Archiv für den Monat: Mai 2019

Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Die Überraschung ist ausgeblieben, wie schon in England, wo City sich in den letzten beiden Ligaspielen den 1-Punkte-Vorsprung durch zwei Siege nicht mehr von Liverpool nehmen ließ. In Deutschland hätte ein bisschen mehr passieren müssen, aber die Konstellation war im vornherein so unwahrscheinlich, dass nur reiner Zweckoptimismus davon ausgehen konnte, weil man ja als Dortmunder sowieso nichts zu verlieren hatte. Aber schon nach vier Minuten stand es in München 1:0 gegen die Eintracht, die in den letzten Ligaspielen eine Klatsche nach der anderen kassierte und ausgequetscht war wie eine Zitrone, wie Adi Hütter sagte. Der BVB hingegen spielte abwartend, behäbig und auf Ballsicherung bedacht, also nicht schön, während Gladbach durchaus noch an die Chance glaubte, die CL zu erreichen. Das glücklichere Ende der ersten Halbzeit erwischte dann aber Dortmund mit einem umstrittenen Tor durch Sancho nach Vorarbeit von Reus, der den Ball haarscharf am Toraus noch die Mitte flankte. Aber Manuel Gräfe war nicht geneigt, den Ball in vollem Umfang über der Linie gesehen zu haben, wieder so eine Millimeterentscheidung, die umso schwachsinniger ist, je länger sie nachgeprüft wird. Aber nachdem man zweimal jubeln durfte über ein Tor, nämlich nachdem es gefallen war und dann noch einmal, nachdem es offiziell gegeben wurde, lobten die Dortmunder Fans den Videobeweis in höchsten Tönen. Als der Eintracht dann zu Beginn der 2. Hälfte der Ausgleich gelang, keimte noch einmal kurz Hoffnung auf, aber nur für drei Minuten, denn dann legten die Bayern los und kanonierten die Frankfurter in Grund und Boden, bis es schließlich 5:1 stand, als ob die Bayern unbedingt noch am Torverhältnis was drehen wollten. Die Dortmunder spielten in der 2. Hälfte entschlossener und drückten, bis schließlich nach einem Konter Reus nach scharfer Hereingabe von Pulisic auf 2:0 erhöhen konnte. Jetzt war nur noch die Frage, ob der BVB wieder einknicken würde, wie sie das in den letzten Spielen immer gemacht haben, aber vielleicht, weil es um nichts mehr ging, konnten ihnen die Bemühungen der Gladbacher keinen Schrecken mehr einjagen. Immerhin aber ging es noch um einen CL-Platz, den sich die Leverkusener mit einem 5:1-Sieg »auf überschaubaren Niveau« in Berlin sicherten. Hoffenheim hätte mit einem Sieg in Mainz noch in die Euroleague einziehen können und zunächst sah das auch ganz gut aus, denn zur Pause führte Hoffenheim 2:0, aber dann ließ man sich von Mainz die Butter vom Brot nehmen und verschenkte in der Nachspielzeit den sicher geglaubten Sieg mit einem 4:2. Wolfsburg durfte sich in Augsburg gegen eine Mannschaft, bei der es um nichts ging und die wahrscheinlich schon in Urlaub war, mit einem 8:1 wettbewerbswidrig noch auf Platz 6 schießen und darf jetzt wieder in der europäischen Gruppenphase scheitern, was aber nichts macht, weil niemand weder Wolfsburg noch die Gegner angucken will, nicht mal, wenn der Konzern die Getränke zahlen würde, die man beim Gucken verkonsumiert. Immerhin hat der BVB Platz 2 geschafft, und als alten BVB-Afficionado hätte Wiglaf das sehr gefreut. Zumindest das also haben die Schwarzgelben nicht vergeigt.

Die Wahrheit über den 33. Spieltag

»Und Ihr wollt deutscher Meister werden?«, sangen die Fortuna-Fans voller Spott über eine weitere Zitterpartie, die die Dortmunder im eigenen Stadion hingelegt hatten, als die Düsseldorfer in der Nachspielzeit mit einem Spieler weniger noch den 3:2-Anschlusstreffer erzielten, die Dortmunder in ihrer eigenen Hälfte festnagelten und in der allerletzten Minute noch zwei Riesenchancen erspielten. Sogar einen Elfmeter, der allerdings zu Unrecht gegeben wurde, auch wenn sich der Dortmunder Ersatztorhüter Hitz mehr als dämlich dabei anstellte, mussten die Düsseldorfer danebenschießen, um dem BVB zu drei Punkten zu verhelfen. Nein, man kann nicht sagen, dass die Dortmunder diese Partie verdient gewonnen haben, sondern mal wieder unter Beweis gestellt haben, wie unglaublich wacklig und verunsichert sie sind, wenn der Gegner mit Courage, Leidenschaft und Willen auftritt, auch wenn ihre spielerischen Mittel beschränkt sind, was der Fortuna allerdings nicht wirklich anzusehen war, im Gegenteil, hatte man nicht den Eindruck, dass sie spielerisch nicht mithalten könnte. Ihr schnelles und durchaus präzises Konterspiel brachte die Dortmunder ein ums andere Mal schwer in Bedrängnis. Trotzdem sorgten die Dortmunder mal wieder selbst für die gegnerischen Tore. Diesmal war es der für den verletzten Bürki spielende Hitz, der sich an seinem Kollegen ein Vorbild nahm und ebenfalls einen harmlosen Ball durch die Beine rutschen ließ. Und man kann nur froh sein, dass die Saison nächste Woche zu Ende geht, denn man kann z.Z. bei den Dortmundern nur in einer Sache sicher sein, nämlich, dass sie mit haarsträubenden Fehlern hart an der Niederlage arbeiten, was ihnen im Abschlussspiel gegen wieder erstarkte Gladbacher ganz gut gelingen dürfte. Pulisic, neben Delany der einzige Lichtblick in der Dortmunder Elf, wurde verabschiedet, Schmelzer kam in der Nachspielzeit, damit der zuletzt nicht mehr berücksichtigte ehemalige Dortmunder Kapitän sich verabschieden konnte. Es war wie immer ein Drama, aber ein Drama der peinlichen Art, und dass die deutsche Meisterschaft noch nicht entschieden ist, ist nicht dem souveränen Auftreten der Dortmunder zu verdanken, sondern einer fragwürdigen Videoentscheidung aus Köln im Spiel Leipzig gegen Bayern, als wieder mal ein Millimeter-Abseitstor nicht gegeben wurde. Bayern jedenfalls spielte gegen den Tabellendritten aus Leipzig über weite Strecken überlegen und verpasste einige Mal mit dicken Chancen den letzten Punkt, der rechnerisch für die Meisterschaft gereicht hätte. Watzke meinte in der Pressekonferenz, dass jetzt der Druck in München liege, denn die müssten jetzt mindestens ein Unentschieden gegen die Eintracht schaffen, während der BVB befreit aufspielen könne, was sich wie ein Hintertreppenwitz anhörte, denn nichts spricht dafür, dass die Dortmunder im letzten Spiel nicht vor sich hinzittern, und die Bayern gegen die Eintracht kaum Schwierigkeiten haben dürften, denn seit des verpassten Einzugs ins Euroleague-Endspiel gegen Chelsea ist die Eintracht deprimiert und verliert ein Bundesligaspiel nach dem anderen, sogar zu Hause gegen Mainz. Analysten haben schon in Zeiten des 9-Punkte-Vorsprungs den Dortmundern keine großen Chancen eingeräumt, jetzt sind bei Null. Was man vorher auch schon wusste: Hannover und Nürnberg sind abgestiegen, Stuttgart ist in der Relegation. Nur um den letzten CL-Platz rangeln sich noch Gladbach, Leverkusen und Frankfurt. Gladbach konnte mal wieder drei Punkte holen, wenngleich nur beim Club, während Leverkusen nach dem furiosen 6:1 gegen die Eintracht über ein mittelmäßiges 1:1 gegen Schalke nicht hinauskam.

Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Die Dortmunder Abwehr ist z.Z. immer für einen folgenreichen Schnitzer gut. Vor allem unter Druck schlingert sie manchmal wie bei schwerem Seegang und man stellt sich unwillkürlich vor, dass es für jede europäische Spitzenmannschaft eine wahre Freude wäre, gegen eine solche indisponierte Abwehr fröhlich Tore zu schießen, die man auch noch geschenkt bekommt. Bis zur 70. Minute machte Werder kaum einen Stich. Der BVB spielte überlegen gegen eine ersatzgeschwächte Bremer Elf. Pulisic, der für die gesperrten Reus und Wolf in die Starelf rückte, nahm sich bereits in der 6. Minute ein Herz und lief einfach in den Strafraum und schob den Ball am Torhüter vorbei ins Netz. Da sah alles noch leicht und schön aus. Und als Alcacer nach Foul an Pulisic den Strafstoß messilike verwandelte, ging bei dieser Überlegenheit, die sich in zahlreichen weiteren Chancen zeigte, kaum einer davon aus, dass noch etwas anbrennen könnte, vor allem als auch nach der Pause die Dortmunder weiter hoch überlegen spielten. Kaum einer rechnete mit den Dortmundern Blackouts, denn sonst wäre das Spiel ja auch nicht wirklich spannend gewesen, und spannend machen es die Dortmunder immer, nur leider nicht zu ihren Gunsten. Schon ab der 60. Minute zeichnete sich ab, dass die Dortmunder, verführt durch ihre Überlegenheit, die Sache nicht mehr so ernst nahmen. Die Spannung war weg und man schien zu glauben, dass man spielerisch und locker wie beim Training den Rest der Zeit über die Runden bringen könnte, vor allem, als das 3:0 durch Alcacer fiel. Aber dann wurde das Tor wegen des berüchtigten Millimeterabseits nicht gegeben. Kurz darauf wurden Möhwald und Pizarro eingewechselt, das Spiel begann langsam zu kippen, und man muss es Favre ankreiden, dass er darauf nicht bzw. zu spät reagierte. In der 70. Minute ließ Bürki dann einen Ball durch die Beine rutschen, was man als sogenannter Top-Torhüter erstmal schaffen muss, und nur weitere fünf Minuten später wollte Akanji unbedingt einen Ball ins Toraus trudeln lassen und stellte sich dabei so ungeschickt an, dass Augustinsson den Ball auf Pizarro zurücklegen konnte, der dann keine Mühe mehr hatte, den Ausgleich zu erzielen. Es mussten erst weitere wertvolle acht Minuten verstreichen, bevor Favre endlich reagierte, bevor er Bruun Larsen für Götze und Dahoud für Delany brachte, um ein bisschen offensiver zu werden. Philipp brachte er erst in der 90. Minute, wenn andere mit einer solchen Auswechslung auf Zeit spielen. Nach dem 2:2 war dann das Spiel offen und spannend, und sowohl der BVB als auch Werder hätten noch den Siegtreffer erzielen können, wobei die Bremer die beste Chance hatten. Aus den letzten vier Spielen hat Dortmund jetzt vier Punkte geholt, ein bisschen wenig für eine Mannschaft, der man immer noch nachsagt, sie spiele um die Meisterschaft, die rein theoretisch noch drin wäre, wenn Bayern aus den letzten beiden Begegnungen nur noch einen Punkt holt, was ebenso absurd ist wie die Annahme, der BVB würde die beiden Spiele gegen Düsseldorf und Mönchengladbach gewinnen. Dass das nicht der Fall sein wird, dafür sorgt die BVB-Hintermannschaft schon selbst auf verlässliche Weise.