Archiv für den Monat: April 2019

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Mainz hatte zuletzt Freiburg mit 5:0 versenkt, konnte also schlecht als irgendeine Gurkentruppe fehleingeschätzt werden. Dennoch wirkte Dortmund zunächst sehr aufgeräumt und zog sein schnelles Passspiel auf, ließ die Mainzer laufen und manchmal gelang ihnen sogar, was man in letzter Zeit selten gesehen hat, nämlich schnelle Vorstöße zur Grundlinie, um mit Pässen in den Rückraum einige gefährliche Situationen hervorzurufen. Und endlich gelang auch mal ein langer Pass in die Tiefe, der Dortmunds Stürmer Götze erreichte, weil zugegebenermaßen ein Mainzer den Ball falsch einschätzte. In diesem Fall war dieser Fehler tödlich, denn Götze schlug eine millimetergenaue Flanke in den Strafraum, wo Sancho souverän verwandelte. Das war schön anzusehen, genauso wie der schnelle Vorstoß von Delany und sein Rückpass wieder auf Sancho, dessen Direktabnahme noch von einem Mainzer unhaltbar ins Tor abgefälscht wurde. Obwohl man nach der letzten Pleite auf alles gefasst sein musste und dieser Spielverlauf alles andere als selbstverständlich war, fing ich bereits an, mich zu entspannen. Allerdings zu früh, denn in der zweiten Halbzeit dreht Mainz auf und ließ die Dortmunder nicht mehr wie in der ersten Halbzeit einfach spielen, sondern setzten sie unter Druck, und schon fingen die Borussen an zu wackeln. Es eröffneten sich zwar ein paar Konterchancen für die Dortmunder, aber häufig gingen sie eben kein Risiko, sondern brachen wieder ab, um sich wieder auf Ballkontrolle zu beschränken, was aber zunehmend nicht mehr funktionierte, weil die Mainzer das nicht mehr zuließen. Und daran konnte man sehen, wie fragil das Dortmunder Mannschaftgebilde z.Z. ist, wie anfällig es ist gegen kämpferische und laufstarke Mannschaften. Und wenn eine solche Mannschaft dann auch noch spielerisches Vermögen besitzt, dann geraten die Dortmunder wie zuletzt in München eben unter die Räder oder sind gegen Tottenham völlig ohne Chancen. Zum Glück ist Mainz in dieser Hinsicht etwas limitiert, aber sie hätten den Ausgleich noch geschafft, hätten sie noch ein paar Minuten länger Zeit dazu gehabt, denn je mehr sich das Spiel dem Ende zuneigte, desto mehr gerieten die Dortmunder ins Schwimmen und man musste die Einwechslung von Toprak zur Stablisierung der Abwehr schon als schlechtes Omen ansehen, denn als Favre ihn zuletzt aus diesem Grunde einwechselte kassierte Dortmund in der Schlussphase gegen Hoffenheim noch zwei Tore. Und das bahnte sich nun auch wieder an, als im Dortmunder Strafraum ein heilloses Chaos ausbrach, aus dem genausogut das 2:2 hätte passieren können. So landete der Ball in den Armen Bürkis, der zwar immer noch keine Abstöße kann, der aber auf der Linie zu einem der sensationellsten Keeper in der Liga gehört. Wenigstens konnte Gladbach mal wieder punkten und zwar in Hannover bei der Absteigern, die den Gladbachern das Leben zum glücklichen 1:0-Sieg erstaunlich schwer machten. Leipzig eilt von Sieg zu Sieg, diesmal gegen Wolfsburg und ist den Dortmundern weiterhin auf den Fersen. Auch Bremen liegt gut im Schlussspurt dieser Saison und machte gegen Freiburg drei Punkte, wie überhaupt alle Mannschaften auf den internationalen Plätzen gewonnen haben, weshalb der Sieg des BVB ein reiner Pflichtsieg war, mit dem man einfach nur den Abstand zu den Konkurrenten gehalten hat, aber es sind immer noch 15 Punkte im Topf.

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Von einer Demonstration der Stärke der Bayern war in allen Medien zu lesen und zu hören, in Wirklichkeit aber war es eine Demonstration der Schwäche des BVB. Nicht, dass die Bayern nicht gut gespielt hätten, aber sie fanden einen Gegner vor, der aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, völlig katastrophal spielte, wie Reus nach dem Spiel auch sofort zugab. Etwas anderes gab es auch nicht zu sagen, denn erst durch das schwache Dortmunder Spiel konnten die Bayern so auftrumpfen, eine Gelegenheit, die sie sich natürlich nicht entgehen ließen. Noch in der letzten Kolumne habe ich darüber gelästert, dass die Wolfsburger sich von den Bayern haben abfertigen lassen, während sie in Dortmund nahe dran waren, mit einer starken Leistung ein Unentschieden zu erzwingen, jetzt machten die Dortmunder es ihnen nach und zeigten damit, dass sie nahtlos an ihre schlechten Leistungen in den letzten Wochen anknüpften, während man als Fan immer hoffte, dass es die defensiv eingestellten Gegner wären, die die Dortmunder nicht ihre Glanzleistung abriefen ließen, und man sich gegen einen guten Gegner beweisen könne. Alles Makulatur. Von Anfang an hatte sich eine tiefe Verunsicherung über alle Dortmunder Spieler gelegt, und nur einmal blitzte so etwas wie Können auf, als Reus nach einem Steilpass von Bruun Larsen von der Torauslinie zurückpasste, aber Dahoud das riesige Tor nicht traf. Wäre das 1:0 gefallen, wäre es ein anderes Spiel geworden, sagten manche, die sich an einen Strohhalm klammerten, aber es wäre kein anderes Spiel geworden, denn Bayern spielte aggressiv, nah am Mann, mit Pressing, mit unbedingtem Willen. All das ließ der BVB völlig vermissen. Es gibt dafür ein paar Gründe, aber keine Erklärung: Dass Alcacer und der in den letzten Spielen beste Mann Guerreiro verletzt fehlten, dass der lange verletzte Piszczek statt Wolf spielte und aufgrund des Trainingsrückstandes mit dem schnellen Coman nicht mithalten konnte, dass Reus in der Spitze spielte und nicht auf seiner eigentlichen Position, dass Dahoud hinter den Spitzen spielte und ein Totalausfall war, dass Zagadou völlig von der Rolle war und Fehler um Fehler machte. Einiges davon ist Favre anzukreiden, der personell schon häufiger eher rätselhafte Entscheidungen getroffen hat. Aber es ist nicht das erste Mal, dass der BVB in München so untergeht, und auch Klopp und Tuchel kamen mit dem BVB dort unter die Räder, aber selten spielte eine Dortmunder Mannschaft in München so beteiligungslos, so völlig ohne Leidenschaft, was sich auch an der Laufleistung zeigte, als wollte man sich für das nächste Spiel schonen. Wenn ein schwaches Flämmchen der Hoffnung auf die Meisterschaft aufflammte nach dem schmeichelhaften 2:0 gegen Wolfsburg und dem unverhofften 1:1 der Bayern in Freiburg, dann war sie schnell wieder gelöscht. Jetzt muss der BVB aufpassen, in den restlichen Spielen nicht unter die Räder zu kommen und den Leipzigern noch Platz 2 abzutreten, denn das Restprogramm hat es in sich. Zunächst geht es gegen Mainz, die 5:0 in Freiburg gewonnen haben. Nicht anzunehmen, dass dieses Spiel ein Selbstläufer wird. Immerhin gibt es auch zwei schöne Ergebnisse an diesem trüben Spieltag, ein 2:1-Sieg der Frankfurter auf Schalke in der Nachspielzeit und ein 2:1-Sieg von Düsseldorf in Berlin, aber schon sechs Spieltag vor Saisonende ist es nicht nur im Kampf um den Abstieg, sondern auch um die Meisterschaft wieder so langweilig geworden wie immer.