Die Wahrheit über den 23. Spieltag – Das 146. Derby

Als in der 78. Minute das 1:0 im Revierderby BVB gegen Schalke fiel nachdem ein vom Gegner abgeprallter Ball Aubameyang vor die Füße fiel, der ihn am Torwart vorbei in die Ecke spitzelte, da fiel allen eine Zentnerlast von den Schultern. Diesmal aber machte Aubameyang keinen Salto, sondern er lief hinter das Schalker Tor, wo er vorher unbemerkt eine Batman-Maske versteckt hatte. Aubameyang als Batman und Reus mit einer Augen-Maske als Robin. Damit lagen sie sich in den Armen und jubelten und diese ganz und gar kindische Freude war entzückend anzusehen, und diese Aktion spricht vom Selbstbewusstsein des Gabuners, weil er offenbar schon vor dem Spiel davon überzeugt war zu treffen. Allerdings, wer sollte in Dortmund sonst treffen? Bei der Ladehemmung, die die gesamte Mannschaft befallen hat. Diesmal aber sah alles ganz anders aus, auch wenn bis zum erlösenden ersten Tor fast achtzig Minuten vergehen mussten. Und ausgerechnet Aubameyang erwies sich als der größte Chancentod, immerhin versiebte er drei Hundertprozentige. 31 zu 3 Torschüsse standen am Ende zu Buche, und die drei Schüsse von Schalke trafen dabei nicht mal das Tor, während gute zehn riesige Tormöglichkeiten für den BVB sprachen. Oder eben auch nicht, denn am Ende des Spiels beschlich mich langsam das Gefühl, dass trotz der aberwitzigen Überlegenheit es ein Tag werden könnte, an dem das gegnerische Tor einfach vernagelt war. Aber das Erstaunliche war, dass die Dortmunder zu keiner Phase des Spiels nachließen, dass sie Schalke ständig unter Druck setzten oder in den Ruhephasen laufen ließen, indem sie den Ball cool in den eigenen Reihen hielten. Fast alle Spieler traten wie entfesselt auf, als hätte es nie eine Krise gegeben, in der fast alle weit unter ihren Möglichkeiten spielten. Gündogan spielte grandios und bereitete in einer sensationellen Energieleistung mit einer Flanke das 2:0 durch Mhkitaryan vor. Und der wurde dann von allen besonders gefeiert, weil ihm seit gefühlten fünf Jahren endlich wieder ein Treffer gelungen war. Alle umarmten ihn und man sah sein glückliches Gesicht aus der Masse seiner Mitspieler hervorlugen. Wie lange schon hatte ich ihm diesen Treffer schon gewünscht, weil man den Knoten förmlich spürte, der sich bei ihm in Unsicherheit und Verzagtheit niederschlug. Aber wie fast alle seine Kollegen schien er seinen verpassten Möglichkeiten nicht lange nachzutrauern, sondern er machte weiter. Und das war das Besondere. Der BVB hielt das Niveau hoch, während Schalke wahrscheinlich vollkommen überrascht war, dass es diesmal mit der defensiven Taktik Di Matteos und dem Hoffen auf gelegentliche Konter, mit denen so viele limitierte Mannschaften in Dortmund gepunktet hatten, diesmal nicht klappte. Schalkes Auftritt war unterirdisch und nicht wirklich erklärlich, denn mit ihrem Catenaccio hatten sie bislang ja durchaus Erfolg, jedenfalls mussten sie im Unterschied zum BVB nur wenige Gegentore hinnehmen. In diesem Spiel allerdings hätten es auf einmal auch acht oder sogar noch mehr Tore sein können. Wenn der BVB so weitermacht, wovon man allerdings nicht ausgehen kann, dann könnte man tatsächlich noch an den internationalen Plätzen schnuppern. So aber ist es einfach nur schön, dass man wieder weiß, wie schön sie spielen können, denn mit Kagawa, Sahin, Gündogan, Hummels, Reus, Mhkitaryan und Aubameyang hat man ein unglaublich technisches Potential.

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Mit den guten Nachrichten, die sich, wie ich vor einer Woche schrieb, in Dortmund auffällig häufen, ist es schon wieder vorbei. Dortmunder Fans solidarisierten sich mit den »Boyz Köln«, die vor einer Woche das Spielfeld gestürmt hatten mit dem Plakat »Je suis Boyz Köln«. Was für Fans das waren, darüber war nichts zu erfahren, aber innerhalb der geölten Medienmaschine mit Spielern, die mehr Gel im Haar haben als Grips im Kopf, war es immerhin eine nette Provokation. Dann ließ noch Immobile seinem Frust in der »Gazzetta dello Sport« freien Lauf, weil er nur noch auf der Bank sitzt. Obwohl er 10 bis 11 Kilometer im Spiel laufe, werde er kaum angespielt. Das ist ein wenig so wie früher auf dem Bolzplatz, als sich auch jeder darüber beschwerte, weil er nicht dauernd den Ball kriegte. Das Problem ist vielmehr, dass er offenbar immer noch nicht das Spielsystem Klopps begriffen hat. Er sieht sich als ein Einzelspieler, auf den das Spiel zugeschnitten sein muss. Dann würde er wahrscheinlich auch glänzen, wenn alles klappt, aber würde er einen schlechten Tag erwischen oder ihn jemand aus dem Spiel nehmen, dann würde das ganze Spiel darunter leiden, weshalb ein solche Spielweise nicht sonderlich zeitgemäß ist. Dass er allerdings unter der Mentalität der Deutschen leiden muss, kann ich gut verstehen, vor allem, wenn es wie in den letzten Wochen, wenig zu lachen gab, wobei ich mir nicht so sicher bin, ob die Leute in Turin, wo Immobile zuletzt gespielt hat, wirklich so viel anders sind als die Deutschen, auch wenn dort Revolten und Streiks stattfanden, wie es sie in Dortmund meines Wissens nie gab, was für die historische Psyche der Einwohner nicht ganz unerheblich ist. In Dortmund lässt sich die in einem Wort zusammenfassen: »Maloche«. Noch bedenklicher erscheint mir, dass er offenbar keinen freundschaftlichen Kontakt zu seinen Teamkollegen hat. Wenn da was dran sein sollte, dann wäre es zumindest kein Wunder mehr, dass es bei Dortmund gerade so schief läuft, auch wenn sie zum 3. Mal hintereinander gewonnen haben. Aber auch der Sieg in Stuttgart war keine große Meisterleistung, denn der VfB ist völlig von der Rolle und war kaum in der Lage, mal in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Aber es reichte zweimal dort aufzutauchen, um zwei Tore zu schießen. Und wenn Baumgartl nicht die schöne Vorlage auf Reus gegeben hätte, die der zum 3. Dortmunder Treffer nutzte, dann hätte es ein Unentschieden gegeben, egal wie verdient letztlich der Dortmunder Sieg war. Trotzdem kommen die Dortmunder langsam wieder in Tritt, aber ob es gegen Juve und Schalke reichen wird, ist noch lange nicht ausgemacht, denn das sind Gegner von einem anderen Kaliber. Erschreckend hingegen war die Leistung des für Kampl eingewechselten Mkhitaryan, dem kaum etwas gelingen wollte. Da lief ein Schatten seiner selbst auf dem Platz herum, dem fast alle Zuspiele mißlangen und der so zuverlässig beim Gegner hängen blieb wie sonst nur Großkreutz. Leider muss man konzedieren, dass die guten und aufregenden Spiele z.Z. woanders stattfinden, nämlich in Augsburg, wo es ein verrücktes 2:2 gegen Leverkusen gab, weil dem Torwart Hitz in der allerletzten Sekunde der Verlängerung der Ausgleich gelang, der hochverdient war, weil den Augsburgern ein glasklarer Elfmeter verweigert wurde und die Leverkusener um eine rote Karte herumkamen.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Die guten Nachrichten aus Dortmund häufen sich auffällig: Der Fluch des BVB mit dem schon fast in Vergessenheit geratenen Niebaum, der als Präsident sagenhafte 250 Millionen Euro Schulden angehäuft hatte, steht vor Gericht wegen Betrug. Er hat als Anwalt einfach Unterschriften gefälscht, um noch an Geld ranzukommen, das ihm niemand mehr geben wollte. Vielleicht ist das das tatsächliche Ende eines bösen Voodoo-Zaubers. Marco Reus hat sich die Ausstiegsklausel abkaufen lassen, bis 2019 verlängert und mit geschätzten acht Millionen Jahresgage plus Werbeprämien das Gehaltsgefüge des BVB gesprengt, auf das Watzke bislang so viel Wert gelegt hat, aber nun nicht mehr einhalten kann, wenn er nicht weiterhin die besten Spieler an Bayern verlieren will. Dortmund geht ins Risiko, denn es gibt noch ein paar andere Kandidaten, die mit Verweis auf Reus nun ihr Gehalt aufgebessert sehen wollen, und das alles ohne CL-Einnahmen im nächsten Jahr. Und Reus fährt nicht mehr selber Auto, sondern lässt sich jetzt von Aubameyang im Lamborghini nach Hause fahren. Und man hat gegen Mainz zum 2. Mal hintereinander gewonnen, und zwar 4:2. Das hört sich nach den alten Traumergebnissen an, aber bei genauerer Betrachtung war die Sache doch wackliger, als man nach dem Ergebnis vermuten könnte, denn nicht nur kassierte die Dortmunder Wackelabwehr nach Slapstickeinlagen von Subotic und Weidenfeller schon in der 1. Minute das 1. Tor, auch in der Folgezeit glänzten die Dortmunder nicht gerade mit großartigem Fußball, und nichts deutete darauf hin, dass sich das in der 2. Halbzeit ändern würde. Aber es änderte sich und plötzlich fielen die Tore wie reife Früchte. Vor allem die Zaubersteilvorlage von Reus mit dem Außenrist auf Aubameyang war ein Fußballmoment von einem anderen Stern. Schon allein dieser kleine Augenblick versöhnte mit vielen bitteren Stunden. Immer noch aber ist die Abwehr ein Torso und für ein oder zwei Tore gut, d.h. die Offensive muss immer mindestens drei Tore schießen, damit der BVB am Ende gewinnt. Das könnte schwierig werden, ist aber nicht hoffnungslos. Das Problem ist, dass man mit Sahin und Gündogan zwei Spielgestalter auf der sechs hat, die nicht die Abräumermentalität eines Kehl oder Bender haben, die vor der Abwehr der Viererkette etwas das Leben erleichtern. Jedenfalls ist alles wieder offen. Aber es ist noch lange nicht alles in Butter und schon die nächste Partie gegen Stuttgarter, die mit dem Rücken zur Wand stehen, wird zeigen, ob die Dortmunder auch gegen solche Gegner bestehen können. Und sonst? Die Minikrise der Bayern ist schneller abgeklungen als sie überhaupt gekommen ist. Gegen völlig überforderte Hamburger feierten sie mit 8:0 ein Schützenfest und man konnte wieder den selbstgefällig grinsenden Robben sehen, der sich gleich den rechten Schuh putzen ließ, weil er mit dem auch mal getroffen hat. Aber nicht in München, sondern in Leverkusen fand das torreichste Spiel des Tages statt. 4:5 stand es am Ende gegen Wolfsburg, die in der 1. Halbzeit mit einem 3:0-Vorsprung wie die sicheren Sieger aussahen, bevor Leverkusen in der 2. Halbzeit noch den 4:4-Ausgleich schaffte. Erst mit dem letzten Angriff der Wolfsburger köpfte Dost seinen 4. Treffer in diesem Spiel und stürzte die Leverkusener in einen Abgrund der Verzweiflung. Nicht zu vergessen die 1:0-Niederlage der Schalker in Frankfurt. Die war auch schön.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Hat man bei 3:0 in Freiburg wieder den alten BVB gesehen? Es sah jedenfalls so aus. Allerdings hat Freiburg einen schwarzen Tag erwischt. Das sind alles Dinge, die sich nicht rational erklären lassen, denn die letzten beiden Spiele der Freiburg waren beeindruckend. Warum der Freiburger Frantz gleich in den 9. Minute einen Pass zu seinem Torwart spielt, der zu einer genauen Vorlage für Aubameyang wird und zum 1:0 durch Reus führt, wird niemand verstehen. Nicht nur, dass das eigentlich bislang eine Spezialität der Dortmunder war, auch sind solche Bälle unerklärlich, wenn sie aus einer völlig unbedrängten Situation heraus gespielt werden. Sicher, die Dortmunder spielten Pressing und liefen die ballführenden Spieler an, aber wie man sich aus solchen Situationen löst, ist ja wohl Bestandteil eines jeden Trainings. Dennoch, es lässt sich nicht alles mit einem schlechten Tag der Freiburger erklären. Die Dortmunder haben diesmal mit Kagawa, den man schon in der Versenkung hat verschwinden sehen, wieder ordentlich Wirbel veranstaltet, und wenn man das 3:0 gesehen hat, dann war man fast wieder mit all den schlimmen Niederlagen versöhnt, denn dem Tor ging eine die Freiburger völlig verwirrende Kombination über sechs, sieben Stationen voraus bis zum freistehenden Aubameyang, der immer noch der Coolste im Torabschluss ist, während Immobile sich diesmal nicht mal im Kader befand. Kaum zu glauben, wenn Klopp sagt, er habe nur an »kleinen Stellschrauben gedreht«, so unterschiedlich war das Spiel im Vergleich mit dem letzten gegen Augsburg. War es wirklich nur das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das gefehlt hat und diesmal vorhanden war? Jedenfalls könnte das tatsächlich der Wendepunkt gewesen sein, denn diesmal gab man das Spiel nicht mehr aus der Hand wie gegen Paderborn, diesmal war wieder so etwas wie Spielfreude zu erkennen. »Es reicht nicht«, sagte Klopp, »wenn nur ich an die Spieler glaube. Die Spieler müssen auch selbst an sich glauben. Das haben sie heute gut gemacht.« Auch wenn man weiß, dass Vorhersagen im Fußball nicht sehr zuverlässig sind, Dortmund hat jetzt die Chance, gegen Mainz mit dem zweiten Sieg in Folge dieses in Freiburg aufkeimende Selbstbewusstsein zu stabilisieren, denn Mainz verlor zu Hause gegen eine Hertha, die nach drei Niederlagen zuletzt völlig von der Rolle und ein leichtes Opfer schien. Aber Mainz spielte ohne Druck und Tempo, und so lässt sich auch eine Mannschaft nicht schlagen, die einen Manager hat, der mit der Trainerentlassung von Luhukay wieder einmal nur seine eigene Unfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Jedenfalls ist Dortmund wieder dran, und das nächste Spiel wird richtungsweisend sein, denn man muss auch wieder die Fans zurückgewinnen, die nach langer Leidenszeit zuletzt zu Hause gegen Freiburg zum ersten Mal die Schnauze voll hatten und riefen: »Wir wolln euch kämpfen sehn.« Am Kampf jedoch lag es am allerwenigsten, denn die Spieler gaben ja alles, sie waren nur nicht in der Lage, vernünftig zusammenzuspielen. Und sonst? Hamburg gewinnt durch zwei abgefälschte Tore unverdient gegen Hannover. Bayern schießt zweimal aufs Tor und gewinnt 2:0 gegen bessere Stuttgarter, und niemand weiß, warum das so ist. Und Schalke grätschte und ackerte sich gegen Gladbach zu einem dreckigen 1:0.

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Der Alptraum nimmt kein Ende. Herr Dobler aus Augsburg wäre vorher mit einem 4:4 zufrieden gewesen, aber er wusste nicht, wie Dortmund in den letzten Spielen aufgetreten war. Dortmund galt als haushoher Favorit, aber ich wusste es besser und war zumindest skeptisch. Außerdem hatte Augsburg immer wieder aufs Neue bewiesen, dass sie oben mitspielen können und inzwischen sogar auf dem CL-Qualifikationsplatz stehen. Es war also klar, dass Augsburg aus einer kompakten Deckung heraus nur auf die Fehler der Dortmunder warten würde, genau das Konzept, gegen das Dortmund einfach kein Mittel findet. Aber Augsburg kann auch noch mehr. Sie hatten sich mehr klare Möglichkeiten als die Dortmunder und deshalb war der Sieg auch verdient. Dortmund spielte in seiner nominell stärksten Aufstellung. Gündogan und Sahin waren wieder dabei, und vorne tummelten sich Aubameyang, Reus und Kampl, später Kagawa und Mkhitaryan. Alle sind fit, wie Klopp noch einmal betonte. Zumindest daran liegt es also nicht mehr, wie noch am Anfang dieser Saison, als keine vernünftige Vorbereitung möglich war. Und dennoch: Es läuft nichts mehr zusammen, was man zu sehen bekam, war von erschreckender Hilflosigkeit, und als man am Ende in die Gesichter blickte, da sah man Verzweiflung, Niedergeschlagenheit und Ratlosigkeit. Jeder einzelne ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Schmelzer schlug sensationelle Luftlöcher, ließ sich den Ball durch die Beine schieben, niemand traute sich etwas zu. Und so kam wieder ein kurioser Treffer zustande. Altintop spazierte durch die gesamte Abwehr, bis Schmelzer in einer letzten Rettungsaktion den Ball Bobadilla vor die Füße spitzelte, der sich diese astreine Vorlage gar nicht entgehen lassen konnte, obwohl er einen Ruf als Chancentod zu verteidigen hat. Und auch der Platzverweis des Augsburgers Jancker in der 64. Minute und die zahlenmäßige Überlegenheit in der letzten halben Stunde trug nicht dazu bei, dass der BVB in irgendeiner Weise souveräner aufgetreten wäre. Das Rätsel bleibt. Der Schrecken nimmt kein Ende. Jetzt geht es nach Freiburg, dem direkten Abstiegskonkurrenten, der allerdings gegen Gladbach weit besser aufgetreten ist und nur unglücklich verloren hat. Wie überhaupt keine einzige Mannschaft in der Liga derzeit solche desolaten Leistungen zeigt wie der BVB. Der steht so schlecht da wie noch nie, sieht man von der Saison ab, als sie abgestiegen sind. Immerhin sind sie in der Rückrunde bisher auch nicht schlechter als Bayern, die ebenfalls nur einen Punkt aus zwei Spielen gezielten. Allerdings gegen gut aufgelegte Wolfsburger und gegen ein unfähiges Schalke, die mit einem Mann mehr fast über die gesamte Spielzeit, und einem Elfer, den Choupo-Moting quasi wie einen Rückpass auf Neuer schoss, ein sehr unglückliches Unentschieden herausholte. Jetzt quält Guardiola die Vision, es könne den Bayern so ergehen wie den Dortmundern, und daran sieht man, dass auch fähige Trainer sich um möglichst große Geistesverlassenheit bemühen. Selbst Bremen trumpfte mit einem Auswärtserfolg in Hoffenheim auf, Frankfurt bewies mit einem Remis gegen Wolfsburg, dass die Pleite in Freiburg nur ein Ausrutscher war, und Hamburg setzte sich mit einem 3:0 in Paderborn auf Platz 13 ab. Nur Stuttgart, Berlin und Freiburg halten den Dortmundern da unten noch die Treue.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Die Vorbereitung sei ganz prima gewesen. Endlich mal drei Wochen am Stück mit allen Spielern an Bord. Das Ergebnis jedoch ist mager. Im Testspiel gegen Düsseldorf vergangene Woche konnte man wieder die üblichen Symptome der Dortmunder Krankheit bewundern. Ein missglückter Pass von Hummels in die Beine des Gegners bescherte den Düsseldorfern gleich eine hundertprozentige Chance. Und aus einer ganz normalen Spielsituation heraus hebelten die Rheinländer mit drei/vier einfachen Pässen die Dortmunder Abwehr aus und erzielten das 1:0. Wenn so eine gute Vorbereitung aussieht, wie sieht dann eine schlechte aus? Für das Spiel gegen Leverkusen war also nichts gutes zu erwarten. Und tatsächlich neutralisierten sich beide Mannschaften in einem Kampfspiel, in dem die Qualität auf der Strecke blieb. Beim BVB wurde eine Fehlpassquote von 54 Prozent gemessen. Und auch Leverkusen machte es als Champions-League-Aspirant nicht wesentlich besser. Die Abwehr der Dortmunder lässt sich nach wie vor leicht ausspielen, was man in einigen Situationen merkte, von denen es Gottseidank nicht viele gab. Klopp war dennoch zufrieden, denn es ging ihm um Stabilität, und die scheint es nur bei einer hohen Passungenauigkeit zu geben, d.h. die Dortmunder bolzten die Bälle aus Gründen der Sicherheit einfach nach vorne oder anders ausgedrückt, sie versuchten, möglichst schnell das dichtgestaffelte Mittelfeld zu überbrücken. Der Abstiegskampf wurde in diesem Spiel Wirklichkeit. Die gute Nachricht: Dortmund hat ihn angenommen. Die schlechte Nachricht: Es geht auf Kosten der Attraktivität. Und eigentlich mag man solche Spiele nicht sehen. Vor allem dann nicht, wenn man weiß, was möglich wäre. Kevin Kampl, für 12 Millionen von Salzburg gekommen, hat sich immerhin gut in das Spiel des BVB eingefügt. Er ist noch mehr gerannt als Großkreutz und setzte zu 36 Sprints an. Das Problem aber bei all dem Gerenne: Es ist nicht mehr effektiv wie früher einmal. Eher schon hat man das Gefühl, dass sie damit ins offene Messer laufen, denn statt dem Gegner den Ball abzujagen, eröffnen sie ihm Räume. Immerhin ein Punkt, und damit tröstet sich auch Klopp, denn auch in den Hochphasen war man nicht unzufrieden, wenn man in Leverkusen einen Punkt mitnahm. Allerdings hat Freiburg mit einem 4:1 gegen die Eintracht, die ein Blackout hatten und einen sicheren Sieg verspielten, nun den BVB überholt und ihm den letzten Platz überlassen. Und dieser Absturz ist einzigartig. Selbst Manchester United unter van Gaal hat sich wieder auf Platz 3 vorgearbeitet und deren Untergang hatte ich für viel wahrscheinlicher gehalten. Immerhin also ein Punkt und keine 4:1 Klatsche, wie sie die Bayern in Wolfsburg bekamen. Leider, denn von mir aus kann Bayern gegen jeden verlieren, aber doch nicht gegen Wolfsburg, gegen eine ordinäre Automarke, die sich einen Verein hält wie ein Maskottchen und von Steuergeldern alles kauft, was der Markt so bietet, so lange es so bieder und angepasst ist wie ein rot- und pausbäckiger Belgier oder ein Trainer, der den VW-Chefs so tief in den Enddarm kriecht, dass nicht mal mehr der Trainingsschuh herausschaut, und dabei die Bayern auf unterwürfige Weise anfleht, ihn doch bitte wenigstens Zweiter werden zu lassen, was sich nur als Bewerbungsschreiben für den Posten als nächster Cheftrainer verstehen lässt.

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Seit Wochen schon laufen ein paar Fans in der Respect-Bar mit Krücken herum. Ein Sinnbild für die Lage des BVB. Und Freund Wiglaf sagte seinen Besuch in der Bar ab, weil er kein gutes Gefühl hatte. Darauf ist zwar nicht immer Verlass, denn gegen Wolfsburg hatte er einen »Zwanni« auf den BVB gesetzt, war aber immerhin nah dran, wenn Kehl nicht diesen Aussetzer gehabt hätte und Naldo nicht kurz vor Schluss… Ich hatte auch kein gutes Gefühl, ging aber trotzdem, wahrscheinlich weil ich mir im Innersten meines Herzens trotzdem Hoffnungen auf die schlechteste Abwehr der Liga, nämlich Bremen, machte. Aber wenn Dortmunds Abwehr an diesem Tag so stabil gewesen wäre wie die von Bremen, dann hätte es vielleicht wenigstens ein Unentschieden gewesen, und in dieser Verfassung muss man bei Dortmund für jeden Punkt dankbar sein. Gegen Bremen bewahrheiteten sich jedenfalls die schlimmsten Befürchtungen. Dortmund spielte pomadigen Sicherheitsfußball, der schon in der 3. Minute ad absurdum geführt wurde, als Hummels durch einen Stellungsfehler den U19-Spieler Selke ziehen ließ, der mit einer Coolness verwandelte, die keiner der Dortmunder auch nur annähernd hinkriegen würde. Aber auch danach änderte sich nicht der Stil. Kein schnelles Umschalten, sondern langsames Sich-nach-vorne-tasten, bis man irgendwann im dichten Abwehrnetz der Bremer den Ball verlor, die den Dortmundern ein ums andere Mal vormachten, wie man schnell nach vorne spielt. Der BVB hatte in der ersten Halbzeit so gut wie keine Chance, nur einige Schüsse aus der zweiten Reihe, die meilenweit neben das Tor gingen. Niemand strahlte so etwas wie Gefahr aus. Kam der Ball auf die Flügel stoppten Piszczek und Schmelzer beim Gegner regelmäßig ab und spielten zurück. Es gab keine Kombinationen, schon gar keine überraschenden, nur ein Ballkreiseln, mit dem man sich bis zu 70 Prozent Ballbesitz erarbeitete, das mehr ein bräsiges Ballverwalten war. Auch beim 2:0 wurde Hummels im entscheidenden Moment von Selke ausgespielt, der dann eine sehenswerte und genaue Flanke spielte, bei der Bartels nur noch den Fuß hinhalten musste. Auch wenn Hummels seine Schnitzer mit einem Kopfballtor nach einer Ecke zumindest zur Hälfte wieder gutmachte, es war ein spielerischer Offenbarungseid, den der BVB da leistete. Und Hummels war es dann auch, der dann deprimiert bekannte: »Eine Garantie dafür, dass es besser wird, gibt es nicht.« Klopp setzt jetzt auf die Winterpause, in der ein paar Verletzte wieder zurückkommen könnten und in der danach, wie Klopp meinte, es wesentlich schwieriger wird, Dortmund zu schlagen. Die entscheidende Frage aber ist, wie bringt man wieder das Spielerische und das Leichte ins Spiel der Dortmunder zurück? Wie knackt man die Verunsicherung, die Ängstlichkeit, die Depression? Vier Punkte hat Dortmund in der Vorrunde auswärts geholt. So wenig wie noch nie. Und die Hälfte aller Mannschaften, die die Vorrunde mit 15 Punkten abgeschlossen haben, sind am Ende dann auch abgestiegen. Es besteht also eine 50-prozentige Wahrscheinlich, nicht abzusteigen. Dafür müssten sich einige Dinge ändern, von denen ich nicht weiß, wie sich das bewerkstelligen lässt. Klopp ist nicht zu beneiden, denn niemand weiß, wie Dortmund aus diesem Loch wieder herauskommen kann. Auch Klopp nicht, von ihm aber wird es erwartet.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Kaum spielt Dortmund gegen eine Mannschaft in der oberen Tabellenregion, sieht das Ganze schon wesentlich besser aus. Gegen den Zweiten Wolfsburg hatte man schon in den guten Zeiten manchmal schlecht ausgesehen, aber diesmal waren die Dortmunder nicht ängstlich und zögerlich wie in dem katastrophalen Spiel gegen Hertha, sondern setzten die Wolfsburger früh unter Druck, denen dann auch prompt Fehler unterliefen, die Immobile allerdings nicht zu nutzen wusste. Immobile allerdings machte diesmal sein bestes Spiel für Dortmund, war ein ständiger Unruheherd und gewann für einen Stürmer sensationelle 70 % seiner Zweikämpfe, es gelang ihm sein erster Assist, eine präzise Flanke auf Aubameyang, die der nur noch über die Linie zu drücken brauchte, und Immobile gelang durch einen Gewaltschuss in die Ecke auch das 2. Tor für die Dortmunder. Er hatte noch ein paar tolle Szenen mehr, scheiterte aber unglücklich am Wolfsburger Keeper. Den Wolfsburgern hingegen, die trotz des Pressings und vereinzelter Fehler ruhig blieben und mit De Bruyne einen Mann hatten, der durch kluges und präzises Passspiel die Dortmunder Abwehr in unangenehme Situationen brachte, reichten zwei Standardsituationen und zwei Fehler, um zu einem Unentschieden zu gelangen. Der erste Fehler unterlief dem Weidenfeller-Ersatz Langerak, der einen in die Torwartecke geschlagenen Freistoßball zu spät sah, was ihn nicht gut aussehen ließ. Beim späten Ausgleichstor (85. Minute) war es Kehl, der Naldo bei einer Ecke aus den Augen verlor, so dass der völlig unbedrängt einköpfen konnte. Diese Fehler sind den Dortmundern früher nicht unterlaufen, vielleicht wurden sie auch nicht immer so prompt bestraft wie zur Zeit, und umgekehrt gelingt es den Dortmundern nicht, die Fehler des Gegners so konsequent auszunutzen, wie es nötig wäre, um eine Mannschaft wie Wolfsburg zu bezwingen. Der nächste Gegner jedenfalls wird nicht so einfach sein. Der heißt Bremen, ist Tabellenletzter und wird durch eine kämpferische Mauertaktik den Dortmundern ein Spiel aufdrücken, mit dem sie nicht umgehen können. Und wenn alles so läuft wie bislang, können sich die Bremer darauf verlassen, dass die Dortmunder mindestens für ein Tor ins eigene Netz gut sind. Dann würden die Dortmunder möglicherweise auf dem letzten Tabellenplatz überwintern, wenn Freiburg zu Hause gegen Hannover gewinnt, was nicht ganz so unwahrscheinlich ist. Der Abstiegskampf hat jetzt richtig angefangen. Und dafür ist Immobile möglicherweise genau der richtige Mann, denn um aus dem Tabellenkeller zu kommen braucht man einen Wühler, der »mit dem Messer zwischen den Zähnen« (Immobile) in die Zweikämpfe geht. Und insofern war die Verpflichtung des Italieners gar nicht so schlecht wie ich bislang vermutet habe. Vielleicht braucht Dortmund dringend die Winterpause, um sich neu zu sortieren und ein paar Spielabläufe neu einzustudieren, die aus welchen Gründen auch immer verloren gegangen sind. Langsam gerät das spektakuläre Absacken der Dortmunder aus den Schlagzeilen und wird zur Meldung, die niemanden mehr verwundert. Dafür hat sich jetzt Reus wieder zurückgemeldet. Mit einem Strafbefehl von 540.000 Euro für Fahren ohne Führerschein mit einem Aston Martin bessert er die leere Kasse der Dortmunder Stadt nicht unerheblich auf. Der BVB ist einfach für alles zuständig.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Langsam wird es gruselig. Hatte ich bisher die Einschätzung, die viele teilten, dass der BVB zwar in einer Krise steckt, aber viel zu gut ist, um ernsthaft gegen den Abstieg spielen zu müssen. Spätestens nach dem Spiel in Berlin kann man sich von diesem Glauben verabschieden. Denn wenn selbst Platz 1 in der CL-Gruppe und ein verdienter Sieg zuletzt gegen Hoffenheim nicht ausreicht, um wieder ein wenig Selbstbewusstsein zu tanken und wieder auf die Gewinnerspur zurückzufinden, dann sitzt der Knacks tatsächlich tiefer als angenommen. Vor allem, weil wieder der inzwischen vertraute Spielablauf stattfand mit einer Absehbarkeit, die zutiefst deprimierend war, denn inzwischen wissen alle Vereine, die gegen den Abstieg spielen, mit der gleichen Taktik gegen den BVB zu punkten. Und Hertha setzte diese aufopferungsvoll und kämpferisch um in einem ihrer besten Spiele. Und eigentlich müssten die Berliner wegen Wettbewerbsverzerrung belangt werden, denn gegen Bayern ergaben sie sich wehr- und kampflos ihrem Schicksal. Gegen den BVB aber sehen inzwischen alle Vereine ihre Chance und nutzen sie auch, weil sie wissen, dass der BVB vorne nicht trifft und hinten dem Gegner verlässlich ausreichend Chancen einräumt. Obwohl Hummels wieder dabei war, ebenso wie Gündogan, wirkte das Dortmunder Spiel ohne Inspiration und hilflos. Man fühlte die Angst, nicht in einen Konter zu laufen, das engmaschige Abwehrnetz der Herthaner verunsicherte die Dortmunder, und deshalb schob man sich in der Abwehr viel den Ball hin und her. Die alte Viererreihe aus den Erfolgsjahren stand wieder auf dem Platz, aber sie wirkte nicht sicher. Immer wieder sah man den ballführenden Dortmunder hilflos die Hände heben, weil er nicht wusste, wen er anspielen konnte. Und dann fiel auch noch frühzeitig Mhkitaryan wegen einer Muskelzerrung aus, immerhin einer der Kreativen, der gegen Anderlecht allein vier Großchancen vertat. Und als Subotic den eingewechselten Kuba aus reiner Verlegenheit anspielte, obwohl der von Berlinern umringt war, kam Hertha zum Konter und der Ex-Borusse Schieber zum Tor des Tages und zwar mit einer Souveränität, mit der er bei Dortmund nie aufgefallen ist. Das alles ist so absurd, dass man nur ungläubig staunen kann. Der BVB jedenfalls wirkt wie ein Schatten früherer Tage. Nichts mehr zu sehen von schnellen Kombinationen, überraschenden Tricks oder überfallartigen Attacken. Nur ängstliches Bemühen, den Ball nicht zu verlieren, was dann genau zum Gegenteil der Absicht führt. In der ersten Hälfte spielte Dortmund keine einzige Chance heraus, während Hertha auch ein zweites Tor hätte erzielen können, und als dann die Niederlage näher rückte, vergab Immobile gleich eine Hunderprozentige. Am Ende standen die Spieler und der Trainer minutenlang vor den Fans und ließen die Köpfe hängen, konsterniert und fassungslos ob ihrer eigenen Leistung, von der inzwischen auch die angesteckt werden, die bisher noch am konstantesten gespielt haben wie Aubameyang. Wie man aus diesem Loch wieder herauskommt, weiß niemand, denn das teuflische an dieser Abwärtsspirale ist, dass ein Erfolgserlebnis allein nichts hilft. Der Misserfolg steckt bei jedem Spieler offenbar so in den Knochen, dass sogar das einfachste nicht mehr klappt, und fassungslos muss man kuriose Fehlpässe, unerklärliches Stellungsspiel und lächerliche Schüsse mit ansehen.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Fup (5 Jahre) fragte mich, ob der BVB auf dem letzten Platz stünde, einer seiner Kita-Freunde hätte ihm das gesagt. Ich habe gesagt, dass der doch keine Ahnung hätte. Aber dann verlor der BVB in Frankfurt in einem hektischen Spiel, in dem der BVB kopflos anrannte und sich dann Gegentore aus dem »Kuriosentätenkabinett« leistete. Und gerade die Szene zum 2:0 sagte alles über den gegenwärtigen Verunsicherungszustand der Dortmunder, denn als ein Befreiungsschlag Richtung Dortmunder Tor ging, war der Ball lange in der Luft, und jeder konnte sehen, dass Ginter den Ball zuerst haben würde. Trotzdem lief Weidenfeller aus dem Tor, als wolle er selber klären. Ginter hingegen konzentrierte sich nur auf den Ball, ohne zu gucken, wo seine Mitspieler standen. Und das sind Dinge, die man schon ganz früh beigebracht bekommt. Aber auch die klappen nicht mehr beim BVB. Und deshalb standen die Vorzeichen gegen Hoffenheim nicht sehr gut, vor allem, weil man gegen Hoffenheim meistens schlecht aussah und man vor ein paar Jahren dafür verantwortlich war, dass Hoffenheim in letzter Sekunde doch noch den Verbleib in der Liga schaffte. Nun aber kehrte Hummels zurück, der der Abwehr wieder Stabilität verlieh, Weidenfeller wurde ersetzt, und für den blassen Kagawa spielte Gündogan, der prompt sein bestes Saisonspiel zeigte. Dennoch war es vor allem in der ersten Halbzeit ein Kampfspiel mit vielen harten Zweikämpfen, ein unsortiertes Hin und Her mit weiten Bällen. Nach einer tollen Flanke von Aubameyang flugköpfte Gündogan das 1:0 und das war verdient, denn die Hoffenheimer kamen nicht zu einer einzigen Chance. Nach der Pause kam dann nicht der befürchtete Einbruch, sondern Dortmund kombinierte immer besser und hatte einige Chancen. Eine davon führte zu einem regulären Kopfballtor durch Aubameyang, das der Schiedsrichter jedoch wegen Abseits nicht anerkannte, wobei das keine knappe Entscheidung war, sondern ein deutliches Nicht-Abseits. Das zweite Tor im dritten Spiel, das für die Dortmunder nicht gegeben wurde. Ein weiteres, sehr knappes Abseitstor wurde ebenfalls abgepfiffen, und wenn der Schiedsrichter da geirrt hätte, hätte niemand etwas sagen können. Als Elyounoussi in der 85. Minute von Subotic im Strafraum umgegrätscht wurde, erwartete jeder, dass schon wieder das Spiel auf den Kopf gestellt werden würde, aber der Pfiff blieb merkwürdigerweise aus. Jedenfalls machte Dortmund in der Tabelle einen gewaltigen Satz nach vorne und ich konnte Fup beruhigen. Nicht dass ich mit dieser Lüge ein Problem gehabt hätte, aber es fühlt sich auch für einen selbst besser an, wenn Dortmund sich nicht mit Mannschaften herumtreibt wie Hamburg oder Stuttgart, die Schalke Gelegenheit geben, ihr Torverhältnis aufzupolieren. Nur Favre macht gerade Spaß, der sich nach dem 3:2 gewonnenen Spiel gegen Hertha mit dem TV-Mann von Sky anlegte, der immer wie ein mutiges Eichhörchen aussieht und solche Fragen stellt wie »Warum wurde es am Ende eng?« Favre sagte: »Sie sind verrückt mit Ihren Fragen.« Und da lag Favre gar nicht so verkehrt. Er war allerdings vor allem deshalb so aufgebracht, weil Gladbach dreimal hintereinander verloren hatte und bereits gehörig unter Druck stand, während der bescheuerte Hecking meinte, Wolfsburg hätte vielleicht dann eine Chance auf die Meisterschaft, wenn Bayern nur noch zu siebt spielen dürfte.