Archiv für den Monat: Oktober 2019

Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Spätestens nach dieser Woche, nach dem 0:2 in Mailand und dem 0:0 gegen Schalke, ist klar: der BVB befindet sich in einer veritablen Krise. Und diese Krise betrifft die gesamte Mannschaft, die keine schnellen Kombinationen in die Tiefe mehr zustande bringt, jegliches Risiko scheut und eine ungewöhnliche Zweikampfstärke an den Tag legt. Vielleicht liegt es ja an den Vorschusslorbeeren und der Erwartungshaltung, mit der die Mannschaft konfrontiert wurde, jedenfalls leidet man sehr unter der Einfallslosigkeit der Dortmunder. In Mailand traten die Dortmunder auf, als wollten sie nach dem 1:0-Rückstand immer noch ein 0:0 halten, und erst auf dem allerletzten Drücker versuchte man etwas offensiver zu spielen, und dann war es Guerreiro, der den Ball verlor, der zum 2:0-Konter führte. Man musste froh darüber sein, dass die Schalker ihre Chancen nicht so eiskalt nutzten wie Inter. Immerhin traf Schalke zweimal den Pfosten und einmal musste Guerreiro auf der Linie klären, aber vor allem Matondo hatte mehrere gute Möglichkeiten, die er allesamt vergab. Zum Glück für Dortmund. Die Schwarzgelben brachten hingegen nach vorne gar nichts zustande, und es ist bezeichnend, dass der einzige, der ein paar Bälle aufs Schalker Tor schoss, Sancho war. Die Schalker spielten ruppig, einsatzfreudig und liefen die Dortmunder Abwehr schon weit in der gegnerischen Hälfte an. Die Folge waren immer neue Ungenauigkeiten, grandiose Fehlpässe und Missverständnisse der Dortmundern. Witsel verlor erstaunlich viele Zweikämpfe, was er sonst nie tut. Dennoch sagt die Zweikampfquote, dass die Dortmunder um 5 Prozentpunkte besser war, und auch viele andere statistischen Werte sprachen für Dortmund oder waren wie sogar die Laufleistung ausgeglichen, nur nicht die entscheidenden, nämlich die Torschüsse, was daran lag, dass die Dortmunder ohne Stürmer spielten, der in den Sechzehner gegangen wäre, und da sie auch keine Fernschussspezialisten sind, wird es natürlich schwer, überhaupt ein Tor zu erzielen. Allerdings würde man sich Illusionen machen, ginge man davon aus, dass mit der Rückkehr von Alcacer alles besser würde. Es ist das Zutrauen der Mannschaft in ihre eigenen Kräfte und Möglichkeiten, die den Dortmundern z.Z. abgeht. Immerhin gab es kurz vor Schluss, als den Schalkern die Luft ausging, eine schöne kleine Idee von Brandt, der den Ball für Reus in einer gefährlichen Zone durchsteckte, aber der Pass war zu unpräzise, wie vieles an dem unansehnlichen Spiel mit verbissenen Zweikämpfen, die kaum einen Spielfluss zuließen. Favre scheint nicht in der Lage zu sein, dem entgegenzuwirken, wobei ihm wenig mehr einfällt als die Backen aufzublasen und die Augenbrauen hochzuziehen. Immerhin tut sich auch Bayern schwer, sogar zu Hause gegen Union, als man mit Mühe und nur aufgrund eines verschossenen Elfers von Union sich mit einem 2:1 an die Spitze setzte. Dennoch hatte Bayern Chancen für fünf, sechs Tore, und wenn sie ihre Treffsicherheit wieder zurückgewinnen, dann werden sie auch wieder ihre einsamen Runden an der Tabellenspitze drehen. Das schönste an diesem Spieltag war der 2:1-Sieg der Freiburger gegen Leipzig, mit dem sie sich zumindest für eine Nacht auf Platz 2 gesetzt haben, denn es ist an der Tabellenspitze immer noch wahnsinnig eng, weil fast die Hälfte der Liga da vorne nur drei Punkte auseinander ist.

Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Nur selten war die Liga so ausgeglichen wie in dieser Saison. Jeder scheint jeden schlagen zu können. Beim Wetten auf Wahrscheinlichkeit zu setzen, damit scheint man z.Z. garantiert falsch zu liegen. Auch diesmal gingen die meisten Spiele überraschend aus. Allen voran das glückliche Dortmunder 1:0 gegen den Tabellenführer aus Gladbach. Schon in der 1. Halbzeit lieferte Akanji eine präzise Vorlage für Embolo, die der herausstürzende Bürki nur mit großen Risiko klären konnte, und auch ein weiteres Mal musste Bürki alles aufbieten, um den allein auf ihn zulaufenden Gladbacher Stürmer zu stoppen. Die Dortmunder Abwehr ist so löchrig wie ein Schweizer Käse, die allerdings wieder einmal umgestellt werden musste, weil Favre Hakimi in die Offensive beorderte, wo er weitgehend wirkungslos blieb, weil seine Stärken auf der Außenbahn sind, denn nur wenn Hakimi von hinten Schwung und Schnelligkeit aufnehmen kann, ist er wirklich gegährlich. Der zuletzt ein- und dann wieder ausgewechselte Brandt musste im Sturm ran, weil Alcacer und Götze verletzt sind, alles in allem eine völlig neue Situation und Aufstellung. Zudem fehlten die Ideen und die Genialität Sanchos, der sich nach dem Länderspiel für die Brexit-Briten ein paar Tage frei nahm, bevor er nach Dortmund zurückkehrte. Dann verhinderte Reus gleich zweimal die Führung durch Hazard und Brandt durch Abseitsstellungen, einmal mit der Ferse, von der es nur einen sehr undeutlichen Videobeweis gibt. Immerhin gelang ihm dann doch der Siegtreffer, indem er den Ball Sommer durch die Beine schob. Zumindest hinsichtlich des Glücks war dieser Sieg ein eindeutiger Fortschritt gegenüber den 2:2-Ergebnissen, über die Dortmund in den letzten drei Begegnungen nicht hinauskam. Vor allem im letzten Spiel gegen Freiburg, als die Dortmunder auf Anweisung Favres einen erbärmlichen Angsthasenfußball spielten, der zurecht mit dem Freiburger Ausgleich in den letzten Minuten bestraft wurde, zeigten die Borussen eindrucksvoll, dass sie in diesem Jahr mit Sicherheit eins nicht werden, nämlich Meister. Aber Meister scheint auch sonst niemand werden zu wollen, nicht mal die Bayern, die die 2:2-Tradition der Dortmunder gegen die abstiegsbedrohten Augsburger fortsetzten und dabei wie schon zuletzt gegen Hoffenheim jede Menge Chancen ausließen. Aber im Unterschied zu Dortmund haben die Bayern wenigstens Chancen, was man von Dortmund nicht wirklich behaupten kann. Freiburg hingegen, die dem BVB zumindest einen Punkt abgeluchst haben und ganz vorne mitspielen, verloren aus lauter Angst vor ihrem Erfolg bei Union Berlin, das bislang nur ein Spiel gewinnen konnte, nämlich das gegen Dortmund. Und Wolfsburg hält sehr zäh an seiner Serie fest, nicht zu verlieren, diesmal allerdings sogar in Leipzig, bei denen man zunächst den Eindruck hatte, sie würden der Liga entfleuchen. Es war ein 1:1 der unattraktiven Sorte, ebenso wie das 1:1 der Herthaner bei den ersatzgeschwächten Bremern, die einfach nicht gewinnen können, obwohl es der Trainer seiner Mannschaft und den Fans versprochen hatte. Vielleicht handelt es sich gar nicht um eine Ausgeglichenheit der Liga, sondern nur um eine allgemeine Schwäche, die sie befallen hat, wo die sogenannten Underdogs durch großes Engagement und Kampfeswillen den Favoriten das Leben schwer machen, die Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren.