Archiv für den Monat: Dezember 2019

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Nach der deprimierenden 2:1-Niederlage gegen schwache Hoffenheimer wehrten sich Zorc und Favre gegen die Behauptung, den Dortmunder Spielern fehle der Wille, ein Spiel wirklich gewinnen zu wollen. Man hätte es einfach versäumt, aus den zahlreichen Chancen zwei, drei weitere Tore zu machen, um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Das stimmt zwar, aber auch um Tore zu erzielen, braucht man den Willen, um das Glück notfalls zu erzwingen. Und das lässt sich bei den Dortmundern nicht erkennen. Aus der Überlegenheit nichts zu machen, sondern nur sich bestätigt zu fühlen, fast schon anzufangen, mit dem Gegner Katz und Maus zu spielen, ihn nicht mehr richtig ernst zu nehmen, führt genau dazu, dass das Spiel gegen eine Mannschaft, der zwar nichts gelingt, aber einfach immer weiter probiert und nie aufgibt, plötzlich zu kippen anfängt. Und dieses Muster lässt sich seit längerem bei Dortmund beobachten. Der angeblich so hochbegabten Mannschaft gelingt dann nur noch wenig und lässt sich von der spielerischen Unfähigkeit des Gegners anstecken, und wenn dann auch noch Sancho anfängt zu schwächeln und mit außergewöhnlichen Fehlpässen glänzt, dann kann man der Niederlage eine gewisse Logik nicht absprechen. Die Situation vor dem 2:1 war dafür typisch. Alle Dortmunder in der eigenen Hälfte, alle auf Position und ohne den ballführenden Mann zu attackieren. Müde seien die Spieler gewesen, heißt es zur Entschuldigung, aber was in Wirklichkeit fehlt, ist der Glaube und die damit verbundene Begeisterung, wirklich Meister werden zu können. Da ist einfach keine Mannschaft auf dem Platz, bei der man spüren würde, dass sie füreinander kämpft und sich am Spiel berauscht, wie man das bei Leipzig spürt, die selbst nach einer vergurkten ersten Halbzeit wieder zurückkommen, oder auch bei den Bayern, bei denen man selbst bei den verlorenen Spielen nicht das Gefühl hatte, sie hätten nicht alles gegeben. Auch die Bayern tun sich schwer wie gegen die natürlich defensiv eingestellten Wolfsburger, Chancen zu generieren und Tore zu schießen, aber sie versuchen es immer wieder und weiter, und genau aus diesem Grund gelingen ihnen in den letzten Minuten oder in der Nachspielzeit noch die entscheidenden Siegtreffer. Anders die Dortmunder, die sich an ihrer Überlegenheit erfreuen und am Ende nachlässig werden oder denen plötzlich einfällt, dass der knappe Vorsprung jetzt wie so häufig vielleicht doch nicht reicht und anfangen zu verkrampfen, bestärkt durch den Trainer, der den Vorsprung mit Defensivspielern über die Runden bringen will, während beim mittelmäßigen Gegner Offensivspieler eingewechselt werden. Und deshalb wird das mit Favre nichts mehr, denn es liegt eben nicht nur an den vergebenen Chancen, sondern auch am subjektiven Faktor. Das ist ja auch das schöne am Fußballspiel, dass die von den Trainern ausgetüftelte Taktik häufig nicht klappt, und wenn sie klappt, es meistens ein ödes Spiel gibt. Dafür steht die Hertha, die sich ihre Punkte ermauert, diesmal gegen Gladbacher, die ebenfalls nicht zum Kreis der Favoriten auf den Meistertitel gehören, weil sie wie die Dortmunder zu wankelmütig sind und nicht wirklich die Mittel haben, gegnerische Defensiven zu knacken. Anders wiederum verhält es sich mit Schalke und Freiburg, die sich standesgemäß 2:2 trennten, weil beide wirklich eine geschlossene Mannschaftsleistung bieten und trotz ihrer limitierten Mittel kämpfen, weil sie zu glauben beginnen, einen internationalen Platz erreichen zu können. Die Dortmunder können also froh sein, wenn sie noch Platz 4 schaffen.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Eine ganze Halbzeit lang konnte man in Dortmund gegen den Spitzenreiter Leipzig ein hinreißendes Spiel der Borussia sehen, die den Gegner ziemlich an die Wand spielten mit schnellem Spiel und schönen Kombinationen, so dass man schon Hoffnung schöpfte, das Achtelfinale der CL gegen Paris könnte vielleicht doch noch nicht Endstation sein, aber dann kam die Halbzeit, es begann in Strömen zu regnen und wie aus dem Nichts und völlig grundlos unterlief ausgerechnet Bürki, der zuletzt so sensationell gehalten hat, ein dicker Patzer, als er völlig unnötig aus dem Kasten lief und versuchte den Ball vor dem heranstürmenden Werner wegzuköpfen, statt das Zagadou zu überlassen, der viel besser stand, mit der Folge, das der Ball Werner vor die Füße landete, der ihn nur noch einzuschieben brauchte. Und nur wenige Minuten später war es ausgerechnet Brandt, der in der 1. Hälfte ein so Weltklassetor geschossen hatte, dem eine Ballrückgabe missglückte, weil er den gerade aus dem Abseits trabenden Werner übersehen hatte, der nur noch Bürki zu umkurven brauchte, um den Ball unterzukriegen. Ausgerechnet Werner, dem bis dahin, wie er selber sagte, 100 Prozent Fehlpässe unterlaufen waren und völlig aus dem Spiel war, wurde von den Dortmundern wieder aufgebaut. Zwei lupenreine Eigentore und niemand kann sich diese Slapstickeinlagen erklären. Leider passieren den Dortmundern solche Patzer häufiger, weshalb sie gegen jede Mannschaft zu verlieren in der Lage sind. Danach war das Spiel zwar ausgeglichen, aber es brauchte nach der 3:2-Führung durch Sancho dann noch eines Patzers von Guerreiro, damit den Leipzigern der erneute Ausgleich zum 3:3 gelang. Die Bayern hingegen haben weit weniger derartige Blackouts, waren aber in Freiburg in einem erstaunlich ausgeglichenen Spiel die glücklichere Mannschaft und schossen in der 92. und 95. Minute dann doch noch die beiden Siegtreffer. Bayern befindet sich also wieder auf Erfolgskurs und konnte dank des Remis in Dortmund den Abstand zu Leipzig auf vier Punkte verkürzen. Aber auch auf den anderen Plätzen spielten sich jede Menge Dramen ab. So verlor die Eintracht zu Hause nach einer souveränen 2:0-Führung noch 4:2 gegen den Aufsteiger Köln. Eingeleitet wurde die Niederlage durch einen abgefälschten Weitschuss von Hector, ein Anschlusstreffer, der mehr als glücklich war. Dann musste der Mittelfeldstabilisator Rode verletzt vom Platz und das Unglück nahm seinen Lauf. Und Bremen verlor gleich mit 5:0 zu Hause gegen eher mittelmäßige Mainzer, die nicht nur gegen völlig verunsicherte Bremer schnelle Konter spielten, sondern auch einen Glückstag hatten, wie sich an dem kuriosen Tor sehen ließ, als eine Mainzer Flanke von einem Bremer Abwehrspieler an den Pfosten des eigenen Tores abgefälscht wurde, von wo der abgeprallte Ball vom Rücken des in die Ecke hechtenden Torwarts ins Tor trudelte. Ein Tor, wie man es nur ganz selten sieht. Und auch sonst hatte man den Eindruck, dass jeder Schuss ein Treffer war. Bremens Trainer Kohfeldt sah dem Debakel fassungslos zu und zum ersten Mal hatte man den Eindruck, als würde ihm einfach nichts mehr einfallen zur desolaten Leistung seiner Mannschaft. Auch den 1:0-Sieg der Hertha in Leverkusen haben vermutlich nicht viele Leute vorhergesehen, aber die dominanten Leverkusener hatten kein Rezept gegen die Berliner Mauertaktik, die von Klinsmann verschrieben worden war und mit zwei Siegen in Folge offensichtlich sogar zu helfen scheint. Immerhin gewannen die Gladbacher mal wieder standesgemäß gegen Paderborn, was, wie man vom BVB weiß, nicht selbstverständlich ist.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

So ein Spiel mit dieser Überlegenheit gab es lange nicht mehr, bei dem man sich entspannt zurücklehnen konnte, auch nicht gegen mittelmäßige Mannschaften wie Mainz, die nur die ersten zehn Minuten den Dortmundern etwas entgegenzusetzen hatten. Es dauerte dann zwar trotzdem bis zur 32. Minute, bis durch einen technisch hochwertigen Schuss von Reus das 1:0 fiel, aber nur deshalb, weil der Referee unverständlicherweise ein offensichtliches Handspiel im Strafraum der Mainzer nicht als Elfer wertete, und auch ein deutliches Gezerre am Trikot von Reus am Elfmeterpunkt wurde großzügig übersehen. Aber spätestens in der 2. Halbzeit waren die Mainzer ziemlich unterlegen, was nicht daran lag, dass sie schlecht spielten, sondern weil die Dortmunder endlich mal etwas engagierter zu Werke gingen. Und als sie dann auch noch versuchten, offensiv zu spielen und die Dortmunder in die eigene Hälfte zu drücken, boten sie den Dortmundern jede Menge Platz zum Kontern, wozu sich als erstes Zagadou eingeladen fühlte, der über den dreiviertel Platz (und nicht nur über den halben Platz, wie im Kicker-Bericht stand) rannte, ohne von einem Mainzer gestört zu werden, um dann präzise auf Sancho zu passen. Das 3:0 durch Hazard war allerdings nicht unhaltbar und das letzte Tor durch Schulz, der für Guerreiro spielte, aus spitzem Winkel war eher ein Glücksschuss. Aber Favre war ziemlich zufrieden über das »ziemlich gute« Spiel seiner Mannschaft, die sich nach vier Erfolgen in Folge wieder ein bisschen gefangen zu haben scheint, es allerdings auch nicht gerade mit starken Gegnern zu tun hatte. Morgen bereits zu Hause gegen Leipzig wird sich herausstellen, ob die gegenwärtige Form auch für einen guten Gegner ausreicht, denn Leipzig gewann souverän mit 3:0 bei allerdings ziemlich indisponierten Düsseldorfern, gegen die schon der BVB mit 5:0 gewonnen hatte. Richtig spektakulär war das alles nicht. Das war nur das Spiel der Bayern zu Hause gegen Bremen, denn obwohl die Sache auf dem Papier ziemlich eindeutig war, gingen die Bremer durch Rashica 1:0 in Führung, der Boateng vor ziemliche Probleme stellt. Auch ein 2:0 wäre möglich gewesen, weshalb man schon leise zu hoffen begann, dass die Bayern wie schon in den letzten beiden Spielen ihre Überlegenheit einfach nicht in Tore umwandeln könnten. Aber diesmal spielte Coutinho von Beginn an mit und zeigte, dass er ein großer Ausnahmespieler ist, der elegant Tore vorbereitete und auch selbst gleich drei sensationelle Treffer beisteuerte. Mit einem Coutinho in dieser Form wird es auch in diesem Jahr kein Problem für Bayern sein, Meister zu werden. Leipzig könnte ihnen dabei ein wenig im Weg stehen, aber Gladbach ist einfach nicht gut genug und hat bislang am Limit gespielt. Zuletzt aber haben sie in der Euroleague gezeigt, dass man nicht mal gegen eine mittelmäßige türkische Mannschaft trotz Überlegenheit ein Unentschieden über die Runden bringen kann, sondern sich noch in der Nachspielzeit die Butter vom Brot nehmen ließ und als einzige deutsche Mannschaft aus den beiden internationalen Wettbewerben rausflog. Klinsmann schaffte im 3. Spiel für Hertha den ersten Sieg zu Hause gegen Freiburg, ein trostloses Gewürge, das 1:0 endete, ein Spiel, das man nicht sehen musste, im Gegensatz zu dem attraktiven 1:1 der Unioner in Paderborn.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Endlich mal wieder ein Spieltag nach Maß. Die Bayern verlieren trotz drückender Überlegenheit und jeder Menge Chancen 2:1 in Gladbach. Und zwar schon das 2. Spiel hintereinander. Schon eine Woche vorher hatten die Münchner Leverkusen fest im Griff, hatten Chancen ohne Ende und gingen fassungslos und mit leeren Händen vom Platz. Auch in Gladbach, wo man hätte gewinnen müssen, um den Punkterückstand zu verringern, der nach der Pleite nun auf sieben Punkte angestiegen ist, passierte das Unerklärliche, denn nach dem 1:0 durch Perisic kurz nach der Pause, wachten die Gladbacher plötzlich auf und wehrten sich, pressten ihrerseits und spielten auch mal nach vorne. Es ist lange her, dass die Fohlen gegen die Bayern auf Augenhöhe spielten. Manchmal konnten sie die Bayern auch mal ärgern, aber diesmal stand Gladbach auf Platz 1 und das nunmehr schon seit acht Wochen. Vielleicht weil Bayern die plötzliche Gegenwehr nicht gewohnt war, erfüllte sich der Gladbacher Traum, mit dem nach dem 1:0 kaum jemand gerechnet haben dürfte. Und das in einem wunderbaren Finale, das niemand hätte besser inszenieren können, denn in der 92. Minute räumte Martinez den Gladbacher Thuram im Strafraum ab, kassierte dafür rot und einen Elfer, den Bensebaini, dem schon vorher per Kopfball der Ausgleich gelungen war, sicher verwandelte. Der Münchner Stinkstiefel Müller, der für die Entlassung von Kovac gesorgt hatte, war anschließend ziemlich erschüttert darüber, dass Bayern für ihre Spielart gelobt wurde, obwohl nicht ein Pünktchen dabei herausgekommen war, was nicht sehr oft vorgekommen ist in den letzten Jahren. Nachdem der BVB, der durch seine desaströsen Auftritte nicht mehr besonders im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, nach seinem Zittersieg bei Hertha und dem Blender Klinsmann endlich mal wieder befreit aufgespielt hat und Düsseldorf mit 5:0 weggepustet hat, atmet man in Dortmund wieder etwas auf und verlängert dadurch nur das Elend, das mit Favre als Trainer durch diesen Erfolg nicht beendet sein wird. Fortuna war zwar in der letzten Saison noch der Favoritenschreck, diesmal aber konnte man einen Klassenunterschied erkennen. Dennoch war der Sieg nicht durchweg glänzend, trotz der neuen schwarz und edel aussehenden Trikot-Sonderedition, die nach 150 Minuten ausverkauft war, denn in der 1. Halbzeit fiel den Dortmundern lange nichts ein, wie sie den Düsseldorfer Abwehrriegel knacken könnten. Immerhin reichte ein Gedankenblitz von Piszczek und Reus, um kurz vor der Pause das 1:0 zu erzielen. Danach drehte das Offensivtrio, Reus, Hazard und Sancho richtig auf und ließ seine Genialität aufblitzen, die man gegen einen mittelmäßigen Gegner allerdings nicht allzu euphorisch beurteilen sollte. Morgen gegen Slavia Prag in der Champions-League haben sie einen weit unangenehmeren Gegner vor der Brust. Und da könnten sie mal zeigen, was sie wirklich drauf haben, auch wenn ihnen das nicht viel nützt, wenn Inter gegen Barca gewinnt, was nicht sehr unwahrscheinlich ist, denn die Spanier sind bereits qualifiziert und müssen sich kein Bein mehr ausreißen. Schön war auch der 2:1-Sieg Leverkusens gegen Schalke, während ich persönlich im Spiel Leipzig gegen Hoffenheim ein trostloses Remis dem leider glänzenden 3:1-Sieg der Leiziger vorgezogen hätte. Auch das 1:0 der Freiburger gegen Wolfsburg ist ein schönes Ergebnis, wenn es auch kein schönes Spiel war, weil man mehr als den allerdings sensationellen Freistoßtreffer Schmids nicht gesehen haben musste.