Archiv für den Monat: Januar 2019

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Für Hannovers Trainer Breitenreiter war das Spiel in Dortmund eine mission impossible, denn das Auftreten seiner Manschaft wurde von den Verantwortlichen zur Bedingung für seine Weiterbeschäftigung gemacht. Schon nach dem letzten Spiel wurde öffentlich über den Trainerwechsel gesprochen, was Breitenreiter nicht sonderlich hilfreich für seine Arbeit empfand. Dennoch ist die Situation nicht eindeutiger geworden, denn trotz der deutlichen 5:1-Niederlage der Niedersachsen, hatten die Sechsundneunziger eine Stunde lang den Dortmundern Paroli geboten und in dieser Zeit hatte man nicht den Eindruck, Hannover sei die schlechtere Mannschaft, im Gegenteil, man konnte sich nie sicher sein, ob die knappe 1:0-Führung durch Hakimi in der 24. Minute wirklich ausreichen würde, denn Hannover hatte durchaus Chancen, und wenn Bürki auf der Linie zur Zeit nicht so gut in Form wäre, hätten die Hannoveraner bereits in der 2. Minute geführt. Es war also durchaus ein Spiel, in dem den Dortmundern so ziemlich alles abverlangt wurde, und man konnte sich zunächst nicht vorstellen, dass Hannover nur auf dem 17. Platz stand. Jedenfalls gaben sie alles, und sie gaben es für ihren Trainer. Bei Dortmund hingegen klappte unter Druck nicht viel, und wenn Piszczek nicht so grandios gespielt hätte mit zwei genialen Vorlagen, die Reus und Guerreiro allerdings nicht verwerten konnten, dann hätte es optisch noch schlechter ausgesehen. Aber nach genau einer Stunde, verlor Hannovers Verteidiger Albornoz den Ball völlig unnötig an Hakimi, der aus einer Entfernung von guten zwanzig Metern angebraust kam – was wie absurder Übereifer aussah –, den Ball eroberte und überlegt auf Reus passte, der den Ball kunstvoll wie eine Billardkugel am Torwart vorbei ins Tor bugsierte. Danach brach Hannover ein. Sancho auf Götze und Reus auf Guerreiro, fast zwei identische Tore, und das Spiel war gelaufen. Dennoch ließ sich Hannover nicht hängen und erzielte noch den Anschlusstreffer, einen abgefälschten Schuss von Bakalorz, nachdem er fast von der Mittellinie bis fast zum Sechzehner gelaufen war. Das ärgerte die Borussen dann doch so sehr, dass Witsel in der 90. noch mit einem sehenswerten Fernschuss den Endstand herstellte. Breitenreiter schien ganz zufrieden zu sein, wenigstens konnte er sich mit einer guten Leistung verabschieden: »Es geht jetzt nicht um mich, sondern darum, den Verein vor dem Klassenerhalt zu bewahren«, sagte er hinterlistig und setzte damit die Schlusspointe, denn auch ein anderer Trainer wird die Hannoveraner nicht retten können. Leider war es für den BVB nur ein Pflichtsieg, denn auch Gladbach gewann, und es lässt sich kaum davon ausgehen, dass die Bayern im Sonntagsspiel gegen Stuttgart verlieren werden. Erstaunlicherweise gewann Bosz mit Leverkusen in Wolfsburg souverän mit 3:0. Aber das hatte er auch Anfang der letzten Saison mit Dortmund. Man darf gespannt sein, ob sich auch alles andere wiederholen wird. In einer mitreißenden Partie trennten sich Bremen und Frankfurt mit einem 2:2. Es wird also in einer Woche nicht ganz so einfach sein, in Frankfurt zu gewinnen, wenn der BVB dort antreten muss, denn im Unterschied zur Hinrunde, als die Eintracht völlig von der Rolle war, gehören sie zu den Anwärtern auf einen internationalen Platz und haben mit Haller, Jovic und Rebic drei richtig gute Stürmer.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Im Vorfeld des Spieltags stand in der FAZ ein großes Interview mit Marco Reuss, der auf Nachfrage sagte, dass er nie zu Bayern wechseln würde, eine Nachricht, die groß aufgeblasen wurde, obwohl Reuss selbst darauf hinwies, dass er als fast Dreißigjähriger wohl kaum bei der von den Bayern geplanten Verjüngungskur in Frage kommt. Und der FAZ-Redakteur Horeni fragte weiter, ob Reuss durch seine Führerscheinaffäre von Löw nicht mindestens zwei bis drei Spiele hätte gesperrt werden müssen, weil er seinen Vorbildcharakter für die deutsche Jugend verletzt habe. Man ist bei solchen Gelegenheiten doch immer wieder erstaunt, was Reporter so umtreibt, die wie die AfD reden, ohne es zu merken, vermutlich weil ihnen die anspruchslose und simple Argumention, bei der sich alles über den deutschen Leisten schlagen lässt, ihrer Auffassungsgabe entgegenkommt, denn selbstverständlich entgeht ihnen natürlich, dass die Spieler der Jugend nicht etwa vermitteln, ohne Führerschein zu fahren, sondern an der Spielkonsole zu daddeln und auf Fortnite zu ballern, was das Zeug hält. Sonst aber war der Spieltag ganz wunderbar, weil trotz kurzfristiger Verletzung von Reuss die Dortmunder in einem rasanten Spiel nun auch in Leipzig bestanden und den überengagierten und von Rangnik bis in die Haarspitzen motivierten RBlern die erste Heimniederlage zufügten. Die Dortmunder ließen sich nicht von der Hektik, die die Leipziger zu entfachen versuchten, anstecken, und dennoch wurde es ein sehr enges Spiel auf kleinem Raum, weil jeder versuchte, die Räume um den Ball einzuengen und durch ständige Eroberungsversuche des Balles sich Vorteile zu verschaffen. Aber auf engem Raum konnten die Dortmunder ihre technische Überlegenheit durch schnelle Kombinationen ausspielen, und einige Male gelang es ihnen, schnell in die Spitzen zu spielen, aber der wuchtige und schnelle Upamecano vereitelte immer wieder gefährliche Situationen im letzten Moment. Das Spiel hätte einige Tore mehr verdient, aber auf beiden Seiten ließ man großzügig die Chancen aus, die sich boten, so dass der wunderschöne Schuss Witsels aus dem Stand heraus an die Unterkante der Latte mitten im Strafraumgewühl nach einer Ecke von Guerreiro der einzige Treffer bleiben sollte. Dennoch gibt es bei den Dortmundern einiges zu bemängeln, zum Beispiel an Bürki, der zwar ein paar tolle Paraden zeigte und deshalb auch gleich zum besten Spieler des BVB gekürt wurde, aber der eine der größten Chancen der Leipziger selbst generiert hatte, als er ausrutschte und den zurückgepassten Ball nicht traf, eine Gelegenheit, die sich eine etwas bessere Mannschaft nicht hätte entgehen lassen. Vor allem aber kam keiner der lang nach vorne geschlagenen Bälle beim eigenen Mann an, was wirklich eine Leistung ist, die ihm so schnell niemand nachmacht. Und auch der Reuss-Ersatz Philipp enttäuschte nicht nur, weil er die riesige Chance zum 2:0 versiebte, auch sonst spielte er unglücklich und dürfte wesentlich an den schlechten Zweikampfwerten der Dortmunder mit einer Quote von 44 % beteiligt gewesen sein. Jedenfalls war der Sieg des BVB sehr wichtig, weil Bayern schon am Freitag in Hoffenheim souverän mit 3:1 gewonnen hatte und zur Jagd auf die Dortmunder geblasen hatte, wobei man sich in der nun eröffneten 2. Saisonhälfte nicht allzu viele Ausrutscher wird erlauben dürfen, denn Bayern macht wieder einen sehr stabilen Eindruck. Peter Bosz ist wieder in die Liga zurückgekehrt und hat mit Leverkusen auch gleich sein erstes Spiel gegen Gladbach verloren. Ob es diesmal klappt mit seinem Offensivsystem? Man darf gespannt sein.