Archiv für den Monat: August 2019

Die Wahrheit über den 2. Spieltag

Auf amazon prime gibt es die Serie »Inside Borussia«, um in der Öffentlichkeit die Sympathiewerte zu steigern. Bayern ist da schon abgehängt. Wovon man sich bei der Serie unter anderem überzeugen kann, dass Favre eine völlige Fehlbesetzung ist, wenn es darum geht, die Spieler zu motivieren. Man sieht ihn, wie er sagt, »wir können es schaffen« und man denkt »Aha, wie interessant«. Es kann aber auch an etwas anderem gelegen haben, dass Dortmund in Köln wieder in alte Verhaltensmuster verfiel, die man nach den ganzen Vorschusslorbeeren und den hoch gelobten Neueinkäufen schon gar nicht mehr für möglich hielt. Der FC war natürlich bis in die Haarspitzen engagiert und lief die Dortmunder Verteidiger weit in deren Strafraum an. Das schienen die Dortmunder nicht gewohnt zu sein. Den Ball und damit den Gegner laufen lassen, hatte ihnen Favre eingehämmert mit seiner kleinen geballten Faust, wenn man dazu allerdings keinen Raum hat und man in Zweikämpfe gezwungen wird, denen man unbedingt aus dem Weg gehen wollte, dann schienen die Dortmunder von einer seltsamen Unsicherheit geschüttelt zu werden. Akanji semmelte unerklärlich den Ball ins Aus, Bürki hätte beim Versuch, einen heranstürzenden Düsseldorfer ins Leere laufen zu lassen, fast ein Eigentor fabriziert, die Spieler suchten verzweifelt nach einem freien Mitspieler und Weigl verlor einen Zweikampf nach dem anderen. Alles in allem eine trostlose Veranstaltung, die gekrönt wurde durch ein Tor der Kölner nach einer Ecke. Und das war keinesfalls unverdient. Aber was war mit der Dortmundern los? Hatten sie das Gerede vom kommenden Meister für bare Münze genommen? Wollten sie so körperlos spielen, wie ihnen das die Augsburger ermöglicht hatten? Leider weiß man nicht, was in der Köpfen der Dortmunder vor sich ging, aber nicht mal Sancho machte eine Ausnahme. Erst als Hakimi für Schulz und Brandt für Weigl kamen, bekam das Dortmunder Spiel langsam Konturen, wurden auch mal Zweikämpfe angenommen und kombiniert. Natürlich war es wieder Sancho, der mit einem schönen Linksschuss den Ausgleich schaffte. Die Kölner knickten aber nicht ein, sondern setzten alles auf eine Karte, wurden dann aber nach einer der wenigen tollen Kombinationen schachmatt gesetzt, Pisczcek konnte in Ruhe flanken und Hakimi den Ball per Kopf unter die Latte wuchten. Danach machten die Kölner noch weiter auf und liefen in einen Konter, den wer anderes als Sancho wunderbar vorbereitete, indem er den Ball für Alcacer auflegte. Aber sich immer auf die 2. Halbzeit zu verlassen und den Gegner sich müde spielen zu lassen, ist keine allzu attraktive Taktik, vor allem, weil sie nicht gerade verlässlich aufgeht, aber schön, dass es gegen die Kölner geklappt hat. Dicht auf den BVB-Fersen sitzt Freiburg, die in Paderborn etwas glücklich 3:1 gewonnen haben, Werder konnte auch gegen Hoffenheim nicht gewinnen und verlor nicht nur Eggestein mit einer roten Karte, sondern auch das hin und herwogende Spiel in der 88. Minute durch ein Tor von Bittencourt, Leverkusen zeigte im rheinischen Duell gegen Düsseldorf, wer die Nase vorn hat, und bei Bayern reichte Lewandowski aus, um gegen engagierte Schalker mit 3:0 zu gewinnen.

Die Wahrheit über den 1. Spieltag

Herr Seethaler ist bereits nach dem 1. Spieltag überzeugt, dass der BVB Meister wird. »Ist doch sonnenklar, Dortmund wird Meister.« Ich sollte ihm eigentlich beipflichten, wenn es da nicht die bei Dortmund-Fans eingebaute Skepsis gäbe, die einem sofort tausend Gründe nennt, die dagegen sprechen. Nur, um mal ein paar zu nennen: Immer, wenn ein Verein für die kommende Saison Ambitionen angemeldet hat, ging es in der Regel schief. Zuletzt meldete Stuttgart Ansprüche auf einen internationalen Platz an mit der Folge, dass der Verein schließlich sogar im Relegationsspiel gegen Union das Nachsehen hatte. In diesem Fall, hatte ich zwar nichts dagegen, denn wer kann schon den VfB leiden? Nicht mal eingefleischte Stuttgarter, die was auf sich halten. Die sind nämlich Kickers-Fans. Außerdem liegen noch 33 Spiele vor einem. Und in denen wird es einem nicht so leicht gemacht, wie es die Augsburger (in der letzten Saison noch der Dortmunds Angstgegener) dem BVB gemacht haben, allen voran Torhüter Koubek, der in der ersten Halbzeit noch prima einige gar nicht so einfache Schüsse abgewehrt hat, dann aber in der 2. Hälfte einige Male daneben griff. Und nach dem Augsburg-Treffer nach 31 Sekunden, gelang dem BVB außer dem schnellen Ausgleich, natürlich und fast wie immer nach genialer Vorarbeit von Sancho, erst mal kein Tor mehr, so dass man schon anfing, sich Sorgen zu machen, denn im Prinzip wird das in dieser Saison die Spiele prägen: Totale Blockade gegen kontrollierten Angriff, denn das ist die einzig mögliche Strategie, die den kleinen Vereinen übrigbleibt. Und wenn dem überlegenen Verein keine Tore gelingen, dann kann es eben so ausgehen, wie am Freitag im Auftaktspiel der Bayern gegen Hertha. Dort stand es am Ende 2:2, weil den Herthanern zwei Glückstore gelangen und die Bayern aus ihrer drückenden Überlegenheit eben auch nicht mehr Tore. Aber das ist noch das einzige Spannungselement: Das Glück der schwächeren, bzw. Pech der besseren Mannschaften. Dortmund wird aber von einer Welle der Sympathie getragen, denn endlich soll mal jemand anders Meister werden und nicht zum 8. Mal Bayern, was ja auch extrem langweilig ist. Aber so leicht werden die Bayern nicht aufgeben. Nach dem geplatzten Sane-Transfer, haben sie jetzt Coutinho an der Angel, der sich bei Barcelona nie richtig durchsetzen konnte und nach den spektakulären Transfers der Spanier noch weniger Chancen hat. Perisic allerdings, der bei Juventus keine Chancen mehr hatte, ist nicht gerade der große Fisch. Trotzdem reicht der Kader der Bayern aus, um den Dortmundern mehr als nur Probleme zu bereiten, auch wenn jeder den Westfalen bescheinigt, wie gut und klug eingekauft wurde. Und tatsächlich ist Hazard ein Gewinn, wie alle anderen Neuen auch, Hummels mit seinen präzisen Außenristpässen (auch wenn er hinten nicht immer eine bella figure macht), Julian Brandt, der gleich nach seiner Einwechslung eine sensationelle Flanke aus dem Halbfeld von Witsel direkt zum 5:1 Endstand verwandelte, und der schnelle Nico Schulz, der viel Druck nach vorne zu machen versteht und endlich mal Schmelzer ablöst, der in der letzten Zeit viel zu ideenlos agierte. Aber der Beste ist nach wie vor nicht etwa Reus, sondern Sancho, bei dem es nicht nur eine Augenweide ist, ihm bei seinen Tricks zuzusehen, sondern der bei der Vorbereitung fast aller Treffer beteiligt ist. Okay, vielleicht hat Herr Seethaler ja doch recht. Ich wünsche es ihm. Manchmal sagt er, er ist Bayern-Fan, aber so richtig glaube ich es ihm nicht.