Archiv für den Monat: November 2018

Denn sie wissen, was sie tun. Mit Nazis reden?

Seit die AfD auf dem Vormarsch ist, zerbrechen sich die Intellektuellen über den Frustwähler den Kopf. Svenja Flaßpöhler schreibt in der SZ, »wir« sollten »uns nur kurz einmal vorstellen, wie man sich so fühlt, als ein Mensch, der elitefern in, sagen wir, Sachsen lebt, aus Frust AfD-Wähler ist und von linken Intellektuellen liest, die ihn als regressiv und blockiert, also im Grunde als geistig zurückgeblieben bezeichnen.«
Das Einfühlungsvermögen in den AfD-Wähler ist erstaunlich groß, größer jedenfalls als gegenüber dem Wähler einer anderen Partei. Man sieht in ihm einen gutwilligen Menschen, der niemandem etwas Böses will, dem aber keine Aufmerksamkeit zuteil wird. Politiker fordern auf fast hilflose Weise, ihn nicht verloren zu geben, und ignorieren dabei das ganz Offenkundige, nämlich dass die sogenannten »Wutbürger« keineswegs ihrer Wut über die soziale Lage Ausdruck verleihen wollen. Vielmehr spricht Ignoranz und Ressentiments aus ihrem Wahlverhalten. Argumente sind für den AfD-Wähler höchstens Lügen. Antworten erhält man von ihnen nicht, sondern nur eine vorgefasste Meinung. Diese geben sie auf Transparenten kund, deren Aussage nicht verhandelbar ist. Sie behaupten, keine Nazis zu sein, haben aber nichts dagegen, dass diese in der AfD den Ton angeben. Wenn Bernd Höcke im Kreise seiner »Kameraden« gegen Ausländer demonstriert oder öffentlich antisemitische Äußerungen von sich gibt, dann stört das den Wähler nicht, vielmehr sind das notwendige Voraussetzungen, um ihm die AfD sympathisch zu machen. Sie sagen, sie haben Angst vor den Ausländern. Aber nicht ihre Häuser werden von Ausländern angezündet, sondern die Unterkünfte von Flüchtlingen, und in den seltenen Fällen, in denen man den Tätern auf die Spur kommen konnte, waren es natürlich keine Nazis, sondern unbescholtene und um die Zukunft des Landes besorgte Bürger.
Es handelt sich also nicht um verlorene, verführte oder sonstwie manipulierte Menschen, sondern um Überzeugungstäter, die genau wissen, was sie tun und wollen, wenn sie die AfD wählen. Man sollte sie nicht für dümmer halten als sie in Wirklichkeit sein mögen. Der »Protestwähler« ist eine Chimäre, mit der man sich einreden kann, sie würden wieder CDU, SPD oder Grüne wählen, würde man nur die richtige Politik machen. Aber die gibt es nicht. Vielmehr scheint sich jede Regierungspartei automatisch zu desavouieren und das Hoch bei den Umfragewerten der Grünen hält vermutlich so lange an, wie sie in der Opposition sind. Mit Wahlversprechen ist der Wähler der AfD nicht zu ködern. Er wählt die AfD, auch wenn diese seine Interessen überhaupt nicht vertritt. Aus dem Wähler wurde ein durch seine Unzufriedenheit unberechenbar gewordener Reaktionär und Rassist, der in den USA Donald Trump ins Weiße Haus verholfen hat, weil der die Irrationalität ihres Lebens verkörpert und Rache am verhassten Establishment verspricht, dem er selbst angehört, wie auch die AfD-Politiker natürlich zum Establishment gehören. Selbst wenn diese Rache den eigenen Untergang bedeutete, würden sie sich keines Besseren belehren lassen, wie J.D. Vance das in »Hillbilly-Elegie« überzeugend beschrieben hat.
Man muss nicht an jeder Mülltonne schnuppern, um zu wissen, dass es daraus stinkt. Das wissen auch die Politiker und Intellektuellen, und dennoch spornen sie sich gegenseitig an, es zu tun. Sie sagen, dass eine polarisierte Gesellschaft nicht gut sei. Dabei ist sie keineswegs ein neues Phänomen, es fällt den Regierenden allerdings erst dann auf, wenn ihre Wählerbasis schwindet, weil es nur noch wenig Grund gibt, sie zu wählen, und zwar aus einem Motiv, das jeder kennt: man findet sich nicht mehr oder nicht genügend repräsentiert. Wie im Fußball hält sich jeder für einen Experten, der genau weiß, wie die Probleme zu lösen sind. Trump ist schließlich das lebende Beispiel dafür, dass auch Idioten einen Staat führen können, also auch man selbst.
Jahrzehntelang haben die Intellektuellen, die die gesellschaftliche Meinung dominiert haben, sich als Stichwortgeber für die Rechten betätigt, sie haben die nationale Identität befummelt und auch gute Seiten an ihr entdeckt, sie haben mit den Nazis reden wollen, obwohl die gar keinen Wert darauf legten, sie erfanden den Heimat- und Naturschutz, und Linke haben schon in den Achtzigern dafür plädiert, den unkontrollierten Zuzug von Ausländern zu stoppen, weil sie Angst davor hatten, dass in den Töpfen für Soziales weniger für sie übrig bleiben würde. Wie bei der SPD, die mit Hartz IV eine neoliberale Sozialpolitik durchboxte, wie sich das die CDU niemals getraut hätte, die ihr aber gut in den Kram passte, so bereiteten die Linken ideologisch vor, worauf die Rechten nur noch zurückgreifen mussten.
Vor diesem Hintergrund verpuffen die gut gemeinten Ratschläge von Svenja Flaßpöhler, alles daranzusetzen, »die Mündigkeit der Bürger und ihre Fähigkeit zum aufgeklärten, kontroversen Diskurs zu stärken«, weil der in solchen Predigten kaum zu überhörende pädagogische Formungswille das Gegenteil dessen bewirkt, was beabsichtigt ist, vor allem wenn der Schwafelgehalt so hoch ist, dass sich beim »Bürger« entweder Widerwille regen dürfte oder ihm resigniert die Augen zufallen.
Die Rechten können sich ausbreiten, so lange sie das Milieu vorfinden, das der Wähler ihnen bietet, und so lange man versucht, Verständnis für sie aufzubringen. Vielmehr kommt es aber darauf an, zu verstehen, wie sie ticken, denn dann wird schnell deutlich, dass Dialog für sie bedeutet, das Gegenüber zum Müllabladeplatz für krude Weltverschwörungstheorien zu machen. Warum sich also in den Frustwähler hineindenken wollen? Glaubt jemand ernsthaft, Leute in »demokratische Prozesse« einbeziehen zu können, die sich schon längst von ihnen verabschiedet haben. Warum nicht den Streit aushalten, die AfD auf Granit beißen lassen? Warum nicht sie ausgrenzen und isolieren, sondern sie hoffähig machen mit immer neuen Dialogangeboten? Vielleicht deshalb, weil die bürgerlichen Intellektuellen insgeheim wissen, dass von ihnen nicht allzuviel zu erwarten ist, wenn es hart auf hart käme? Adorno und Horkheimer verließen Deutschland 1932 deshalb, weil sie eine empirische Studie über das politische Bewußtsein von den sozialdemokratisch und liberal gesinnten Bürgern gemacht hatten und wussten, dass Widerstand von dieser Seite am wenigsten zu erwarten war. Die bloße Absichtserklärung, an »Werten festhalten« zu wollen, reicht nicht mehr aus. Wie Hannah Arendt schrieb, lehrt uns »der totale Zusammenbruch der ehrenwerten Gesellschaft während des Hitlerregimes, daß es sich bei denen, auf die unter Umständen Verlaß ist, nicht um jene handelt, denen Werte lieb und teuer sind und die an moralischen Normen und Werten festhalten; man weiß jetzt, daß sich dies alles über Nacht ändern kann…« Aber dann ist es bereits zu spät.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Zum vierten Mal hintereinander konnten die Bayern nicht mehr zu Hause gewinnen. Nicht gegen Augsburg, als es an der Chancenverwertung haperte, nicht gegen Gladbach, nicht gegen Freiburg und jetzt nicht mal mehr gegen den Vorletzten Düsseldorf. Dabei wurde wie zuletzt in Dortmund deutlich, dass die bis vor kurzem noch als unüberwindliches Bollwerk geltende Abwehr mit Hummels, Boateng und Süle plötzlich löchrig wie ein Paar alter Socken ist und mit spritzigen jungen Leuten nicht mehr mitkommt. Der Alptraum Boatengs hieß Lukebakio, von dem bis zu diesem Tag nicht allzuviele Leute gehört haben dürften, wenn sie nicht zufällig Fortuna-Fans sind. Gleich drei Tore steuerte er zum 3:3-Endstand bei, und jedes Mal sah Boateng nicht gut aus. Zu abwartend, zu langsam, zu unbeteiligt, und vermutlich beißen sich Rummenigge und Hoeneß gegenseitig in den Hintern, dass man diesen Brillenwerbeträger nicht Anfang der Saison nach Paris hat ziehen lassen, als jemand für ihn noch etwas ausgegeben hätte. Dennoch waren die Bayern spielerisch überlegen, und vermutlich sprachen alle Werte für sie, sie führten bis zur 75. Minute mit 3:1, und eigentlich hätte nichts mehr passieren dürfen, und noch bis zu Beginn der Saison wäre auch nichts passiert, weil jede Mannschaft im eigenen Strafraum verharrend auf den finalen Todesstoß gewartet hätte. Aber die Bayern-Krise hat sich herumgesprochen, vielleicht auch die Erkenntnis, dass die Chancen zu verlieren nicht größer werden, wenn man stürmt, aber immerhin dann die Chance besteht, einen oder auch drei Punkte mitzunehmen. Und wenn man bei den Bayern schon kein Glück bei der Chancenverwertung hat, dann kommt auch noch Pech in Form von Unvermögen hinzu, wie in der 93. Minute, als Hennings einfach den Ball Richtung Bayern-Tor schießt, zufällig genau in den Lauf von Lukebakio, der auch noch als Höchststrafe Neuer durch die Beine schießt. Die Stimmung bei den Bayern war hervorragend. Nico Kovac war sauer und total enttäuscht. Und Hoeneß will alles im Verein auf die Waage stellen, nur sich selbst nicht, was er aber mal dringend tun müsste. Er würde eine Überraschung erleben. Kovac, der von Hoeneß bis zuletzt noch unterstützt wurde, steht zur Disposition und hat nur noch eine Gnadenfrist bis zu nächsten Spiel morgen gegen Lissabon. Inzwischen haben die Bayern neun Punkte Rückstand auf Dortmund, keine Differenz, die beunruhigen müsste, aber dazu müsste man erstmal wieder in Spur kommen, aber das »Siegergen«, von dem man in München immer triumphierend gesprochen hat, ist zerbröselt. Den Dortmundern kanns nur recht sein. Sie haben jetzt den bislang von Barcelona nur ausgeliehenen Alcacer verpflichtet, und weil er der beste von der Bank kommende Torschütze ist, wird er immer nur eingewechselt. So auch im Spiel gegen zuletzt und auch diesmal wieder stark aufspielende Mainzer, die es den Dortmundern nicht einfach machten und phasenweise die Schwarzgelben in deren eigene Hälfte pressten. Und wieder war Sancho der Dosenöffner, der einen präzisen Steilpass auf Reus spielte. Plötzlich frei auf den Mainzer Torwart zulaufend, brauchte er nur noch quer auf Alcacer zu spielen, und nach dem Ausgleich kurz danach, gelang Piszczek mitten im Gewühl am Sechszehner ein Glücksschuss in den Winkel, womit die Dortmunder das Glück zu sich gelockt haben, das sich von den Bayern abgewendet hat. Vielleicht ist Bayern einfach zu lange zu souverän von Sieg zu Sieg geeilt, mit einem Nimbus, der die Gegner im vornherein einschüchterte, die darauf bedacht waren, nur nicht zu hoch zu verlieren. Vielleicht rächt sich das jetzt, während Dortmund für jeden Sieg sich abstrampeln muss. Immerhin ist das mal weniger langweilig, weshalb fast alle Fußball-Fans die Spiele von Dortmund gucken wollen.

Die Wahrheit über den historischen 11. Spieltag

Der Ex-Knacki und Bayern-Boss Hoeneß stapelte vor der Begegnung beim BVB tief, um die Außenseiterposition seiner Mannschaft zu unterstreichen, denn ihm war klar, dass nur aus dieser Position heraus sich vielleicht etwas mitnehmen ließ, ganz abgesehen davon, dass angesichts der letzten Bayern-Spiele Optimismus nun gar nicht angesagt war. Die Bedeutung dieser Begegnung war für die Bayern immens, denn dieses Spiel hätte ihnen das verlorene Selbstvertrauen, das laut Hoeneß 50% der Leistung eines Spielers ausmacht, wieder zurückbringen können, es hätte die Mannschaft mit einem Schlag wieder zurück in die Erfolgsspur bringen können, aber es half alles nichts, denn jetzt steht Bayern vor seinem eigenen zerstörten Nimbus, der mit sechs hintereinander gewonnenen Meisterschaften nunmehr wie ein Alp auf der Mannschaft und dem Verein liegen dürfte. Jedenfalls hoffe ich das stark, denn sonst wird es langsam langweilig. Sollte der Trend anhalten, könnte es tatsächlich mal eine spannende Meisterschaft werden. Die Bayern fingen zwar wie in alten Tagen erstaunlich überlegen an, setzten Dortmund schwer unter Druck, dem vor allem der für Delaney in die Mannschaft gerückte Weigl überhaupt nicht gewachsen war, aber die großen Torchancen hatte Reus, der dem völlig indisponierten Hummels den Ball wegspitzelte und allein auf Neuer zulief, um dann, weil er zuviel Zeit hatte zu überlegen, ob er schießen, lupfen oder abgeben sollte, prompt die falsche Entscheidung traf. Das 1:0 war von den Bayern fein herausgespielt und die Flanke von Gnabry mit dem dann klassisch verwandelten Kopfball von Lewandowsky war kaum zu verteidigen, weil alles millimetergenau stimmte. In dieser Phase bestand das größte Verdienst des BVB darin, nicht in Hektik zu verfallen, was vor allem an Witsel lag, der in jeder Situation die Ruhe und den Überblick behielt. In der zweiten Hälfte kam Dahoud für Weigl, der mehr Offensivpower ins Spiel der Dortmunder brachte, und jetzt zeigte sich, dass die Bayern offensiv in die Bredouille zu bringen waren, vor allem, weil Neuer bei einer Steilvorlage zunächst zögerte, um sich danach Reus so in den Weg zu werfen, dass der zwar noch den Ball vorbeispitzeln konnte, aber nicht verhindern konnte, mit Neuer zu kollidieren. Der Elfer war so glasklar, dass es nur dem Bayern-Manager Salihamidzic einfallen konnte, ihn als ungerechtfertigt zu bezeichnen. Aber nur ein paar Minuten später war es wieder Lewandowsky, der aus einer unübersichtlichen Strafraumszene heraus den Ball auf den Kopf bekam und ins Tor bugsierte. Dann überschlugen sich die Ereignisse, denn wieder vergab Reus alleinstehend vor Neuer, ebenso der für Götze eingewechselte Alcacer, so dass einem langsam das Gefühl beschlich, das Bayern-Tor könnte von teuflischen Kräften vernagelt worden sein, bis schließlich Reus ein Flanke von Sancho auf höchsten Niveau per Direktabnahme versenkte und damit aus keiner Chance ein Tor machte. Der Siegtreffer durch Alcacer war dann wirklich traumhaft herausgespielt, nachdem Sancho am eigenen Sechszehner den Ball Ribéry abluchste, der Ball dann im One-touch-Stil präzise und in Höchstgeschwindigkeit nach vorne getrieben wurde, wo Alcacer nach einer genialen Vorlage von Witsel den Ball elegant über den herausstürzenden Neuer zum Siegtreffer lupfte. Lewandowsky gelangen zwar noch zwei Treffer, einer davon in der 95. Minute, aber beide wurden aus einer Abseitsposition heraus erzielt. Ein großartiges Spiel, von dem man noch lange wird zehren können, mit einem verdienten Sieg, der nach der 2:0-Niederlage bei Atletico Madrid am Dienstag nicht unbedingt zu erwarten war. Sinnbildhaft für dieses Spiel war, wie Sancho Hummels den Ball abknöpfte und ihm leichtfüßig enteilte. Hummels sagte anschließend, er hätte Schwindelanfälle gehabt wegen einer Erkältung, aber so richtig intelligent hörte sich die Ausrede nicht an. Jetzt haben die Dortmunder sieben Punkte Vorsprung vor den Bayern. Der neue Verfolger heißt jetzt Borussia Mönchengladbach. Die haben nur vier Punkte Rückstand, nach einem 3:1-Sieg in Bremen. So kanns gerne weitergehen.

Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Die FAS war voll des Lobes über das Dortmunder Spiel in Wolfsburg und sah den unbedingten Willen zu gewinnen am Werk, eine erfrischende Offensive und einen nie nachlassenden Torhunger, auch wenn das Spiel schon entschieden ist. Angesichts des mageren und in einigen Situationen durchaus gefährdeten 1:0-Sieges sieht die Bewertung ein wenig optimistisch aus, denn auch wenn Wolfsburg nie wirklich vorne gefährlich war, sie waren ansonsten durchaus in der Lage mitzuhalten und vor allem in der Verteidigung standen sie sicher, ohne einfach nur zu mauern. Immerhin war Alcacer fast unsichtbar und Sancho hatte in Roussillon einen Gegenspieler, der genauso schnell war, weshalb das neue englische Wunderkind irgendwann auf die andere Seite auswich und von dort auch die entscheidende Flanke schlug, die Delaney neben das Tor geköpft hätte, wenn nicht zufällig Reus in der Nähe gestanden wäre und nur den Kopf hinhalten musste. Ein Zufallstreffer also, wie das ja meistens der Fall ist, wenngleich man dem Zufall natürlich ein wenig auf die Sprünge helfen kann. In der Schlussphase, als Wolfsburg gezwungen war, alles auf eine Karte zu setzen, ergaben sich dann zwar noch zwei Großchancen, aber sowohl Reus als auch Bruun-Larsen vergaben sie alleinstehend, weil sie zu viel Zeit hatten darüber nachzudenken, wie sie den Ball am besten verwerten könnten. Das Spiel war also kein Selbstläufer, sondern durchaus ein Spiel auf Augenhöhe, was bei Wolfsburg etwas erstaunt, denn vor der Niederlage gegen den BVB hatten sie mit jeweils drei Siegen, Niederlagen und Remis eine ausgeglichene, also eher mittelmäßige bis durchwachsene Bilanz. Wenn man also nach der Statistik geht, wäre Wolfsburg kein Gegner gewesen, den man hätte fürchten müssen. Trotzdem hat der BVB gut gespielt, aber man merkt so langsam die Belastung der englischen Wochen. Man kann eben nicht immer auf einem so hohen Niveau spielen wie gegen Athletico Madrid, wo der BVB letztlich auch mit Glück gewonnen hat. Und auch die Rotation birgt Gefahren, wie man im Pokal gegen Union gesehen hat, als man erst am Ende der Nachspielzeit durch einen Elfer die Partie für sich entscheiden konnte. Die Erfolgswelle, auf der der BVB also gerade schwimmt, ist eine wackligere Angelegenheit, als manche annehmen. Der zweifellos mutige Schritt des BVB, die Mannschaft derart radikal umzumodeln, scheint aber erstmal gelungen zu sein, und zwar erstaunlich schnell, was die Rede vom langdauernden Prozess einer Neuformierung ad absurdum führt. Und umgekehrt kann man ebenso schnell wieder aus einem Formtief kommen. Damit haben Real Madrid und Bayern gerade zu kämpfen, die nach einer langen Erfolgsphase eine überalterte Mannschaft nicht rechtzeitig verjüngt haben. Jetzt schalten sich sogar Spielerfrauen ein und mäkeln an der Arbeit von Kovac herum, in diesem Fall von Müller, dessen Einwechslung in der 70. Minute spöttisch als lang überfälliger »Geistesblitz« kommentiert wurde. Zu Hause nach einer 1:0-Führung gegen Freiburg noch den Ausgleich hinnehmen zu müssen, öffnet in einem Verein wie Bayern alle Türen für Neid, Missgunst und Häme. Dass Kovac das jetzt ausbaden muss zusammen mit den ziemlich lächerlichen Drohungen der langsam selber ein wenig überalterten Vereinsführung gegen eine den Bayern angeblich übel gesinnte Presse, ist hart, aber nicht wirklich etwas, dass einen Tränen in die Augen treibt.