Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Seit Wochen schon laufen ein paar Fans in der Respect-Bar mit Krücken herum. Ein Sinnbild für die Lage des BVB. Und Freund Wiglaf sagte seinen Besuch in der Bar ab, weil er kein gutes Gefühl hatte. Darauf ist zwar nicht immer Verlass, denn gegen Wolfsburg hatte er einen »Zwanni« auf den BVB gesetzt, war aber immerhin nah dran, wenn Kehl nicht diesen Aussetzer gehabt hätte und Naldo nicht kurz vor Schluss… Ich hatte auch kein gutes Gefühl, ging aber trotzdem, wahrscheinlich weil ich mir im Innersten meines Herzens trotzdem Hoffnungen auf die schlechteste Abwehr der Liga, nämlich Bremen, machte. Aber wenn Dortmunds Abwehr an diesem Tag so stabil gewesen wäre wie die von Bremen, dann hätte es vielleicht wenigstens ein Unentschieden gewesen, und in dieser Verfassung muss man bei Dortmund für jeden Punkt dankbar sein. Gegen Bremen bewahrheiteten sich jedenfalls die schlimmsten Befürchtungen. Dortmund spielte pomadigen Sicherheitsfußball, der schon in der 3. Minute ad absurdum geführt wurde, als Hummels durch einen Stellungsfehler den U19-Spieler Selke ziehen ließ, der mit einer Coolness verwandelte, die keiner der Dortmunder auch nur annähernd hinkriegen würde. Aber auch danach änderte sich nicht der Stil. Kein schnelles Umschalten, sondern langsames Sich-nach-vorne-tasten, bis man irgendwann im dichten Abwehrnetz der Bremer den Ball verlor, die den Dortmundern ein ums andere Mal vormachten, wie man schnell nach vorne spielt. Der BVB hatte in der ersten Halbzeit so gut wie keine Chance, nur einige Schüsse aus der zweiten Reihe, die meilenweit neben das Tor gingen. Niemand strahlte so etwas wie Gefahr aus. Kam der Ball auf die Flügel stoppten Piszczek und Schmelzer beim Gegner regelmäßig ab und spielten zurück. Es gab keine Kombinationen, schon gar keine überraschenden, nur ein Ballkreiseln, mit dem man sich bis zu 70 Prozent Ballbesitz erarbeitete, das mehr ein bräsiges Ballverwalten war. Auch beim 2:0 wurde Hummels im entscheidenden Moment von Selke ausgespielt, der dann eine sehenswerte und genaue Flanke spielte, bei der Bartels nur noch den Fuß hinhalten musste. Auch wenn Hummels seine Schnitzer mit einem Kopfballtor nach einer Ecke zumindest zur Hälfte wieder gutmachte, es war ein spielerischer Offenbarungseid, den der BVB da leistete. Und Hummels war es dann auch, der dann deprimiert bekannte: »Eine Garantie dafür, dass es besser wird, gibt es nicht.« Klopp setzt jetzt auf die Winterpause, in der ein paar Verletzte wieder zurückkommen könnten und in der danach, wie Klopp meinte, es wesentlich schwieriger wird, Dortmund zu schlagen. Die entscheidende Frage aber ist, wie bringt man wieder das Spielerische und das Leichte ins Spiel der Dortmunder zurück? Wie knackt man die Verunsicherung, die Ängstlichkeit, die Depression? Vier Punkte hat Dortmund in der Vorrunde auswärts geholt. So wenig wie noch nie. Und die Hälfte aller Mannschaften, die die Vorrunde mit 15 Punkten abgeschlossen haben, sind am Ende dann auch abgestiegen. Es besteht also eine 50-prozentige Wahrscheinlich, nicht abzusteigen. Dafür müssten sich einige Dinge ändern, von denen ich nicht weiß, wie sich das bewerkstelligen lässt. Klopp ist nicht zu beneiden, denn niemand weiß, wie Dortmund aus diesem Loch wieder herauskommen kann. Auch Klopp nicht, von ihm aber wird es erwartet.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Kaum spielt Dortmund gegen eine Mannschaft in der oberen Tabellenregion, sieht das Ganze schon wesentlich besser aus. Gegen den Zweiten Wolfsburg hatte man schon in den guten Zeiten manchmal schlecht ausgesehen, aber diesmal waren die Dortmunder nicht ängstlich und zögerlich wie in dem katastrophalen Spiel gegen Hertha, sondern setzten die Wolfsburger früh unter Druck, denen dann auch prompt Fehler unterliefen, die Immobile allerdings nicht zu nutzen wusste. Immobile allerdings machte diesmal sein bestes Spiel für Dortmund, war ein ständiger Unruheherd und gewann für einen Stürmer sensationelle 70 % seiner Zweikämpfe, es gelang ihm sein erster Assist, eine präzise Flanke auf Aubameyang, die der nur noch über die Linie zu drücken brauchte, und Immobile gelang durch einen Gewaltschuss in die Ecke auch das 2. Tor für die Dortmunder. Er hatte noch ein paar tolle Szenen mehr, scheiterte aber unglücklich am Wolfsburger Keeper. Den Wolfsburgern hingegen, die trotz des Pressings und vereinzelter Fehler ruhig blieben und mit De Bruyne einen Mann hatten, der durch kluges und präzises Passspiel die Dortmunder Abwehr in unangenehme Situationen brachte, reichten zwei Standardsituationen und zwei Fehler, um zu einem Unentschieden zu gelangen. Der erste Fehler unterlief dem Weidenfeller-Ersatz Langerak, der einen in die Torwartecke geschlagenen Freistoßball zu spät sah, was ihn nicht gut aussehen ließ. Beim späten Ausgleichstor (85. Minute) war es Kehl, der Naldo bei einer Ecke aus den Augen verlor, so dass der völlig unbedrängt einköpfen konnte. Diese Fehler sind den Dortmundern früher nicht unterlaufen, vielleicht wurden sie auch nicht immer so prompt bestraft wie zur Zeit, und umgekehrt gelingt es den Dortmundern nicht, die Fehler des Gegners so konsequent auszunutzen, wie es nötig wäre, um eine Mannschaft wie Wolfsburg zu bezwingen. Der nächste Gegner jedenfalls wird nicht so einfach sein. Der heißt Bremen, ist Tabellenletzter und wird durch eine kämpferische Mauertaktik den Dortmundern ein Spiel aufdrücken, mit dem sie nicht umgehen können. Und wenn alles so läuft wie bislang, können sich die Bremer darauf verlassen, dass die Dortmunder mindestens für ein Tor ins eigene Netz gut sind. Dann würden die Dortmunder möglicherweise auf dem letzten Tabellenplatz überwintern, wenn Freiburg zu Hause gegen Hannover gewinnt, was nicht ganz so unwahrscheinlich ist. Der Abstiegskampf hat jetzt richtig angefangen. Und dafür ist Immobile möglicherweise genau der richtige Mann, denn um aus dem Tabellenkeller zu kommen braucht man einen Wühler, der »mit dem Messer zwischen den Zähnen« (Immobile) in die Zweikämpfe geht. Und insofern war die Verpflichtung des Italieners gar nicht so schlecht wie ich bislang vermutet habe. Vielleicht braucht Dortmund dringend die Winterpause, um sich neu zu sortieren und ein paar Spielabläufe neu einzustudieren, die aus welchen Gründen auch immer verloren gegangen sind. Langsam gerät das spektakuläre Absacken der Dortmunder aus den Schlagzeilen und wird zur Meldung, die niemanden mehr verwundert. Dafür hat sich jetzt Reus wieder zurückgemeldet. Mit einem Strafbefehl von 540.000 Euro für Fahren ohne Führerschein mit einem Aston Martin bessert er die leere Kasse der Dortmunder Stadt nicht unerheblich auf. Der BVB ist einfach für alles zuständig.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Langsam wird es gruselig. Hatte ich bisher die Einschätzung, die viele teilten, dass der BVB zwar in einer Krise steckt, aber viel zu gut ist, um ernsthaft gegen den Abstieg spielen zu müssen. Spätestens nach dem Spiel in Berlin kann man sich von diesem Glauben verabschieden. Denn wenn selbst Platz 1 in der CL-Gruppe und ein verdienter Sieg zuletzt gegen Hoffenheim nicht ausreicht, um wieder ein wenig Selbstbewusstsein zu tanken und wieder auf die Gewinnerspur zurückzufinden, dann sitzt der Knacks tatsächlich tiefer als angenommen. Vor allem, weil wieder der inzwischen vertraute Spielablauf stattfand mit einer Absehbarkeit, die zutiefst deprimierend war, denn inzwischen wissen alle Vereine, die gegen den Abstieg spielen, mit der gleichen Taktik gegen den BVB zu punkten. Und Hertha setzte diese aufopferungsvoll und kämpferisch um in einem ihrer besten Spiele. Und eigentlich müssten die Berliner wegen Wettbewerbsverzerrung belangt werden, denn gegen Bayern ergaben sie sich wehr- und kampflos ihrem Schicksal. Gegen den BVB aber sehen inzwischen alle Vereine ihre Chance und nutzen sie auch, weil sie wissen, dass der BVB vorne nicht trifft und hinten dem Gegner verlässlich ausreichend Chancen einräumt. Obwohl Hummels wieder dabei war, ebenso wie Gündogan, wirkte das Dortmunder Spiel ohne Inspiration und hilflos. Man fühlte die Angst, nicht in einen Konter zu laufen, das engmaschige Abwehrnetz der Herthaner verunsicherte die Dortmunder, und deshalb schob man sich in der Abwehr viel den Ball hin und her. Die alte Viererreihe aus den Erfolgsjahren stand wieder auf dem Platz, aber sie wirkte nicht sicher. Immer wieder sah man den ballführenden Dortmunder hilflos die Hände heben, weil er nicht wusste, wen er anspielen konnte. Und dann fiel auch noch frühzeitig Mhkitaryan wegen einer Muskelzerrung aus, immerhin einer der Kreativen, der gegen Anderlecht allein vier Großchancen vertat. Und als Subotic den eingewechselten Kuba aus reiner Verlegenheit anspielte, obwohl der von Berlinern umringt war, kam Hertha zum Konter und der Ex-Borusse Schieber zum Tor des Tages und zwar mit einer Souveränität, mit der er bei Dortmund nie aufgefallen ist. Das alles ist so absurd, dass man nur ungläubig staunen kann. Der BVB jedenfalls wirkt wie ein Schatten früherer Tage. Nichts mehr zu sehen von schnellen Kombinationen, überraschenden Tricks oder überfallartigen Attacken. Nur ängstliches Bemühen, den Ball nicht zu verlieren, was dann genau zum Gegenteil der Absicht führt. In der ersten Hälfte spielte Dortmund keine einzige Chance heraus, während Hertha auch ein zweites Tor hätte erzielen können, und als dann die Niederlage näher rückte, vergab Immobile gleich eine Hunderprozentige. Am Ende standen die Spieler und der Trainer minutenlang vor den Fans und ließen die Köpfe hängen, konsterniert und fassungslos ob ihrer eigenen Leistung, von der inzwischen auch die angesteckt werden, die bisher noch am konstantesten gespielt haben wie Aubameyang. Wie man aus diesem Loch wieder herauskommt, weiß niemand, denn das teuflische an dieser Abwärtsspirale ist, dass ein Erfolgserlebnis allein nichts hilft. Der Misserfolg steckt bei jedem Spieler offenbar so in den Knochen, dass sogar das einfachste nicht mehr klappt, und fassungslos muss man kuriose Fehlpässe, unerklärliches Stellungsspiel und lächerliche Schüsse mit ansehen.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Fup (5 Jahre) fragte mich, ob der BVB auf dem letzten Platz stünde, einer seiner Kita-Freunde hätte ihm das gesagt. Ich habe gesagt, dass der doch keine Ahnung hätte. Aber dann verlor der BVB in Frankfurt in einem hektischen Spiel, in dem der BVB kopflos anrannte und sich dann Gegentore aus dem »Kuriosentätenkabinett« leistete. Und gerade die Szene zum 2:0 sagte alles über den gegenwärtigen Verunsicherungszustand der Dortmunder, denn als ein Befreiungsschlag Richtung Dortmunder Tor ging, war der Ball lange in der Luft, und jeder konnte sehen, dass Ginter den Ball zuerst haben würde. Trotzdem lief Weidenfeller aus dem Tor, als wolle er selber klären. Ginter hingegen konzentrierte sich nur auf den Ball, ohne zu gucken, wo seine Mitspieler standen. Und das sind Dinge, die man schon ganz früh beigebracht bekommt. Aber auch die klappen nicht mehr beim BVB. Und deshalb standen die Vorzeichen gegen Hoffenheim nicht sehr gut, vor allem, weil man gegen Hoffenheim meistens schlecht aussah und man vor ein paar Jahren dafür verantwortlich war, dass Hoffenheim in letzter Sekunde doch noch den Verbleib in der Liga schaffte. Nun aber kehrte Hummels zurück, der der Abwehr wieder Stabilität verlieh, Weidenfeller wurde ersetzt, und für den blassen Kagawa spielte Gündogan, der prompt sein bestes Saisonspiel zeigte. Dennoch war es vor allem in der ersten Halbzeit ein Kampfspiel mit vielen harten Zweikämpfen, ein unsortiertes Hin und Her mit weiten Bällen. Nach einer tollen Flanke von Aubameyang flugköpfte Gündogan das 1:0 und das war verdient, denn die Hoffenheimer kamen nicht zu einer einzigen Chance. Nach der Pause kam dann nicht der befürchtete Einbruch, sondern Dortmund kombinierte immer besser und hatte einige Chancen. Eine davon führte zu einem regulären Kopfballtor durch Aubameyang, das der Schiedsrichter jedoch wegen Abseits nicht anerkannte, wobei das keine knappe Entscheidung war, sondern ein deutliches Nicht-Abseits. Das zweite Tor im dritten Spiel, das für die Dortmunder nicht gegeben wurde. Ein weiteres, sehr knappes Abseitstor wurde ebenfalls abgepfiffen, und wenn der Schiedsrichter da geirrt hätte, hätte niemand etwas sagen können. Als Elyounoussi in der 85. Minute von Subotic im Strafraum umgegrätscht wurde, erwartete jeder, dass schon wieder das Spiel auf den Kopf gestellt werden würde, aber der Pfiff blieb merkwürdigerweise aus. Jedenfalls machte Dortmund in der Tabelle einen gewaltigen Satz nach vorne und ich konnte Fup beruhigen. Nicht dass ich mit dieser Lüge ein Problem gehabt hätte, aber es fühlt sich auch für einen selbst besser an, wenn Dortmund sich nicht mit Mannschaften herumtreibt wie Hamburg oder Stuttgart, die Schalke Gelegenheit geben, ihr Torverhältnis aufzupolieren. Nur Favre macht gerade Spaß, der sich nach dem 3:2 gewonnenen Spiel gegen Hertha mit dem TV-Mann von Sky anlegte, der immer wie ein mutiges Eichhörchen aussieht und solche Fragen stellt wie »Warum wurde es am Ende eng?« Favre sagte: »Sie sind verrückt mit Ihren Fragen.« Und da lag Favre gar nicht so verkehrt. Er war allerdings vor allem deshalb so aufgebracht, weil Gladbach dreimal hintereinander verloren hatte und bereits gehörig unter Druck stand, während der bescheuerte Hecking meinte, Wolfsburg hätte vielleicht dann eine Chance auf die Meisterschaft, wenn Bayern nur noch zu siebt spielen dürfte.

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Nach der Überforderung gegen Chelsea, als Schalke 5:0 unterging, wurde der Schuldige ausgemacht. Der Trainer, so Christian Fuchs, hat das falsche System spielen lassen: »Der Trainer hat seine Vorstellungen. Das hat nicht funktioniert. Daraus kann man nur lernen.« Man? Gegen Mainz kehrte »man« wieder zum 3-5-2-System zurück und prompt schlug man Mainz mit 4:1 und bescheinigte sich anschließend »Charakter«, der im Fußball ein sehr ominöses Ding ist, denn gegen Chelsea schien der »Charakter« verloren gegangen zu sein. Wie überhaupt der »Charakter« einmal da ist und dann wieder weg. Und niemand weiß, wohin. Vielleicht lag es auch an Clemens Tönnies, dass der »Charakter« wieder zurückkehrte, denn es wurde berichtet, er sei vor dem Spiel in der Kabine aufgetaucht und habe alle Spieler »abgeklatscht«. Und nach dem Spiel sagte Tönnies: »Ich habe wieder alle abgeklatscht.« Mainz fand dagegen kein Mittel. In Leverkusen im Derby gegen Köln machte trotz des 5:1 nur der Schiedsrichter von sich reden. Kinhöfer scheint sich an der Leistung seines Kollegen Stark im letzten Spiel der Dortmunder ein Beispiel genommen zu haben. Offenbar wollte er lieber selbst das Spiel entscheiden als das den Spielern zu überlassen. Leverkusens Torhüter Leno holte, nachdem er elf Minuten vorher schon einen Elfer verursacht hatte und dafür gelb gesehen hatte, in der 15. Minute Kölns Stürmer Ujah so von den Beinen, dass der eine sehenswerte Flugbahn beschrieb und eine Landung hinlegte, bei der sich andere alles mögliche gebrochen hätten. Kinhöfer schien das für völlig normal zu halten und gab weder Elfer noch gelb/rot. Eine spielentscheidende Situation, denn ob die Leverkusener nach einem 2:0 und zu zehnt zurückgekommen wären, ist eher zweifelhaft. Stuttgart ist auf die grandiose Idee verfallen, den Last-Minute-Retter der letzten Saison Huub Stevens wieder zu verpflichten, und prompt punktete der VfB in Freiburg mit 4:1. Huub Stevens gab die Mannschaftsaufstellung erst in allerletzter Sekunde bekannt, weil: »In der heutigen Zeit mit Twitter und Handy kommt sonst oft etwas raus.« Stevens wurde danach als Taktikfuchs gefeiert. Stürmer Harnik drückte das so aus: »Wir wussten nicht wirklich, wie wir spielen.« Und manchmal scheint das offenbar zu funktionieren, was einiges über den hohen Prozentanteil des Zufalls am Fußball aussagt. Hoffenheim gegen Hannover ging 4:3 aus und dennoch gab es zwei Verlierer. Die Hoffenheimer sagten nach dem Spiel: »Es kann nicht sein, dass wir vier Tore schießen müssen, um mit einem Tor Unterschied zu gewinnen.« Und die Hannoveraner sagten: »Wenn man auswärts drei Tore schießt, sollte man nicht verlieren.« Bremen spielte Paderborn, die zuletzt gegen den BVB sensationell einen 2:0-Rückstand egalisierten und das als größten Erfolg in der Vereinsgeschichte bezeichneten, mit 4:0 gegen die Wand, und das mit gleich drei neuen Spielern. Skripnik, der neue Trainer Bremens, testete nach der 2:0-Niederlage gegen Hamburg einen merkwürdig neuen Ansatz. Er sagte: »So wissen wir, ob die jungen Spieler schwimmen können, wenn man sie ins Wasser schmeißt.« Der HSV wiederum, der vor einer Woche noch Charakter hatte, ließ in Augsburg selbigen plötzlich vermissen, aber auch »Mentalität und Persönlichkeit«. »Diese Eigenschaften«, sagte Hamburgs Mittelfeldspieler Behrami, »kann man nicht kaufen – die hat man oder nicht.«

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Nach zwei Wochen Pause und dem zuletzt so souveränen Sieg gegen Gladbach durch das kuriose Eigentor aus 45 Metern durch Kramer, musste sich der BVB beim benachbarten Aufsteiger Paderborn beweisen, der im Vorfeld schon ordentlich tief stapelte. Dennoch war der BVB gewarnt, denn Paderborn hatte immerhin fünf Punkte mehr auf dem Konto als die Borussia. Trotzdem war ich eigentlich guter Dinge, denn viel mehr Pech geht doch eigentlich gar nicht. Und schließlich schien die Sache auch ganz nach Plan zu laufen, denn bereits in der 12. Minute kam Durm völlig überraschend auf der linken Seite einmal durch und zur Flanke, wobei der Ball genau auf dem Fuß von Aubameyang landete und von dort ins Tor prallte. Und auch sonst hatten die Dortmunder die Paderborner fest im Griff. Es gab keine besonderen Vorkommnisse, außer dass man auf den zweiten Treffer wartete, der dann auch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fiel nach einer wunderschönen Vorlage von Aubameyang auf Reus. Und alles war gut. So ein Spiel konnte man nicht mehr aus der Hand geben, dafür zeigten sich die Paderborner einfach zu limitiert, die zu genau einer Chance kamen nach Vorlage von Ginter, dem Ersatzmann von Hummels, aber Weidenfeller hielt mit einer Weltklasseparade und ließ seinen Patzer gegen Hannover wieder vergessen. Aber dann legten die Paderborner ihre Ehrfurcht gegen Dortmund ab und setzten die Dortmunder schon in der Abwehr unter Druck, und wieder erwies die sich alles andere als sattelfest. Sie ließ sich tatsächlich unter Druck setzen, statt souverän zu kombinieren. Und das machte skeptisch, bis die langsam anwachsenden Befürchtungen schließlich eintrafen und die Paderborner nach einer abgefangenen Ecke der Dortmunder sich bis in den Strafraum Weidenfellers durchkombinierten. Ohne Überzahl ließ Lukas Rupp sowohl Ginter als auch Subotic schlecht aussehen und erzielte den Anschlusstreffer. Und dann begann wieder einer dieser Tage, bei denen den Dortmundern Pech und Unglück und ein unfähiger Schiedsrichter an den Hacken klebte. Im Übereifer trat der Paderborner Bakalorz Reus um, der mit Verdacht auf Außenbandriss in diesem Jahr wohl nicht mehr auflaufen wird. Wolfgang Stark zeigte gelb statt rot. Vor zwei Jahren zeigte er sich bei einem angeblichen Handspiel von Schmelzer weniger zimperlich. Damals entschied er auf rot plus Strafstoß für Wolfsburg und das Spiel zu ungunsten für den BVB. Und auch diesmal war gegen Wolfgang Stark das Spiel nicht zu gewinnen, denn als Großkreutz zum 3:1 traf, wurde der Treffer für alle überraschend als abseits gewertet, was es aber nicht war. Auf der anderen Seite dann erzielte der kurz zuvor eingewechselte Ex-Borusse Saglik mit einem Kopfballtreffer nach einer Ecke das 2:2. Niemand störte ihn dabei. Es war ihm schon fast peinlich, dass es so einfach ging. Klar ist es schwer, mit einem Schiedsrichter wie Wolfgang Stark das Spiel zu gewinnen, der den BVB regelmäßig mit krassen Fehlentscheidungen benachteiligt, aber Dortmund hatte trotz des Schocks durch die neuerliche Verletzung von Reus die Möglichkeit, das Spiel ganz einfach zu gewinnen. Dass das nicht gelingt, wird langsam zu einem echten Mysterium, einer ausgewachsenen Psychose. Aber jetzt steht fest, dass der BVB tatsächlich im Abstiegskampf steckt, denn wer sich eine 2. Halbzeit so aus der Hand nehmen lässt, der kriegt gegen jede Mannschaft aus der Liga Probleme.

Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Diesmal war ich mir sicher, dass der Schalter umgelegt werden würde, denn es ging gegen Gladbach, die zwar einen hervorragenden Lauf haben, aber deren offensive Spielweise den Dortmundern entgegenkommt. Und auch das Spiel zu Hause gegen Galatasaray trug zu meinem Optimismus bei, denn den türkischen Meister legten die Dortmunder mit großer taktischer Disziplin völlig lahm, ließen so gut wie keine Chancen zu und wirkten in ihren Aktionen klar und zielstrebig. Ein Abend, der so völlig ohne Überraschung war, wie man es in Dortmund eigentlich kaum mehr gewöhnt ist. Immerhin gab es einen neuen Rekord, denn als Bremen gegen Stuttgart gewonnen hatte, rutschten die Dortmunder, die erst am Sonntag spielten, für 24 Stunden sogar auf Platz 18, das hieß, der BVB war die erste Mannschaft, die auf dem letzten Tabellenplatz stand, sich aber in der CL-Gruppenphase nach vier Spielen und vier Siegen bereits qualifiziert hatte. Gegen Gladbach ging dann auch alles glatt. Von Beginn an wurden die Gladbacher an die Wand gespielt. 17:0 stand es zur Pause nach Torschüssen, das Ergebnis aber hieß 0:0, weil die Dortmunder wieder einmal unglaublich fahrlässig mit ihren Chancen umgegangen waren. Es musste erst ein Gladbacher zu Hilfe kommen. Der überall als »Weltmeister« titulierte Kramer schlug aus 45 Metern einen Rückpass und lupfte den Ball sehenswert über seinen Keeper Sommer, der weit vor seinem Tor steht. Auch wenn das jetzt schon zu einem der kuriosesten Eigentore der Bundesligageschichte geworden ist, fiel das Tor doch deshalb, weil Dortmund die Gladbacher ständig unter Druck setzte und sie so zu Fehlern zwang. Aber auch danach wurde die Chancenverwertung der Dortmunder nicht besser. Und niemand hätte es gewundert, wenn die Dortmunder trotz drückender Überlegenheit noch irgendein krummes Ding bekommen hätten. Gegen Gladbach hat man in dieser Hinsicht Erfahrung, denn vor zwei Jahren ging schon mal so ein Spiel gegen Gladbach verloren und niemand konnte es anschließend glauben. Jetzt ist vielleicht endlich der Bann gebrochen, vielleicht auch deshalb, weil Klopp zum ersten Mal in der Saison die gleiche Elf aufstellen konnte, die sich immer mehr einzuspielen scheint. Es könnte also so weitergehen. Die Wechselgerüchte um Reus halten inzwischen an. Auch wenn Watzke dementiert und Dortmund ein neues Angebot unterbreitet hat, wird Reus kaum zu halten sein. Und wahrscheinlich wird er zu den Bayern gehen, denn dort ist die Wahrscheinlichkeit, Titel zu holen, auf die es Reus ankommt, am größten. Und in München kommen Robben und Ribéry in die Jahre und sind nicht mehr einfach gesetzt. Die Chancen für Reus, auch spielerisch an den Titeln beteiligt zu sein und nicht nur von der Bank aus dabei zuzusehen, ist in der Tat relativ groß. Und auch Gündogan wird sich bald verabschieden, der schon signalisiert hat, gehen zu wollen, woran ihn nur seine lange Verletzung gehindert hat. Hatte man bislang bei den Transfers immer Glück und konnte gute Spieler immer wieder hervorragend ersetzen, habe ich bei den neuen Verpflichtungen nicht den Eindruck, als sei das wirklich gelungen. Jetzt ist Schürrle, der bei Chelsea von Mourinho aussortiert wurde, im Gespräch, um Reus zu ersetzen, aber Schürrle zeigt sehr schwankende Leistungen, die Dortmund nicht wirklich weiterbringen würden. Dennoch, Dortmund hat Luxusprobleme im Vergleich zu Schalke, wo Di Matteo nach der grottenschlechten Leistung seiner Mannschaft und der Niederlage in Freiburg befürchtet, dass die auf Platz 11 stehenden Schalker »die ganze Saison hinterherlaufen«. Dabei hatten die Schalker Glück, nicht noch höher als 2:0 verloren zu haben. An der desolaten Leistung der Schalker soll jetzt Jens Keller schuld sein, der angeblich nicht genug auf die Fitness der Spieler geachtet haben soll. Und auch Leverkusen hängt in der Liga den Erwartungen hinterher. Kiessling schießt keine Tore mehr, und auch seine Kollegen verballern alles, was ihnen auf den Schlappen kommt. Das aufregendste Spiel fand in Hoffenheim statt gegen Köln. Eine Begegnung, die einen nicht wirklich vom Hocker reißen kann, aber zur Halbzeit stand es bereits 3:3, ein munteres Auf und Ab, das allerdings in der 2. Hälfte verflachte. Hoffenheim war spielbestimmend, aber Köln erzielte schließlich den Siegtreffer. Und Frankfurt fiel an diesem Spieltag die undankbare Aufgabe zu, gegen die Bayern antreten zu müssen, die sich gerade in einer außergewöhnlichen Form befinden und schon jetzt die Meisterschaft zu einer faden Angelegenheit machen. Der Eintracht muss man immerhin zugestehen, dass sie nicht schon vor dem Spiel auf Schadensbegrenzung aus war und alles gab. Es reichte aber gerade mal zu einem 4:0.

Pressschlag

Nur sieben Punkte. So wenig hatte der BVB noch nie nach zehn Spielen in der Bundesligageschichte. Da stellen sich dann Fragen nach Klopps Spielsystem. Ist es gescheitert? Haben sich die Mannschaften in der Liga inzwischen darauf eingestellt? Nein. Die Probleme liegen woanders. Dortmund hat, wie Klopp sagt, einfach „zu viele Baustellen“. Der BVB war trotz Erweiterung des Kaders nicht in der Lage, die verletzten Spieler adäquat zu ersetzen, denn fast alle Schlüsselspieler waren verletzt. Eine Vorbereitung auf die Saison war kaum möglich, weil viele Spieler erst spät von der WM wieder zurückkamen. Und wenn Spieler nach längerer Pause wieder eingesetzt wurden, dann war das häufig kontraproduktiv, denn wie Gündogan verschuldeten sie oft die Gegentore, so dass eine allgemeine Verunsicherung um sich griff. Ramos, Ginter und Immobile sind noch lange nicht integriert, und vor allem Immobile hat die Spielidee Klopps noch lange nicht verinnerlicht. Und schließlich muss man konzedieren, dass viele Spieler einfach nicht auf dem Niveau mithalten können, das Bayern hat. Es ist nicht die Spielidee, die gescheitert ist, wenn sich die Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen hinten reinstellen. Dortmund tut sich zwar schwer, hätte aber die Spiele nicht verlieren müssen. Vielleicht ab und zu ein Unentschieden zuviel, aber die Gegner konnten verlässlich darauf zählen, dass dem BVB hinten krasse Abwehrfehler unterliefen. Als Hummels in München zur Pause verletzt vom Platz musste schwante vielen, dass das spielentscheidend sein könnte, denn Hummels hatte 71% seiner Zweikämpfe gewonnen, antizipierte viel und kam seiner alten Form wieder ziemlich nahe. Guardiola nutzte diese Situation aus. Er brachte Ribéry für den blassen Götze und gab Anweisung, dass sich alle auf Subotic stürzen sollten, der seit seiner langen Verletzungspause immer noch in einem Formtief steckt und auch nur 33% seiner Zweikämpfe gewann. Die Taktik hatte Erfolg. Subotic musste beide Gegentreffer auf seine Kappe nehmen. Aber auch wenn das der entscheidende Kniff war, der die Bayern das Spiel gewinnen ließ, die Münchner waren auch insgesamt stärker und kombinationssicherer und spielten sich demzufolge auch die besseren Möglichkeiten heraus. Warum die Dortmunder allerdings in der 2. Halbzeit immer mehr unpräzise lange Bälle nach vorne schlugen und die Bayern einen Druck aufbauen ließen, dem sie dann nicht mehr gewachsen waren, ist etwas, das sich wahrscheinlich nur als Versagensangst erklären lässt, denn schließlich lagen die Dortmunder bis zur 72. Minute in Führung. Aber die mögliche Sensation verlieh ihnen nicht etwas den zweiten Atem, vielmehr verlegten sie sich auf das Halten des knappen Vorsprungs. Jetzt haben die Dortmunder ein echtes Problem, denn die Champions-League-Plätze sind bei einem Abstand von 13 Punkten in weite Ferne gerückt. Und auch wenn sich Reus nach seinem Führungstreffer auf das BVB-Emblem geklopft hat, wird er dann doch lieber dorthin gehen, wo die Aussichten auf einen Titel größer sind.

Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Der schlechteste Saisonstart der Dortmunder seit Bestehen der Bundesliga ist perfekt. Aber das war gegen Bayern München nicht wirklich verwunderlich. Bayern spielt mit Hilfe der aus Dortmund verpflichteten Stars einfach einen Fußball, den man als den besten bezeichnen muss, der z.Z. gespielt wird. Und außer Real Madrid gibt es keine Mannschaft, die auf diesem Niveau mithalten kann. Und deshalb war die Stimmung unter den Dortmunder Fans entsprechend pessimistisch. Hauptsache nicht zu hoch verlieren hieß die allgemeine Einschätzung. Am Ende aber ärgerten sich die meisten dann doch, weil die Dortmunder bis zur 72. Minute eine 1:0-Führung gehalten hatten. Und langsam begannen alle zu hoffen, vielleicht mal das Glück zu haben wie es die Hannoveraner in der letzten Bundesligapartie gegen Dortmund hatten. Aber Glück haben die Dortmunder z.Z. nicht. Und sie hätten eine Menge Glück gebraucht, damit keine der Großchancen, die sich München herausspielte, ins Tor ging. Und München spielte ziemlich viele Torchancen heraus. In der 1. Halbzeit jedoch waren die Dortmunder durchaus in der Partie, konnten sich immer wieder befreien und gefährliche Akzente setzen. Mhkitaryan traf einmal nur den Pfosten, aber die Münchner hatten bis zu 70 Prozent Ballbesitz, und der bestand nicht nur in Ballgeschiebe, sondern z.T. in glänzenden Kombinationen, die die sowieso wacklige Abwehr der Dortmunder immer wieder auf eine harte Probe stellten. Durm war auf der linken Seite gegen Robben vollkommen überfordert. Und das war vielleicht auch das entscheidende Problem, denn fast alle Angriffe der Münchner liefen über links. Als dann nach der Pause Hummels verletzt vom Platz musste und durch Subotic ersetzt wurde, schwante einigen schon, dass das eine entscheidende Schwächung sein würde, denn Subotic ist nach seiner langen Verletzung noch nicht in der alten Form und ist zudem nicht in der Lage, ein Spiel von hinten aufzubauen. Er wurde schließlich zur tragischen Figur, weil er einen in die Mitte abgewehrten Steilpass Lewandowski vor die Füsse spielte, der unhaltbar für den glänzend aufgelegten Weidenfeller ins Eck traf. Und schließlich verursachte er auch noch den Elfer gegen Ribery, der von Robben sicher verwandelt wurde. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren, als München sich häufig mit üblen Tricks und Fouls behelfen musste, um gegen Dortmund zu bestehen, und häufig genug auf die Hilfe des Schiedsrichters angewiesen war, um ein Spiel zu gewinnen, wie das CL-Finale, muss man diesmal konzedieren, dass Bayern spielerisch ungeheuer stark ist und offenbar immer noch den Druck erhöhen kann, wenn sie müssen, während man bei den Dortmundern in der 2. Halbzeit den Eindruck hatte, als ob sie platt wären. Sie fanden nicht mehr ins Spiel, und bis auf eine Szene, als Kagawa knapp das Tor verfehlte, waren sie nicht mehr in der Lage, nach vorne etwas Konstruktives zustande zu bringen. Die Dortmunder sind für den Aufwand nicht belohnt worden, hatte Klopp später gesagt, aber man hatte nicht den Eindruck, dass Bayern weniger Aufwand betrieben hätte. Jetzt spielt man zu Hause gegen Gladbach, die gerade die einzige Mannschaft ist, die die Bayern an den Rand einer Niederlage brachte. Sie werden kein Aufbaugegner sein. Und dann wird die Tatsache, dass die Champions-League-Qualifikation  in unerreichbar weite Ferne gerückt ist, das kleinste Problem sein.

Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Man hatte extra einen neuen Rasen für die Dortmunder Elf verlegt und sie durften sogar ihre erfolgreichen CL-Trikots anziehen. Vergeblich. Die Dortmunder waren in allen statistischen Belangen überlegen wie z.B. 17:7 Torschüssen, Ballbesitz, Passquote, Zweikampfquote und Abseits. Nur bei den Fouls waren sie wie immer unterlegen. Am Ende stand es 1:0 für Hannover. Bei Dortmund stand nominell die stärkste Mannschaft auf dem Platz und nach Anfangsschwierigkeiten setzten sie die stark ersatzgeschwächten Hannoveraner unter extremen Druck, aber keiner der Schwarzgelben konnte eine der klaren Torchancen verwerten. Es bewahrheitete sich die alte Weisheit von Kobra Wegmann, erst hatte man kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Während die Dortmunder in den vergangenen Spielen richtig schlecht war und auch keine wirkliche Chance herausgespielt hatten, boten sich ihnen die Möglichkeiten phasenweise im Minutentakt. Aber etwas Unhaltbares war nicht dabei oder der Ball ging vorbei oder ans Aluminium. Es war wie verhext, aber man konnte den alten Schwung und die schnellen Kombinationen wieder sehen, die das Dortmunder Spiel auszeichnen. Aber dann kam die 62. Minute, wo der schon ausgepumpte und noch nicht auf der Höhe sich befindliche Gündogan zu spät in den Zweikampf kam und einen Freistoß verursachte, den Kiyotake direkt verwandelte, weil Weidenfeller sich zu sehr auf seine Torwartecke konzentrierte. Viele andere Torhüter hätten den Ball entschärft, aber selbst auf Weidenfeller ist z.Z. kein richtiger Verlass mehr, auch wenn er kurze Zeit später zwei Großchancen der 96er vereitelte. Nach diesem erneuten Rückstand spürte man förmlich die Verunsicherung der Dortmunder, plötzlich klappten die einfachsten Bälle nicht mehr, man vertraute dem Zusammenspiel nicht mehr und versuchte es auf eigene Faust, wie Ramos, der lieber danebenschoss als den besser postierten Aubameyang zu bedienen, man rannte lieber mit dem Ball über den halben Platz wie Mkhitaryan als das Risiko eines Steilpasses einzugehen. Solche Spiele können immer wieder mal passieren, weil der Zufall verrückt spielt und die Gesetze der Wahrscheinlichkeit außer Kraft setzt. Dass das Dortmund ausgerechnet in dieser Situation trifft, ist besonders bitter. Mit der vierten Saisonniederlage in Folge ist man bereits 16 Punkte hinter den Bayern und wenn man am nächsten Spieltag gegen die Bayern antreten muss, dann sind es bereits 19 Punkte, weit mehr als die 17 Punkte, die Dortmund erklärterweise nicht mehr hinter Bayern liegen wollte. Dann steht Gladbach auf dem Plan, auch eine Mannschaft, die in der augenblicklichen Form nicht so einfach zu besiegen sein wird. Sicher werden die Dortmunder aus dem Tief auch wieder herauskommen, aber ob sie es dann noch auf einen der CL-Plätze schaffen, wird mit jeder Niederlage zweifelhafter. Dortmund wird die erste Mannschaft sein, die die Champions-League gewinnt und gleichzeitig absteigt, unken bereits einige Fans, weil niemand will, dass Dortmund irgendwo im Mittelfeld landet. Aber leider wird das immer wahrscheinlicher. Jedenfalls wächst der Druck und wie es aussieht, sind die Dortmunder Spieler dem Druck nicht gewachsen. Und der Druck ist nicht gering, denn auch der Verein ist auf die Einnahmen aus der CL angewiesen, vor allem, wenn man Spieler wie Reus und Gündogan halten will, die als nächste den Verein verlassen werden.