Archiv für den Monat: September 2019

Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Nach der Blamage vor zwei Wochen bei Union Berlin, wo die Dortmunder einen ziemlich ratlosen Eindruck gemacht haben, als sie einem ständigen Pressing ausgesetzt waren und nach der Devise Favres sich »geduldig« den Ball um den Strafraum zuschoben, aber nie gefährlich zum Abschluss kamen, um sich mit sehenswerten Fehlern auskontern zu lassen, nach diesem Grottenspiel war natürlich »Wiedergutmachung« angesagt. Man munkelte sogar, dass es im Mannschaftsgefüge knisterte, dass Hummels die hierarchischen Strukturen durcheinandergebracht hätte, dass Reus einfach kein Leader sei, was ja auch stimmt, dass Favre nicht unumstritten sei, weil er nicht mit der Leidenschaft ans Werk gehe, die notwendig ist, um junge Spieler begeistern, und stattdessen immer nur »Geduld Geduld« predige, was ebenfalls stimmt. Und deshalb galt es nach der nicht eingeplanten Niederlage gegen einen Aufsteiger mit begrenzten Mitteln gegen Leverkusen die andere Seite des BVB zu zeigen. Und tatsächlich gelang das ganz gut, denn der auf Offensive setzende Bosz, der mit diesem Konzept bislang ganz gute und bessere Ergebnisse als damals in Dortmund erzielt hatte, schaffte sogar den besten Saisonstart seit wer weiß wieviel Jahren. Leverkusen spielte also vor allem in den ersten zwanzig Minuten gut mit und hatte einige Großchancen, die Bellarabi großzügig vertat. Nach einer halben Stunde aber gab es im Zuspiel der Leverkusener ein Missverständnis, so dass sich Hakimi den Ball schnappen konnte, während Bellarabi hinterhertrottete (wofür er eigentlich sofort ausgewechselt hätte werden müssen), sodass Hakimi in aller Ruhe eine wundervolle sanfte Flanke aus dem Halbfeld in den Strafraum chippen konnte, die Alcacer direkt und auf elegante Weise verwandelte. Jetzt fing der BVB an, das Spiel zu dominieren und kurz nach der Halbzeit war es mal wieder der auf der rechten Seite sträflich alleingelassene Sancho, der in den Strafraum laufen und auf Alcacer zurückpassen konnte, der soviel Übersicht besaß, dass er einen Schuss nur antäuschte, der sowieso abgeblockt worden wäre und für Reus durchließ, der unhaltbar in die lange Ecke schoss. Das sah schon alles ziemlich gut aus, und als dann der Glaube der Leverkusener an sich selber schwand und nach dem 3:0 der unauffällig bleibende Havertz ein Frustfoul beging, war klar, das kein Anschlusstreffer mehr fallen würde, sondern höchstens das 4:0, was dann ja auch so war. Ob die Leistung ausreicht, um am Dienstag gegen Barcelona zu bestehen, darf man bezweifeln, aber immerhin war es schon mal ein Anfang. Da Bayern im 4. Spiel bereits das 2. Unentschieden hinnehmen musste, und zwar in Leipzig, die einen optimalen Start hingelegt hatten, konnte sich der BVB wieder vor die Bayern schieben. Leipzig wollte zwar unbedingt gewinnen, aber vor allem in der ersten Halbzeit hatten sie Glück, dass Lewandowski von drei Großchancen nur eine verwertete und ein Elfer nicht gegeben wurde, der zwar tatsächlich keiner war, aber normalerweise sonst immer für Bayern gegeben wird. Und sonst: Hertha verliert in Mainz und hat nur einen Punkt vorzuweisen. Und das Hochrisikospiel Köln gegen Gladbach geht ganz undramatisch 1:0 für die Fohlen aus, also alles so, wie es sein muss.

Die Wahrheit über den 3. Spieltag

Dortmund knüpfte nahtlos an seine Leistung gegen Köln aus der ersten Halbzeit an. Ideenlos, leidenschaftslos, ohne Kampfgeist, und von den sogenannten Leadern Reus und Hummels kaum was zu sehen. Die in den Himmel gelobte junge Mannschaft hielt sich an das Credo ihres Trainers und spielte mit 75 Prozent Ballbesitz geduldig um den Strafraum herum. Man ist immer wieder aufs Neue überrascht, wie wenig Favre in der Lage ist, sich auszudrücken oder auch nur einen klaren Gedanken zu formulieren. Als er nach dem Spiel gefragt wurde, woran es lag, konnte er keine Spielanalyse erstellen, sondern sagte nur, dass man Geduld haben müsse und dass Laufen wichtig sei, weil Union Berlin 7 Kilometer mehr gelaufen war als die Dortmunder, die fast schon aufreizend behäbig spielten. Das Geduldsspiel, dass den Dortmunder auferlegt wurde und dass gegen Köln gerade mal noch so klappte, führte schließlich zu Fehlern der Dortmunder und nicht die Unioner. Vor allem Akanji brillierte als letzter Mann mit einem Stopfehler, indem ihm ein Ball als Vorlage für den Gegner geriet, von dem er sich dann auch noch tunneln ließ. Und auch das 3:1 verdeutlichte, dass die Unioner mit Doppelpass und Direktspiel den Spielwitz hatten, den Dortmund völlig vermissen ließ. Union gab zudem mehr Torschüsse ab als die Schwarzgelben, liefen mehr und holten mehr Ecken heraus. Die anderen Spielwerte, bei denen der BVB haushoch überlegen war, wie Passquote und Anzahl der Pässe, Ballbesitz und Zweikampfquote überließen die Unioner den Dortmundern. Und das ist interessant, denn das verdeutlicht mal wieder, wie wenig mit diesen Werten zu erreichen ist, wenn nicht auch noch Kampfgeist und Siegeswille dazukommt, die die Dortmunder völlig vermissen ließen. Und damit ist ja wohl schon alles gesagt zur vorab bereits vergebenen Meisterschaft, denn Bayern zeigte eindrucksvoll mit einem 6:1 gegen arme Mainzer, wie man Meister wird. Dass es nicht ein vollkommen vergurkter Abend war, lag an Neven Subotic, der in Dortmund die großen Triumphe an der Seite von Hummels feiern durfte und von den Dortmunder Fans immer noch auf rührende Weise verehrt wird. Subotic ist einer der wenigen Fußball-Millionäre, der mit seinem Geld sich nicht nur den neuesten Masserati in die Garage stellt, sondern mit seinem Geld etwas sinnvolles tut, der eine Stiftung gegründet hat, die in Afrika Trinkwasserbrunnen für Dörfer baut und den Bewohnern dort das Überleben ermöglicht. Und gerade deshalb ist es so schön, dass er auch noch als Spieler anderer Mannschaften mit großen Ovationen gefeiert wird und der an den Verein wirklich sein Herz verloren hat und dem man das glaubt, weil es kein bloßes Lippenbekenntnis ist. Schon nach dem 3. Spieltag hat es nur eine Mannschaft geschafft, die neun möglichen Punkte auch einzufahren, nämlich die von allen gehasste Retortenmannschaft RB Leipzig. Das ist bitter, aber sie haben zumindest mit Nagelsmann einen Trainer, der sich artikulieren kann. Und noch zwei Überraschungen: Freiburg, das die zwei Auftaktspiele gewonnen hat, verloren zu Hause gegen Köln, und die Wolfsburger kommen ebenfalls als Heimmannschaft gegen Paderborn über ein Unentschieden nicht hinaus.