Viertelfinale Costa Rica gegen Holland

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Was für eine beschissene WM. Außer in der Vorrunde gab es keine einzige Überraschung mehr, und man brauchte den Fernseher eigentlich erst fünf Minuten vor Abpfiff einschalten, wenn endlich mal ein Tor fiel, bzw. wenn das einzige Tor des Spieles noch einmal gezeigt wurde, oder wenn die Verlängerung begann. Exemplarisch wurde das im Spiel der Holländer gegen Costa Rica offenbar. Costa Rica machte das, was sie konnten, nämlich keine Tore kassieren, und die Holländer waren unfähig, ein Tor zu schießen, vergaben großzügig die paar Möglichkeiten, die sie hatten. Das Schöne im Fußball besteht ja im Moment der Überraschung, z.B. wenn eine vollkommen überlegene Mannschaft eine Chance nach der anderen versiebt und durch ein Kontertor verliert. Aber nichts. Das holländische Beamtenfußballgeschiebe triumphierte gegen ein paar tapfere, sich zur Wehr setzende Costa Ricaner. Spannend ist das nicht. Alle Favoriten sind weitergekommen, und der Ausgang der WM war schon seit den Achtelfinals absehbar. Endspiel: Dtschl gegen Holland, und dann bestünde die einzig begrüßenswerte Abwechslung darin, wenn die Holländer wieder so spielten wie beim letzten WM-Finale gegen Spanien. Das würde die Stimmung ein wenig anheizen. Das schönste an diesem Abend war der Ort, in dem ich die öde Partie guckte, nämlich in der Pan Am Lounge in der Budapesterstraße, hoch über Berlin, in einem Ohrensessel neben dem Kamin. Und wenn es zu langweilig wurde, unterhielten wir uns über die Neueinkäufe der Dortmunder und warum wir Ramos für einen Fehleinkauf halten, oder Stewardessen servierten den nächsten Drink oder ich blickte von der Terrasse über das nächtliche Berlin, das von oben ganz nett aussieht, vor allem die Lichter. Aber immer, wenn van Gaal im Fernseher auftauchte, hörte man abfällige Bemerkungen. In England wird er die »Eiserne Tulpe« genannt und Spieler sagen, wenn man alles tut, was der autoritätsfixierte Analcharakter verlangt, dann ist man der beste Spieler. Und sowas kommt weiter. Es gibt eben keine Gerechtigkeit mehr.

WM Achtelfinale Kolumbien – Uruguay

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Eine schöne WM ist es nicht, denn Athletik und die Bereitschaft, dem Gegenspieler alle Knochen zu brechen, taktische Fouls und Spielverzögerungen prägen fast alle Spiele. Da ist der Biss von Uruguays Stürmer Suarez in die Schulter des italienischen Verteidigers Chiellini in gewisser Weise sogar originell, aber bestimmt nicht schlimmer als irgendwelche Knochenbrecheraktionen. Suarez genießt nicht meine Sympathien, es ist jedoch merkwürdig, dass ihn die FIFA gleich neun Spiele sperrt. Dieser Logik zu Folge dürften viele andere auch nicht mehr mitspielen. Originell war auch seine Verteidigung bei der FIFA. Er habe gar nicht gebissen, vielmehr habe er “das Gleichgewicht verloren”, wodurch er auf den Oberkörper seines Gegenspielers gestürzt sei. “In diesem Moment schlug mein Gesicht gegen den Spieler, wodurch ich mir eine kleine Wunde an der Wange und starke Zahnschmerzen zuzog.” Auch nicht schlecht. Maradonna bezeichnete Beckenbauer und Pele als „Idioten“, weil sie diese Entscheidung gutgeheißen haben. Suarez durfte also nicht mitmachen gegen Kolumbien, und es machte keinen Unterschied, denn auch mit Suarez wären die Hellblauen ohne Chance gewesen. Kolumbien nämlich kombinierte und ließ den Ball laufen, was bei dieser WM nicht sehr verbreitet ist. Brasilien ist da gerade stilprägend mit einer Spielweise, die lange aus der Mode war, jetzt aber eine Renaissance erlebt, wobei es darum geht, den Ball so lange zu halten, bis er verloren geht, woraus wiederum eine sehr zweikampfintensive Partie entsteht, und am Ende jeden Zweikampfs wälzen sich dann ein paar Spieler auf dem Boden. Es war abzusehen, dass es nicht wieder eine Einzelaktion von Suarez wie gegen England oder der Rücken von Godin wie gegen die Italiener richten würde. Diesmal ging es gegen Kollegen aus Kolumbien, die nicht nur athletisch, sondern auch klug spielten, und manchmal sogar schön. Gegen die halfen Kraftakt und der bloße Wille nicht mehr. Forlan, beim letzten Mal noch Spieler des Turniers, bestach durch Unsichtbarkeit, und Cavani mühte sich glücklos, aber auch die Kolumbianer waren ohne ihren Star Falcao. Und das war vielleicht auch besser so, denn dafür machte eben James die Tore, und zwar nicht nur das schönste Tor des Turniers, sondern auch das am schönsten herausgespielte Tor des Turniers. Man spricht von einer neuen goldenen Generation, und da diese auch noch von dem seriösen Herrn Pekermann trainiert wird, der 2006 mit Argentinien nur knapp gegen Deutschland ausgeschieden ist, stehen die Chancen Brasiliens als Kulisse für eine One Man Show von Neymar nicht besonders gut.

Fragebogen des “Fachbuchjournals”

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Frage: Was ist Ihre Erinnerung an Ihr erstes Buch? Um welches Buch handelt es sich?
Die Hornblower-Romane. Alle Romane von C.S. Forester über Horatio Hornblower.
Frage: Ihre drei Lieblingsbücher sind …
Mario Vargas Llosa „Tante Julia und der Kunstschreiber“
Nabokov „Lolita“
John Kennedy Toole „Die Verschwörung der Idioten“
Frage: Würden Sie Ihre Lieblingsbücher auch als eBook lesen?
Nur auf einer einsamen Insel ohne Bücher aber mit Stromanschluss.
Frage: Entspannen Sie beim Lesen oder was sind Ihre Mittel gegen Stress?
Im Bett liegen und Bücher lesen, bei denen man gleich einschläft. Schlafe ich bei der Lektüre nicht ein, habe ich das falsche Buch erwischt.
Frage: Traumjob VerlegerIn? Beruf oder Berufung?
Nichts tun und Geld verdienen ist der bessere Traumjob. Verleger ist ein Beruf, für den man keinen Uni-Abschluss braucht. Diesen Vorteil sollte man nutzen.
Frage: Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Jahrzehntelange Überlegung, bis ein anderer Job nicht mehr in Frage kam und nur noch Verlegerei und Schriftstellerei übrigblieb.
Frage: Gibt es für Sie ein Vorbild aus der Welt der VerlegerInnen?
Gérard Lebovici. Er verschickte nie auch nur ein Rezensionsexemplar an die Presse und wurde 1984 in Paris erschossen.
Frage: Wie beginnt ein guter Tag als VerlegerIn?
Mit Kaffee und der FAZ, in der ein Buch des Verlags besprochen wurde.
Frage: Und wie sieht ein schlechter Tag aus?
Mit Kaffee und der FAZ, in der kein Buch des Verlags besprochen wurde.
Frage: Was war das spannendste Ereignis in Ihrem Berufsleben?
Die Entdeckung des Romans »Harold« von dem pseudonymen Autor einzlkind, das bisher einzige unverlangt eingesandte Manuskript, das im Verlag veröffentlicht wurde.
Frage: In einem FAZ-Interview stellte Felicitas von Lovenberg Verlegern diese Frage: Wenn Sie eine einzige Veränderung am Buchmarkt bestimmen könnten – welche wäre es?
Die Einführung einer Geschmackspolizei.
Frage: Wie viel Prozent seines Umsatzes wird Ihr Verlag im Jahr 2015 durch elektronische Informationen erwirtschaften?
Keine Ahnung. Ich mache Bücher, keine elektronischen Informationen. Der Umsatzanteil an E-Books steigt rasant an. Jetzt sind es schon 2,04 Prozent.
Frage: Und die große Frage am Schluss: Wie wird sich die Verlagslandschaft in den nächsten zehn Jahren verändern?
Die Verleger werden noch mehr jammern über sinkende Absatzzahlen und trotzdem weitermachen. Jeder schreibt sein eigenes Buch und veröffentlicht es, d.h. die Autoren nehmen umgekehrt proportional zu den Lesern zu.

WM-Vorschau: Italien-Uruguay / England-Costa Rica

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Das Schöne an der WM ist jetzt schon, dass sich sämtliche Voraussagen der Fußballexperten als Grütze erweisen, einschließlich meiner eigenen. Costa Rica. Ich wusste gar nicht, wo das liegt (mal wieder im Erdkundeunterricht nicht aufgepasst), und dann musste ich erst beim Fußballexperten Horst Evers nachgucken, um herauszufinden, dass Costa Rica das Ergebnis einer tektonischen Erdverschiebung ist und dass das Land das Glück hat, so gut wie keine Bodenschätze zu besitzen, weshalb es geostrategisch quasi keinerlei Bedeutung hat und für Energiekonzerne uninteressant ist. Aber über den Fußball dort ist so gut wie nichts bekannt. Selbst bei Horst Evers kommt der Fußball nur mit einem kleinen Absatz vor. Gut, man hätte gewarnt sein können, weil Costa Rica in der Qualifikation die nicht gerade schwachen Mexikaner besiegt hatte. Aber Uruguay? Und dann auch noch Italien? Und niemand kennt auch nur einen Spieler von Costa Rica, außer Borges (von dem ich gar nicht wusste, dass er noch lebt) und Bolano, und das hört sich eher nach einer verschnarchten Schriftstellervereinigung an. So kann man sich täuschen. Wie in den Italienern auch, die den Engländern nicht nur den ersten Schlag versetzten, sondern ihnen auch noch mit ihrer Niederlage die letzte minimale Hoffnung zunichte machten. Jetzt dürfen die Engländer gegen Costa Rica in einem für sie völlig bedeutungslosen Spiel noch einmal schwitzen und sich gegen die stärkste Mannschaft rehabilitieren. Wahrscheinlich dachten die Engländer, dass sie diesmal nicht im Elfmeterschießen ausscheiden, sondern gleich in der Vorrunde scheitern. Dennoch ist es schade, denn bei den Engländern gibt es wenigstens ein paar Spieler wie Sterling, Sturridge und Wilshere, die ich gerne länger gesehen hätte, auch wenn die Engländer nicht wirklich gut kombinierten. Und Italien steht ein Endspiel bevor, denn jetzt geht es gegen Uruguay um den Einzug ins Achtelfinale. Uruguay hat die Nase vorn, weil die Italiener schon gegen Costa Rica nicht mit der hohen Luftfeuchtigkeit zurecht kamen. Sie werden dann kurzatmig und laufen nur noch ganz langsam, als ob man ihnen den Stecker gezogen hätte. Chiellini, der Mann fürs Grobe, der schon einen Costa Ricaner im Strafraum abgeräumt hatte, ohne dass es einen Elfer gab, wird hinten gegen Uruguay mal wieder jede Menge Unsinn anrichten. Und Balotelli wird von den »Urus« erlegt. Ein Imobile würde den Italienern gut tun, aber der darf nicht spielen. Antonio Cassano versucht es mit Durchhalteparolen: »Gegen Uruguay werden wir eine großartige Partie spielen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.« Und auch Cesare Prandelli hört sich nicht überzeugend an, wenn er sagt: »Wir haben keine Angst. Wir müssen nur unsere Akkus wieder aufladen.« Wenn aber einer sagt, er hat keine Angst, dann hat er in Wirklichkeit jede Menge davon, denn wenn Uruguay so spielt wie gegen England, dann kann sich Italien schon mal warm anziehen, was sich allerdings bei den Temperaturen nicht wirklich empfiehlt. Das allerdings schreibe ich nur, damit mein Experten-Tip daneben geht und Italien gewinnt. Denn die WM braucht Italien als Angstgegner für die Deutschen.

WM: Vorausschau auf England-Uruguay und Italien-Costa Rica

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Und wieder macht es England spannend. Verliert gegen Italien, nur damit es schon im zweiten Spiel um alles geht. Das ist mal eine vorbildliche Einstellung. Nicht wie die Deutschen, die schon im ersten Spiel sich fürs Endspiel qualifizieren. Nein, England ist schon immer eine Leidensmannschaft gewesen, und sie tut alles, nur um schließlich im Elfmeterschießen aus dem Turnier zu fliegen. Das ist die englische Mentalität. Wie diese am besten umgesetzt werden kann, darum wird gerade heftig gestritten: Mit oder ohne Rooney, der zwar die wunderbare Flanke zum Ausgleich gegen Italien geschlagen hat, der aber danach untertauchte im Glauben, sein Soll erfüllt zu haben. Aber da hat er seine Rechnung ohne die Medien gemacht. Jetzt reden alle von Sturridge, dessen Tänzchen nach seinem Tor sogar bei Vierjährigen Schule macht wie ich bei meinem eigenen Vierjährigen beobachten konnte. Alle schwärmen von den neuen Jungen, die wie junge Rehe im Gehege herumspringen. Es wäre nicht auszudenken, wenn eine der wenigen sympathischen Mannschaften vorzeitig ausscheiden würde. Und das auch noch gegen Uruguay, wo doch Liverpool, der Verein von Suarez, den Star Uruguays extra vor der WM schnell noch am Knie operieren ließ, weshalb er gegen Costa Rica keine Gelegenheit hatte, sich zu blamieren. Aber Suarez wird es so wenig bringen wie Ronaldo gegen Deutschland, denn Stars werden grundsätzlich überschätzt, denn es gibt immer Mittel, sie auszuschalten. Aber da die Engländer Suarez gut kennen, werden sie ihm alle Freiheiten lassen, mit einem Remis sich im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica doch noch alle Möglichkeiten offenhalten. Hat England die jungen Wilden, so hat Italien den alten weisen Mann Pirlo, der trotz der Temperaturen einen Bart trägt und den man auch auf ganz kleinen Bildschirmen gut an seinem Watschelgang erkennen kann. Er hat mit seinen Gegnern ein Ankommen getroffen, an das sich alle halten außer die Deutschen. Er wird nicht angegriffen und er greift auch niemanden an. Ein gentlemans agreement, das seine unglaublichen Fähigkeiten voll zur Geltung bringt. Er rennt nie, schon gar nicht blindlings nach vorne, er joggt gemütlich vor sich hin, ist jederzeit anspielbar und gibt den Ball sofort wieder ab, meistens an seinen Nebenspieler. Manchmal aber spielt er aber auch einen langen Ball und sofort wird es gefährlich, oder er macht eine kleine Finte, wie vor dem Siegtreffer gegen England. Immer setzt er seine Mitspieler vorbildlich ein und behält die Übersicht. Von ca. tausend Pässen, die er spielt, kommen zwei nicht an. Alles sieht leicht und wie nebenbei aus. Schon jetzt ist Pirlo der Spieler des Turniers, weil er so unauffällig spielt, dass niemand ihn bemerkt, nicht einmal seine Gegenspieler. Jetzt müsste mir nur noch etwas zu Costa Rica einfallen, aber außer dass das Land durch eine tektonische Erdverschiebung zustande kam und ökologisch vorbildlich ist, fällt mir nichts ein, warum Costa Rica so diszipliniert spielt. Aber wer will sowas schon sehen?