Archiv für den Monat: März 2019

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Hertha hat im Spiel gegen den BVB alles versucht. Sogar der Platz war, wie Favre sagte »für die Pferde«, glich also eher einem Acker als einem Rasen, auf dem sich technisch versierte Spieler entfalten können. Die Berliner hatten damit weniger Probleme, weil sie sowieso nur vorhatten zu kämpfen, zu grätschen und zu rempeln. Aber das sind die Dortmunder mittlerweile gewohnt, dass man gegen sie mit allen Mitteln zu Werke geht. Der Schiedsrichter hatte einen großzügigen Tag und ließ mehr laufen als dem Spiel gut tat. Gleich in der 4. Minute patzte Bürki und ließ einen haltbaren Schuss vor die Füße Kalous abprallen, der den Ball nur einzuschieben brauchte. Wieder eins von den Geschenken, die Dortmund in der letzten Zeit großzügig an die Gegner verteilt. Delany, der ohne seinen an einem Muskelfaserriss verletzten Partner Witsel spielen musste, schnappte sich dann an der Mittellinie den Ball und schleppte ihn bis zum Sechzehner, ohne dabei gestört zu werden, schoss einen Berliner an, von dem der Ball in einer schönen Bogenlampe über den Torwart hinweg ins Tor abgefälscht wurde. Noch vor der Pause ging Hertha wieder in Führung durch einen Handelfmeter, der mal wieder ziemlich umstritten war, denn Weigl wurde aus kurzer Distanz angeschossen, wobei seine Hand instinktiv sein Gesicht schützte. Direkt nach der Pause kam der BVB überraschend stark aus der Kabine und machte sofort Druck und erspielte sich riesige Chancen, aber nur ein Kopfball von Zagadou nach Ecke von Sancho ging ins Tor. Aber auch die Hertha hatte einen Pfostentreffer und hätte durchaus noch ein Tor erzielen können. Die Dortmunder hingegen gingen wieder unglaublich verschwenderisch mit ihren Möglichkeiten um, so dass die Hoffnung auf einen Sieg immer mehr schwand, denn die Berliner nahmen sich immer mehr die Dortmunder Gefahrenquelle Nr. 1 vor und bearbeiteten Sancho mit allen Mitteln, bis schließlich der Schiedsrichter gezwungen war, Torunarigha nach einigen üblen und taktischen Fouls vom Platz zu stellen. Und wieder war es Sancho, der in der 92. Minute in unnachahmlicher Art den Ball zwischen zwei Herthanern zu Reus durchsteckte. Mit einer Direktabnahme beförderte der den Ball ins rechte untere Toreck. Dass die Berliner schlechte Verlierer sind, bewies der eingewechselte Ibisevic, der den Ball aus Ärger über angebliche Spielverzögerung Bürki an den Kopf warf. Aber dann war das Spiel aus, und man hatte gegen unangenehme Berliner drei Punkte einkassiert, die vor allem gegen Spitzenmannschaften gerne mal punkten und auch schon den Dortmundern die ein oder andere unangenehme Niederlage zufügten. Und auf Schalke fällt den Verantwortlichen nach dem 7:0-Abschied aus der Championsleague gegen Manchester City nichts anderes ein, als den alten prolligen Holzkopf aus den Niederlanden Stevens zu engagieren, der zum Einstand zu Hause auch gleich 1:0 gegen Leipzig verlor. Jetzt sind es noch drei Punkte auf den von Stuttgart gehaltenen Relegationsplatz, die immerhin zu Hause einen Punkt gegen Hoffenheim ergatterten. Auch Gladbach schwächelt. Nach drei Heimniederlagen in Folge schafften sie auch gegen Freiburg keinen Sieg zu Hause, so dass die Frankfurter Eintracht bei einem Sieg gegen den Club ihnen bis auf einen Punkt auf die Pelle rücken kann.

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Nach dem Desaster in Augsburg schien es plöztzlich nicht mehr unmöglich, dass der BVB auch zu Hause gegen Stuttgart Federn lassen würde. Und genauso sah es zunächst auch aus. Wieder rannten die Dortmunder an, schnürten den Gegner ein, kombinierten, aber eine richtige Torchance sprang nicht heraus. Und als es nach einer Stunde immer noch 0:0 stand, schwand zunehmend die Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern könnte, bis Sancho in den Strafraum dribbelte und vom Ex-Kollegen Castro gefoult wurde, aber wenn der großzügige Referee nicht einen Tip aus Köln bekommen hätte, wäre den Dortmundern wie auch ein weiteres Mal in der Partie der Elfer versagt worden. So schoss Reus das erlösende 1:0. Eine Stunde hatten die Dortmunder für das Tor gebraucht. Stuttgart brauchte zehn Minuten, dann stand es nach einem Standard und nach einem katastrophalen Stellungsfehler 1:1 und alles konnte von neuem beginnen. Der 2. Treffer für die Borussia entstand aus dem Gewühl heraus, und nur das 3:1 war endlich wieder mal das Ergebnis einer wunderschönen Kombination. Die Mühe, die es dem BVB z.Z. bereitet, ein Spiel gegen eine nominell schwache Mannschaft zu gewinnen, der es per Kampfgeist gelingt, die Dortmunder in die Bredouille zu bringen, lässt einen ziemlich skeptisch werden, vor allem, wenn willenlose Wolfsburger sich von Bayern mit 6:0 abfertigen lassen, was schon an Wettbewerbsverzerrung grenzt, denn so schlecht dürfte die VW-Truppe nicht mal in der Regionalliga spielen, um nicht stark abstiegsgefährdet zu sein. Jetzt hat Bayern dank des um zwei Tore besseren Torverhältnisses die Nase wieder vorn, die ihre Schwächephase zum richtigen Zeitpunkt hatten, die Dortmunder zum falschen. Aber immer noch hat der BVB 11 Punkte Vorsprung vor Gladbach, die auf Platz 3 stehen und hat sich so gut wie sicher für die CL qualifiziert, was ja schon längst das Wesentliche ist für einen Verein. Zudem geht es Dortmund im Vergleich immer noch gut, denn auch Klopps Liverpool hat einen 7-Punkte-Vorsprung in der Premier-League verspielt und ihm droht zudem mit ziemlicher Sicherheit das Aus bei den Bayern in der CL, so dass sich die Reds dann zu den großen Vereinen zählen dürfen, die in der CL schon im Achtelfinale ausgeschieden sind, wie Real Madrid und Paris. Und das ist bei diesen Mannschaften besonders schön, denn es zeigt die schöne Unberechenbarkeit des Spiels, die noch jede von Geld gesteuerte Planung durchkreuzt. Real Madrid steht jetzt sogar vor einem Scherbenhaufen, weil der machtbesessene Präsident Perez nach dem peinlichen 4:1 gegen Ajax Amsterdam die Mannschaft zusammenstauchte und jetzt Ramos mit einem Rausschmiss drohte, weil der ihm Widerworte gegeben hatte. „Dann zahl mich aus und ich bin weg“, hatte der mit einem mehrjährigen Vertrag ausgestattete Ramos gesagt und man darf gespannt sein, ob Perez sein letztes Alpha-Tierchen wird ziehen lassen. Da sind die Probleme des BVB doch fast schon peripher. Dort gibt es zwar Watzke, der angeblich sogar ganz gut mit Perez kann, was einen nicht wirklich wundert, der aber zumindest weiß, dass er mit dem Stil den Verein vor die Wand fahren würde, was in gewisser Weise der Vorteil eines sauerländischen, bodenständigen Unternehmers ist, gleichzeitig aber bedeutete, dass es das große Drama, das in Madrid gerade aufgeführt wird, in Dortmund nicht geben wird. Tatsächlich gab es das ja schon mal. Damals aber gewann man die CL. Ein paar Jahre später war man pleite. Heute wird einem weder das eine noch das andere passieren.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Kurz durfte man sich vor einer Woche Hoffnung machen, dass es im Meisterschaftskampf spannend bleibt, dass es nicht nur eine One-team-Show der Bayern wird, als der BVB gegen zuletzt gut aufgelegte Leverkusener 3:2 gewann. Aber das Spiel enthielt alarmierende Zeichen, denn wenn eine Mannschaft fast 20 Minuten lang eingeschnürt wird und kaum an den Ball kommt, dann lässt sich nicht gerade von einem souveränen Sieg sprechen. Und gleichzeitig gab es das unerklärliche Kippen des Spiels, als wie aus dem Nichts, die Dortmunder plötzlich gut kombinierend nach vorne spielten. Aber in Dortmund kennt man das, denn das ist der Systemfehler bei Bosz, den die Dortmunder in diesem Fall mal zu ihren Gunsten ausnutzen konnten, waren sie doch selbst lange genug Opfer dieser Spielweise. Jetzt aber nach der 2:1-Niederlage in Augsburg sieht man klarer. Sicher tut sich der BVB schwer gegen tief und in der Abwehr dicht stehende Mannschaften, sicher hatte man etliche Großchancen, die man in Tore hätte verwandeln müssen, sicher spielte man überlegen und mit großem Ballbesitz, aber wie ein großer Fußballphilosoph mal gesagt hat, es gewinnt diejenige Mannschaft, die weniger Fehler macht. Aber es lag eben auch daran, dass Dortmund wieder einmal gegen eine unterlegene, aber leidenschaftliche kämpfende Mannschaft kein Mittel fand, weil die bereit war, zehn Kilometer mehr zu laufen und sich in jeden Zweikampf stürzte. Reus, der darauf angesprochen wurde, sagte zwar durchaus nachvollziehbar, dass es nicht darauf ankäme, mehr zu laufen, wenn man meistens den Ball hat, sondern die Zwischenräume richtig zu besetzen, aber wenn man das offenbar nicht schafft, dann sollte man den Kampf annehmen, dann sollte man auch ins Risiko gehen und schnell spielen, statt den Ball erstmal zu sichern, man sollte pressen und drücken, wie man es in den letzten fünf Minuten gemacht hat. Kann sein, dass man dann möglicherweise, wenn es dumm läuft, spektakulär verliert, aber die Chance ist relativ gering, wenn der Gegner Augsburg heißt, der nicht mal einen Lukebakio in seinen Reihen hat, also eine schnelle, gefährliche Spitze, mit der die Düsseldorfer Schalke ins Debakel stürzten. Jetzt dürften die jungen Spieler, allen voran Hakimi, der in den letzten Spielen mit krassen Fehlern mindestens vier Gegentore verschuldete, so verunsichert sein, dass auch für die nächsten Spiele nichts mehr zu erwarten ist, denn ein Spiel besteht nun mal zu 50 % aus Psychologie, und wenn eine unbewusste Blockade vorhanden ist, dann kriegt man vorne auch keine Tore mehr rein, egal wie groß die Chancen sind, die einem der in der Regel ja schwache Gegner anbieten, und ein solcher waren die Augsburger, die seit 14 Spielen nicht mehr gewonnen haben. Bayern hingegen hat die alten Verhältnisse wieder hergestellt und Gladbach mit 5:1 abgekanzelt. Man ist jetzt punktgleich und fast hätte man auch den Torvorsprung der Dortmunder egalisiert. Aber das wird sich schon nächste Woche ändern, wenn der VfB nach Dortmund kommt. Wieder eine Mannschaft, die ihre gewonnenen Spiele an einer Hand abzählen kann, ihr Heil in der Abwehr suchen wird und für die sich der BVB als Aufbauhelfer betätigen kann. Dafür hat die Eintracht mit einer leidenschaftlichen Leistung, der man den Glauben an die eigenen Möglichkeiten ansieht, das Spiel gegen Hoffenheim noch in der 96. Minute gedreht. Auf Schalke hingegen herrscht Weltuntergang nach dem 4:0 zu Hause gegen Düsseldorf, wo man zum letzten Gefecht aufrief, dann aber einen blamablen Auftritt hinlegte, der in die Geschichte des Vereines eingehen wird. Nachdem Heidel schon hingeworfen hat, wird die erste Handlung seines Nachfolgers wohl darin bestehen, Tedesco zu entlassen, der einfach nicht einsehen will (»Ich bin keiner, der sich verpisst!«), dass sein Team mit ihm nichts mehr anzufangen weiß.