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	<title>Klaus Bittermann</title>
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		<title>Sarrazin, Thilo</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Sep 2010 08:39:54 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Die Hitparade der peinlichen Personen]]></category>

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		<description><![CDATA[Thilo Sarrazin ist ein lustiger Mann, er sieht lustig aus und sagt lustige Dinge. Dabei wirkt er immer ein wenig tapsig, unbeholfen und linkisch, eine Art deutscher Mr. Bean, und mit seiner Faschingsmaske, die er nie abnimmt, mit dem komischen Bürstenschnurrbart und dem komischen Brillengestell, hat er alles, was er für seine Büttenreden braucht, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Thilo Sarrazin ist ein lustiger Mann, er sieht lustig aus und sagt lustige Dinge. Dabei wirkt er immer ein wenig tapsig, unbeholfen und linkisch, eine Art deutscher Mr. Bean, und mit seiner Faschingsmaske, die er nie abnimmt, mit dem komischen Bürstenschnurrbart und dem komischen Brillengestell, hat er alles, was er für seine Büttenreden braucht, aber vor allem ist er ein gutes Beispiel, wie weltoffen und lustig es in Deutschland immer noch zugeht, obwohl die Weltmeisterschaft in dem seit neuestem »Schland« genannten Land schon vier Jahre zurückliegt. Er sagt so lustige Sachen wie, daß die Intelligenz von 50 bis zu 80 Prozent vererblich sei. Welche Intelligenz? Sarrazin meint die Intelligenz der Leute, die ihm zustimmen, die also auch davon überzeugt sind, daß die Intelligenz von 50 bis zu 80 Prozent vererblich ist, und die daran glauben, daß es sich bei Heterosexualität um irgendetwas Perverses handelt. Selbstverständlich ist alles wissenschaftlich belegt, behauptet Sarrazin lustigerweise. Er hat da was bei der Psychologin Elsbeth Stern gelesen, weshalb alles »unbestreitbar« ist. Die lebt in Zürich, hat also nicht mitbekommen, wie lustig Sarrazin ist, weshalb sie bierernst und ohne den geringsten Humor sagt: Sarrazin zeigt mit dieser Behauptung, »daß er Grundlegendes über Erblichkeit und Intelligenz nicht verstanden hat«. Sarrazin wäre nicht so lustig, wenn er sich davon beeindrucken ließe, genauso bierernst antwortet er deshalb darauf, daß er es trotzdem gelesen hätte und daß es deshalb »unbestreitbar« sei. Im übrigen hätte auch Henryk Broder ihm »Unterlagen« gegeben, in denen seine Thesen bestätigt werden, daß »alle Juden ein bestimmtes Gen teilen«, aber die hat er noch nicht lesen können, weil er gerade soviel zu tun hat. Später, als sich alle aufregen über das »unstrittige« Judengen, sagt Sarrazin, daß er auch irgendeine andere Volksgruppe hätte nehmen können, dann hätte sich niemand aufgeregt. Das mit dem Judengen würde er dann halt zurücknehmen, sonst aber nichts. Daran sieht man, daß die Intelligenz tatsächlich bis zu 80 Prozent vererblich ist, denn von nichts kommt eben nichts, da kann die Intelligenzerblichkeit noch so hoch sein. Und deshalb hantiert Sarrazin auch gern mit Statistiken, weil Statistik bekanntlich der Superlativ von Lüge ist und weil sich aus der Welt der Statistik stundenlang lustige Dinge erzählen lassen, wie z.B. daß »die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa darstellt.« Kein Wunder bei einer »Fertilitätsrate von 1,4«.<br />
Fertilitätsrate? Alle nicken begeistert. Wir werden bedroht, weil wir nur so eine kleine Fertilitätsrate haben und die Muslime so eine große. Da stellt sich ein gewisser Neid ein auf die muslimische Fertilitätsrate, denn durch die Fertilitätsrate wird es in nur wenigen Generationen so sein, daß »Staat und Gesellschaft von den Migranten übernommen werden«, die offenbar so was ähnliches sind wie die Muslime. Die Deutschen müssen also an ihrer Fertilitätsrate arbeiten, denn ohne Fertilitätsrate geht heute gar nichts mehr, da wird man dann sogar »fremd im eigenen Land«, und das in nur wenigen Generationen. Aber wie neue Statistiken aus dem Bundesamt für Statistik ergeben haben, fühlen sich die Deutschen schon immer fremd im eigenen Land, und erstaunlicherweise am meisten dort, wo der Migrantenanteil am niedrigsten ist. Langzeitstudien zeigen, daß die Deutschen es mit sich selber nicht aushalten und deshalb jede Gelegenheit nutzen, um ins Ausland zu fahren. In keinem anderen Land wird dafür so viel Geld ausgegeben wie in Deutschland, obwohl die Deutschen gar kein Geld dafür haben. Am wohlsten fühlen sich die Deutschen in Gebieten mit hohem Ausländeranteil, weil das ihrer Mentalität für Abschottung und Verbiesterung am meisten entspricht. Nirgendwo läßt sich so schön mosern und nörgeln wie zu Hause über die Ausländer.<br />
Aber wie, grübeln die Deutschen, kriegen wir die verdammte Fertilitätsrate höher? Und wozu ist das dann überhaupt gut? Wenn nämlich diese Fertilitätsrate aus welchen Gründen auch immer plötzlich in die Höhe schnellte und sagen wir mal bei 3,15 landen würde, dann würde Deutschland in nur wenigen Generationen aus allen Nähten platzen und die Deutschen müßten sich woanders Lebensraum erobern, was aber kein Problem wäre, denn da wissen die Deutschen Bescheid, wie das geht, das gehört zu ihrer kulturellen Identität. Damit das aber eben nicht passiert, wurde in Deutschland die Parole »Nie wieder!« ausgegeben mit dem Erfolg, daß die Fertilitätsrate aber sowas von zusammengeschnurrt ist. Jetzt überlegen sich die verantwortlichen Politiker parteienübergreifend, ob man die Parole »Immer öfter« ausgeben sollte.<br />
Sarrazin sagte noch viele andere lustige Dinge, z.B.: »Ich betrachte unser Land aus der Perspektive eines verantwortungsvollen Staatenlenkers.« Jedenfalls macht er sich Sorgen um Deutschland, und da herrscht große Einigkeit unter den Deutschen. Soviel Sorge um Deutschland war noch nie. Die »taz« sorgt sich um das Ansehen Deutschlands im Ausland, Necla Kelec teilt wenig originell einfach »Sarrazins Sorge um Deutschland« und Peter Hahne macht das ja sowieso immer, schon aus rein professionellen Gründen, denn er muß sich ja jeden Sonntag »Gedanken am Sonntag« machen. Hatice Akyün wiederum, die von Beruf »Tochter eines Analphabeten« ist, wie der »BamS« zu entnehmen war, wirft in einem Streitgespräch Sarrazin vor: »Sie beleidigen unser schönes Deutschland und ihre Menschen. Sie sollten bei jeder Kritik Rücksicht auf die Gefühle der Menschen nehmen.« Da traf Sarrazin mal auf jemanden, der fast noch lustiger war als er. Außer vielleicht Henryk Broder, der den Fall Sarrazin für den »ersten Fall einer Hexenjagd in Deutschland seit Mitte des 17. Jahrhunderts« hält. Jedenfalls wäre es der erste Fall, bei dem die Hexe nicht verbrannt, ja nicht einmal einer peinlichen Befragung mit Daumenschrauben und sowas ausgesetzt worden ist. Auch interessant die Feststellung Broders, Vererbung, Identität und Gene seien irgendwie alles das gleiche, was ich jetzt nicht gedacht hätte, aber daran sieht man, daß Deutschland mit seinen Türken schon ein lustiges Land ist, in dem es Kabarettisten richtig schwer haben, denn das alles zu toppen, das muß man erst mal schaffen.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 2. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 08:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[»Wenn man nur die beiden ersten Spiele berücksichtigt, dann kann man von einem Fehlstart sprechen«, sagte Magath. Vor allem, wenn man so große Ziele verfolgt wie Schalke, sollte man seine Heimspiele gegen potentielle Abstiegskandidaten wie Hannover gewinnen, aber stattdessen hätte sich Schalke nicht beschweren können, wenn Hannover noch zwei Tore mehr gemacht hätte. Die Chancen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Wenn man nur die beiden ersten Spiele berücksichtigt, dann kann man von einem Fehlstart sprechen«, sagte Magath. Vor allem, wenn man so große Ziele verfolgt wie Schalke, sollte man seine Heimspiele gegen potentielle Abstiegskandidaten wie Hannover gewinnen, aber stattdessen hätte sich Schalke nicht beschweren können, wenn Hannover noch zwei Tore mehr gemacht hätte. Die Chancen dazu hatte 96. Sogleich wurde denn auch die Saison 1987/88 beschworen, als Schalke ebenfalls gegen Hamburg und Hannover die ersten beiden Spiele verlor und dann abstieg. Das wird Schalke zwar leider nicht, aber es war klar, daß nach der völligen Umkrempelung des Kaders die Ruhrpottler so schnell nicht wieder in Tritt kommen. Dabei ist unklar, was Magath zu diesem gigantischen Experiment antreibt, eine funktionierende Viererkette völlig umzugestalten, was niemals funktionieren kann, und sich dann zu wundern, wenn Metzelder und Matip nicht harmonieren, wenn der bei Leverkusen ausgemusterte Altprofi Hans Sarpei überfordert ist und wenn Raùl mit 29 Ballkontakten offensichtlich keine Bindung zum Spiel hat. Aber der nächste Einkauf mit Huntelaar für 13 Millionen steht schon vor der Tür, womit dann eine eher zufällig zusammengewürfelte Mannschaft auf dem Platz steht, die nur eine Anhäufung mehr oder weniger klangvoller Namen ist, aber kein Team. Eigentlich wollte Magath Schalke für die Champions-League aufrüsten, aber ich glaube, die ganze Sache ist ihm aus dem Ruder gelaufen und es würde mich wundern, wenn Magath die Saison als Trainer überlebt, es sei denn er übernimmt auch noch den Posten des Vorstands Tönnies, des Platzwarts und des Aufsichtsrats. Oder hat er die schon? Diego ist wieder zurück. In Wolfsburg. Aus Turin von Juve. Das nenne ich einen bilderbuchmäßigen Abstieg. Das machen eigentlich sonst nur Fußballer, die ein Alkoholproblem haben und die dann jeden Verein nehmen müssen, den sie kriegen können. Wie damals Paul Gascoigne, aber Wolfsburg wäre selbst ihm zu hart gewesen, denn um sich Wolfsburg einigermaßen erträglich zu machen, braucht man mehr Alkohol, als einem gut tut. Nur eine halbe Stunde spielte Diego. Das reichte, um 3:0 gegen Mainz in Führung zu gehen. Dann hörte er auf, und seine Kollegen mit ihm, und am Ende hatte Wolfsburg 4:3 verloren. Immerhin ein Spiel von großem Unterhaltungswert, den man in Wolfsburg sonst nicht allzu oft geboten bekommt. Damit hat auch VW Wolfsburg einen Fehlstart hingelegt, aber das kommt eben davon, wenn ein Konkurrenz-Produkt wie McLaren verpflichtet und eine Pflaume wie Dieter Hoeneß, der nach der Niederlage von einem »ganz neuen Gefühl« sprach, das er doch eigentlich noch von Hertha ganz gut kennen müßte. Auch Bayern verlor, und das gegen den Aufsteiger Kaiserslautern, die außer Kampf nun wirklich nichts drauf haben. Aber gegen Bayern reichte es an diesem Tag aus, weil die Bayern in den entscheidenden Szenen patzten und ausnahmsweise mal Pech hatten, und das alles muß schon zusammenkommen, um gegen eine Mannschaft zu verlieren, die vor allem Furchen im Rasen hinterläßt, aber keinen besonderen Eindruck.</p>
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		<title>Rösler, Philipp; Hahne, Peter; de Maizière, Thomas</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Aug 2010 09:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Hitparade der peinlichen Personen]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat sich im Zoo in Hannover Blut abnehmen lassen, um es zu spenden. Zunächst hieß es, Philipp Rösler wolle der seit einigen Monaten sich als sehr blutarm erweisenden FDP unter die Arme greifen, aber da er selber der FDP angehört, vermutete man, dass er mit dieser Bluttransfusion Guido Westerwelle Konkurrenz machen wollte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat sich im Zoo in Hannover Blut abnehmen lassen, um es zu spenden. Zunächst hieß es, Philipp Rösler wolle der seit einigen Monaten sich als sehr blutarm erweisenden FDP unter die Arme greifen, aber da er selber der FDP angehört, vermutete man, dass er mit dieser Bluttransfusion Guido Westerwelle Konkurrenz machen wollte, der die Traditionskutsche FDP, auf der schon Genscher und irgendwelche andere alten FDP-Kämpen irgendwelche komischen Lieder sangen, gründlich in den Dreck gefahren hat. Und das danach in Betrieb genommene „Guidomobil“ erwies sich als äußerst anfällig und befindet sich ständig in der Werkstatt. Als Prototyp hat es sich als völliger Flop erwiesen. Warum der Blutzellenspender Rösler allerdings im Zoo Hannover Blut spendete ist etwas rätselhaft. Vermutet wird, dass er eigentlich als Samenspender auftreten sollte, weil das aber nicht klappte, wurde er kurzerhand zur Blutspende gebeten. Vielleicht eröffnete die FDP im Orang-Utan-Käfig aber auch gerade ein neues Parteibüro, weil neueste Umfragen ergeben haben, dass die FDP bei den nächsten Wahlen höchstens noch im Zoo mit Zweitstimmen rechnen könne. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler ließ sich von Wiebke Rösler stechen. Sie ist Ärztin für innere Medizin, vermutlich Tiermedizin, und zufällig die Frau des Bundesgesundheitsministers. Sie behauptet, ihr Mann hätte für einen gewissen „Maxi“ Blut gespendet, der aber in der gesamten FDP unbekannt ist, weshalb „Maxi“ für ein Codewort gehalten wird, das ein ähnliches Projekt beinhalten könnte wie „Guido“, nur eben mit mehr beziehungsweise eben maximalem Spaß. Viele Kenner der Spaßpartei sehen die Sache allerdings eher skeptisch und bezweifeln, dass Rösler eine Chance hat, Westerwelle abzulösen.<br />
Dass Handlungsbedarf besteht, daran zweifelt hingegen niemand, nicht einmal der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, der ein Ende der Volkspartei FDP an die Wand malt. Trittin sorgt sich darum, dass die FDP „die Zukunft unseres Landes verspielen“ könnte, weil sie vergessen hätte, „die Industrie zu verpflichten, modernere, schadstoffärmere Antriebe zu entwickeln“, lieber würde er das „Dienstwagenprivileg deckeln“, das „uns Steuerzahlern knapp eine Milliarde Euro einsparen würde“. Außerdem ist er für höhere Steuern und würde lieber auf die Spenden der Milliardäre verzichten, die in Amerika die Hälfte ihres Vermögens abgeben wollen, was sehr einfach ist, weil sich in Deutschland kein Milliardär finden würde, der das täte. Auch Peter Hahne, der sich jeden Sonntag „Gedanken zum Sonntag“ macht, hält die Spendenaktion von Bill Gates und den anderen 40 US-Milliardären für „Populismus pur“, denn Peter Hahne ist in Sachen Populismus einer der größten Experten in Deutschland. Im Gegensatz zu Trittin behauptet Peter Hahne, dass deutsche Milliardäre auf die Hälfte ihres Vermögens gar nicht verzichten könnten, weil sie schon Steuern zahlen, „und das nicht zu knapp“. Und weiter: „Das einkommensstärkste Zehntel unserer Bevölkerung bringt mehr als die Hälfte des Staatshaushaltes auf. Und davon können wir uns ein Sozialsystem leisten, von dem Amerika nur träumen kann.“ Da in Amerika die Reichen keine Steuern zahlen müssen, weil es dort ja auch kein Sozialsystem gibt, sind sie gezwungen, sich freiwillig von ihren Milliarden zu trennen, um sie den Armen aufzunötigen, außerdem würden die ja nur deshalb spenden, weil sie ein Drittel der Spende „als Steuerersparnis“ wieder zurückbekämen. Bei uns hingegen gibt es 17000 Stiftungen, in denen man sein Geld als Reicher viel eleganter verschwinden lassen kann, „ohne viel Gedöns darum zu veranstalten“, sagt Peter Hahne. Spenden sind in Deutschland seit den Parteispendenaffären in Verruf geraten. Niemand wusste nämlich vorher, dass es um die deutschen Parteien so schlecht steht und dass sie sich von Almosen aus der Wirtschaft ernähren müssen, der sie aus lauter Dankbarkeit im Gegenzug Aufträge von der Regierung zukommen lassen, wie zum Beispiel den neuen Körperscanner, der jetzt am Flughafen Hamburg probeweise zum Einsatz kommt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat den Apparat selber getestet. Der Scanner hat ihn zwei Sekunden lang durchleuchtet. Sofort danach verkündete Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dass er überlebt habe und dass der Apparat auch für andere Personen ungefährlich sei, was von Kritikern bislang bezweifelt worden war. Hier steht er in der Tradition von CDU-Politikern, die sich selber als Versuchskaninchen andienen, wie zum Beispiel der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer, der 1988 den Rhein durchschwamm, um zu beweisen, dass die Verschmutzung des Wassers unter der CDU-Regierung viel besser geworden sei und der Rhein sogar von Politikern der damals noch in Bonn ansässigen Regierung als Bademöglichkeit genutzt werden könne. Experten haben festgestellt, meinte Thomas de Maizière, dass „von der Strahlung im Körperscanner keine gesundheitliche Gefährdung ausgeht“, was sich am besten an ihm beobachten ließe. Außerdem gäbe es keine echten Körperbilder, sondern nur schematische Personendarstellungen, die keine Rückschlüsse zuließen, ob die gescannte Person dick oder dünn sei, Lepra oder andere nässende Geschwüre habe. Sicherheitsbeamte, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und den Körper nach verstecktem Sprengstoff abscannen müssen, haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Es wäre nun mal kein Spaß gewesen, so ein Sprecher der Flughafensicherheit, bei dem Nacktscanner stundenlang auf in der Regel ja nun mal eher unästhetische und deformierte Körper zu starren und womöglich verunreinigte Unterwäsche zu inspizieren. Da hätte man dann sicherlich eine Zulage für unzumutbare Arbeitsbedingungen verlangen müssen. Nun aber wird selbst die schematische Darstellung sofort gelöscht. Bei den im Körperscanner gescannten Menschen hingegen wird dies nicht der Fall sein, versprach der Minister. Aber kaum hatte Thomas de Maizière das verkündet, war er auch schon verschwunden. Bislang ist ungeklärt, wo Thomas de Maizière abgeblieben ist. Möglicherweise ist er doch ebenso wie seine schematische Darstellung gelöscht worden. Experten haben sich auf die Suche begeben. Einige vermuten allerdings, dass er lediglich in ein Sommerloch gefallen ist und nach den Ferien wieder auftauchen wird. Andere befürchten das selbe.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 1. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Aug 2010 09:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>»Gigantentreffen in Hamburg« jubilierte Bild, weil van Nistelrooy und Raúl in Hamburg aufeinandertrafen. Man kann sich das Elend auch schönreden. Zwar gehören die beiden ehemaligen Real-Spieler immer noch zu den großen Spielern, aber ihre Karriere als Fußballer neigt sich dem Ende zu. In Deutschland dürfen sie noch ein wenig Glanz verbreiten, weil man hier dazu neigt, in ausländischen Stars das non plus ultra hineinzuprojizieren, hier wird die Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen, dem Bizarren, dem Unwahrscheinlichen, dem Sensationellen genährt, und weil das alles natürlich irgendwann enttäuscht wird, weil die Versprechen solcher Projektionen immer unerfüllt bleiben werden, läßt sich bereits die Häme erahnen, mit denen die »Giganten« überschüttet werden, die manchmal eben auch einen gebrauchten Tag erwischen, nicht ins Spielkonzept passen oder die deutsche Spielweise nicht verstehen. Die Deutschen hatten mit einer jungen Mannschaft bei der WM Erfolg (abgesehen vom Glück, daß Ballack rechtzeitig verletzt wurde). Mourinho ist klug genug, sich mit Özil und Khedira die besten zu holen, während Raúl aussortiert wurde und bei Schalke anheuerte, weil Magath gerade alles zusammenkauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Das hört sich vielleicht pejorativ an, aber ich finde das gut, weil die Sehnsucht nach Größe und Glanz schließlich das einzige ist, was die Fans bei der Stange hält, ihnen eine gewisse Genugtuung gegenüber anderen Vereinen verschafft, deren größte Anschaffung ein Mann namens Lewandowsky ist, und Polen verbreiten nun mal kein Flair in Deutschland. Und dennoch, und darin bestehen die Unwägbarkeiten des fußballerischen Drumherums, verkaufte Dortmund über 51000 Dauerkarten, weit mehr als alle anderen Vereine. Klar, man macht sich Hoffnungen wie alle anderen Fans eben auch, aber Lewandowsky oder der aus der japanischen Zweitliga kommende und als »Schnäppchen« bezeichnete Kagawa haben nicht das Faszinationspotential, wie es Raúl oder die Dortmunder Einkäufe in den 90er Jahren hatten. Klüger ist es sicherlich, auf eine junge Mannschaft zu setzen, aber der Fußball wird dadurch noch kampfbetonter und zu einer Frage der Ausdauer und Fitness. Aber egal, wie sehr es gelingt, Mannschaften wie eine Maschine funktionieren zu lassen, der große Rest heißt Psyche, und die ist nicht wirklich steuerbar und sorgt immer wieder für Überraschungen. Warum z.B. ist Bremen in Hoffenheim mit 4:1 untergegangen? Weil sie sich auf die Qualifikationsspiele der Champions League konzentrieren? Weil sie sowieso immer das erste Bundesligaspiel verlieren, wie Tim Wiese vermutet? Weil der Weggang von Özil nicht kompensiert wurde? Nichts davon ist eine schlüssige Erklärung, genauso wenig wie die drei Tore St. Paulis in nur sechs Minuten in Freiburg nach einem 1:0-Rückstand. Dabei hatten sich die Paulianer eine Woche vorher im Pokal gegen einen Amateurverein blamiert. Und auch nicht schlecht: Der Transferspitzenreiter Wolfsburg vergeigt gegen das Transferschlußlicht Bayern. Die Konkurrenz um die ersten fünf Plätze jedenfalls ist groß. Neun Mannschaften balgen sich darum.</p>
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		<title>Seibert, Steffen &amp; Bushido</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 16:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Hitparade der peinlichen Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Bushido]]></category>
		<category><![CDATA[Steffen Seibert]]></category>

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		<description><![CDATA[Man kennt ihn aus dem ZDF. Das ist der Mann, bei dem ich immer gleich das Programm wechseln will, wenn er in den heute-Nachrichten als Sprecher auftaucht, weil es dann wieder so zwangslocker und schmusekritisch zugeht, daß mir ganz unwohl wird und ich automatisch den Reflex verspüre, diesem frisch rasierten und immer irgendwie nach einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man kennt ihn aus dem ZDF. Das ist der Mann, bei dem ich immer gleich das Programm wechseln will, wenn er in den heute-Nachrichten als Sprecher auftaucht, weil es dann wieder so zwangslocker und schmusekritisch zugeht, daß mir ganz unwohl wird und ich automatisch den Reflex verspüre, diesem frisch rasierten und immer irgendwie nach einem aufdringlichen After Shave riechenden Schwiegermutterliebling ein Farbei ins Gesicht zu werfen, jedenfalls muß ich mich drehen und winden bei seinem Anblick, weshalb ich nach den Nachrichten garantiert nicht mehr weiß, was eigentlich auf der Welt passiert ist, und das ist kein Wunder, denn in der Seibertschen Präsentation der Nachrichten wird alles einerlei, selbst dann, wenn aus Gründen der Betroffenheit es aus Seibert ölig heraustropft und er plötzlich Schlappohren bekommt und den treudoofen Blick eines Bernhardiners mit sabbernden hängenden Mundwinkeln. Von Seibert wurde sogar ein sehr eingängiges Verb abgeleitet, und man muß nicht besonders helle sein, um mitzukriegen, daß ein seibernder Mensch nicht sehr angenehm ist und man die Gesellschaft solcher Leute besser meidet. Vor allem im TV wird man von ihnen vollgeseibert. Dort hat sich das Seibern virusartig ausgebreitet und wurde zur allgemeinen Sprachnorm erhoben, d.h. die Fähigkeit, stundenlang ein Ereignis zu beseibern, ohne daß sich aus dem Geseiber ein Erkenntnisgewinn ziehen ließe.<br />
Folglich wurde Seibert für seine siebenstündige Moderation der Terroranschläge am 11. September 2001 mit der »Goldenen Kamera« ausgezeichnet, das heißt für die Kunst nichts zu sagen, und das stundenlang und ausgiebig. Sogar mit Seibert sympathisierende Medien wie die »Bild« nennen ihn »smart«, und ihn noch abfälliger zu beurteilen fällt selbst mir schwer, der ich als Sieben-Uhr-Nachrichten-Gucker jahrelang von ihm malträtiert wurde, denn smarte Menschen sind widerlich, sie sondern eine Flüssigkeit von schleimiger Konsistenz ab, sie sind karrieregeil und tun alles, die dazu gehörige Leiter hochzurutschen, und dafür würden sie alles und jeden verraten, die eigene Großmutter sowieso, wenn es da was zu verraten gäbe, und die eigene Jugend: »Ich bin auf eine sehr politisierte Schule gegangen, also habe ich vorschriftsmäßig auch an all den Anti-Atomkraft-Wegen und Anti-Kulturministeriums-Demonstrationen teilgenommen.« Hier spricht der kritische Opportunist, der mit dem Zaunpfahl winkt und in die Öffentlichkeit hinausseibert: »Hey, ich bin immer auf der Seite der herrschenden Meinung. Ich mache alles, was von mir verlangt wird, und das vorschriftsmäßig.« Und zum kritischen Opportunisten paßt es auch, daß er – bis auf die Linkspartei selbstverständlich, denn so weit würde sich Seibert nie aus dem Karrierefenster lehnen – »alle Parteien, die im Bundestag sitzen, schon mal gewählt« hat. Da wurde sogar der gramgebeugte Trauerklos Angela Merkel auf ihn aufmerksam und bestellte ihn zum Pressesprecher der schwarz-gelben Regierung, die ihre Zukunft bereits hinter sich hat und deshalb einen Mann braucht, der den Leuten das Desaster schön redet, wofür Seibert ja beim ZDF ausgebildet wurde. Außerdem baut Angela Merkel wahrscheinlich auch auf den Effekt, daß die Leute die von Seibert vorgetragenen Regierungsverlautbarungen immer noch für ZDF-Nachrichten halten, wobei da allerdings nicht wirklich ein großer Unterschied besteht, aber schließlich kommt es auf die Nuancen an und darauf, daß auch die Wähler der SPD-, Grünen- und Links-Opposition, die der Regierung quasi naturgemäß mißtrauen, Seibert auf dem Leim gehen. Seibert hat die Offerte Merkels auch sofort angenommen: »Für einen leidenschaftlichen Journalisten ist das eine ganz unerwartete, faszinierende neue Aufgabe«, seiberte Seibert einen für ihn ganz typischen Satz, der in diesem Fall von unfreiwilligen Humor zeugt, weil er die Leidenschaftlichkeit eines Journalisten im seibertschen Sinne auf eine rein repetitive Tätigkeit reduziert, die darin besteht, Vorgekautes nachzukauen, und damit befindet man sich mit Seibert im Land des Neusprechs, in dem man die Worte auch genau das Gegenteil bedeuten lassen kann, wenn es dem Sprecher in den Kram paßt. Der von mir hochgeschätzte Autor Fritz Tietz hat schon 2001 im Jahrbuch »Who‘s who der peinlichen Personen« alles Wissenswerte über den im ZDF zusammengeschraubten Alien mitgeteilt. Damals wurde der glitschige Mann zu Kerner geschickt, damit der ihn einem Publikum vorstellt, das durch Kerner durch nichts mehr zu erschüttern war. Und dort outete sich Seibert als Katholen, der vom Protestantismus abgefallen war, weil er den Papst so toll fand und weil er gerne einen »Beichtvater zum Beispiel« hätte, und den gibt’s ja bei den Protestanten nicht. Fragt sich nur, was er dem Beichtvater anvertrauen will. Irgendwelche abgründigen Geheimnisse? Irgendwelche abartigen sexuellen Praktiken? Regierungsgeheimnisse? Wohl kaum, denn dieser Mann hat nichts zu verbergen. Er ist eine hohle Nuß, und da würden auch Probebohrungen kein Ergebnis zeitigen.</p>
<p>Das ist so ähnlich wie bei Bushido, der für den »Spiegel« ein Interview zusammengestottert hat über einen schwachsinnigen Song, der für die deutschen Nationalspieler in Südafrika zur Hymne wurde. Bushido brauchte für den Text 20 Minuten, für den Song insgesamt 60 Minuten. Warum er für den Text so lange gebraucht hat? Keine Ahnung. Kompliziert ist er jedenfalls nicht: »ole ole ole ole ole ole ole ole ole ole ole ole ole ole ole / hey yo Deutschland / holt die Fahnen raus / Sie hängn vom Balkon / am Gartenhaus, an 1000 Fenstern / an Autofenstern, der Kühlerhaube, am Benzmarkt / auf dem Lenkrad Schwarz-Rot-Gold / und ja wir Deutschen sind grad so stolz / im ganzen Land schaut jeder zu / kämpft, auch wenn die Gegner (…) / ihr schafft das schon ihr macht das schon / mein Song, das Sonnenersatzman Flow / wir fiebern mit, live in Marin / 2010, kein Fußballtrend / ich war als Kind schon Fußballfan / und ich glaub ich sprech für das ganze Land / wenn ich sage geht raus und gewinnt diesen Kampf«, usw. Kann man liebloser einen Text runterhauen? Und läßt dies nicht tief blicken, wenn es um das Verhältnis zum Nationalismus geht? Bushido liebt Deutschland, sagt er. Ich finde das toll. So kann sich jeder in Ruhe überlegen, ob er wirklich mit einem Schmalspurdesperado und unappetitlichen Kotzbrocken mit dem Gehirn eines Hamsters das Liebesobjekt teilen will.</p>
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		<title>Arbeit vernichtet, was sie versprach.</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jun 2010 10:59:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Verleger empfiehlt]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Menasse]]></category>

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		<description><![CDATA[Robert Menasse ruft die permanente Revolution der Begriffe aus Es ist nur ein schmales Büchlein, das jedoch Gewicht hat wie selten ein Buch, das sich mit Begriffen auseinandersetzt, die in der öffentlichen Debatte ausgehöhlt und banalisiert wurden. In acht Vorträgen beschäftigt sich Robert Menasse im Suhrkamp-Bändchen »Permanente Revolution der Begriffe« mit Arbeit, Religion, Europa, Demokratie, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Robert Menasse ruft die permanente Revolution der Begriffe aus</strong></p>
<p>Es ist nur ein schmales Büchlein, das jedoch Gewicht hat wie selten ein Buch, das sich mit Begriffen auseinandersetzt, die in der öffentlichen Debatte ausgehöhlt und banalisiert wurden. In acht Vorträgen beschäftigt sich Robert Menasse im Suhrkamp-Bändchen »Permanente Revolution der Begriffe« mit Arbeit, Religion, Europa, Demokratie, Öffentlichkeit, Kultur, Sucht und Kritik, wobei es gleich mit der Arbeit, dem zweifellos wichtigsten Beitrag, losgeht. Arbeit taucht in der Gesellschaft zum einen als Mangel auf, als Faktor, der im internationalen Wettbewerb der Konzerne hinderlich ist, gleichzeitig wird Arbeit als höchstes aller Güter bewertet: diejenigen können sich glücklich schätzen, die Arbeit haben.<br />
Was in der gesellschaftlichen Diskussion durcheinander geht, versucht Menasse auf kluge Weise ideologiegeschichtlich zu entschlüsseln. Die Frühsozialisten hatten die Vision, daß Arbeit nicht nur Fron sei, sondern ein Glücksversprechen enthalte. Charles Fourier wollte sogar dem rastlosen Spieltrieb der Kinder gesellschaftlichen Nutzen abgewinnen und ihre Aktivitäten in Produktivität transformieren. Herausgekommen ist die Kinderarbeit. Für eine Gesellschaft, in der der Mensch nach seinen Bedürfnissen lebte, übernahm auch Marx die Vorstellung von der nicht-entfremdeten Arbeit, die – »gesetzt, wir hätten als Menschen produziert« (Marx) – frei mache. Diese Idee wurde von völkischen Ideologen übernommen und endete schließlich als Inschrift über dem Tor von Auschwitz, und das zeigt vor allem, daß man Utopien gegenüber skeptisch sein sollte, weil sie in der Regel in das Gegenteil der Intention der Erfinder kippen. Die selbstbestimmte Arbeit, die ein Rudolf Höß für sich ganz selbstverständlich reklamierte, bestand darin, andere Menschen möglichst effizient zu töten. Darin fand Höß seine Erfüllung, es ging ihm darum, seine Arbeit gut und gründlich zu tun, und zwar mit Liebe und Hingabe. Im Prinzip hat sich an diesem Arbeitsbegriff auch heute nichts geändert, was letztlich damit zu tun hat, daß »die Mehrheit der Menschen auch und erst recht heute bedingungslos bereit ist, sich den Zwängen und Anforderungen eines Systems zu unterwerfen, um eine Freiheit zu erlangen, die dann selbst auch wieder nur ein ideologisches Produkt dieses Systems darstellt.« Nach Menasse reproduziert selbst die »gute Arbeit« nur den »Verblendungszusammenhang«. Arbeit, egal unter welchen Bedingungen, ist das Verhängnis, denn die wichtigen Dinge für die Menschheit wie Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit werden durch sie nicht befördert, sondern zerstört. Menasse seziert den Begriff Arbeit auf eine Weise, wie das selten geworden ist, er läßt kein Schlupfloch für die Annahme, sich durch Arbeit selbst verwirklichen zu können, jedenfalls nicht, solange sich an den gesellschaftlichen Voraussetzung nicht grundlegend etwas geändert hat, aber dafür gibt es keine Anzeichen, und solange das nicht der Fall ist, kann es höchstens darum gehen, gegen den weit verbreiteten Irrtum anzuschreiben, Arbeit könne selbstbestimmt sein, denn: »Was immer durch Arbeit produziert wird, sie vernichtet, was sie versprach.«<br />
Aber Menasse verweilt nicht nur auf der abstrakt-begrifflichen Ebene, er begibt sich auch in die Niederungen der Politik. In Österreich wurde Martin Graf zum Parlamentspräsidenten gewählt. Martin Graf aber ist Mitglied einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Organisation. Jeder Abgeordnete, der ihn gewählt hat, wußte das, aber es sei nun mal »Usance«, daß der Kandidat der drittstärksten Parlamentsfraktion für diesen Posten vorgesehen ist, und auch der österreichische Bundespräsident hielt nichts davon, diesen »Grundsatz« in Frage zu stellen. Diese feinfühlige Rücksichtnahme für einen Rechtsradikalen aus Gründen der Gewohnheit bringt Menasse auf die Palme, und sarkastisch merkt er an, das sei so, »als würde der Paragraph 1 der österreichischen Verfassung tatsächlich lauten: ›Österreich ist eine demokratische Republik. Alle Macht geht von der Gewohnheit aus.‹« Mehr noch, für Menasse handelt es sich um blanke Willkür, wenn das Gewohnheitsrecht über den Rechtszustand gestellt wird, denn Martin Graf verstoße nun mal ganz offen gegen den Grundkonsens der Republik, Demokratie ist dann »nur noch eine abstrakt allgemeine Bezeichnung für die ›Umstände‹, die einfach so bleiben sollten, wie sie waren.«<br />
Radikal sein bedeutet, die Sache an der Wurzel packen, die Wurzel für den Menschen sei aber der Mensch. In diesem altmodischen marxschen Sinne ist Robert Menasse radikal. Es geht für ihn immer noch um den Menschen und um die von ihnen geschaffenen Institutionen. Auch wenn er sich über den Menschen keine Illusionen mehr macht und Winston Churchill zitiert, der einmal sagte: »Das größte Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit einem durchschnittlichen Wähler«, Menasse ist dennoch vom Furor der Empörung gegenüber Skandalen und Ungerechtigkeiten getrieben und setzt die klassischen Mittel der Aufklärung ein. Hinsichtlich Österreich, unter dem Robert Menasse hauptsächlich leidet, fällt mir den Stoßseufzer von Bernd Eilert ein: »Schade, daß man dieses kotelettförmige Land  nicht einfach in eine Pfanne werfen, braten und aufessen kann.« Einige besondere Verfehlungen ließen sich damit vielleicht beseitigen, aber die Demokratie versickert nicht nur in Österreich. Und der Dichter? »Im Grunde hat er, neben Ihnen, nur kurz gehechelt.« Aber das bleibt im Gedächtnis, hat man Robert Menasse aufmerksam zugehört.</p>
<p>Robert Menasse, »Permanente Revolution der Begriffe«, edition suhrkamp, Frankfurt 2009, 124 Seiten, 9.- Euro</p>
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		<title>Hermann, Eva &amp; Ballack, Michael</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 11:07:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Hitparade der peinlichen Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Hermann]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ballack]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie in einem schleimigen Horrorfilm, in dem Untote mit Glasaugen und wächserner Haut, in die sich eine Delle drücken läßt, in die idyllische Welt der naiv vor sich hin lebenden Menschen einbrechen und Verheerungen anrichten, so ist Eva Hermann aus dem Reich der längst Totgesagten wieder aufgetaucht und rechnet knapp drei Jahre nach ihrem Rauswurf beim NDR mit ihren Kritikern ab. Die für traditionelle Werte wie Familie, Hund, Müttergenesungsheim, Haus, Gartenzwerg, Zierdeckchen, röhrender Hirsch und ähnliche Grausamkeiten eintretende Eva Hermann stellt in ihrem Buch »Die Wahrheit und ihr Preis« unter Beweis, daß Blondinenwitze doch eine gewisse Berechtigung haben. Die »Bild«-Zeitung druckte ein paar Passagen vorab und gab somit dem breiigen Denken der ehemaligen Tagesschausprecherin ein Forum, nicht ohne dem molligen Wesen, dessen Gesicht sich gut für Babynahrung eignen würde, einen entsprechenden Rahmen zu geben, denn während sie oben mit einem honigsüßen Lächeln ihre weißen Zähne blitzen läßt, stellt »Bild« sie in einen Zusammenhang, der ihr nicht gefallen dürfte, denn direkt darunter, quasi als Bildunterschrift steht: »Killer-Bubi (16) gefasst! Er erstach einen Schüler (19) am Hamburger Jungfernstieg«. Links daneben dann die kleingedruckte Wahrheit der Eva Hermann, die sich ihre Gedanken, wenn man das denn so nennen will, über die Wahrheit macht:<br />
»Wahrheit? Woher will Eva Hermann denn die Wahrheit wissen? So höre ich meine Kritiker immer wieder. Ich spreche jedoch nicht selbst Erdachtes, sondern beuge mich allein der ewigen Wahrheit, die der Schöpfer in diese Welt senkte: Das wichtigste Naturgesetz, das Grundgerüst allen Seins auf dieser Erde ist die Liebe! Für  die Wahrheit der Liebe, die allein Freiheit des Geistes bedeutet, werde ich immer kämpfen.« Diese wirren Sätze sollten wirklich in einem Schmuckschächtelchen als Perlen unfreiwilliger Komik verwahrt werden. Die Hybris, quasi Gottes Stellvertreterin auf Erden zu sein durch die Verbreitung ewiger Wahrheiten, ebenso wie die steile und völlig zusammenhangslose These, die Wahrheit der Liebe wäre eine Bedingung für die Freiheit des Geistes, wofür bislang nur Eva Hermann Anzeichen gefunden hat, machen sie jedenfalls zu einem entschiedenen Anwärter für den Posten des Papstes.<br />
Bei solchen grandiosen Erkenntnissen ist man natürlich schon ein bißchen auf die »Wahrheit der Liebe« gespannt: »Von meinem Lebenstraum, verheiratet zu sein und mindestens drei Kinder zu haben, hatte ich mich in den letzten Jahren Stück für Stück verabschiedet. Zwar hatte ich einige Anläufe unternommen, aber ständig liefen mir die Männer unter lautem Aufschrei davon&#8230;« Okay, der letzte Halbsatz ist jetzt selbst Erdachtes, kommt aber der Wahrheit durchaus nah, denn Eva Hermann scheiterte. »Woran?« fragt sie sich. Vermutlich weil sie sonst niemand fragt, unterhält sie sich eben mit sich selbst: »Letztlich an meinem Job, denn dieser war für mich immer das Wichtigste gewesen, und dafür wurde alles andere in die zweite Reihe geschoben. Nun waren weder ein Ehemann noch Nachwuchs in Sicht. Nicht einmal einen Hund konnte ich mir anschaffen, weil ich ständig mit dem Flugzeug durch die Weltgeschichte gondelte.« Das ist wirklich große Komik, und Eva Hermann ist zweifellos eine heiße Anwärterin auf den Preis für peinliche Literatur, denn so geht es ständig weiter. Eine kleine Kostprobe noch: »Und jetzt hatte die biologische Uhr von einem Tag auf den anderen mahnend und hartnäckig zu ticken begonnen. Plötzlich wünschte ich mir nichts sehnlicher, als ein Kind zu bekommen und eine richtige Familie zu gründen. Weit und breit war kein passender Mann in Sicht, keiner, der mit mir eine Familie hätte gründen wollen. Wer sollte hier denn auch mithalten können? Bei meinem Verdienst und dem gigantischen Erfolg? Und dem offensichtlichen, prallen Selbstbewußtsein?«, mit dem Leute ihres minderbemittelten geistigen Formats freilich auf peinlichste Weise protzen müssen.</p>
<p>Ich hätte ihr einen Mann verraten können, der zu ihr gepaßt hätte: Michael Ballack. Der aufdringlichste Werbeträger, den der deutsche Fußball je hervorgebracht hat, wird sogar vom »Rolling Stone« genommen. Für eine Anzeige Ballacks für den »48h Transpirationsschutz« von L‘Oréal mit dem Werbespruch »48h cool bleiben« auf der hinteren Umschlagseite durfte Ballack dann auch vorne Coverboy spielen. So funktioniert Journalismus in Zeiten seines Untergangs. Im Innenteil verrät Ballack, das er »alles querbeet« hört wie z.B. Xavier Naidoo. Es geht allerdings auch noch schlimmer: Philipp Lahm, der Ersatzkapitän, hört am liebsten »Weus‘d a Herz hast wia Bergwerk« von Rainhard Fendrich. Am schlimmsten ist dann aber wieder Ballack, auf dessen Hochzeit die Schmalznudel Elton John schmachtete: »Das war unglaublich, keine Frage. Simone und ich fanden Elton John schon immer toll.« Und daran erkennt man, daß Ballack ein Zoni ist, denn die sind besonders anfällig für eimerweise zähflüssiges und öliges Liedgut.</p>
<p>In Sachen Mißbrauch bei den Katholen möchte ich noch einen kleines Schlußwort von Malte Lehmig anfügen, der im Berliner »Tagesspiegel« einen bemerkenswerten Kommentar schrieb: »Doch kaum einer von denen, die sich jetzt zu Recht über die Mißbrauchsfälle empören, begangen zum größten Teil von mehr als dreißig Jahren, macht sich Gedanken darüber, was er selbst aktuell in seiner Gegenwart als gegeben hinnimmt, von dem er zumindest ahnen kann, dass es sich dereinst als grottenfalsch herausstellen könnte. Es ist durchaus möglich, dass demnächst ein Terrorist auf dem Potsdamer Platz eine ›schmutzige‹, sprich radioaktive Bombe zündet. Bald danach wird man ganz zerknirscht darüber nachdenken, ob das nicht zu verhindern gewesen wäre, mit ausgeklügelter Rasterfahndung, Nackscannern oder anderem. Wie sicher sind unsere Datenschützer, dass sie unsere Sicherheit nicht gefährden? Oder: Brauchen wir wirklich erst den nächsten Amokläufer, um uns intensiver als bislang über den Zusammenhang von am Bildschirm verübter und realer Gewalt Gedanken zu machen? Oder: Wachen wir tatsächlich erst auf, wenn eine iranische Atombombe auf Jerusalem fällt? Das alles sind Fragen. Aber wer ist heute wirklich frei von einer gewissen Komplizenschaft mit dem Zeitgeist?« Chapeau! Das muß man Malte Lehming erstmal nachmachen. Und noch eine Frage bei all diesen Fragen: Ist das das Endstadium des Journalismus?</p>
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		<title>Bischof Mixa; Philipp Freiherr von und zu Guttenberg; Wiese, Tim</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 16:56:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Hitparade der peinlichen Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof Mixa]]></category>
		<category><![CDATA[Tim Wiese]]></category>
		<category><![CDATA[Zu Guttenberg]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde, wenn man Aufnahmen von Bischöfen sieht, die im Rudel zusammenstehen oder gerade ihren Limousinen mit Chauffeur entsteigen, mit Sonnenbrillen und dem feisten Lächeln von Gutgenährten, dann könnten das genauso gut Mafia-Bossen sein, wenn die alberne Verkleidung nicht wäre. Die Mafia ist den Bischöfen genau um dies voraus: Sie ist wenigstens gut gekleidet. Im Lügen und Betrügen ist es schon weit schwieriger zu sagen, wer die Nase vorn hat. Mit Bischof Mixa liegt in dieser Disziplin die Kirche wieder vorne. »Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich immer daran gehalten. Deshalb habe ich zu den Vorwürfen, die aktuell gegen mich erhoben werden, ein reines Herz. Die Anschuldigungen sind einfach unwahr und stimmen mich traurig«, sagte der Bischof und fügte mit erstaunlicher Chuzpe hinzu, daß er für die, die ihn beschuldigten, beten wolle. Könnte sich das Gebet möglicherweise so angehört haben: »Bitte, lieber Herrgott, laß diese verdammten Kläffer, die mir ans Bein pinkeln wollen, zur Hölle fahren!« Man weiß es nicht, aber das Gebet wurde erhört, allerdings von den Opfern, die  sich reihenweise meldeten und bezeugten, von Mixa geschlagen worden zu sein und ihm anschließend die Hand küssen mußten, quasi die Hand Gottes, die mildtätige Gaben auf diverse Körperteile der Delinquenten verteilt hatte. Vom weihevollen Verkünder der Gewaltlosigkeit eines Priesters verwandelte sich Mixa plötzlich in einen jovialen Naturburschen, dem halt mal die Hand ausgerutscht ist. Mein Gott, was ist da schon dabei? »Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann.« Dieses »ganz ehrlich« und das »natürlich« sind sehr lustig. Auch daß eine »Watschn« für Mixa keine körperliche Züchtigung darstellt, sondern offensichtlich zum normalen Umgang mit anderen gehört, eine »Watschn« quasi nur eine Art handfeste mit Nachdruck vorgetragene Argumentation ist, ist interessant. Daß eine Ohrfeige erniedrigend ist, versteht Mixa nicht. Auch nicht daß es sich um ein Ritual der Unterwerfung handelt, wenn der Geschlagene seine Hand küssen mußte. Aber genau in diesem auf strukturelle Gewalt beruhenden Verhältnis von Herr und Knecht drückt sich die Herrschaftsform der Kirche aus. Sie funktioniert so, sie beruht auf solchen hierarchischen Strukturen, die notfalls mit Gewalt aufrecht erhalten werden, so daß Leute wie Mixa nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, denn die Kirche bringt Menschen mit solchen miesen Charakteren erst hervor, nach außen frömmelnd und nächstenlieb und nach innen gewalttätig und unterdrückend. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß inzwischen Stimmen laut wurden, die Mixa nicht nur Schläge vorwerfen, sondern auch sexuellen Mißbrauch. Konsequenzen? Der Papst nimmt die Rücktrittsforderung von Mixa an, der Mann bleibt Bischof, wahrscheinlich mit den entsprechenden üppigen Bezügen, nur ohne Diözese. In einer speziellen Schweizer Klinik darf er sich von den Strapazen erholen. Und das ist doch schön und beruhigend, daß solche bedauernswerten Menschen kein Leid getan wird, auch wenn ich mir als rachsüchtiges Subjekt schon wünsche, daß Mixa all die Watschn zurückkriegen würde, die er verteilt hat, und anschließend müßte er den Opfern die Hände küssen. Ich meine, das ist doch nicht zuviel verlangt oder? Mein Gott, was ist schon so eine Watschn?<br />
Neues gibt es auch wieder aus dem Hause von und zu Guttenberg. Diesmal ist es der Bruder des Verteidigungsministers, der unter Beweis stellt, daß auch er nicht mehr alle Spatzen im Wald hat. In einer großen Home- bzw. Waldstory kommt heraus, daß er sich Sorgen um den deutschen Wald macht und deshalb zum Präsidenten der deutschen Waldbesitzer gewählt wurde. Seine Frau entstammt einem alten schottischen Geschlecht und auf der Hochzeit waren Lederhose, Dirndl und Schottenrock obligatorisch. Mit seinem Vater Enoch zu Guttenberg, der sich Sorgen macht wegen des Abschmelzens der Pole, weil das Hochwasser dann zur Folge hätte, daß Millionen von Flüchtlingen wie ein alttestamentarischer Heuschreckenschwarm nach Deutschland einfallen und die deutschen Wälder niedertrampeln würden (siehe LIVE 2/2010)&#8230;, mit dem also spielt Philipp manchmal zusammen Waldhorn, »ein hervorragendes Beispiel, wozu man Holz nutzen kann«, wie er meint, um davon abzulenken, daß er mit der Waldhornbläserei wahrscheinlich nur Angst und Schrecken unter der Tierwelt verbreitet. Dennoch hat das wenigstens noch eine zwar komische, aber letztlich auch praktische Seite, selbst dann, wenn nur ein Waldhorn herauskommt, aber dann kommt eben doch das Mystische des Waldes zum Vorschein und bricht sich bei Philipp Freiherr von und zu Guttenberg Bahn: »Für mich ist es nicht nur ein Naturerlebnis im Wald sein zu dürfen, sondern eine Art Schöpfungserfahrung. Ich tanke Energie. Ich spüre, ich bin Teil von etwas sehr, sehr Großem.« Von mir aus kann er den Rest seines Lebens im Wald mit dem ganzen Ungeziefer, Borkenkäfern und Zecken verbringen und sich Gedanken über die Schöpfung machen. Da bin ich liberal. Und bitte auch gleiche seine merkwürdige Wald-und-Wiesen-Verwandtschaft mitnehmen.<br />
Jeder Fußballverein hat so seine Probleme. Das Problem bei Werder Bremen hört auf den Namen Tim Wiese, eine Mischung aus rosa Peinlichkeit und Zuchtbulle, jedenfalls sah er so aus, als er sich mal mit seiner Lebensgefährtin für Bild präsentierte, vollgepumpt bis zu den Haarwurzel mit Testosteron. Also nicht schön. Nachdem die Nummer 1 im deutschen Tor Rene Adler die WM in Südafrika absagen mußte, ist ein künstlich geschürter Kampf um den vakant gewordenen Posten unter den Ersatztorhütern entbrannt. Tim Wiese mischte auch mit. Auf ewig wird sein millionenschwerer Patzer gegen Juve in Erinnerung bleiben, als er nach einer kuriosen Showeinlage auf Schülerniveau den Ball dem Gegner vor die Füße legte, der nur noch einschieben brauchte, um ein verloren geglaubtes Spiel doch noch zu drehen. Und das wird es auch sein, was von Tim Wiese in Erinnerung bleiben wird. Jetzt schickte er folgendes Bewerbungsschreiben los: »Ich kämpfe um die Nummer 1, bis mir das Blut aus den Ohren kommt.« Für diesen absurden Ehrgeiz sollte man ihm eigentlich viel Erfolg bei dieser Tätigkeit wünschen.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 34. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 10:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blutgrätsche]]></category>

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		<description><![CDATA[Selten gab es einen letzten Spieltag mit so wenig Spannungspotential. Man konnte sich schon vor einer Woche an allen zehn Fingern ausrechnen, was in den noch offenen Fragen passieren würde. Bremen brauchte noch einen Punkt zu Hause gegen den HSV, und das war keine unlösbare Aufgabe gegen einen Gegner, der mit Ambitionen nach ganz oben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selten gab es einen letzten Spieltag mit so wenig Spannungspotential. Man konnte sich schon vor einer Woche an allen zehn Fingern ausrechnen, was in den noch offenen Fragen passieren würde. Bremen brauchte noch einen Punkt zu Hause gegen den HSV, und das war keine unlösbare Aufgabe gegen einen Gegner, der mit Ambitionen nach ganz oben angetreten war und der kräftig in seinen Kader investiert hatte und nun vor einem Scherbenhaufen steht. Wegen Vorstand Hoffmann haben sich schon HSV-Fans auf der Tribüne geprügelt, weshalb die Bremer Fans da gerne noch etwas Salz in die Wunden streuten mit dem Plakat »Hoffmann bleibt«, denn unter seiner Regie hat der HSV einfach keine Schnitte gegen die Bremer machen können. Im Europapokal und im Pokal schied man letzte Saison gegen die Grünweißen aus, und auch diesmal schaffte es der HSV nicht, die letzte hauchdünne Chance auf einen internationalen Platz zu wahren.</p>
<p>Und wieder ist ein Ehrgeizling in der Liga gescheitert, der dachte, er könnte sich mit dicken Investitionen eine Dauerticket für Europa erwerben. Schon letzte Saison war das Tor nach Europa nur durch ein illegales Tor in der allerletzten Sekunde geöffnet worden. Diesmal half auch kein van Nistelrooy mehr, Hamburg stürzte auf den letzten Metern ab, während die Bremer sich bravourös auf den 3. Platz vorschoben. Bremen hat nur ein Handicap, und das hört auf den Namen Tim Wiese, der krankhaften Ehrgeiz mit rosa Peinlichkeit auf hervorragende Wiese zu verbinden weiß. Auf ewig wird sein millionenschwerer Patzer gegen Juve in Erinnerung sein, als er nach einer kuriosen Showeinlage auf Schülerniveau den Ball dem Gegner vor die Füße legte. Und das wird es auch sein, was von Tim Wiese in Erinnerung bleiben wird. »Ich kämpfe um die Nr. 1, bis mir das Blut aus den Ohren kommt.« Man weiß nicht so recht, ob man menschenfeindlich ist, wenn man ihm bei dieser Verrichtung viel Erfolg wünscht.</p>
<p>Für Leverkusen hingegen reicht es nur zu einem Europacup-Platz, was nicht viel ist, da die Tablettenelf einmal sechzehn Punkte Vorsprung gegen Bremen hatte, und den zu verspielen ist schon eine vorzeigbare Leistung. Dennoch redet sich Heynckes den 4. Platz schön. Aber ich sollte vielleicht den Mund nicht zu voll nehmen, denn der BVB war am Ende auch nicht gerade ruhmreich und ließ jede sich bietende Gelegenheit ungenutzt, um noch auf Platz 3 vorzustoßen. Diesmal reichte es nicht mal gegen Freiburg, aber da ging es auch um nichts mehr.</p>
<p>Von Hertha habe ich mich ja schon verabschiedet, nun auch von den Bochumern, die es gegen Hannover selber in der Hand hatten, aber auch der Interimstrainer Wosz, der den Ex-Dortmunder Herrlich abgelöst hatte, konnte nichts mehr bewirken, wofür er sich zerknirscht bei den Fans entschuldigte, die ihre Schals verbrannten und ein paar Plastikstühle zerlegten bzw. einen Weitwurfwettbewerb mit ihnen veranstalteten. Und obwohl Wosz bereits dreimal als Spieler mit dem VfL abgestiegen ist, meinte er, so einen Auftritt hätte es zu seiner Zeit nicht gegeben. Naja.</p>
<p>Hannover hingegen hat leider doch noch die Kurve gekratzt, was die Spieler als Anlaß nahmen, den seligen Robert Emke noch einmal zu exhumieren mit der Transparentaufschrift »Robert R.I.P.« Ob Emke allerdings bei dieser dünnen Leistung seiner Mannschaft tatsächlich seinen Frieden findet, läßt sich bezweifeln. Und der Club muß trotz eines knappen Sieges gegen Köln nun in die  Relegation gegen Augsburg. Allzu sicher sollten sie sich nicht fühlen, denn Augsburg hat einen Freund, der aus Hüfte schießen kann, ein nobler Freund, und der heißt Franz Dobler.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 33. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sun, 02 May 2010 09:15:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach dem Abpfiff saßen die Dortmunder auf dem Rasen, als ob sie das CL-Finale in der allerletzten Minute verloren hätten. Der Maskenmann Sahin war tieftraurig und entschuldigte sich bei der Mannschaft, weil er einen Elfer verschossen hatte, der allerdings sowieso nicht berechtigt gewesen war. Aber daran sieht man, daß die junge Mannschaft sich noch Illusionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Abpfiff saßen die Dortmunder auf dem Rasen, als ob sie das CL-Finale in der allerletzten Minute verloren hätten. Der Maskenmann Sahin war tieftraurig und entschuldigte sich bei der Mannschaft, weil er einen Elfer verschossen hatte, der allerdings sowieso nicht berechtigt gewesen war. Aber daran sieht man, daß die junge Mannschaft sich noch Illusionen macht und daß es ihr noch um etwas geht.</p>
<p>Aber nicht gegen Wolfsburg haben die Schwarzgelben es verdaddelt, sondern in den Spielen davor, und wenn man nur eins der letzten vier Spiele gewinnt, dann haut das eben auch mit dem 3. Platz nicht hin. Dreimal schon hat man eine Einladung, sich auf dem 3. Platz festzusetzen großzügig verstreichen lassen. Dann war es zu spät, denn Bremen hat Schalke zum Vizemeister der Herzen deklassiert, es hätte also auch ein Sieg gegen Wolfsburg nicht gereicht, ganz abgesehen davon, daß die Tordifferenz um 17 Treffer bei den Bremern besser ist. Aber es ehrt die Schwarzgelben, daß sie nicht das Erreichen der Euro-League feierten, sondern dem Verpassen der CL nachtrauerten. Dabei hatten die Dortmunder noch Glück, denn Dzeko und Grafite gingen mit ihren Chancen sehr großzügig um, aber für Wolfsburg war die Saison ja auch schon gelaufen.</p>
<p>Außerdem weiß man doch, daß der BVB immer versagt, wenn es um etwas geht, selbst dann, wenn es nicht wirklich um etwas geht, wie in diesem Fall. Subotic sagte vor dem Spiel, daß heute alle Dortmunder Schalker wären, aber als Zugereister hat Subotic eben keine Ahnung, denn bevor die Schalker auch nur einen Finger krumm machen würden, um Dortmund den Relegationsplatz zu ermöglichen, lassen sie lieber die Meisterschaft sausen. Ja, so gemein sind die Schalker. Und dann lassen sie sich als Vize-Meister der Herzen feiern. Pah!</p>
<p>Meine Freude jedenfalls war groß als Werder in Führung ging und im letzten Spiel gegen den HSV nur noch ein Remis benötigt, um den 3. Platz sicher zu haben, und das auch nur, falls Leverkusen in Gladbach gewinnt, wovon man bei der Tablettenelf nicht unbedingt ausgehen kann, hatte sie doch mehr als Schweineglück, daß sie in Berlin beim Absteiger Hertha nicht untergegangen sind.</p>
<p>Werder wird in der CL eine bessere Figur machen als der BVB, dem auch gegen Wolfsburg wieder seine spielerische Limitierung anzusehen war und dem wahrscheinlich ein ähnliches Schicksal wie Wolfsburg geblüht hätte, durchgereicht in der CL und in der Liga abgeschmiert.</p>
<p>Jedenfalls kann Dortmund jetzt wieder in Europa mitmischen. Man kann nur hoffen, daß es für die Gruppenphase reicht. Vor dem Spiel wurde Tinga verabschiedet, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde. Irgendwie scheint Klopp die Brasilianer nicht zu mögen, denn sogar Dede sitzt bei ihm auf der Bank, obwohl er einer der besten Linksverteidiger der Liga ist, und obwohl Tinga ein großes Kämpferherz hat, also eigentlich die Grundvoraussetzung fürs Kloppsche Konzept »Rennen, Rennen, Rennen« erfüllt. Und als Sechser hatte er hervorragende zerstörerische Qualitäten, die den Dortmundern in der Euro-League noch hätten von Nutzen sein können, denn mit dem Dauerverletzten Kehl kann wohl niemand mehr rechnen.</p>
<p>Na, Hauptsache Hertha ist abgestiegen. Jetzt gilt es, dem Club die Daumen zu halten.</p>
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