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	<title>Klaus Bittermann</title>
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		<title>Die Wahrheit über das Pokalfinale</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 06:39:55 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Als am Vorabend des Finales im Rahmen einer Vorfeier vor der Respectbar, dem neuen Geheimtip Berliner Dortmund-Fans, einem Großraumtaxi sechs mit BVB-Schals und anderen Utensilien aufgebrezelte und bereits gut betankte BVB-Fans aus Edinburgh entstiegen, da hätte man es sich eigentlich schon denken können, daß nichts mehr schief gehen kann. Und als dann sogar noch Emma auftauchte, das Maskottchen des BVB, eine 2 m 25 große Biene Maja mit Schuhgröße 66, war auch das im nachhinein als Zeichen zu deuten, daß alles gut werden würde. Alle Experten hatten mit einem knappen Ergebnis gerechnet, wahrscheinlich sogar mit Verlängerung und Elfmeterschießen, nur der vom Fußball wenig infizierte Kreuzberger Schriftsteller Robert Seethaler war sich sicher, daß die Partie mit einem 4:2-Sieg der Dortmunder enden würde. Und da war er sogar um ein Tor für die Dortmunder zu pessimistisch. Das war deutlich. »Warum gewinnen, wenn man den Gegner auch demütigen kann«, hatte jemand auf seinem T-Shirt stehen, der die Zeichen offenbar aus einem gewissen Zwangsoptimismus heraus richtig gelesen hatte. Zwar haben die Dortmunder in diesem einen Spiel gemacht, was sie sonst nie tun, nämlich ihre Chancen optimal zu nutzen, aber es war nicht so, wie Heyckes später behauptete, daß die Dortmunder in der ersten Halbzeit eine Chance gehabt, aber drei Tore erzielt hätten. Dieser Interpretation war eine gewisse Verbitterung zu entnehmen, denn mit dem Geschehen auf dem Rasen hatte sie wenig zu tun. In der ersten Halbzeit war die Partie noch ausgeglichen, und einem frühen schön herauskombinierten Treffer von Kagawa stand ein verwandelter Elfer von Robben gegenüber, nachdem Weidenfeller zu spät kam und Gomez einen Tick schneller den Ball berührte, der dann sowieso ins Aus gegangen wäre. Vorher bereits hatte Gomez seine Knie nur wenig rücksichtsvoll in die Brust von Weidenfeller gebohrt, der schließlich durch Dortmunds Känguruh Langerak ersetzt werden mußte. Noch eindeutiger war es dann, als Boateng im Strafraum Kuba von den Beinen holte. Hummels, der Mann mit den »schönen Augen«, verwandelte, und manche sagten danach, »den kann man auch mal halten«. Aber der wirklich dicke Patzer von Neuer kam noch, als er einen sicheren Ball wieder losließ, den Kuba dann in blindem Vertrauen in die Mitte flankte, wo wer sonst natürlich als Lewandowski stand und zum 5:2 einköpfte. Aber da war der Abend für die Bayern schon lange gelaufen. In der 2. Halbzeit jedenfalls trafen die Bayern mit Ribery zwar einmal das Tor und mit Gomez einmal die Latte, aber in manchen Situationen spielten die Dortmunder mit der Bayern sogar Katz und Maus. So schnell flipperte die Kugel hin und her, daß der Gegner nur hinterhergucken konnte. Das war beeindruckend. Und für die Bayern so enervierend, daß sich Gomez, Schweinsteiger und Badstuber mit einigen fiesen Fouls auch noch als schlechte Verlierer erwiesen. Man kann an diesem magischen Abend eigentlich niemanden besonders loben, denn alle Dortmunder waren großartig. Lahm meinte, daß Bayern über 90 Minuten die bessere Mannschaft gewesen sei, und auch Heynckes interpretierte das Ergebnis lediglich als Folge eines »katastrophalen Defensiverhaltens«. Aber auch wenn Bayern mehr Ballbesitz hatte, sagt das noch nichts über ein Spiel aus. Ballbesitz bedeutet nicht zwangsläufig fußballerische Überlegenheit. An diesem Abend hatte Dortmund zwar zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte das Double geholt und sich als neue Fußballmacht etabliert, aber im ZDF war anschließend durch das Duo des Schreckens Kahn-Hohenstein nur von den Bayern die Rede. Da hieß es schnell in die Respectbar flüchten, um die Glücklichen zu empfangen, die ein Stadionticket hatten und nun langsam eintrudelten. Dort konnte man sich noch einmal in aller Ruhe das Spiel zum 2. Mal angucken, und nach dem 4:2-Anschlußtreffer der Bayern kommentieren, daß es jetzt ja wohl noch einmal eng werden würde. Und nach dem 5:2 hörte man die Stadiongesänge der Dortmunder Zuschauer: »Einer, einer, einer geht noch rein«, was ja auch passiert wäre, wenn der Schiedsrichter nicht so pünktlich abgepfiffen hätte. Die Siegerehrung verlief dann im Berliner Prollschick. Man hatte ein paar mit goldenem Düll bekleidete Damen wie Schachfiguren aufgestellt, und niemand wußte, was die da zu suchen hatten. Aber das wußte man von Joachim Gauck auch nicht, von dem ich schon fürchtete, er würde eine Ansprache über »Freiheit im Fußball« halten. Aber sonst war alles prima und ganz und gar hinreißend und bezaubern. Ein perfekter Abend, eine perfekte Saison. Und es wird noch besser.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 34. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sat, 05 May 2012 20:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor zwei Wochen habe ich mich voreilig vor Preetz und Rehhagel verbeugt und zwar bewundernd, weil sie das Projekt 2. Liga so erfolgreich und zielgerichtet angegangen sind. Jetzt haben sie sich doch tatsächlich auf den letzten Drücker noch auf den Relegationsplatz vorgerobbt, natürlich mit Hilfe eines Schiedsrichters, der wahrscheinlich einen Flachbildfernseher dafür bekam, dass er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor zwei Wochen habe ich mich voreilig vor Preetz und Rehhagel verbeugt und zwar bewundernd, weil sie das Projekt 2. Liga so erfolgreich und zielgerichtet angegangen sind. Jetzt haben sie sich doch tatsächlich auf den letzten Drücker noch auf den Relegationsplatz vorgerobbt, natürlich mit Hilfe eines Schiedsrichters, der wahrscheinlich einen Flachbildfernseher dafür bekam, dass er den Hoffenheimer Babel mit der ersten doppelgelben Karte, die ich je gesehen habe, vom Platz stellte für eine bzw. für zwei Taten, für die eine Verwarnung schon anrüchig gewesen wäre. Aber Hoffenheim hatte sowieso weder etwas zu verlieren noch was zu gewinnen, und deshalb waren die ganz in Orange auftretenden und leicht mit Müllmänner zu verwechselnden Spieler auch nicht wirklich motiviert. Nur Babbel hätte noch eine Rechnung offen gehabt, weil ihn Preetz rausgeekelt hatte, aber der Mann mit dem bayerischen Phlegma ist einfach nicht nachtragend genug, um Preetz den Todesstoß zu versetzen. Jetzt muß eben Köln in den sauren Apfel beißen. Die haben ja auch schon Übung. Gegen die Bayern reichte es nicht mal, obwohl der Vizemeister nur im Schongang spielte. Lukas Podolski wäre gerne als Retter seines Vereins in die Annalen eingegangen, aber der als Herrgott verehrte Fußballer mit dem schlichten Gemüt verfügt über erstaunlich schlichte fußballerische Fähigkeiten, die nicht mal für die Bayern ausreichten. Diese Erfahrung wird jetzt Arsene Wenger machen, denn Arsenal hat ihn eingekauft, nachdem sie vergeblich versucht haben, Dortmunder Talente abzuwerben. Ich bezweifle, daß Wenger noch den Weitblick hat, der ihn früher auszeichnete, denn Podolski ist ein Spieler, der relativ selten besondere Momente hat. Die Europaleagueplätze sicherten sich Leverkusen, von denen man nicht weiß, wie sie das bei den schlechten Vorstellungen geschafft haben, Stuttgart, die immerhin eine passable Rückrunde spielten, was nächste Saison aber schon wieder vorbei sein kann, und Hannover, die mit Ach und Krach gegen Kaiserslautern gewannen. Alle anderen Plätze waren sowieso schon vergeben. Daß Dortmund trotzdem allerfeinste Unterhaltung bot, muß man ihnen hoch anrechnen, auch wenn natürlich die Erwartungshaltung der Fans sich inzwischen auf einem ziemlich hohen Niveau eingependelt hat, so daß man es sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie Verlieren eigentlich geht. Mit 81 Punkten haben sie einen neuen Rekord aufgestellt, mit 28 Spielen ohne Niederlage hintereinander ebenfalls. Mit dieser schönen Souveränität kann niemand mithalten. Man sieht hin und staunt, was alles möglich ist im modernen Fußball, und Dortmund ist auch in dieser Kategorie Spitzenreiter. Einer der überragenden Spieler wird wahrscheinlich zu ManU wechseln, aber es ist nicht gesagt, daß Kagawa dort so erfolgreich sein wird wie in Dortmund. Sahin hat es ihm vorgemacht, aber viele Spieler glauben, es sei entscheidend, sechs oder nur drei Millionen im Jahr zu verdienen, wo in solchen Sphären der Erfolg und die Perspektive weit wichtiger sind, denn ManU ist weit davon entfernt, noch einmal die Champions-League zu gewinnen.</p>
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		<title>Deutsche Bewährungshelfer</title>
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		<pubDate>Wed, 02 May 2012 12:21:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Marion Gräfin Dönhoff, die für das bessere, für »das andere Deutschland« stand, hielt von Goldhagens Buch über den Vernichtungsantisemitismus der Deutschen deshalb nicht viel, weil sie befürchtete, es könne »den mehr oder weniger verstummten Antisemitismus wieder neu beleben«. Während also Frau Dönhoff hoffte, man könne den Antisemitismus wegschweigen, macht sich Henryk M. Broder schon seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marion Gräfin Dönhoff, die für das bessere, für »das andere Deutschland« stand, hielt von Goldhagens Buch über den Vernichtungsantisemitismus der Deutschen deshalb nicht viel, weil sie befürchtete, es könne »den mehr oder weniger verstummten Antisemitismus wieder neu beleben«. Während also Frau Dönhoff hoffte, man könne den Antisemitismus wegschweigen, macht sich Henryk M. Broder schon seit den Siebzigern im Sinne Dönhoffs immer wieder der Entfachung dieses Antisemitismus‘ schuldig, indem er die Antisemiten mit Absicht ärgert. Dönhoff gilt als große Demokratin, Broder nicht. Er ruft Empörung hervor und wird gehaßt.<br />
In seinem neuen Buch »Vergesst Auschwitz« schreibt Broder die unendliche und innige Geschichte des deutschen Antisemitismus fort, die er mit »Der ewige Antisemit« schon 1986 gründlich recherchiert und analysiert hat. Neue Erkenntnisse sind seit seinem damaligen Befund nicht hinzugekommen, immer noch führen sich viele Deutschen wie »Bewährungshelfer« auf, die vor allem darauf achten, dass »ihre Opfer nicht rückfällig werden«. Broder zitiert hier Wolfgang Pohrt, und niemandem ist bislang, so Broder, eine »bessere, genauere und trostlosere Beschreibung der deutschen Krankheit« gelungen. Die Deutschen haben so gründlich aus ihrer Geschichte gelernt, dass sie vor allem die ehemaligen Opfer vor der Verwirklichung ihrer eigenen geheimen Wünsche schützen wollen. Kein Land steht unter so genauer Beobachtung der Deutschen wie Israel, dem vorgeworfen wird, es würde den Palästinensern antun, was die Deutschen den Juden angetan haben.<br />
Nun könnte man einwenden, dass es dieses Argument zwar gibt, aber nur noch von unverbesserlichen Antiimperialisten und Hamas-Anhängern benutzt wird. Als aufmerksamer Beobachter der politischen Debatten und des Nachrichtenwesens spürt Broder jedoch immer wieder die geheimen Implikationen auf, die sich in Politikerreden eingenistet haben, wenn Hinterbänkler von der Linkspartei bis zur CDU die israelische Regierung darüber belehren, dass »eine dauerhafte Friedenslösung auch im Interesse Israels liegt« und »dass durch die Abriegelung des Gaza-Streifens genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was Israel eigentlich erreichen will.« Broder kritisiert diese aufgeblasenen Kommentare nicht, weil jede Kritik an dieser Hybris scheitert, er macht sich einfach nur über die Fürsorge der »Bewährungshelfer« lustig, indem er sie bis zur Schmerzgrenze zitiert. Broder sieht hier ein »überparteiliches Band, das die Deutschen zusammenhält«. War das früher die »Judenfrage«, so ist es inzwischen die »Palästina-Frage, die heute ein Gefühl der nationalen Einheit erzeugt«.<br />
Broder dokumentiert noch einmal den Fall des Rundfunkmoderators Ken Jebsen. Er läßt ihn ausführlich zu Wort kommen und sich um Kopf und Kragen reden, u.a. mit einer Mail an einen Hörer, der sich über seine antiamerikanischen Ausfälle beschwert hatte: »ich weis exact wovon ich rede denn ich habe jede menge länder in den demokratisiert bin bereist. ich war in israel und habe mit holocaust opfern gesprochen. sie selber finden es widerwärtig was in ihrem namen passiert«. Ganz abgesehen davon, dass man sich natürlich fragt, worin die berufliche Qualifikation von Leuten eigentlich besteht, die derart wüstes politisches wie grammatikalisches Zeug schreiben, hat Broder nicht darauf insistiert, dass Jebsen gefeuert wird, aber er hat es sich nicht nehmen lassen, öffentlich zu machen, was aus Jebsen wie eine Logorrhö herausquoll. Die Reaktionen sind erschütternd und wurden von Broder in einem gesonderten Kapitel dokumentiert. Broder wird da u.a. als Rufmörder beschimpft, der »einem von hinten das Messer in den Rücken sticht«, und auch der Geist von Marion Gräfin Dönhoff kam nieder mit dem Kommentar: »Leute wie Broder sind der Grund dafür, dass es Antisemitismus in Deutschland überhaupt noch gibt.«<br />
Das sind aber nicht nur Leute, die mit dumpfen Ressentiments jederzeit Gewehr bei Fuß stehen, um bei solchen Gelegenheiten tief ins Arsenal der Beleidigung und Beschimpfung zu greifen, sondern auch Leute, bei denen man dachte, sie könnten sich differenzierter ausdrücken, wie z.B. Mathias Bröckers, der seiner Aversion mal so richtig freien Lauf läßt: »Reicht es nicht, dass diese rassistischen Wirrköpfe und Ideologen die Stichworte für Massenmörder wie Breivik liefern? – oder stehen jetzt hier schon gebührenbezahlte Radiobeamte stramm, nur weil kleines dickes Broder mal wieder ›Antisemitismus‹ ins Phone furzt?« Und das ist schließlich fast so intelligent wie der Kommentar eines Jebsen-Hörers und Fans: »Fette Judenfotze. Nachdem ich deinen Rotz gelesen habe, weiß ich jetzt, woher der Antisemitismus in Deutschland herkommt.«<br />
Wenn von »historischer Verantwortung« die Rede ist, und sie fehlt schließlich in keiner Sonntagsrede, dann fühlt sich Günter Grass und mit ihm, wenn man Umfragen glauben darf, 50 % der Deutschen durch sie legitimiert, die Juden auf den rechten Weg zu bringen und ihnen ins Gewissen zu reden. Das ist schon sehr lustig. Auf der anderen Seite erschöpft sich die »historische Verantwortung« bei den Deutschen darin, »die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten«, und »nicht etwa die kommende Endlösung der Nahostfrage zu verhindern«, wie Broder mit Furor schreibt. Das ist zwar auch nicht unbedingt die Aufgabe der Deutschen, aber dass 200 deutsche Firmen, wie eine Broschüre der Deutsch-Iranischen Handelskammer verzeichnet, mit Teheran Geschäfte machen, von denen einige geeignet sind, diese »Endlösung« ins Werk zu setzen, das macht immerhin deutlich, dass die »historische Verantwortung« moralisch ganz prima und vielseitig einsetzbar ist.<br />
Broder schreibt nicht ausgewogen und wohl gesetzt. Er ist polemisch und zuweilen vielleicht auch ungerecht, aber es stört ihn die Fürsorglichkeit, die die Deutschen für Israel aufbringen, es stört ihn die Vehemenz, mit der man sich in Deutschland darüber streitet, ob der Holocaustleugner Ahmadineschad gesagt hat, Israel müsse »ausgelöscht« werden oder nur »von den Seiten der Geschichte verschwinden«, es stört ihn Dummheit, politische Bräsigkeit und die Ritualisierung der Erinnerung, weil sie eine »Übung in Heuchelei, Verlogenheit, Scheinheiligkeit und Opportunismus« ist. Er schreibt dagegen an, weil er es nicht lassen kann, die Deutschen aufklären zu wollen und ihnen ihr kleines Geheimnis zu verraten. Viele andere würden das mit großem Brimborium tun, Broder aber übt sich in Understatement: »Und falls jemand wissen möchte, was ich mit diesem Buch bewirken will: Eigentlich gar nichts.« Und das macht die Lektüre ja auch so angenehm, weil Broder niemals verbissen wirkt, sondern immer schön entspannt und mit Ironie und Sarkasmus den Deutschen erklärt, was an Ihnen komisch ist, wenn sie sich immerzu so große Sorgen um Israel machen.</p>
<p>Henryk M. Broder »Vergesst Auschwitz. Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage«, Knaus, München 2012-04-02</p>
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		<title>Die Wahrheit über die CL-Halbfinals</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 09:04:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So kann mans natürlich auch machen, zwei Viererlinien aufstellen, das Fußballspielen aufgeben und das Glück pachten. Das vermutlich teuerste Ensemble der Welt hat zum Fußball nichts weiter beizutragen als die Wiederauflage des italienischen Catenaccio, und das im Mutterland der Fußballs. Das Ergebnis, heißt es immer, rechtfertigt jedes Defensivverhalten und den langweiligen Fußball. Das ist Quatsch. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So kann mans natürlich auch machen, zwei Viererlinien aufstellen, das Fußballspielen aufgeben und das Glück pachten. Das vermutlich teuerste Ensemble der Welt hat zum Fußball nichts weiter beizutragen als die Wiederauflage des italienischen Catenaccio, und das im Mutterland der Fußballs. Das Ergebnis, heißt es immer, rechtfertigt jedes Defensivverhalten und den langweiligen Fußball. Das ist Quatsch. Wenn man schon seine Zeit opfert, dann will man doch wenigstens was dafür sehen. Sonst kann ich auch ins Ballett gehen. Dort wirkt das dann wenigstens nicht so angestrengt, wenn sie sich bewegen. Chelsea hatte aber nicht nur spielerisch nichts auf der Pfanne, sie mußten sich trotz des Betons, den sie hinten angerührt hatten, sich ein ums andere Mal auf die Gunst eines an diesem Tag offenbar schlecht gelaunten Fußballgottes verlassen, der mal so richtig den Spielverderber geben wollte. Dreimal mußte das Aluminium aushelfen, und selbst reichte den Blues ein einziger guter Spielzug, um das notwendige Tor zu erzielen. Barcelona deshalb abzuschreiben oder zu behaupten, deren Zeit wäre vorbei, zeugt aufgrund des Spielverlaufs von nicht sehr viel Fußballverstand, derart überlegen waren die Katalanen, und das wäre auch jemanden aufgefallen, der noch nie Fußball geguckt hat. Natürlich kann auch Barcelona verlieren, aber das Spielsystem wird den anderen überlegen bleiben, und vor allem hat es die Sympathien auf seiner Seite, denn dieser das Spiel dominierende Rasenschach wird vermutlich nie wieder diese Blüte erreichen wie bei Barcelona, weil die mit Xavi, Iniesta und Messi die Spieler dafür haben. Dieses Spiel jedenfalls war eine Beleidigung des guten Geschmacks, ebenso wie das andere Halbfinale, dort aber aus anderen Gründen, denn sowohl Bayern als auch Real spielten keinen guten Fußball. Die Spannung ergab sich zwangsläufig aus der Konstellation, denn schließlich würde eine Mannschaft aus dem Wettbewerb fliegen. Symptomatisch war dann die Elfmeterausbeute der beiden Mannschaften. Da hätte vermutlich jede Zweitligamannschaft eine bessere Figur abgegeben. Von zwei Mannschaften, deren simples Konzept darin besteht, auf die individuelle Klasse von Stars zu setzen und zu hoffen, daß die einen guten Tag erwischen, hat eine zwangsläufig gewinnen müssen. Verdient hat es keine weiterzukommen und nun auf einen Gegner zu treffen, der zur Hälfte mit einer B-Mannschaft nach München anreisen muß, weil etliche Spieler aufgrund ihrer üblen Spielweise in Barcelona gesperrt sind, also leichte Beute sein werden, so daß ich mir dieses Spiel nicht angucken werde, von dem ich jetzt schon weiß: Es wird unattraktiv, und auch wenn man es nicht für möglich hält, es wird in jedem Fall die blödere Mannschaft gewinnen.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 32. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 09:07:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich muß mich bei einem Menschen entschuldigen. Der Sieg der Dortmunder gegen Gladbach war unnötig, und da ich großzügig aufgelegt war, hätte ich die Punkte den sympathischen Gladbachern geschenkt, wenn es nach mir gegangen wäre. Aber wer fragt schon mich. Dennoch wird man ja als Fan immer mit dem Verein identifiziert, und deshalb hätte ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muß mich bei einem Menschen entschuldigen. Der Sieg der Dortmunder gegen Gladbach war unnötig, und da ich großzügig aufgelegt war, hätte ich die Punkte den sympathischen Gladbachern geschenkt, wenn es nach mir gegangen wäre. Aber wer fragt schon mich. Dennoch wird man ja als Fan immer mit dem Verein identifiziert, und deshalb hätte ich die Punkte dem netten Peer Schmidt, gegönnt, der den Lesern dieser Zeitung nicht unbekannt sein dürfte, denn der ist Gladbach-Fan und mußte schon durch das ungerechte Pokal-Aus im Halbfinale gegen die Bayern genug mitmachen. Trotzdem war es natürlich schön, den souveränen Auftritt der Dortmunder zu beobachten, die sich leider nicht auf die Bayern verlassen konnten, die in der Schlußminute dann doch noch den Siegtreffer in Bremen zustande brachten, was aber gegen die Bremen in ihrer derzeitigen Verfassung keine Kunst ist. Aber ständig mit Last-Minute-Toren die Spiele zu drehen, darauf würde ich mich nicht verlassen. Sie haben zwar einen gewissen Spannungswert, aber sie zeigen auch, daß man eins eben nicht ist: souverän und überlegen. Und der bloße Wille reicht eben nur manchmal und das nur in Verbindung mit einer gehörigen Portion Glück. Aber eigentlich war es auch gut, daß Bayern gewonnen hat, denn das gab den Dortmundern den letzten Kick, sich nochmal richtig reinzuhängen. Und auch wenn Marcel Reif von der Überlegenheit der Dortmunder schwärmte, die Gladbacher waren durchaus gefährlich, und wenn ihnen in der ersten Halbzeit nicht zu Unrecht ein Tor wegen Abseits aberkannt und Reus ebenfalls wegen Abseits zurückgepfiffen worden wäre, als er allein auf Weidenfeller zulief, dann hätte die Sache schon mal anders ausgesehen. Zudem zeigten sie durchaus in vielen Situationen, daß sie den modernen, spielerischen und schnellen Kombinationsfußball nicht schlechter beherrschen als Dortmund. Als Perisic jedoch per Kopfball das 1:0 machte, hatte man nicht mehr wirklich das Gefühl, daß noch etwas passieren könnte, weit weniger jedenfalls als gegen Luschenmannschaften, die einmal aufs Tor schießen und sofort treffen. Aber nicht nur die Leistung der Dortmunder war beeindruckend, sondern auch der sympathische Auftritt der Spieler. Als Kagawa nach dem alles klarmachenden und von Lewandowski sensationell vorbereiteten 2:0 jubelte, da war das einfach nur Freude, ganz ohne Inszenierung. Wenn Ribéry einen Siegtreffer schießt, dann läuft er auf eine Kamera zu, brüllt hinein und zeigt ein erschreckend verzerrtes, weil eigentlich wütendes Gesicht. Und darin liegt der große Unterschied zwischen den beiden Meisterkonkurrenten. Es ist eine ganze Welt: die der Coolness und Lockerheit und die der Verkrampfung, Anspannung und Konkurrenz. Deshalb weint den Bayern auch niemand eine Träne nach. Und der Hertha auch nicht, die es sogar gegen die bereits abgestiegenen Pfälzer mit einer bemerkenswerten Gurkenleistung vergeigten. Aber das muß man erstmal schaffen und deshalb verneige ich mich tief vor Rehhagel und Preetz, die das Projekt 2. Liga so konsequent angegangen sind und umgesetzt haben. Chapeau!</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 31. Spieltag</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 09:13:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abends auf der Verlagsparty traf ich einen Bayern-Fan, der mich fragte: »Wollt Ihr nicht Robben kaufen?« »Viel zu alt«, sagte ich, bevor er vom Leder zog, was für ein Arschloch dieser Robben sei. Da konnte ich ihm nur zustimmen, auch wenn wir da wahrscheinlich eine unterschiedliche Perspektive haben, aber der Bayern-Fan regte sich auch darüber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Abends auf der Verlagsparty traf ich einen Bayern-Fan, der mich fragte: »Wollt Ihr nicht Robben kaufen?« »Viel zu alt«, sagte ich, bevor er vom Leder zog, was für ein Arschloch dieser Robben sei. Da konnte ich ihm nur zustimmen, auch wenn wir da wahrscheinlich eine unterschiedliche Perspektive haben, aber der Bayern-Fan regte sich auch darüber auf, daß die Hälfte aller Bayern-Stars gegen Mainz geschont wurden und über ein ziemlich ödes torloses Remis nicht hinauskamen, über das auch die Ultras nicht sehr erfreut waren: »Wir haben bezahlt, wir wollen was sehen! Wir sind euch doch scheißegal!« Solche Fans haben sich die Bayern herangezüchtet. Nicht schön, aber so ist das mit den Fans. Mitleid kann ich nicht wirklich empfinden. Bayern hatte jedenfalls schon vor dem Spieltag die Meisterschaft abgeschrieben, und das mit recht, denn Dortmund gewann in einem nervenaufreibenden Spiel hochverdient auf Schalke mit 2:1. Metzelder meine, das Spiel hätte keinen Sieger verdient gehabt, was aber nur Wunschdenken ist, denn auch wenn die Schalker mit 13:5 Ecken haushoch führten, war das kein Zeichen wirklicher Überlegenheit, und auch wenn die Schalker Pressing bis zum Umfallen spielten, es gelang ihnen nicht, das Dortmunder Spiel zu kopieren, denn ihre Möglichkeiten waren ein wenig limitiert und ihr Spiel bestand fast nur aus Kampf und Draufgehen. Damit gelang ihnen immerhin, die Dortmunder auf ihr Niveau herabzuziehen, denn in solchen Situationen bleibt nur, dagegen zu halten. Aber während die Dortmunder das mit fairen Mitteln taten, hatten die Schalker Glück, daß sie das Spiel mit elf Mann beendeten, denn zumindest Fuchs profitierte beim zweiten üblen Treterfoul an Kuba von der Nachsicht des Schiedsrichters, der Angst hatte, das Derby könnte durch eine gelb-rote Karte aus den Fugen geraten. Auch der ganzkörpertätowierte Schläger namens Jones durfte sich jede Menge übler Fouls leisten, bevor der Schiedsrichter sich bequemte, gelb zu zeigen. Außerdem hatte Dortmund einfach die besseren Chancen, die gewohnt souverän vergeben wurden, am Ende jedoch schaukelten die Dortmunder den 2:1-Vorsprung mit einer Coolness nach Hause, die man nicht gerade gewöhnt ist, wenn man an die Spiele gegen Stuttgart oder München denkt. Es war vielleicht kein hochklassiges Spiel. Aber das war gegen diesen Gegner auch nicht möglich. Jetzt hat Dortmund mit 25 Spielen ohne Niederlage einen neuen Rekord aufgestellt, hat in der Rückrunde von 42 möglichen Punkten sensationelle 38 geholt und hat bei drei noch ausstehenden Spielen acht Punkte Vorsprung. Bayern hat also nur noch sehr sehr theoretische Chancen auf den Titel. Im Abstiegskampf zeichnet sich langsam ab, daß in Berlin wohl die Lichter für Hertha so langsam ausgehen. In Leverkusen hat man zwar trotz einer roten Karte für Kobiaschwili einen 2:0-Rückstand in eine 3:2-Führung umgewandelt, aber sechs Minuten vor Schluß ließ Kießling die Träume der Berliner platzen, vielleicht doch noch aus dem Keller herauszukommen. Vielleicht dämmert es Preetz nun langsam, daß es keine gute Idee war, Rehhagel zu verpflichten.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 30. Spieltag</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 10:09:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zwei Seiten opferte die FAZ auf ihren Kulturseiten für eine Anzeige, auf der ein riesiges Foto der vollbesetzten und fahnenschwenkenden Südtribüne abgebildet war mit dem Hinweis »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf«. Ob auf dem Foto wirklich Leute zu finden sind, die die FAZ lesen, darf man bezweifeln, aber die »Zeitung für Deutschland« hatte den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Seiten opferte die FAZ auf ihren Kulturseiten für eine Anzeige, auf der ein riesiges Foto der vollbesetzten und fahnenschwenkenden Südtribüne abgebildet war mit dem Hinweis »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf«. Ob auf dem Foto wirklich Leute zu finden sind, die die FAZ lesen, darf man bezweifeln, aber die »Zeitung für Deutschland« hatte den richtigen Riecher in der Wahl eines großen Sympathieträgers im Fußball und des Siegers in der Partie Meister gegen Herausforderer. Schon eine Stunde vor Spielbeginn war selbst ein BVB-Geheimtip wie die Respectbar überfüllt, sodaß ich mir ein ruhiges türkisches Wettbüro suchte, um bei dieser Gelegenheit viel Geld auf einen 2:1-Sieg der Dortmunder zu setzen mit einer Wettquote von 10:1, in der Hoffnung, von dem gewonnenen Geld meine Geburtstagsparty am Tag des Revierderbys finanzieren zu können. Und eigentlich wäre das auch genau das richtige Ergebnis gewesen, aber Lewandowski traf mal wieder nur zweimal den Pfosten, bevor er dann mit der Hacke verwandelte, und auch Großkreuz und Kagawa verschleuderten ein paar ganz große Gelegenheiten in der ersten Halbzeit, in der die Bayern bis auf Alaba eigentlich nur Statisten waren. Der Spieler des Abends aber war Robben, der sich gern bei jeder leichten Berührung sofort zu Boden wirft, um sich dort in wilden Krämpfen zu winden. An diesem Abend war er mir ausnahmsweise sehr sympathisch, denn er kriegte gegen das Duo Großkreutz und Schmelzer gar nichts auf die Reihe, er ermöglichte den schönen Hackentreffer von Lewandowski, indem er das Abseits aufhob, er verschoß einen Elfmeter und kurz darauf ballerte er aus vier Meter freistehend übers Tor. Das muß man erstmal bringen. Leider machte er dadurch allerdings auch meinen Tip zunichte, weshalb sich meine Sympathie für ihn wiederum in Grenzen hält. Es war der vierte Sieg in Folge für den BVB gegen Bayern, und auch wenn der Sieg mehr als verdient war, es war trotz allem knapp. Mittlerweile haben die Bayern in vielen Belangen zu Dortmund aufgeschlossen. Das Durchschnittsalter bei den Bayern wurde gesenkt und sie rennen mittlerweile auch mehr, aber all das nutzt nicht soviel, wenn man auf den Flügeln Leute hat, die sich ständig festrennen, und auch sonst kaum Ideen kreiert werden, sondern nur der Ball kreist. Aber mit reinem Ballbesitz gewinnt man keine Spiele, und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß das Spiel der Bayern leblos wirkte, ohne Emphase, ohne wirkliche Überzeugung, hier wurde nach Vorschrift gespielt, kontrolliert und darauf bedacht, Fehler zu vermeiden wie noch in den letzten Partien gegen Dortmund. Da war kein Zauber, keine Magie, während die Dortmunder nicht alles der Spielkontrolle unterwarfen, sondern auch auf Risiko spielten, und natürlich waren vor allem das polnische Trio Piszczek, Lewandowski und Kuba, aber auch der immer wieder nach vorne Ausflüge unternehmende Hummels, oder Kagawa und Gündogan, der mit einigen präzisen Pässen an Sahin erinnerte und ihn gleichzeitig vergessen machte, einfach gut aufgelegt und spielten, wie man besser kaum spielen kann, wenn da nicht immer die mickrige Chancenverwertung wäre, die den Spielen der Dortmunder immer das Prickeln und die manchmal unerträgliche Spannung verleihen. Aber darauf kommts ja letztlich an. Als nächstes muß jetzt Schalke aus dem Weg geräumt werden, die gegen Nürnberg mit 4:1 untergingen, weil sie sich für das Derby schonen wollten.</p>
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		<title>Die Wahrheit über den 29. Spieltag</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 09:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blutgrätsche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wieder machte es der BVB spannend. Sogar der Lieblingsgegner Wolfsburg, der allerdings seine letzten drei Partien gewonnen hatte, konnte die Dortmunder nach einer 2:0-Führung noch einmal unter Druck setzen, und das konnte passieren, weil die Dortmunder wieder einige dicke Chancen großzügig vergeben hatten oder wie Kuba nur die Latte traf, was dem BVB schon zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder machte es der BVB spannend. Sogar der Lieblingsgegner Wolfsburg, der allerdings seine letzten drei Partien gewonnen hatte, konnte die Dortmunder nach einer 2:0-Führung noch einmal unter Druck setzen, und das konnte passieren, weil die Dortmunder wieder einige dicke Chancen großzügig vergeben hatten oder wie Kuba nur die Latte traf, was dem BVB schon zum 18. Mal passiert ist. Wo könnte man stehen, wenn die alle reingegangen wären? Natürlich auch nur auf Platz eins, aber niemand würde vom Finale am Mittwoch gegen Bayern sprechen, weil man dann vermutlich schon weit über 70 Punkte hätte. Wie schön, daß man sich im Fußball all diese müßigen Gedanken machen kann, denn nur diese machen aus dem Fußball eine kommunikative Angelegenheit. Der Schiedsrichter trifft eine Entscheidung und löst damit u.U. eine Welle der Empörung und der Diskussion aus. Wie in Wolfsburg, als der Mann in Schwarz keinen Elfer geben wollte, als Lewandowski und Kagawa im Strafraum gelegt wurden, dabei weiß doch jeder, daß sich die Dortmunder nicht fallen lassen, sondern spielerisch zum Erfolg kommen wollen, was sie auch so sympathisch macht. Dadurch zog Herr Dingert aus Lebecksmühle die Spannung unnötig in die Länge, denn nach dem Wolfsburger Anschlußtreffer in der 61. Minute dauerte es eine halbe Stunde, bis das erlösende Kontertor durch Lewandowski fiel. (Es wäre mal eine Untersuchung wert, warum fast alle Schiedsrichter aus hinterletzten Käffern stammen wie Burgdorf, Oberasbach oder solchen vorbelasteten Orten wie Pullach. Wenn da mal keine Minderwertigkeitskomplexe eine Rolle spielen!) Vor allem Gündogan glänzte und schaffte es sogar in die BamS-Elf des Tages. Jetzt macht er es Klopp schwer, auf ihn wieder zu verzichten, denn so langsam kommen die Verletzten alle wieder zurück und erfüllen allerhöchste Anforderungen. Gegen Bayern wird es jetzt darauf ankommen, ob die Luft für den läuferisch aufwendigen Spielstil reicht, den Dortmund betreibt, denn gegen Bayern kann man sich noch weniger als gegen Stuttgart zwischendrin mal ausruhen. Bayern hingegen hat in den letzten Spielen kaum geglänzt, schafft es aber immer wieder, auch unangenehme Spiele wie gegen Augsburg zu gewinnen, was dem BVB nicht gelang. Man sollte sie deshalb aber nicht unterschätzen, denn bei einer drohenden Niederlage zögern die Bayern nicht, zu treten, zu beißen und um sich zu schlagen, d.h. es wird nicht in jedem Fall ein schönes Spiel, weil zwar nicht wirklich eine Vorentscheidung auf dem Spiel steht, aber trotzdem die Weichen gestellt werden. Das hat Kaiserslautern bereits hinter sich. Mit Balakow setzt sich der Trend Richtung 2. Liga fort. Obwohl Hertha sich in Gladbach einen Punkt ergaunert hat, sieht es nicht so aus, als ob sie um mehr spielen als um den 16. Platz, der vorläufig noch von Köln gehalten wird, die ebenfalls mit einem Unentschieden gegen schwache Bremer krampfhaft die Liga zu halten versuchen. Es war der ehemalige Bayern-Spieler Lell, der bereits in der 4. Minute Marco Reus aus dem Spiel trat, ohne gelb dafür zu kriegen, und nach dem Spiel meinte: »Es war nicht mein Auftrag, noch meine Absicht, ihn zu foulen. Aber natürlich ist es kein Nachteil für uns, wenn einer wie Marco Reus so früh aus dem Spiel ist.« Ich hingegen behaupte, selbstverständlich war es der Auftrag von Rehhagel, Reus spielunfähig zu treten. Alles andere würde mich wundern.</p>
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		<title>In Deckung: Günter Grass dichtet wieder</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2012 11:12:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Hitparade der peinlichen Personen]]></category>

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		<description><![CDATA[Günter Grass ist eine gequälte Kreatur. Er nimmt sich alles sehr zu Herzen. Vor allem den Weltfrieden. Denn der ist gefährdet. Und wer gefährdet ihn? Ausgerechnet die Israelis, die Günter Grass so mag. Seine eigenen Freunde! Wie oft hat er ihnen ins Gewissen geredet. Es hat einfach nichts genutzt. Unbeirrt fühlen sie sich von Ahmadineschad [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Günter Grass ist eine gequälte Kreatur. Er nimmt sich alles sehr zu Herzen. Vor allem den Weltfrieden. Denn der ist gefährdet. Und wer gefährdet ihn? Ausgerechnet die Israelis, die Günter Grass so mag. Seine eigenen Freunde! Wie oft hat er ihnen ins Gewissen geredet. Es hat einfach nichts genutzt. Unbeirrt fühlen sie sich von Ahmadineschad bedroht, obwohl der doch nur ein »Maulheld« ist, der seine Klappe ein bißchen weit aufreißt, ein Kläffer, der doch gar nichts tut.<br />
Aber jetzt hat es Grass nicht mehr länger ausgehalten. Er hat in der Süddeutschen Zeitung vom 4.4.12, in El Pais und La Repubblica (die New York Times mochte dann doch nicht) Zeugnis abgelegt von seinen Qualen, seiner tiefen Zerrissenheit. Tief drinnen hat es ihn an ihm genagt. Es mußte raus, und nun ist es heraus. Sogar als Gedicht. Jedenfalls sieht es so aus. Es reimt sich zwar nicht, aber es ist umbrochen wie ein Gedicht, und in dem tut Grass majestätisch seine Meinung kund.<br />
»Warum schweige ich, verschweige zu lange«, hebt Grass an. Keine Ahnung, denke ich mir, aber vielleicht rückt er ja jetzt mal mit der Sprache raus, warum er solange seine Vergangenheit bei der Waffen-SS verschwiegen hat. Tut er natürlich nicht, aber er wird’s mir ja sowieso gleich verraten. Und so ist es. »Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muß, was schon morgen zu spät sein könnte: auch weil wir – als Deutsche belastet genug – Zulieferer des Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.«<br />
Das hört sich wie in einer Theateraufführung an, in der Laiendarsteller ihr Nichtkönnen durch Schwulst wettzumachen versuchen. Wie sich Grass mit letzter Tinte für den brüchigen Weltfrieden einsetzt, als könne nur er einen Weltkrieg verhindern, wie ja die Deutschen sowieso Meister in der Verhinderung von Weltkriegen sind, das hat schon etwas sehr Absurdes an sich.<br />
Grass benimmt sich wie der klassische »Bewährungshelfer«, der darauf achtet, daß die »Opfer nicht rückfällig werden« (Wolfgang Pohrt). Die Israelis sollen einfach schön stillhalten, wenn Ahmadineschad das Land auslöschen wird, wie der es immer wieder ankündigt.<br />
»Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird: das Verdikt ›Antisemitismus‹ ist geläufig.« Nun ist es aber nicht so, daß Grass aus seinem Herzen eine Mördergrube gemacht hat. Schon im Oktober 2001 sagte er in einem Interview mit Spiegel Online: »Israel muß nicht nur die besetzten Gebiete räumen. Auch die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muß nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein.« Klar, am besten zieht sich Israel aus Israel zurück, denn irgendwie haben die Israelis dort gar nichts verloren. Grass spricht Israel nicht nur das Existenzrecht ab, er hat auch seine Freunde dort unter genaue Beobachtung genommen, denn nirgends ist eine »kriminelle Handlung« schlimmer als eine von den Israelis begangene, schließlich hatten die lange genug Gelegenheit, aus dem zu lernen, was ihnen die Deutschen angetan haben. Und das ärgert Grass, daß die Israelis nicht aus der Geschichte gelernt haben.<br />
Und noch früher, nämlich 1971, schrieb Günter Grass: »So hat Israel durch die schleichende Annexion der besetzten Gebiete den arabischen Staaten den Vorwand für deren Angriffe geliefert.« Grass ließ also nichts unversucht, aus den Juden gute Menschen zu machen, denen man eben auch mal die Ohren langziehen muß, wenn sie nicht auf den Volkserzieher Grass hören wollen, der den Israelis im Oktober 2001 noch einmal ins Gewissen redete: »Es ist für mich auch ein Freundschaftsbeweis Israel gegenüber, daß ich es mir erlaube, das Land zu kritisieren – weil ich ihm helfen will &#8230; Solche Kritik aber zu kritisieren – damit muß man aufhören &#8230; dieses Auge um Auge, Zahn um Zahn der gegenwärtigen Politik schaukelt allen Zorn nur noch weiter hoch.«<br />
In einem Interview mit Tom Segev für die »Haaretz« anläßlich des Erscheinens seines Zwiebelbuches in Israel breitete Grass seine Sicht auf den Holocaust aus, der zwar einzigartig sei, aber auch wiederum nicht sooo einzigartig: »Aber der Wahnsinn und die Verbrechen fanden nicht nur ihren Ausdruck im Holocaust und hörten nicht mit dem Kriegsende auf. Von acht Millionen deutschen Soldaten, die von den Russen gefangen genommen wurden, haben vielleicht zwei Millionen überlebt, und der ganze Rest wurde liquidiert. &#8230; Wir tragen die Verantwortung für die Verbrechen der Nazis, aber ihre Verbrechen fügten auch den Deutschen schlimme Katastrophen zu, und so wurden sie zu Opfern.«<br />
Der Historiker Peter Jahn hat in der Süddeutschen Zeitung auf die Fakten hingewiesen und darauf, daß es sich hier wohl um ein kleines Ressentiment handelte. Statt acht gerieten nur ca. drei Millionen deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Zwischen 25 und 30 Prozent, also eine knappe Million, hat sie nicht überlebt. Diese Kriegsgefangenen wurden jedoch mitnichten liquidiert, sondern starben an Mangelernährung. Der Hunger wurde allerdings nicht wie bei den Nazis vorsätzlich als Methode zur Ausrottung eingesetzt. Es gab schlicht nichts zu essen, worunter die normale Bevölkerung genauso zu leiden hatte wie die Kriegsgefangenen.<br />
Nun hat Grass schon alle Preise eingesackt, weshalb er für dieses tapfere Statement leer ausging, früher aber hätte er einen Orden für Tapferkeit vor dem Feind bekommen, jedenfalls gibt ihm die überwiegende Mehrheit der Deutschen recht, und wenn die Zahlen schon nicht stimmen, zumindest die bei Grass zum Vorschein kommende Weltanschauung, dass es eben nicht nur sechs Millionen Juden, sondern auch sechs Millionen Deutsche waren, die »liquidiert« wurden, weshalb es unterm Strich ja irgendwie aufgeht, diese Weltanschauung also ist durch Grass wieder seriös geworden, wenn man denn Grass als eine seriöse Gestalt sehen will. Nach dieser Äußerung müßte es eigentlich damit vorbei sein, aber wer davon ausgeht, kennt die Deutschen nicht, bei denen das Ansehen von Grass damit gestiegen ist, und zwar umso mehr, je mehr die Medien darüber kritisch berichteten.<br />
Dieser kleine Rückblick belegt also, daß man sich über den neuen antisemitischen Leitartikel nicht wundern muß. Gut finden ihn nur Die Linke, die NPD, Augstein jr., ein paar alte Kumpels vom Schriftstellerverband, die iranische Regierung und die Leitartikler der jungen Welt, die seinen Antisemitismus teilen und es unerträglich finden, daß Israel im Nahen Osten die einzige Demokratie ist und Ahmadineschad noch kein Bundesverdienstkreuz für seine aufklärerischen Kommentare über Israel bekommen hat. Von Schirrmacher bis hin zu Bild und der CDU mußte niemand lange rätseln, was es mit dem »ekelhaften Gedicht« (Reich-Ranicki) auf sich hat. Nur Thomas Steinfeld hatte die ihm zu gönnende Aufgabe, in der Süddeutschen zu rechtfertigen, warum man Herrn Bräsig veröffentlicht hatte. Steinfeld fiel allerdings auch nichts anderes ein als ein fatalistisches »So ist das, und so ist Günter Grass. Einen anderen gibt es nicht mehr«. Nur der Literaturkritiker der ARD Denis Scheck wollte originell sein, stellte aber nur unter Beweis, daß er nicht mehr alle Schweine im Rennen hat, und meinte, er teile zwar nicht die politischen Ansichten von Grass, freue sich aber, daß ein Gedicht solche lebhaften Reaktionen hervorriefe. Was für ein Gedicht, ließe sich zunächst fragen, um dann zu rätseln, ob der Mann wirklich nicht weiß, daß es keineswegs der Kraft des Gedichts an sich, sondern nur dem Ruf des Mannes zu verdanken ist, daß der Blödsinn zum Thema wurde, denn niemand hätte sonst von den Zeilen Notiz genommen. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, beharrte Grass in einem Interview mit der ARD mit dem Starrsinn der Altersmeise darauf, daß niemand auf den Inhalt seines Gedichts eingegangen sei. Und dabei hatten sich gerade Frank Schirrmacher und die anderen so viel Mühe gegeben und ihm genau mitgeteilt, was er gemeint hatte für den Fall, daß er sich darüber im Unklaren war.<br />
Aber während hier die Sache heiß diskutiert wird, rief der Leitartikel international für einen Literaturnobelpreisträger erstaunlich viel Unverständnis hervor, und in Israel wurde der Kommentar belächelt. Zu offensichtlich ist dort für jeden, daß Grass keine Ahnung hat, dies aber durch Ressentiments kompensiert. In Israel wird der Präventivkrieg sehr kontrovers diskutiert, aber jeder weiß auch, daß die Bedrohung nicht etwa von einem »Maulhelden« ausgeht, sondern durchaus ernst zu nehmen ist, denn Israel ist die ideale Projektionsfläche und das perfekte Angriffsziel, um von den innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken, mit denen Ahmadineschad zu kämpfen hat.<br />
Grass‘ gequälter Aufruf erwies sich also eher als Rohrkrepierer. Höflich hielt man ihm seine Kenntnislosigkeit des Konflikts vor. Aber darum geht es Grass gar nicht. In der Flakhelfergeneration von Grass und Augstein, der auch einer dieser geläuterten Antisemiten war, der die Juden zu seinen besten Freunden zählte, geht es um Insinuation und um Gerücht. Den Antisemitismus, den diese Generation geprägt hat, ist sie nie wieder losgeworden, weil sie ihn nie analysiert und deshalb auch nicht begriffen hat. Diese Leute dachten, sie würden ihn überwinden, indem man sich formal von ihm distanziert und indem man sich ordentlich zerknirscht gibt. Aber vor allem Grass, der seine »künstlerischen Defizite« durch »einen aufdringlichen Moralismus« (Karl Heinz Bohrer) wettzumachen versuchte, nahm es übel, daß sein Kotau nicht honoriert wurde, daß sich die Israelis nicht nach seiner Vorstellung formen ließen, daß sie nicht die gleichen Lehren aus der Geschichte zogen und nicht dem gleichen Weltfriedensbimmelbammel verpflichtet waren, zu dem man sich im friedlichen Lübeck ganz prima das entsprechende Gewissen machen kann.<br />
Das nahm Grass den Israelis übel, und deshalb belästigt er sie mit seinem »nie zu tilgenden Makel« und beteuert ständig, wie sehr er dem Land »verbunden« ist und verbunden bleiben will, um ihm umso deutlicher zu sagen, was es tun und zu lassen hat. Schöner kann Hybris nicht daher kommen, denn sie tut in der Gestalt von Grass so, als wäre sie zerknirschte Demut. Ich will doch nur das Beste für dich, heißt das Argument, mit dem jede Gemeinheit und jeder Verrat legitimiert wird. Spätestens dann sollte man ganz schnell abhauen. Israel kann das leider nicht.</p>
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		<title>Sphärenklänge</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 19:15:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bittermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Verleger empfiehlt]]></category>

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		<description><![CDATA[Greil Marcus findet »Schmerz« sehr angemessen, um die Empfindung zu beschreiben, wenn man Astral Weeks von Van Morrison hört: »Der Schmerz, die Angst zu wissen, dass die Existenz der Musik anzuerkennen auch bedeutet, anzuerkennen, dass sie nicht existiert, weil es um ein Haar nicht dazu gekommen wäre. Was kann man davon lernen, welche letzten Worte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Greil Marcus findet »Schmerz« sehr angemessen, um die Empfindung zu beschreiben, wenn man Astral Weeks von Van Morrison hört: »Der Schmerz, die Angst zu wissen, dass die Existenz der Musik anzuerkennen auch bedeutet, anzuerkennen, dass sie nicht existiert, weil es um ein Haar nicht dazu gekommen wäre. Was kann man davon lernen, welche letzten Worte kann sie auf jemandes Lippen zaubern? Was sagt sie aus, wo kommt sie her?« Das sind natürlich sehr existentielle Fragen, aber darunter machts Greil Marcus nicht. Aber irgendwie bin ich mir sicher, daß Greil Marcus der einzige ist, der sich diese Fragen stellt. Als er später ein Konzert Van Morrisons besucht, »stellten sich mir die Fragen, und ich begriff, dass es mir egal war. Was auf Astral Weeks geschieht, übersteigt diese Fragen. Es waren sechsundvierzig Minuten, in denen die Möglichkeiten des Mediums ausgereizt wurden – des Rock‘n‘Roll, der Popmusik, dessen, was man als Musik bezeichnen könnte, die gleichsam zeitlos und neuartig im Radio gespielt werden konnte –, Möglichkeiten, die sich ergaben, wenn man bis an die Grenzen dieser Musikform ging.« Puuuh, und ich hab die Scheibe einfach nur ein bißchen nebenbei gehört. Aber das ist ja das Bewundernswerte an Greil Marcus: Wenn man wissen will, was es über Astral Weeks zu sagen gibt, gibt es keinen besseren als Greil Marcus (außer vielleicht Lester Bangs natürlich). Keiner schreibt abgedrehter über Musik als er und bewegt sich dabei in Sphären, deren Zugang vermutlich nur ihm bekannt ist, um dort einsam seine Runden zu drehen, dabei ein assoziatives Feuerwerk der Worte entfachend, vor dem man staunend und ehrfürchtig steht und das man nur in ästhetischer Hinsicht auf sich wirken lassen kann, denn nur selten erwischt man einen Gedanken, den man glaubt nachvollziehen zu können, jedenfalls wenn er richtig loslegt.</p>
<p>Greil Marcus, »Über Van Morrison. When That Rough God Goes Riding«, kiwi, Köln 2011</p>
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