Kategorie-Archiv: Allgemein

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Nach den hysterischen Reaktionen der Fußballbosse und vor allem der Kommentatoren, die besinnungslos auf die Fan-Proteste gegen Hopp und den DFB einteufelten, nach der Blamage von Fritz Keller, der in einem Gespräch im ZDF seine völlige Ahnungslosigkeit präsentierte, meldeten sich unter der Woche auch ein paar Stimmen, die ihren Verstand noch nicht an der Garderobe des DFB abgegeben hatten, und auch den Verantwortlichen dämmerte, dass sie sich möglicherweise ein bisschen blamiert hatten. In den Stadien waren nun Banner zu sehen, die etwas ironischer und sarkastischer, aber auch inhaltlicher auf Hopp und den DFB eingingen. Leider war das beste Transparent nicht von den BVB-Fans, sondern von Schalke-Fans, die sich damals allerdings auch ein wenig selbst unterhalten mussten in dem nicht gerade unterhaltsamen Spiel gegen Hoffenheim, das leistungsgerecht 1:1 ausging. Dort jedenfalls war zu lesen: »Wir entschuldigen uns bei allen Huren, sie mit Herrn Hopp in Verbindung gebracht zu haben«. Die Gladbacher Fans brachten die Sache humorlos zwar, aber auf den Punkt: »Fußball-Mafia DFB«. Ausgerechnet in Kaiserslautern gab es selbstkritische Töne: »Rassismus im Stadion? Nie gehört! Korruption in den eigenen Reihen? Nie Passiert! Beleidigung eines Premiumpartners? Zuschauerausschluss, Spielabbruch, Sippenhaft«. Und in der Partie Freiburg gegen Union sah man den eigentlich Sinn der Abkürzung DFB: »Dietmars Fußball-Bund«. Was dem DFB-Präsidenten Fritz Keller, der ebenfalls in der Kritik stand, wahrscheinlich ein völliges Rätsel war. Die Ultras von Hertha wurden politisch und reimten: »Schmiergelder, Kollektivstrafen, Tote in Katar – Wer die häßliche Fratze im Fußball ist, ist klar«. Die angereisten Bremer wollten das zunächst nicht anerkennen und schossen schnell zwei Tore, ließen die Hertha dann aber wieder zurückkommen und zwei Tore zum Ausgleich schießen. Zwei Jahre lang sollen die Fans von Borussia Dortmund von den Spielen in Hoffenheim ausgeschlossen werden, weil Herr Hopp das so will, und der DFB beeilt sich, diese Kollektivstrafe durchzusetzen, weil Hopp einer der Hauptsponsoren des DFB ist. Inzwischen dämmert dem DFB, dass er sich mit der Strategie der Spielunterbrechungen selbst nicht nur lächerlich macht, sondern auch den Fans ein Machtmittel in die Hand gibt, mit dem diese leider noch nicht richtig umgehen konnten, denn wenn die Bayern-Fans in Hoffenheim letzte Woche konsequent geblieben wären, hätte das Spiel für Hoffenheim gewertet werden müssen. Dummerweise war ihnen der Protest gegen Hopp dann doch nicht soviel wert wie die drei Punkte. Oder die Hoffenheim-Fans hätten den Anti-Hopp-Protest übernehmen können. Aber das ist natürlich Quatsch, denn es gibt ja gar keine Hoffenheim-Fans, sondern nur von Hopp gesponserte Zuschauer. Die BVB-Fans bildeten an diesem Wochenende in Mönchengladbach eine Gesangsgruppe, aber der Schiedsrichter überhörte das. Er war schon mit dem Spiel überfordert, das mit etwas Glück 2:1 für den BVB ausging, eine hart geführte Kampfpartie, die nichts für den Techniker Julian Brandt war, der so gut wie jeden Ball verlor, und auch Hakimi spielte jeden Ball sicherheitshalber immer wieder zurück zu Hummels. Erst als für Paris geschonte Sancho auf dem Platz kam, wachte auch Hakimi wieder auf, und als er von Sancho mit einem feinen Zauberpaß in die Tiefe geschickt wurde, gelang ihm sogar der Siegtreffer zum 2:1. Da Leipzig in Wolfsburg über ein in Wolfsburg nicht anders zu erwartendes ödes 0:0 kam, kann sich der BVB jetzt sogar auf Platz 2 vorschieben. Wird aber wahrscheinlich nicht lange so sein.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Als »Arbeitssieg« wurde der Sieg des BVB zu Hause gegen Freiburg von einem Reporter bezeichnet, der Favre fragte, ob er den Ausdruck kenne. Favre sagte, natürlich kenne er den Ausdruck. Ob er ihm gefalle, fragte der Reporter weiter. Ja, das gefällt mir sehr, war die Antwort. Immer wieder kommt man in den Genuss eines solchen Qualitätsjournalismus‘, in dem sich das Niveau der nichtssagenden Aussagen Favres dem Niveau der Reoporterfragen perfekt angepasst hat. Und das war auch schon das Highlight dieser Partie. An diesem Spieltag aber machten auch noch viele andere Leute aus der Fußballbranche diesem Höhepunkt Konkurrenz. In Hoffenheim, wo die Bayern nach 77 Minuten bereits 6:0 führten, entrollten einige Bayern-Ultras Transparente mit der Aufschrift, dass Hopp ein »Hurensohn« sei. Eine falsche Tatsachenbehauptung, denn Hopp ist der legitime Sohn eines SA-Truppführers, der die jüdischen Opfer seines Vaters finanziell unterstützte, was bei einem Mann, dessen Vermögen auf über 10 Milliarden geschätzt wird, als Investition in Reputation betrachtet werden kann. Hopp ist vor allem deshalb bei den Fans unbeliebt, weil er den in der Tat völlig überflüssigen Verein Hoffenheim mit seinem Geld aus dem Boden gestampft hat, ein Kunstprodukt mit Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Vereinen, die keinen oder nur windige Mäzene haben oder an ihrer eigenen Unfähigkeit zugrunde gehen. Die Wut der Fans ist insofern rückwärtsgewandt, denn der Fußball ist schon lange keine Angelegenheit der Tradition mehr, und die romantische Vorstellung von den Kohlekumpeln, die unter Tage Steinklumpen zerklopft haben und anschließend auf einem Acker dem Ball hinterhergelaufen sind, wie das Schalke zu seiner Identität macht, ist höchst lächerlich. Überhaupt scheint das Graben in der Fußballhistorie eines Vereins umso beliebter zu werden, je weiter sich der Verein von den Ursprüngen entfernt, an die die Fans festhalten sollen, was diese auch tun, allerdings mit unangenehmen Nebenwirkungen für die Vereine. Man kann nicht behaupten, dass »Hurensohn« ein besonders schlimmes Schimpfwort ist, zumindest ist es im allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ungefähr so wie fucking. Dummerweise trifft es jetzt Hopp, und Hopp gilt als sakrosankte Person, weil er Vorstand eines Vereins ist. Wird ein schwarzer Fußballer, der in der Regel nur Millionär ist, mit Affenlauten beleidigt, wird kein Spiel unterbrochen, denn dieser ist schließlich nur Angestellter eines Vereins. Der Rassismus spielt also in der Agenda des Fußballmanagements, das die Regeln bestimmt und die Sanktionen verhängt, eine untergeordnete Rolle gegenüber der Beleidigung eines Funktionsträgers. Wenn Schalke-Fans »Nübel raus« rufen, weil der Torwart versagt hat, dann wird das mit Tadel vielleicht, aber tolerierend hingenommen, obwohl Nübel außer seinen Mitspielern niemanden hat, der sich solidarisch vor ihn stellt. Als der DFB-Präsident Fritz Keller im Sportstudio seinen Abscheu verkünden durfte, konnte man sehen, dass diesmal zum Präsidenten gemacht wurde, den außer Dummheit nichts für diesen Job qualifiziert. Der Rassismus, die Ressentiments und der Hass sind im Stadion zu Hause wie nirgends sonst. Jetzt will man den sauberen Fußball installieren so wie früher die saubere Leinwand. Man will ihn unsichtbar in die unteren Ligen verbannen, weil dort nicht über ihn berichtet wird. In der ersten Liga, sollen sich die Manager im Glanze ihrer Macht ungestört sonnen dürfen. Aber wirklich obszön sind nicht die Fans, sondern die Milliarden, aus denen das Geschäft inzwischen besteht, obszön ist die Psychopathologie von Spielern, die in diesem System entweder auf abstoßende Weise angepasst sind oder denen wie Sancho der Reichtum zu Kopf gestiegen ist, weshalb er ein vergoldetes Steak bei irgendeinem Scheich zu verdrücken für das non plus ultra hält, obszön sind Gestalten wie Hoeneß, der für seine Kunst des Managements gelobt wird, munter aber Steuern hinterzieht. Aber das nur nebenbei zur Erinnerung. Sonst war es ein eher mittelmäßiger Spieltag.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Nach dem glanzvollen Auftritt gegen einen der ganz großen Nummern in Europa, Paris St. Germain, konnte man gespannt sein, wie die Dortmunder in den Bundesligaalltag zurückfinden würden. Zwar hatte man gegen Bremen noch eine Rechnung offen, weil man von den Grünweißen aus dem Pokal gekickt wurde, wo die Bremer nach lauter desaströsen Auftritten plötzlich zeigten, dass sie das Fußballspielen nicht verlernt hatten, konnte man auch diesmal nicht sicher sein, was passieren würde. Und tatsächlich traten die Bremer, die nach ihrem Pokalfight wieder in den Abstiegsmodus verfallen waren und alle Punkte herschenkten, erstaunlich stark auf, als ob ihnen die Borussia besonders liegen würde. Wieder drängten die Bremer den Gegner in die eigene Hälfte und ließen keinem der Dortmunder Abwehrspieler allzuviel Zeit am Ball. Favre hatte die gleiche Elf aufgeboten wie gegen Paris, und wie es schien, hat er jetzt die richtige Mischung im Mannschaftsverbund gefunden, denn mit Can und Witsel als kämpfende Sechser und Ballabräumer, kamen die Bremer nie zum Abschluss. Sie konnten es nicht verhindern, dass Dortmund langsam besser ins Spiel kam, aber nach 45 Minuten waren immer noch keine Tore gefallen, Torszenen waren auf beiden Seiten ziemlich rar. Die gesamte 1. Halbzeit war eigentlich zum Vergessen. Immerhin ließ der neue Abwehrverbund mit Zagadou statt Akanji keine Chancen zu. Es brauchte dann eine Standardsituation, um die Dortmunder in Führung zu bringen. Zagadou ließ sich von Selke nicht aus dem Tritt bringen und bugsierte den Flankenball direkt ins Tor. In der 66. Minute schließlich schlug das Monster Haaland zu, nach einem schönen Spielzug, der den Dortmundern in dieser Konstellation schon häufiger gelang. Sancho schickte Hakimi steil zur Grundlinie, der den Ball in den Rückraum spielte, wo Haaland lauerte. Das geht so schnell, dass der Spielzug kaum zu verteidigen ist. Haaland war es allerdings auch zu verdanken, dass der BVB nicht höher gewann, denn statt quer zu spielen auf seine Mitspieler, schoss Haaland lieber den Torwart an. Das Entscheidende aber war, dass Dortmund in der Defensive nun besser organisiert zu sein scheint. Man kann das an Can beobachten, der sich für die Blutgrätsche nicht zu fein ist, sondern der auch ständig seine Mitspieler zur Ordnung ruft, ganz anders als Witsel, der irgendwie nie sein feines Lächeln abzulegen scheint. Vielleicht sind ja Can und Haaland tatsächlich die missing links im Gefüge der Dortmunder Elf. Jedenfalls waren die drei Punkte für die Dortmunder ungemein wichtig, denn auch Bayern und Leipzig gewannen ihre Spiele, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise, denn während die Bayern nur glücklich und durch Lewandowski zu Hause einen 3:2-Sieg gegen den Tabellenletzten Paderborn zustandebrachten, aber nur einen Punkt verdient hatten, fertigte Leipzig auswärts harmlose Schalker mit 5:0 ab, wobei es bei den Gelsenkirchenern sowieso an ein Wunder grenzte, dass sie so gut dastehen. Mönchengladbach, dem Vierten im Bunde ganz oben, gelang es nach acht Siegen in Folge zu Hause und trotz Überlegenheit nicht, ein 1:0 gegen Hoffenheim über die Runden zu bringen. Sogar einen Elfer vergaben die Gladbacher, fanden allerdings im Hoffenheimer Torwart Baumann einen an diesem Tag richtig gut aufgelegten Widersacher. In der Nachspielzeit dann kam es wie es immer kommt, wenn man seine Chancen so sträflich liegen lässt: Man kassierte das 1:1 und hat jetzt Leverkusen im Nacken sitzen. Und die Hertha schaffte vor heimischer Kulisse eine grandiose 5:0 Niederlage. Gegen ziemlich limitierte Kölner. Vielleicht wird es ja noch was mit dem Abstieg, wenn schon nicht mit dem Traum vom Hauptstadtklub.

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Es kam wieder mal ganz anders als gedacht. Man hätte beispielsweise annehmen können, dass der BVB nach zwei Niederlagen in Folge und vor allem nach der Niederlage gegen Leverkusen, als man fast das gesamte Spiel über dominierte und es am Schluss noch herschenkte, nicht sonderlich selbstbewusst auftreten würde, während die Eintracht nach dem besten Rückrundenstart in ihrer Geschichte ziemlich gut dastanden. Aber dann setzte sich die Statistik durch, derzufolge die Eintracht schon seit fast zehn Jahren nichts mehr in Dortmund holen konnte. Und tatsächlich, die Eintracht spielte wieder so wie immer in Dortmund, nämlich merkwürdig leidenschaftslos und uninspiriert, oder lag es am BVB, der diesmal konsequenter in die Zweikämpfe ging, frühzeitig bei Ballverlust presste, die Frankfurter zu Abspielfehlern zwang, oder vielleicht auch daran, dass Akanji mal auf der Bank gelassen wurde, da er sich in der letzten Zeit als ziemlicher Unsicherheitsfaktor erwiesen hatte, während der ihn ersetztende Zagadou zusammen mit Guerreiro zu den besten Spielern des BVB gehörte? Nein, diesmal hatte man nicht das Gefühl, dass das Spiel nach der Dortmunder Führung wieder kippen könnte. Hakimi setzte wieder zu seinen unnachahmlich schnellen Sprints an, Sancho setze seine Mitspieler wieder mit traumhaften Vorlagen in Szene und schoss mit traumhafter Sicherheit das 2:0, und vor allem die Kombination zum 3:0 war einfach hinreißend anzusehen und ist von keiner Mannschaft der Welt wirklich zu verteidigen. Es waren also alle rundum zufrieden, was vielleicht nicht die beste Ausgangslage ist für das morgige CL-Spiel gegen Tuchels Paris St. Germain, dessen Mannschaft beim Tabellenvorletzten Amiens schon 3:0 zurücklag, schließlich 4:3 in Führung ging, aber dann kurz vor Schluss doch noch das 4:4 kassieren musste. Das hört sich eigentlich ganz nach Dortmund an, aber es ist nicht anzunehmen, dass Paris den BVB unterschätzen wird, nicht so wie Amiens, denn Tuchel weiß, was in Dortmund auf seine Mannschaft zukommen kann, wenn man dort einen guten Tag erwischt. Bayer Leverkusen hat mit einem neuerlichen Sieg bei Union wieder Anschluss zur Vierergruppe an der Spitze gefunden. In Berlin waren die BVB-Bezwinger im Bund mit großem Glück, denn erst in der 94. Minute gelang Bellarabi der Siegtreffer, und sogar Bosz musste zugeben, dass Union in diesem Spiel mehr verdient hatte. Jedenfalls setzten sie Leverkusen ziemlich unter Druck und schossen den 2:2-Ausgleich selbst erst in der 87. Minute. Es war also ein dramatisches Finale, in dem keine von beiden Mannschaften aufsteckte. Dass dem BVB mal wieder in der Nachspielzeit einen Siegtreffer gelingt, daran mag man gar nicht mehr glauben, jedenfalls ist es sehr lange her und unter Favre so gut wie noch nie. Nachdem der Blender Klinsmann einfach hingeschmissen hat, weil man ihm nicht freiwillig alle Kompetenzen zu Füßen gelegt hat, steht Hertha ziemlich dumm da, vom erträumten Hauptstadttclub zur Lachnummer ist es manchmal nur ein kurzer Weg, aber immerhin ist ihnen in Paderborn in einem wenig attraktiven Spiel ein schmeichelhafter 2:1-Sieg geglückt, so dass man sich von den Abstiegsplätzen etwas absetzen, sogar mit Union punktemäßig gleichziehen konnte. Leipzig und Gladbach gewannen relativ souverän gegen Bremen und Düsseldorf, die beide weiterhin ganz unten feststecken.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Ein verrückter Spieltag. Vor allem das Spitzenspiel Leverkusen gegen Dortmund. Nachdem Dortmund gegen überraschend starke Bremer im Pokal ausgeschieden war, weil man wieder mal glaubte, gegen aufopferungsvoll kämpfende Bremer mit ein bisschen souveränem Ballbesitzfußball gewinnen zu können, was sich als Fehlglaube herausstellte und den Ruf der Dortmunder festigte, gegen notleidende Mannschaften als Aufbaugegner zur Verfügung zu stehen. Aber kaum war den Bremern der Überraschungscoup gelungen, verfielen sie in der Liga gegen defensive Unioner wieder in krampfhafte Unfähigkeit und verloren zu Hause 2:0. Aber der gesamte Spieltag wurde durch das Dortmund-Spiel in den Schatten gestellt, denn wieder mißlang es Favre, die Abwehr zu stabilisieren. Der Neuzuang Emre Can gelang zwar mit einem genialen Schuss aus über 30 Meter in den oberen rechten Winkel ein wunderschönes Tor, aber gegen die Leverkusener Offensive sahen die Schwarzgelben oft nicht besonders gut aus, weil sie wieder mal einfach zu hoch spielten und deshalb anfällig waren für präzise Steilpässe zwischen die Schnittstellen. Deshalb tauchten immer wieder Leverkusener allein vor Bürki auf, und wenn Havertz einmal nicht nur den Pfosten getroffen hätte, hätte die Niederlage auch höher ausfallen können. Vor allem Akanji erwies sich ein weiteres Mal als Unsicherheitsfaktor und ließ sich von Volland übertölpeln. Statt umzustellen und mit größerer Absicherung zu spielen, ließ Favre einfach weiter spielen. Dennoch waren die Dortmunder über weite Stecken die überlegene Mannschaft, sie hatten gute Möglichkeiten, kombinierten traumhaft, schossen ein Tor, das wieder aberkannt wurde, weil Reyna am Spielfeldrand ein völlig belangloses Foul beging. Es war zum Haareraufen, aber auch Leverkusen wurde ein Tor wieder aberkannt, und der im Abseits stehende Volland nahm Bailey einmal die Kugel weg. Gerecht wäre in diesem Spiel ein Unentschieden gewesen, das auch weitaus höher hätte ausfallen können, aber Fußball ist nun mal nicht gerecht, und nachdem Dortmund sich nach der 3:2-Führung zurückzuziehen begann, überließen sie den Leverkusenern völlig unnötig das Spiel, und die machten das wirklich großartig und ergriffen das Dortmunder Angebot, das Spiel an zu reißen, mit zwei Toren innerhalb von zwei Minuten. Der BVB war danach hingegen nicht mehr in der Lage das Spiel zu drehen, weil Leverkusen im Unterschied zu Dortmund vorher, dieses Angebot nicht machte und auch weiterhin die Dortmunder in deren Hälfte unter Druck setzte. Auch der plötzlich einsetzende Aktionismus Favres, der in der 87. Minute noch Hazard und Götze einwechselte, die natürlich gar nichts brachten, half nicht mehr, die Leverkusener ins Wackeln zu bringen, und es ist bezeichnend, dass den Dortmunder es nicht gelingt, in den letzten Minuten noch ein Spiel zu drehen. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass der Gegner in der Regel auch engagierter ist. Die Leverkusener sind an diesem Tag sieben Kilometer mehr gelaufen, während fast alle anderen statistischen Werte ziemlich ausgeglichen waren. Damit haben sich die Dortmunder mal wieder aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedet, immerhin aber mit einem schönen Spiel und mit der Gewissheit, ein enges Spiel nicht für sich entscheiden zu können. Wenn es dann im nächsten Spiel gegen Frankfurt geht, die gerade wieder mit einem 5:0 gegen Ausburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass wieder mit ihnen gerechnet werden muss, und vor allem gegen Paris St. Germain in der CL, dann kann man wieder einmal relativ früh gelassen dabei zusehen, wie sich andere Mannschaften in den Wettbewerben machen. Ein kleines Trostpflaster immerhin, dass Hertha für den seit langem vermissten ersten Auswärtssieg der Mainzer sorgten, Freiburg knapp in Hoffenheim gewann, obwohl Hoffenheim vor ein paar Tagen fast noch die Bayern aus dem Pokal gekegelt hätten. Auch der Rassistenklüngel in Schalke kam über ein trostloses 1:1 gegen Paderborn nicht hinaus. Aber das alles ist kein wirklicher Trost.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Die Tormaschine läuft bei den Dortmundern. Noch nie sind Borussia Dortmund in drei Spielen hintereinander 15 Tore gelungen, noch nie sind einem Neuzugang bei Borussia Dortmund in so kurzer Spielzeit über drei Spiele hinweg sieben Tore gelungen, noch nie hat ein so junger Spieler wie Sancho 25 Tore in der Bundesliga erzielen können. Gleich drei Rekorde aus der fabelhaften Welt der Statistik, bei denen man den Eindruck gewinnen könnte, dass Dortmund nicht mehr aufzuhalten sei, und jetzt wurde auch noch Emre Can verpflichtet (das ist der, der sich nicht mit Erdogan ablichten lassen wollte, aber trotzdem likte, als türkische Truppen in Nordsyrien einmarschieren, den Like aber wieder zurücknahm, als sich Empörung regte), ein Kämpfer und Abräumer im Mittelfeld, nicht zuletzt, weil Delaney seit geraumer Zeit verletzt ist und man in Dortmund die Abwehr stabilisieren will. Theoretisch ist das ein guter Gedanke, aber ob er aufgeht, muss sich wie immer im Fußball erst erweisen. Das Risiko der Verpflichtung ist jedoch überschaubar, denn man hat ihn bis zum Saisonende zunächst einmal für eine Million nur ausgeliehen von Juventus Turin, wohin er ablösefrei gewechselt war genau in dem Moment, als sein alter Verein Liverpool zum Höhenflug ansetzte, die Champions-League gewann und nun auch noch aller Voraussicht nach Meister wird. Der Mann hat also ein Gefühl für den richtigen Moment. Von Juve wurde er zuletzt nicht mehr berücksichtigt. Auch in Dortmund wurden in letzter Zeit einige Spieler nicht mehr berücksichtigt und haben dem Verein nun den Rücken gekehrt wie Bruun-Larsen und Alcacer. Aber schon bloß ausgewechselt zu werden, sorgte wie im aktuellen Spiel gegen Union Berlin für Frust trotz eines deutlichen 5:0. Hakimi ließ ihn an einer Wasserflasche aus, allerdings hatte er tatsächlich nicht seinen besten Tag erwischt. Seinen Gegenspieler ließ er laufen, dem fast das 1:0 gelungen wäre, und auch von der Wucht seiner Offensivaktionen war an diesem Tag nichts zu sehen. Die wacklige Abwehr ist geblieben, nur wurde sie von Union kaum geprüft. Erst zu Beginn der 2. Halbzeit, als es schon 2:0 für die Borussia stand, machten die Berliner etwas Dampf und sofort ergaben sich ein paar Möglichkeiten, aber als Haaland im Strafraum zu Fall kam und Reus den Elfer versenkte, war der zwanzigminütige Widerstand der Berliner gebrochen und es ging ganz schnell mit weiteren schönen Toren von Witsel und Haaland zum beeindruckenden 5:0. Immerhin sind die Dortmunder jetzt auf Platz drei geklettert, weil Gladbach und Leipzig sich 2:2 trennten, in einem Spiel, dessen Ausgang nicht von den Spielern, sondern vom Schiedsrichter so entschieden wurde, weil er beim Stand von 2:1 für Gladbach dem Gladbacher Plea wegen Meckerns zweimal gelb hintereinander und damit rot gab und sich dabei folgsam auf eine neue Regel des Verbands berief, der damit jedes Gefühl für eine Situation ausschalten will, denn die Erregung Pleas war nach einem Foul, das nicht gepfiffen wurde, durchaus verständlich, und konsequent angewandt ist die Regel künftig für mehrere Platzverweise gut. Jedenfalls kippte das Spiel nach dieser Entscheidung zugunsten der Leipziger, denen nach einem Sonntagsschuss in der letzten Minute noch der Ausgleich gelang, zur Freude der Bayern, die nach einem lockeren 3:1 in Mainz wie gewohnt die Tabellenspitze übernehmen konnten.

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Immerhin mit vier Siegen in Folge kam der Kölner FC nach Dortmund, also mit genügend Selbstbewusstsein, um nicht vor den Dortmundern automatisch in Ehrfurcht zu erstarren, die eine Woche zuvor wieder eindrücklich unter Beweis gestellt haben, wie sehr eine engagierte und Pressing spielende Offensive die schwarzgelbe Hintermannschaft in Bedrängnis bringen kann. Daran änderte sich auch nichts als es bereits nach 50 Sekunden 1:0 für Dortmund stand nach Vorbereitung durch Sancho und Schuss von Guerreiro. Köln ließ sich dadurch nicht beeindrucken. Warum auch? Hatten die Dortmunder doch schon häufig gezeigt, dass eine Führung Gift für den weiteren Spielverlauf ist, weil man automatisch einen Gang zurückschaltet und den Gegner kommen lässt, in der Hoffnung, dass sich vorne Räume öffnen, die man dann in der Regel aber nicht zu nutzen weiß, weil man hinten zu sehr auf Ballsicherung bedacht ist. Diesmal aber schienen die Dortmunder aus den vergangenen Spielen gelernt zu haben, auch wenn die Abwehr nicht immer den stabilsten Eindruck machte, einmal ein Kölner ganz frei vor dem Strafraum angespielt werden konnte und Hummels als letzten Mann ausrutschte, zugleich aber machten die Dortmunder ihrerseits Druck. Hummels köpfte mit Gewalt an die Latte und Reus vergab wieder eine Großchance, bevor er dann nach einem langen präzisen Pass von Hummels den Kölner Torwart Horn zum 2:0 tunnelte. Aber dann kam die gefürchtete 2. Halbzeit, und die Erfahrung lehrt einem, dass selbst eine 3:0 oder 4:0-Führung nicht unbedingt reichen. Aber es gab keinen unerklärlichen Einbruch, vielleicht auch deshalb, weil Köln nach einem weiteren Tor durch Sancho in der 48. Minute nicht mehr so richtig an eine Wende glaubten. Auch nicht nach dem Anschlusstreffer, denn dann kam die neue Geheimwaffe der Dortmunder ins Spiel. Und Haaland war kaum im Spiel, als er auch schon Timo Horn prüfte. Es dauerte dann doch etwas länger als im letzten Spiel, bis Haaland traf, und auch nur zweimal statt dreimal wie zuletzt, was Bürki mit trockenem Humor kommentierte, denn würde Haaland so weiter machen, würde ihm im nächsten Spiel gegen Union nur noch ein Treffer gelingen und gegen stärkere Gegner gar keiner mehr. Man versucht zwar, den Hype um Haaland etwas zu bremsen, aber dass er mit seiner Präsenz und seiner Körpersprache etwas bewirkt, ist unübersehbar. Er muss erst noch behutsam aufgebaut werden, wenn zuletzt in Salzburg war er häufig verletzt, was man als Indiz werten kann, dass sein Körper nicht für die extreme Belastung der Bundesliga geeignet ist. Aber es würde auch reichen, wenn er in den letzten zwanzig Minuten immer ein paar Tore macht. Die Bayern sind wieder die alten und servierten ein völlig überfordertes Schalke mit 5:0 ab. Sie sitzen jetzt den Leipzigern im Nacken, die in Frankfurt trotz Überlegenheit mit 2:0 verloren, weil sie es in der 1. Halbzeit versäumten Tore zu machen. Und auch Gladbach quälte sich zu einem Sieg über Mainz, was alles auf ein humorloses Durchmarschieren der Bayern hindeutet. Wenn sich dann am nächsten Spieltag Leipzig und Gladbach gegenseitig die Punkte abnehmen, dürfte die alte Hackordnung wieder hergestellt sein, dann könnte es wieder so langweilig werden wie eh und je.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Die Manager und Vorsitzenden der Bundesligavereine sehen wieder »Licht am Ende des Tunnels«, als ob sie eine lange, düstere und nicht enden wollende Nacht der Verzweiflung hinter sich hätten, was wahrscheinlich tatsächlich der Fall ist, weil sie der Branche »den Hals nicht voll kriegen können« angehören. Netflix und amazon sind in den Bieterwettbewerb um die Fußballübertragungsrechte eingestiegen, d.h. auch über die Bundesliga wird vielleicht schon in der kommenden Saison ein Geldregen niedergehen, und bald können die Menschen virtuell und dreidimensional mitten auf dem Platz stehen und den Profis zugucken. Aber was dieser neuen Erlebniswelt fehlen wird, ist der Charme eines kleinen Schwarzweißbildfernsehers, der mit grisseliger Qualität und kaum zu erkennendem Ball und mit fachlichen Hinweisen von Ernst Huberty den 2:1-Sieg Borussia Dortmunds gegen Liverpool im Finale des Europacups der Pokalsieger aus dem Glasgower Hampden Park übertrug. Der Versuch nämlich, eine immer perfektere Erlebniswelt herzustellen, wird auf immer empathielosere Menschen treffen, die in der digitalen Welt erzeugt werden. Demgegenüber sind solche Spiele wie des BVB in Augsburg völlig bedeutungslos, auf einen bloßen Nachrichtenwert geschrumpft. Und vor allem muss dem Zuschauer immer energischer eingetrichtert werden, wie bedeutend solche Spiele sind, während sich das eigentlich Bedeutsame im Hintergrund abspielt, wo über die Tiefe des Abgrunds zwischen den Happy Few und den Loosern verhandelt wird. Als ob das alles nichts wäre, knüpfte Dortmund nahtlos an seiner Leistung im letzten Spiel der Vorrunde gegen Hoffenheim an, als man es trotz haushoher Überlegenheit schaffte, irgendwann einfach das Spiel aus der Hand zu geben und mit 2:1 zu verlieren. Und Augsburg versteckte sich nicht, presste und rannte und brachte die Dortmunder in Schwierigkeiten, die sich immer wieder katastrophale Abspielfehler erlaubten, während Reus die für ihn herausgespielten Chancen mit absoluter Verlässlichkeit vergab. Eine ziemlich frustrierende Vorstellung, vor allem, weil Augsburg direkt nach der Pause durch einen Glücksschuss die Führung weiter ausbaute und nach dem Anschlusstreffer durch Brandt mit einem weiteren Tor den alten Abstand wieder herstellte. Aber dann kam der Heilsbringer und Erlöser der schmerzgeplagten Dortmunder Fanseele auf den Platz, ein blonder, nordischer Hüne mit einer Frisur, wie man sie aus Nazifilmen kennt, der wie ein Panzer die Augsburger Abwehr überrollte. So könnte man das auf Breitleinwand und Dolby-Surround inszenieren, aber eigentlich lag es einfach am Systemwechsel, den Favre vorzunehmen gezwungen war. Er musste schlichtweg offensiver spielen lassen, wenn er noch etwas erreichen wollte, während der Coach Augsburgs Martin Schmidt es einfach versäumte, darauf zu reagieren und seine Mannschaft einfach so weitersspielen ließ wie vorher. Statt den Riegel zu verstärken und sich einzuigeln, spielten die Augsburger weiterhin hoch und boten dem schnellen Haaland jede Menge Platz, um sich zu entfalten. Plötzlich liefen die Augsburger in einen Konter nach dem anderen. Haaland machte es besser als der schließlich ausgewechselte Chancentod Reus und traf innerhalb von zwanzig Minuten gleich dreimal. Allerdings konnte man auf Slowmotion gut sehen, das er nicht mit Glück seine Tore schießt, sondern mit ungewöhnlicher Präzision. So kann es ruhig mal weitergehen. Wenn die Dortmunder jetzt noch ihr seltsames Phlegma ablegen könnten, das jedes Spiel zur riskanten Angelegenheit macht, dann könnte es nochmal spannend werden.

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Nach der deprimierenden 2:1-Niederlage gegen schwache Hoffenheimer wehrten sich Zorc und Favre gegen die Behauptung, den Dortmunder Spielern fehle der Wille, ein Spiel wirklich gewinnen zu wollen. Man hätte es einfach versäumt, aus den zahlreichen Chancen zwei, drei weitere Tore zu machen, um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Das stimmt zwar, aber auch um Tore zu erzielen, braucht man den Willen, um das Glück notfalls zu erzwingen. Und das lässt sich bei den Dortmundern nicht erkennen. Aus der Überlegenheit nichts zu machen, sondern nur sich bestätigt zu fühlen, fast schon anzufangen, mit dem Gegner Katz und Maus zu spielen, ihn nicht mehr richtig ernst zu nehmen, führt genau dazu, dass das Spiel gegen eine Mannschaft, der zwar nichts gelingt, aber einfach immer weiter probiert und nie aufgibt, plötzlich zu kippen anfängt. Und dieses Muster lässt sich seit längerem bei Dortmund beobachten. Der angeblich so hochbegabten Mannschaft gelingt dann nur noch wenig und lässt sich von der spielerischen Unfähigkeit des Gegners anstecken, und wenn dann auch noch Sancho anfängt zu schwächeln und mit außergewöhnlichen Fehlpässen glänzt, dann kann man der Niederlage eine gewisse Logik nicht absprechen. Die Situation vor dem 2:1 war dafür typisch. Alle Dortmunder in der eigenen Hälfte, alle auf Position und ohne den ballführenden Mann zu attackieren. Müde seien die Spieler gewesen, heißt es zur Entschuldigung, aber was in Wirklichkeit fehlt, ist der Glaube und die damit verbundene Begeisterung, wirklich Meister werden zu können. Da ist einfach keine Mannschaft auf dem Platz, bei der man spüren würde, dass sie füreinander kämpft und sich am Spiel berauscht, wie man das bei Leipzig spürt, die selbst nach einer vergurkten ersten Halbzeit wieder zurückkommen, oder auch bei den Bayern, bei denen man selbst bei den verlorenen Spielen nicht das Gefühl hatte, sie hätten nicht alles gegeben. Auch die Bayern tun sich schwer wie gegen die natürlich defensiv eingestellten Wolfsburger, Chancen zu generieren und Tore zu schießen, aber sie versuchen es immer wieder und weiter, und genau aus diesem Grund gelingen ihnen in den letzten Minuten oder in der Nachspielzeit noch die entscheidenden Siegtreffer. Anders die Dortmunder, die sich an ihrer Überlegenheit erfreuen und am Ende nachlässig werden oder denen plötzlich einfällt, dass der knappe Vorsprung jetzt wie so häufig vielleicht doch nicht reicht und anfangen zu verkrampfen, bestärkt durch den Trainer, der den Vorsprung mit Defensivspielern über die Runden bringen will, während beim mittelmäßigen Gegner Offensivspieler eingewechselt werden. Und deshalb wird das mit Favre nichts mehr, denn es liegt eben nicht nur an den vergebenen Chancen, sondern auch am subjektiven Faktor. Das ist ja auch das schöne am Fußballspiel, dass die von den Trainern ausgetüftelte Taktik häufig nicht klappt, und wenn sie klappt, es meistens ein ödes Spiel gibt. Dafür steht die Hertha, die sich ihre Punkte ermauert, diesmal gegen Gladbacher, die ebenfalls nicht zum Kreis der Favoriten auf den Meistertitel gehören, weil sie wie die Dortmunder zu wankelmütig sind und nicht wirklich die Mittel haben, gegnerische Defensiven zu knacken. Anders wiederum verhält es sich mit Schalke und Freiburg, die sich standesgemäß 2:2 trennten, weil beide wirklich eine geschlossene Mannschaftsleistung bieten und trotz ihrer limitierten Mittel kämpfen, weil sie zu glauben beginnen, einen internationalen Platz erreichen zu können. Die Dortmunder können also froh sein, wenn sie noch Platz 4 schaffen.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Eine ganze Halbzeit lang konnte man in Dortmund gegen den Spitzenreiter Leipzig ein hinreißendes Spiel der Borussia sehen, die den Gegner ziemlich an die Wand spielten mit schnellem Spiel und schönen Kombinationen, so dass man schon Hoffnung schöpfte, das Achtelfinale der CL gegen Paris könnte vielleicht doch noch nicht Endstation sein, aber dann kam die Halbzeit, es begann in Strömen zu regnen und wie aus dem Nichts und völlig grundlos unterlief ausgerechnet Bürki, der zuletzt so sensationell gehalten hat, ein dicker Patzer, als er völlig unnötig aus dem Kasten lief und versuchte den Ball vor dem heranstürmenden Werner wegzuköpfen, statt das Zagadou zu überlassen, der viel besser stand, mit der Folge, das der Ball Werner vor die Füße landete, der ihn nur noch einzuschieben brauchte. Und nur wenige Minuten später war es ausgerechnet Brandt, der in der 1. Hälfte ein so Weltklassetor geschossen hatte, dem eine Ballrückgabe missglückte, weil er den gerade aus dem Abseits trabenden Werner übersehen hatte, der nur noch Bürki zu umkurven brauchte, um den Ball unterzukriegen. Ausgerechnet Werner, dem bis dahin, wie er selber sagte, 100 Prozent Fehlpässe unterlaufen waren und völlig aus dem Spiel war, wurde von den Dortmundern wieder aufgebaut. Zwei lupenreine Eigentore und niemand kann sich diese Slapstickeinlagen erklären. Leider passieren den Dortmundern solche Patzer häufiger, weshalb sie gegen jede Mannschaft zu verlieren in der Lage sind. Danach war das Spiel zwar ausgeglichen, aber es brauchte nach der 3:2-Führung durch Sancho dann noch eines Patzers von Guerreiro, damit den Leipzigern der erneute Ausgleich zum 3:3 gelang. Die Bayern hingegen haben weit weniger derartige Blackouts, waren aber in Freiburg in einem erstaunlich ausgeglichenen Spiel die glücklichere Mannschaft und schossen in der 92. und 95. Minute dann doch noch die beiden Siegtreffer. Bayern befindet sich also wieder auf Erfolgskurs und konnte dank des Remis in Dortmund den Abstand zu Leipzig auf vier Punkte verkürzen. Aber auch auf den anderen Plätzen spielten sich jede Menge Dramen ab. So verlor die Eintracht zu Hause nach einer souveränen 2:0-Führung noch 4:2 gegen den Aufsteiger Köln. Eingeleitet wurde die Niederlage durch einen abgefälschten Weitschuss von Hector, ein Anschlusstreffer, der mehr als glücklich war. Dann musste der Mittelfeldstabilisator Rode verletzt vom Platz und das Unglück nahm seinen Lauf. Und Bremen verlor gleich mit 5:0 zu Hause gegen eher mittelmäßige Mainzer, die nicht nur gegen völlig verunsicherte Bremer schnelle Konter spielten, sondern auch einen Glückstag hatten, wie sich an dem kuriosen Tor sehen ließ, als eine Mainzer Flanke von einem Bremer Abwehrspieler an den Pfosten des eigenen Tores abgefälscht wurde, von wo der abgeprallte Ball vom Rücken des in die Ecke hechtenden Torwarts ins Tor trudelte. Ein Tor, wie man es nur ganz selten sieht. Und auch sonst hatte man den Eindruck, dass jeder Schuss ein Treffer war. Bremens Trainer Kohfeldt sah dem Debakel fassungslos zu und zum ersten Mal hatte man den Eindruck, als würde ihm einfach nichts mehr einfallen zur desolaten Leistung seiner Mannschaft. Auch den 1:0-Sieg der Hertha in Leverkusen haben vermutlich nicht viele Leute vorhergesehen, aber die dominanten Leverkusener hatten kein Rezept gegen die Berliner Mauertaktik, die von Klinsmann verschrieben worden war und mit zwei Siegen in Folge offensichtlich sogar zu helfen scheint. Immerhin gewannen die Gladbacher mal wieder standesgemäß gegen Paderborn, was, wie man vom BVB weiß, nicht selbstverständlich ist.