. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass der Gegner in der Regel auch engagierter ist. Die Leverkusener sind an diesem Tag sieben Kilometer mehr gelaufen, während fast alle anderen statistischen Werte ziemlich ausgeglichen waren. Damit haben sich die Dortmunder mal wieder aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedet, immerhin aber mit einem schönen Spiel und mit der Gewissheit, ein enges Spiel nicht für sich entscheiden zu können. Wenn es dann im nächsten Spiel gegen Frankfurt geht, die gerade wieder mit einem 5:0 gegen Ausburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass wieder mit ihnen gerechnet werden muss, und vor allem gegen Paris St. Germain in der CL, dann kann man wieder einmal relativ früh gelassen dabei zusehen, wie sich andere Mannschaften in den Wettbewerben machen. Ein kleines Trostpflaster immerhin, dass Hertha für den seit langem vermissten ersten Auswärtssieg der Mainzer sorgten, Freiburg knapp in Hoffenheim gewann, obwohl Hoffenheim vor ein paar Tagen fast noch die Bayern aus dem Pokal gekegelt hätten. Auch der Rassistenklüngel in Schalke kam über ein trostloses 1:1 gegen Paderborn nicht hinaus. Aber das alles ist kein wirklicher Trost.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Die Tormaschine läuft bei den Dortmundern. Noch nie sind Borussia Dortmund in drei Spielen hintereinander 15 Tore gelungen, noch nie sind einem Neuzugang bei Borussia Dortmund in so kurzer Spielzeit über drei Spiele hinweg sieben Tore gelungen, noch nie hat ein so junger Spieler wie Sancho 25 Tore in der Bundesliga erzielen können. Gleich drei Rekorde aus der fabelhaften Welt der Statistik, bei denen man den Eindruck gewinnen könnte, dass Dortmund nicht mehr aufzuhalten sei, und jetzt wurde auch noch Emre Can verpflichtet (das ist der, der sich nicht mit Erdogan ablichten lassen wollte, aber trotzdem likte, als türkische Truppen in Nordsyrien einmarschieren, den Like aber wieder zurücknahm, als sich Empörung regte), ein Kämpfer und Abräumer im Mittelfeld, nicht zuletzt, weil Delaney seit geraumer Zeit verletzt ist und man in Dortmund die Abwehr stabilisieren will. Theoretisch ist das ein guter Gedanke, aber ob er aufgeht, muss sich wie immer im Fußball erst erweisen. Das Risiko der Verpflichtung ist jedoch überschaubar, denn man hat ihn bis zum Saisonende zunächst einmal für eine Million nur ausgeliehen von Juventus Turin, wohin er ablösefrei gewechselt war genau in dem Moment, als sein alter Verein Liverpool zum Höhenflug ansetzte, die Champions-League gewann und nun auch noch aller Voraussicht nach Meister wird. Der Mann hat also ein Gefühl für den richtigen Moment. Von Juve wurde er zuletzt nicht mehr berücksichtigt. Auch in Dortmund wurden in letzter Zeit einige Spieler nicht mehr berücksichtigt und haben dem Verein nun den Rücken gekehrt wie Bruun-Larsen und Alcacer. Aber schon bloß ausgewechselt zu werden, sorgte wie im aktuellen Spiel gegen Union Berlin für Frust trotz eines deutlichen 5:0. Hakimi ließ ihn an einer Wasserflasche aus, allerdings hatte er tatsächlich nicht seinen besten Tag erwischt. Seinen Gegenspieler ließ er laufen, dem fast das 1:0 gelungen wäre, und auch von der Wucht seiner Offensivaktionen war an diesem Tag nichts zu sehen. Die wacklige Abwehr ist geblieben, nur wurde sie von Union kaum geprüft. Erst zu Beginn der 2. Halbzeit, als es schon 2:0 für die Borussia stand, machten die Berliner etwas Dampf und sofort ergaben sich ein paar Möglichkeiten, aber als Haaland im Strafraum zu Fall kam und Reus den Elfer versenkte, war der zwanzigminütige Widerstand der Berliner gebrochen und es ging ganz schnell mit weiteren schönen Toren von Witsel und Haaland zum beeindruckenden 5:0. Immerhin sind die Dortmunder jetzt auf Platz drei geklettert, weil Gladbach und Leipzig sich 2:2 trennten, in einem Spiel, dessen Ausgang nicht von den Spielern, sondern vom Schiedsrichter so entschieden wurde, weil er beim Stand von 2:1 für Gladbach dem Gladbacher Plea wegen Meckerns zweimal gelb hintereinander und damit rot gab und sich dabei folgsam auf eine neue Regel des Verbands berief, der damit jedes Gefühl für eine Situation ausschalten will, denn die Erregung Pleas war nach einem Foul, das nicht gepfiffen wurde, durchaus verständlich, und konsequent angewandt ist die Regel künftig für mehrere Platzverweise gut. Jedenfalls kippte das Spiel nach dieser Entscheidung zugunsten der Leipziger, denen nach einem Sonntagsschuss in der letzten Minute noch der Ausgleich gelang, zur Freude der Bayern, die nach einem lockeren 3:1 in Mainz wie gewohnt die Tabellenspitze übernehmen konnten.